Hersteller_Dreadbox Keyboards ANL_DesktopSynth
Test
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12.04.2016

Praxis

Der Dreadbox Erebus ist ohne Umschweife an den Start gebracht. In den ersten 15 Minuten schwankt die Stimmung der VCOs noch stark, sodass ich am Anfang permanent nachstimmen muss. Ein Stimmgerät sollte man also parat haben.

Ich wende mich aus Neugier gleich den Besonderheiten des grün-grauen Griechen zu, Delay und Patchfeld. Das von Dreadbox so bezeichnete „LoFi Echo“ bietet die Parameter Time, Feedback und Mix. Dreht man den Parameter Feedback voll auf, erhält man das typische Aufschaukeln, das man von Eimerketten- oder Tape-Delays kennt. Mit dem Mix-Poti stellt man das Verhältnis von trockenem und Effekt-Signal ein. Über eine Buchse im Patchfeld lässt sich die Delay-Zeit modulieren, zum Beispiel vom LFO. Wählt man beim LFO ein sehr langsames Tempo, bekommt man mit dem Delay des Erebus sogar eine Art Chorus-Sound hin.

Weiter geht’s mit dem Steckfeld. Hier lassen sich interne und externe Steuerspannungen zu Modulationszwecken heranziehen. Mit den Patchkabeln verbindet man Modulationsquellen mit Modulationszielen. Ein einfaches Beispiel: Verknüpft man MOD (Output) mit PW (Input), so kann man mit dem Modulationsrad des Masterkeyboards die Pulsbreite von VCO1 verändern. Die Intensität der Modulation lässt sich zusätzlich mit dem „Depth“ Mini-Poti am MOD Output regeln. Im ersten Beispiel im folgenden Audioplayer ist eine Basslinie mit PW-Modulation per Modulationsrad zu hören, der VCO2 erklingt eine Oktvave höher und mit Dreieckschwingung. In der zweiten Hälfte des Beispiels schalte ich beide VCOs „off“, der Erebus wird aber weiter vom gleichen MIDI-Signal getriggert. Man hört die Oszillatoren noch ganz leise und auch ein Grundrauschen bei jedem Ton.

Das Filter, das ich zu Beginn meines Tests erstmal links liegen gelassen hatte, entpuppt sich schnell als der Star dieses Teams. Es hat (für meine Ohren) einen sehr lebendigen, präsenten, warmen und durchsetzungsfähigen Klang. Seine Spezialitäten liegen jedoch mehr im Bereich der Mitten und Tiefmitten, weniger im ganz tiefen Bereich. Es ist mehr ein Rocker als ein Hip-Hopper. Der Regelweg des Cutoff-Reglers ist gut dosiert, man kann hier geschmeidig durch verschiedene Sweetspots gleiten. Das Gleiche gilt für den Resonanzregler. In den Maximaleinstellungen der Filterresonanz gerät das Filter in Eigenschwingung. Die folgenden Beispiele der Filtersweeps zeigen (neben teilweise grenzwertig lautem Gekreische) sehr schöne Obertonverschiebungen. Positiv zu bewerten ist außerdem, dass die Filterresonanz selbst bei hohen Werten kaum tiefe Klanganteile „klaut“.

Die Hüllkurve lässt sich gut für weiche und auch knackige Sounds einsetzen, ihre „Retrigger Off“ Option spielt einem dabei noch zusätzlich in die Hände. Ist sie aktiviert, wird die Hüllkurve bei überlappenden Noten nicht ausgelöst. Laut Handbuch sendet der Parameter „Sustain“ im Bereich des Linksanschlags negative Werte, ich konnte dies in diesem Test jedoch nicht verifizieren. Gerade bei der Filterhüllkurve ist es außerdem schade, dass der Erebus keine MIDI Velocity verarbeiten kann.

Das Steckfeld erweitert die Klangpalette des Erebus signifikant. Sounds wie Filter FM, Oszillator-Modulationen, PWM, automatisierte Filterbewegungen oder die Modulation des Delay-Time-Parameters sind hiermit möglich. Darüber hinaus kann das Patchfeld als CV-Interface für externe Geräte dienen.

Unison & Paraphon

Der Erebus kann in zwei verschiedenen Betriebsmodi arbeiten: Unison mit High Note Priority oder zweistimmig paraphon mit Last Note Priority. Die Note Priority Einstellungen sind leider unveränderbar.

Der paraphone Modus verhält sich identisch zum Unison, sofern man nur eine Note zur Zeit spielt. Spielt man zwei oder mehr Noten gleichzeitig, teilen sich die zwei VCOs die Stimmen auf. VCO1 spielt immer die tiefste Note, VCO2 spielt immer die nächst höher gelegene Note. Alle weiteren Noten, die möglicherweise zusätzlich gespielt werden, ignoriert der Erebus.

Im Handbuch erfahre ich, dass es noch einen zusätzlichen paraphonen Modus gibt, bei dem der VCO2 von den Pitch-Befehlen des Keyboards entkoppelt wird und immer einen statischen, vom Benutzer festgelegten Ton spielt. VCO1 verhält sich in diesem Modus „normal“ und verändert seine Frequenz. Das klingt dann so: Der obere Ton bleibt immer stehen, die untere Stimme bewegt sich. Auch hört man, dass das hinzu gemischte Delay deutlich rauscht. Für den einen ist so ein Rauschen ein Manko, für den anderen „willkommener Schmutz“ oder die viel beschworene analoge Wärme. Ich gehöre zu letztgenannter Fraktion.

Kritikpunkte

Leider kam es im Laufe dieses Tests im MIDI-Betrieb mehrfach zu Notenhängern. Meistens dann, wenn ich den Erebus mit vielen schnellen Noten bei gleichzeitigem Poti-Schrauben herausgefordert hatte. Im Studio ist das kein großes Ding (ein kurzes Rein-Raus des Netzsteckers bringt den nicht enden wollenden Ton zum Schweigen), im Live-Betrieb aber umso fataler. Auch nicht so optimal ist die Anordnung der Potis. Sie stehen so dicht beieinander, dass man öfters mal aus Versehen irgendwo gegen kommt. Zum Beispiel an die (prominenten) Tuning-Potis der Oszillatoren.

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