dreadbox
Test
3
22.11.2018

Praxis

Mehr Möglichkeiten: Drei statt zwei Oszillatoren

Größter Unterschied zum Erebus 2 ist die Anzahl an analogen Oszillatoren. Erebus V3  verfügt nun über drei komplett analoge VCOs, die ihn noch vielseitiger machen. Wie Yannis von Dreadbox mir auf der Superbooth bereits bestätigte, sind hier die gleichen Oszillatoren verbaut wie bei seinem Vorgänger: Sägezahn- oder Rechteckschwingung, Tune, Oktavlagen 8', 16' oder 32’ mit Glide-Funktion für VCO 1 und Sägezahn- oder Dreiecksschwingung, Tune, Oktavlangen 4', 8' oder 16’ mit Glide-Funktion für VCO 2. Auch befindet sich hier ein Mixer, jedoch in Form eines Schiebereglers. Nach links ist nur VCO 1 hörbar, Mittelstellung beide VCO’s gleich laut, und nach rechts ist nur VCO2 hörbar. Die Pulsbreiten-Modulation hat sich zur zweiten Generation auch nicht verändert und muss weiterhin im Patchfeld verkabelt werden. Hinzugekommen ist aber Ringmodulation, die aber keine Simple ist, sondern als Triple Ring Mod bezeichnet wird. Hierfür stehen zwei unterschiedliche Schieberegler in der OSC 1 & 2 Sektion bereit. 

So kontrolliert der Slider 1/2 das Verhalten der Modulation zwischen OSC1 und OSC 2, Slider 1/3 kontrolliert hingegen die Modulation zwischen OSC 1 und OSC3. Die erste Ringmodulation arbeitet mit einer Dreieckschwingung von OSC2 und die Zweite mit einer Sinus-Welle von OSC3. Neben diesen Beiden ist es auch möglich, beide Ringmodulationen zusammen zu verwenden. Wie üblich bei dieser Art der Modulation, wird der Sound metallischer und schärfer. Nutzt man in der 1/2 Einstellung eine Pulsbreite und moduliert man diese, so kann man die scharfen Sounds noch verdicken, was vor allem für Bass-Sounds vorteilhaft ist.

Auch ist es möglich die Triple Mod Funktion ohne Soundgenerator zu benutzen (Oszillatoren mittels Kippschalter ausschalten). Hier müssen die einzelnen Ring Mod Sektionen mit den jeweiligen OSC1/2/3 Tuning-Knobs getunet werden. Dies ist es eine relativ mühsame und fummelige Arbeit, die Resultate lassen sich aber hören. Extrem metallisch und sehr unique, als hätte man hier einen eigenen Oszillator-Typ geschaffen. Aber Achtung, die Einstellung nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch. Etwas schade ist jedoch, dass es keinen Oszillator-Sync gibt.

Wie bereits eingangs erwähnt, verfügt der neue Erebus V3 über einen dritten analogen Oszillator, der über sechs verschiedene Wellenformen verfügt: Zwei Sägezähne (Saw Up, Saw Down), Pulsbreite, Dreiecksschwingung, Sinus, Doppel-Sägezahn (Super-Saw) und weißes Rauschen.

Mit Hilfe des PW3 Patch-Punkts lässt sich nicht nur klassische Pulsbreiten Modulationen realisieren, sondern auch eine Art Sägezahn-Modulation mit der Super Saw. Sie klingt nach PWM ist aber eine Sägezahn-Modulation. Dreht man den Oszillator-Tune nach links, so arbeitet der OSC3 als LFO und kann sogar mit Drehung nach rechts bis in den Audiobereich reichen. Vor allem spannend, wenn man mit der Modulation ins Extreme gehen möchte. Auch gibt es einen Lautstärke- wie auch FM-Regler in diesem Bereich. Letzteres ist eines neuen Feature, das bisher in keinem Erebus zu finden war. Es erweitert sehr schön die Möglichkeiten und macht Sounds fetter und aggressiver. Leider gibt es keine Möglichkeit die FM mittels CV zu steuern, wie es beispielsweise beim Arturia MiniBrute 2 möglich ist.

Wichtig hier: Der dritte Oszillator folgt der Tonhöhe von OSC1, inklusive Key-Track und Oktave. Neu auch in der dritten Generation des Erebus ist eine Auto-Tune Funktion, die man auf der Rückseite mit den Kippschaltern ein- und ausschalten kann. Eine ähnliche Funktion besitzt beispielsweise auch der Uno Synth von IK Multimedia. Auch hier hört man das automatische Tuning sehr leise im Hintergrund. Eine clevere Erweiterung für einen analogen Synthesizer wie ich finde. Nach langem Testen und Patchen erinnert mich der OSC 3 mehr an ein Sub-Oscillator, da dieser dem ersten Oszillator in der Tonhöhe folgt. Etwas schade, aber nichts Schlimmes. Die Entscheidung, gleich drei Oszillatoren in den Erebus zu bauen, war richtig. Diese machen ihn noch fetter im Sound und die vielen neuen Wellenformen im dritten OSC machen ihn auch offener und vielseitiger.

Audiobeispiele:

Der, die, das Filter

Alle drei Oszillator-Signale reisen dann weiter in einen neuen zweipoligen (12 dB/Oktave) Multi-Mode-Filter mit einer Tiefpass- und Hochpass-Charakteristik. Diese können mittels Schieberegel auf der linken Seite ausgewählt werden. In der Mittelposition (zwischen Tief- und Hochpass) gibt es auch eine versteckte Notch- Einstellung. Dies ist möglich, da man hier die Modi nicht durchsteppen, sondern unhörbar durchfahren kann, ähnlich wie bei einem Oberheim-Filter. Nicht möglich ist es, dieses Durchfahren mit einer Steuerspannung zu automatisieren. Zur Filter-Kontrolle gibt es klassische Cutoff- und Resonanz-Drehregler, die auch im Patchfeld verfügbar sind. Filter-Note-Tracking gibt am Interface direkt nicht, es kann aber im Patchfeld realisiert werden, dass das Filter mit der ersten Hüllkurven festverbunden ist.

Diese Verbindung lässt sich aber brechen, indem man die Hüllkurve im Patchfeld anders verkabelt. Am Soundcharakter des Filters hat sich nicht viel getan. Er klingt weiterhin sehr gut und warm. Sehr gut arbeitet er in den Mitten des Klangspektrums. Auch wenn der Filter komplett geschlossen ist, bleibt der Sound schön und spielbar. Auch die Resonanz gefällt mir im Erebus V3. Sie klingt sehr musikalisch, und vor allem im Hochpass-Modus gibt sie dem Sound den gewissen aggressiven Biss. Ab der ‚3 Uhr‘-Einstellung gerät das Filter in Selbst-Oszillation, also etwas früher als beim Vorgänger. Anders als beim Vorgänger verfügt der Erebus jetzt über einen Filter-Audio-Eingang im Patchfeld. Im Großen und Ganzen wurde das Erebus V3 Filter sinnvoll ergänzt und ist mit zwei weiteren Charakteristiken jetzt besser einsetzbar. 

Audiobeispiele:

Mehr als nur ein Verstärker

Nach dem Filter wandert das Audiosignal weiter in einen spannungsgesteuerten Verstärker, der mithilfe einer klassischen ADSR-Hüllkurve gesteuert wird. Ein Level-Regler dient der Lautstärkekontrolle. Auch hier gibt es einen zusätzlichen Eingang im Patchfeld, womit man ein Audiosignal in den Verstärker schicken kann. Die VCA-Sektion wurde auch im Erebus V3 clever erweitert. So gibt es nun einen weiteren frei zuweisbaren VCA im Patchfeld mit einem positiven und invertierten Ausgang, der über CV steuerbar ist.

Wer sich mit modularen Systemen auskennt, der weiß, dass man nicht genug VCA’s in einem Synthesizer haben kann. Diese sind vor allem sehr nützlich bei Modulationen. Leider fehlt in der Verstärkersektion (VCA) eine Funktion, womit man beispielsweise Drone-Sounds designen kann. Hier lässt sich der VCA nicht einfach öffnen, wie bei anderen semi-modularen Synthesizer.

Das Lo-Fi Echo

Bevor das Signal aus dem VCA in den Signalausgang wandert, geht es noch in das Lo-Fi Echo. Auch der Erebus V3 besitzt den viel geliebten Echo Effekt, der die Parameter Time, Feedback und Mix bietet. Hier sind Delay-Zeiten von kurzen 50 ms bis hin zu 400 ms einstellbar. Weiterhin ist es möglich, die Delay-Zeit im Patchfeld zu modulieren, was zu spannenden Sounds führen kann. Mit einem langsamen LFO-Signal kann man eine Art chorus-ähnlichen Effekt designen, per Sample & Hold sogar zufallsähnliche Delay-Zeiten.

Audiobeispiele:

Modulationsmöglichkeiten

Der Erebus 2 wird von vielen Musiker bis heute geliebt. Einen Kritikpunkt gab es aber oft: Zu wenige interne Modulationsmöglichkeiten: Eine AR-, eine ADSR Hüllkurve sowie einen LFO. Diese Kritik hat man sich zu Herzen genommen und diese deutlich in der neuen Generation verändert. Angefangen mit der ersten Hüllkurve, die anfangs auf den Filter-Cutoff fest verdrahtet war. Mithilfe des Patchfeldes ist es nun möglich diese auf einen anderen Parameter weiter zu leiten. Neu hinzugekommen ist eine Loop-Funktion, womit man die Hüllkurve auch quasi als LFO verwenden kann. Im Loop-Modus kann man diese mit den ADSR- Parametern formen. Für mich eine sehr sinnvolle Erweiterung für den Erebus, da man damit Platz auf dem Interface spart, aber beides dem Nutzer anbieten kann. Auch wurde die Verstärker-Hüllkurve verändert. So ersetzte man die AR durch eine vollständige ADSR-Hüllkurve, aber ohne Loop-Funktion. Diese ist aber schärfer und kann bei bestimmten Einstellungen knacken, was vor allem hilfreich für sehr “snappy” Bass- Sounds ist. Neben den beiden Hüllkurven besitzt der Erebus weiterhin einen einfachen LFO mit einer Dreieckschwingung und einer Maximalauflösung von 20 Hz. Dieser ist anfangs auf alle drei Oszillatoren fest verdrahtet, lässt sich aber mithilfe der Matrix frei auf andere Parameter routen.

Neben dem LFO, der loopbaren Hüllkurve und OSC3 als LFO, gibt es noch einen versteckten LFO im Patchfeld. Im Clock-Bereich befindet sich somit der vierte LFO des Erebus V3, der eine Rechteckschwingung liefert. Weiter besitzt er im Patchfeld einen clockbaren Sample & Hold Generator, eine freie spannungsgesteuerte VCA, wie auch einen Modwheel-Ausgang. Wem das nicht reicht, dem bietet der Erebus V3 auch noch einen passiven Multiplier, mit dem man ein CV- Signal (LFO, Hüllkurve…) duplizieren kann. So können sogar die Hüllkurve auf drei und die LFO’s auf fünf anwachsen. Eine sehr gute Entscheidung, wie ich finde, die ich leider bei Arturia MiniBrute 2 und 2S vermisse. Ein Multiplier ist eine simple aber sehr hilfreiche Funktion, die in jeden semi- oder voll-modularen Synthesizer gehört. Schaut man sich die Anzahl der Modulationsgeneratoren im neuen Erebus V3 an, so fällt deutlich auf, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt als noch in der ersten oder zweiten Generation. Diese Erweiterung hat den Erebus semi-modularer und weitaus komplexer gemacht.

Erweitertes Patchfeld

Semi-modulare Synthesizer sind so beliebt, da sie zwei Welten in einem Gerät verbinden: Den fest verdrahteten, aber auch den semi-modularen Signalweg. Die ersten beiden Erebus-Synthesizer waren eher klassische Synthesizer mit einem semi-modularen Toping, da sie nur 15 Patch-Punkte boten. Dies hat sich in der dritten Generation deutlich verändert. Der Erebus V3 besitzt davon nun 35, was mehr als doppelt so viele Punkte sind. Diese machen ihn zu einem viel komplexeren und vielseitigeren semi-modularen Synthesizer als seine Vorgänger.Schön ist hier, dass das Dreadbox-Team auch an sinnvolle Ergänzungen gedacht hat: Ein Multiplizier, eine zusätzliche VCA mit normalem, wie auch invertiertem Ausgang, clockbarem Sample & Hold-Generator, Clock-Generator usw. Die folgenden Punkte befinden sich auf dem Interface. 

Patchfelder des Erebus V3

Eingänge

Ausgänge

Andere

CV1 (OSC 1)

CV2 (OSC 2)

CV3 (OSC 3)

CV (All Oszillators)

Gate

Mod

Env

Noise

X Switch in/out

Y Switch in/out

Clock

Z Switch in/out

PW1

PW3

CV

LFO

 

Echo

OSC 3

 

Gate

VCA Out +

VCA Out -

 

Cut

Res

S&H Out

S&H Clock Input

 

Clock Rate CV Input

Clock Out

 

In/Filter

In/Amp

Multiplier Out 1

Multiplier Out 2

 

VCA In

VCA CV In

 

 

S&H In

 

 

Multiplier In

 

 

Klangeindrücke

Die dritte Generation hat an Charme nicht verloren und klingt weiterhin warm und fett analog. Das was mir persönlich am besten gefällt, ist seine Dualität. Er klingt vintage, aber auch modern analog. Mit dem dritten Oszillator kann man den Sound schön dick und kräftig machen, ohne dabei die zwei anderen zu überschatten. Der Neue gibt dem Musiker viele neue Soundmöglichkeiten, die in den bisherigen Versionen nicht möglich waren. So sind klassische Sounds wie Bass, Leads oder Sequenzen sehr gut zu realisieren.

Will man tiefer in den Sound Design-Bereich vordringen, so kann man auch Effekte kreieren oder Drones und Soundscapes. Dank dem sehr gut klingendem Lo-Fi Echo Prozessor ist das hier kein Problem. Auch die vergrößerte Patch Bay auf der rechten Seite ermöglicht viele neue, komplexere Sounds, die mehr Leben haben.

Audiobeispiel:

In diesem Bereich erkennt man schön, dass der Erebus V3 nicht nur in seiner Größe, sondern auch im Sound gewachsen ist. Er ist vielseitiger geworden ohne seinen geliebten Klangcharakter zu verlieren. Er ist kein Behringer Neutron oder Moog Mother 32, er ist ein waschechter Erebus. Durch die neuen Funktionen hat sich das Klangspektrum deutlich vergrößert, was den Synth insgesamt spannender und interessanter macht. Nicht zu vergessen ist, dass man andere Audiosignale mithilfe der beiden Eingänge (vor den Filter oder Amp) auch in den Erebus schleusen kann, womit man ihn auch als Filter- oder Effektgerät verwenden kann. 

Video: Dreadbox Erebus V3 Sound Demo (no talking)

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