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07.05.2018

Earthworks CMK4 CloseMic Kit Test

Schlagzeug-Mikrofonset mit Earthworks DM20

Toms und Snares in HD

Der Blick in edle High-End-Studios lässt insbesondere Drummer oft vor Neid erblassen. Was sich an Mikrofonen an und um den Schlagzeugen tummelt, erreicht nicht selten den Wert eines neuen Mittelklassewagens. Da hängen alte AKG-C12-Großmembraner über dem Set, der Raum darf gerne von nicht minder raren Bändchenmikros aufgezeichnet werden und selbst das Bassdrum-Resonanzfell „atmet“ seine Schwingungen am liebsten in ein Neumann U 47 fet. Nur bei den Closemics darf sich auch der blutige Amateur mit Stolz seiner bescheidenen Sammlung erfreuen. Dort hängen nämlich oft dynamische Modelle der 100-Euro-Klasse wie das Shure SM57 oder das Sennheiser MD 421. Glaubt man der Firma Earthworks, gibt es hier allerdings großes Potenzial für Verbesserungen. DM20 heißen die im Jahre 2017 vorgestellten, auf höchste Präzision und Klangtreue getrimmten Close Mics für Snaredrums und Toms. Das Viererset mit Koffer nennt sich CMK4.

Zur Philosophie von Earthworks gehört es, ein Audiosignal möglichst neutral und verzerrungsfrei zu übertragen. Dieser Ansatz zieht sich durch die gesamte Produktpalette und geht zurück auf den Gründer David Blackmer. Der 2002 verstorbene Ingenieur und Tontechniker war nämlich nicht nur Spezialist für Mikrofone, sondern auch der Entwickler der bekannten Tape-Rauschunterdrückung dbx sowie Inhaber der gleichnamigen Firma. Mit der Erweiterung von Dynamik und Übertragungsbereichen bei gleichzeitiger Minimierung von Verzerrungen beschäftigte sich der Audiopionier zeitlebens. Ob das Konzept maximaler Neutralität und Impulstreue den Klang von Toms und Snaredrums in ungehörte Sphären befördert, lest ihr im Folgenden.

Details

In puncto Verarbeitung geht es hochwertig zu

Im großen, roadtauglichen Kunststoffkoffer liefert Earthworks das CMK4-Set aus, trotz der Auslegung auf höchste Klangqualität im Studio sollen sich die Mikrofone nämlich auch als Arbeitstiere im Livebereich bewähren. Zweifel daran verflüchtigen sich spätestens bei der Begutachtung der vier DM20-Schallwandler, deren Verarbeitung fällt nämlich äußerst solide und edel aus. Sowohl die Mikrofonkapsel als auch das Speiseteil sitzen in Gehäusen aus gebürstetem, rostfreiem Stahl, verbunden sind beide Komponenten durch einen zwölf Zentimeter langen Schwanenhals. Dieser ist relativ schwergängig, dadurch sollen auch kräftige Sticktreffer nicht zu Positionsänderungen führen. Sehr stabil wirken auch die vier RM1-Spannreifenhalterungen. Ihr grundsätzliches Design ist von anderen Miniaturmikrofonen wie beispielsweise dem Shure PGA98D bekannt, allerdings verwendet Earthworks eine Metallkonstruktion, welche sich per Rändelschraube an die verwendeten Spannreifen oder RIMS-Systeme anpassen lässt. Dafür sorgen zwei unterschiedlich gesetzte Einkerbungen im Konterpart der Rändelschraube, die insgesamt drei Positionen zulassen. So sollen die DM20 an allen Spannreifen sicher befestigt werden können. 

 

 

Für Close Mics besitzen die DM20 einen hohen Output

Technisch handelt es bei unseren Testobjekten um Miniatur-Kondensatormikrofone, die mit einer reduzierten Empfindlichkeit auf den Einsatz als Close Mics an Trommeln getrimmt wurden. Acht mV/Pa gibt das Datenblatt hier an, was absolut gesehen schon ein recht hoher Wert ist. Zum Vergleich: Ein dynamisches Shure SM57 besitzt 1,6 mV/Pa. Mit 150 dBSPL können die DM20 trotzdem gefahrlos an jeder noch so laut gespielten Snaredrum eingesetzt werden. Als besondere Eigenschaft hebt Earthworks die lineare, aber trotzdem „Larger than life“-Charakteristik der Nieren-Schallwandler hervor. Gleichzeitig sollen die Kapseln über eine besonders gute Richtwirkung verfügen und nur wenig rückwärtig einfallenden Schall übertragen. Als besondere Stärke wird auch eine besonders zügige Transientenwiedergabe angegeben, begünstigt einerseits durch das Fehlen eines Transformators, andererseits durch die Bauweise mit sehr kleiner und leichter Membran. Ein kondensatortypischer Frequenzbereich von 50 bis 20000 Hz sowie ein topfebener Frequenzgang ohne jegliche Betonungen oder Absenkungen soll die Fähigkeit unterstreichen, die Quelle tatsächlich so aufzuzeichnen, wie sie ist. Mit diesen Informationen und Eindrücken bin ich jetzt natürlich besonders gespannt, wie das CMK4-Set wohl klingt. 

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