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27.04.2017

Die besten MIDI-Controller-Apps für iPad und iPhone

Per iOS-App das iPad als Touch-Controller für DAW, Effekte, Performance und DJing nutzen

Steueroberflächen für DAWs und DJ-Programme, Editoren für Synthesizer, ungewöhnliche Spielhilfen - ein Fall für einen iOS-Controller. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele iPads der ersten bis dritten Generation zwischenzeitlich in irgendwelchen Schubladen ungeladen vor sich hin vegetieren, weil sie durch neuere Modelle ersetzt wurden. Das ist schade und sollte sich ändern. Denn auch wenn sie nicht mit der gestochen scharfen Auflösung der aktuellen Retina-Displays und der großartigen „Metal-Grafikengine“ mithalten können: Mit der richtigen App geben sie einen prima Touch-Controller ab.

Lemur von Liine (24,99 EUR)

Fangen wir unseren kleinen App-Spaziergang direkt mit dem Trüffelschwein an, denn Lemur ist der absolute Alleskönner unter den Controller-Apps. Egal ob über WiFi oder Kabel, via MIDI oder OSC, die App von Liine kommuniziert über alle Wege und Protokolle mit der Außenwelt. Im Kern ist Lemur eine mächtige Entwicklungs/Player-Umgebung für visuelle Controller-Oberflächen. Das heißt: Man wählt aus einem riesigen, über die Jahre gewachsenen Archiv aus, das basale grafisch/funktionale Elemente wie beispielsweise Fader, Potis, Taster, XY-Matrixen, kinetische Bälle und sogar Hüllkurven enthält, platziert diese auf dem Bildschirm und stattet sie entsprechend der jeweiligen Anforderungen mit MIDI/OSC-Kommandos aus.

Nun ist Lemur allerdings schon so lange und gut am Markt etabliert, dass die sich die User-Community bereits ein umfangreiches Archiv von Templates zusammengeklickt hat, auf das man zurückgreifen kann. Hier gibt es (fast) alles: Steueroberflächen für DAWs und DJ-Programme, Editoren für Synthesizer, ungewöhnliche Spielhilfen, Modulatoren und Kaoss-Pad-Simulationen und, und, und ...

Kurz: Wer ernsthaft und professionell ein iPad in seinen Live- oder Produktions-Workflow integrieren will, kommt an dieser App fast nicht vorbei.

TouchOSC von hexler.net (4,99 EUR)

Das Verhältnis zwischen TouchOSC und Lemur ist so ein bisschen wie das zwischen Windows und MacOS – beide können eigentlich dasselbe, jedes hat im Detail so seinen kleinen Vorzüge und Nachteile und am Ende ist es fast schon egal. Tatsächlich wurden sowohl TouchOSC als auch Lemur zwischenzeitlich auf Android portiert, sodass selbst Kompatibilitätsargumente wegfallen. Hier hilft am Ende einfach nur das Ausprobieren, was einem mehr zusagt. Vielleicht auch das Preisschild, denn TouchOSC ist dann doch ein ganzes Stück günstiger als Lemur.

Touchable 3 von Zerodebug (24,99 EUR)

Touchable ist fast schon ein Muss für alle Ableton Live User, zumindest wenn sie über ein iPad verfügen. Wobei ich fast schon sagen würde, dass die App für sich genommen bereits den Kauf eines iPads rechtfertigt, wenn man passionierter Ableton User ist. Im Gegensatz zu den vorgenannten Apps, mit denen sich Live zwar auch sehr gut steuern lässt, die aber alle auf Templates basieren, ist Touchable eine echte „Out of the box“ Lösung: App installieren, Serversoftware starten, Touchable in Live als Steueroberfläche definieren – fertig.

Und Steueroberfläche ist auch genau das richtige Wort, denn es gibt fast keine Funktion in Live, die sich mit der App nicht befehligen lässt: Vom Arbeiten im Clip-View, über das Editieren von Noten im Clip-Editor und das Mischen in der Mixer-Ansicht, bis hin zur Modifikation der Live-internen Devices, dem Modulieren via X/Y-Pad, ja selbst dem Browsen und dem Erstellen von eigenen Templates stehen einem hier unzählige Möglichkeiten offen, die DAW fernzusteuern. Besonders beim Live-Performen erweist sich der Clip-View, bei dem (im Gegensatz zu Hardware-Controllern) die Beschriftung der Clips deutlich erkennbar ist, als echte Hilfe. So sicher und souverän lassen sich nirgendwo sonst Clips abfeuern. Aber auch im Studio möchte schon nach kurzer Zeit die Bewegungsfreiheit, die einem das iPad gibt, nicht mehr missen: Einfach mal raus aus dem Produzentenstuhl und von hinten auf dem Sofa an der Gewichtung zwischen Kick und Bass feilen? Mit Touchable kein Problem.

Genome MIDI Sequencer von Whitenoiseaudio.com (5,99 EUR)

Zugegeben: Besonders häufig dürfte der Fall nicht auftreten, dass man statt einer ausgewachsenen DAW auf dem Laptop lieber das iPad als Sequencer benutzen möchte. Aber ganz ausgeschlossen ist es dann auch wieder nicht, denn tatsächlich hat die schlanke Lösung aus iPad und Genome MIDI-Sequencer, kurz GMS, durchaus ihre Daseinsberechtigung. Beispielsweise dann, wenn man aus optischen Gründen keinen Laptop zum Einsatz bringen will oder einfach nur eine unkomplizierte MIDI-Clock-Quelle braucht, um Hardware anzusteuern.

Überhaupt kann es durchaus wohltuend und kreativitätsfördernd sein, mal sein gewohntes Setup über den Haufen zu werden und die Noten mit den Fingern und nicht mit der Maus einzuzeichnen. Dank Audiobus-Unterstützung kann GMS natürlich auch als Schaltzentrale für iPad-interne Kompositionen herangezogen werden.

StepPolyArp von Laurent Colson (12,99 EUR)

In eine ähnliche Richtung wie GMS geht auch StepPolyArp. Nämlich eine einfache, aber leistungsfähig App für nur eine einzige Aufgabe zu sein (das aber gut): Und das ist in dem Fall das Erzeugen von Arpeggien. Dazu steht eine frei konfigurierbare Matrix mit 1 bis 32 Stufen zur Verfügung, in der man die Abstände zum eingehenden Grundton frei definieren kann.

Für jeden Step können zusätzlich noch die Standard-MIDI-Parameter Velocity, Modulation, Pan, Volume, Aftertouch und Pitchbend festgelegt werden. Das Durchlaufen der Einzelnoten kann StepPolyArp dann in sechs verschiedenen Modi plus Random- und Chord-Modus ausführen. Und auch wenn man hier wieder einwerfen könnte, dass das ja auch von den meisten DAWs erledigt werden kann, geht von der Arbeit mit der App, nutzt man sie beispielsweise zur Steuerung eines Modularsystems oder eines alten MIDI-Synthesizers, ein ganz besonderer Reiz aus. 

Performer von KonkreetLabs (24,99 EUR)

Wem beim Live-Spielen oft und viel über die Schulter bzw. auf die Finger geschaut wird, der sollte in Erwägung ziehen, „Performer“ in sein Setup zu integrieren. Prinzipiell stellt die App lediglich Anfasspunkte (Noden, maximal zehn) auf dem Bildschirm dar, die wahlweise mit MIDI- oder OSC-Kommandos belegt werden können. Die Präsentation dieser Noden ist allerdings ziemlich spektakulär, denn jeder Fingerstrich wird von einem, sich im Hintergrund bewegenden, Partikelsystem begleitet. Dabei stehen acht Bänke zur Verfügung, von denen jede wiederum acht Snapshots von Parameterzuständen enthalten kann.

Mit einem entsprechenden Mapping versehen sieht das beim Performen dann ausgesprochen futuristisch aus. Fairerweise muss man anmerken, dass das Lemur und TouchOSC neben allem anderen auch können, nur eben nicht ganz so schick. Insofern sind die für „Performer“ aufgerufenen 25 Euro an der Obergrenze dessen angesiedelt, was man für eine App mit diesem Funktionsumfang gerade noch so verlangen kann.

Orphion von Bastus Trump (kostenlos, Editor für 0,99 EUR als In-App-Kauf)

In Orphion spielt man nicht Keyboard, sondern befingert runde Pads in unterschiedlichen Größen und Anordnungen. Orphion interpretiert dabei nicht nur die Anschlagsstärke, sondern auch den Punkt, an dem man ein Pad anschlägt. Sogar das nachträgliche Benden und Modulieren einer angeschlagenen Note ist möglich. Ab Werk verfügt Orphion über vier verschieden Pad-Layouts und eine stilechte, integrierte Klangerzeugung sowie MIDI.

Wer sich sein eigenes Arrangement von virtuellen Pads zusammenschieben will, muss den Editor via In-App-Kauf erwerben. Für gerade mal 1 Euro ein absolut lohnenswerter Kauf, denn auch wenn man Orphion nicht zur MIDI-Steuerung heranzieht, macht es einen riesigen Spaß, sein iPad mit allen Fingern zu beklopfen.

SoundPrism Pro von Audanika (4,99 EUR)

Bei SoundPrism handelt es sich um eine Art Reinkarnation des legendären „Omnichord“. Man bewegt sich also mit einem einfachen Fingerstrich, ein- oder mehrstimmig durch die Noten der jeweils gewählte Skala. Dabei sind die insgesamt sieben Skalen auf der Vertikalachse angeordnet, die Tonhöhen entsprechen in der Horizontalen. SoundPrism gibt ist in unterschiedlichen Versionen, alle davon verfügen über eine integrierte Klangerzeugung.

Nur in der Pro-Variante sendet es allerdings auch MIDI-Daten. In dieser Version ist es dann zusätzlich möglich, die Neigung und Drehung des iPads als separate Controller-Daten auszugeben. Eine tolle App, die sowohl beim Live-Performen, aber auch als Inspirationsquelle im Studio gute Dienste leisten kann. Arpeggien in dieser Gleichmäßigkeit lassen sich nämlich auch von geübten Keyboardern kaum spielen.

MIDI Designer Pro 2 von Confusion Studios (24,99 EUR)

Genauso wie Lemur und TouchOSC ist auch der MIDI Designer Pro 2 eine grundsätzlich universell einsetzbare Entwicklungsumgebung für Touch-Oberflächen, die sich wahlweise über Wi-Fi-Netzwerk-Session oder kabelgebunden mit dem Rechner oder einer externen MIDI-Hardware verbindet.

Dass der MD Pro 2 gerade in jüngerer Zeit immer mehr Anhänger findet, dürfte einerseits an seiner recht zugänglichen Optik liegen, die (im Gegensatz zur etwas abstrakten 2-D-Optik von Lemur und TouchOSC) plastischer und auch farbenfroher wirkt.

Zum anderen hat die Community hier bereits ein mehr als beeindruckendes Archiv an Templates programmiert, darunter beispielsweise Editoren für den Korg 707, Kawai K1, Yamaha TG500 und natürlich auch den alten Angstgegner aller Soundprogrammierer: den Yamaha DX 7. Geräte also, die sich direkt an der Hardware nur äußerst mühsam programmieren lassen. Hinzu kommt, dass sich MD Pro 2 in Bezug auf das Layout von Templates ein ganzes Stück flexibler gibt, als die beiden anderen Kandidaten. Somit fällt es Entwicklern leichter, ihr Design für das Template zu optimieren.

Delore rsTouch Pro (19,99 EUR)

Ähnlich wie „Touchable“ ist auch „rsTouch Pro“ nur der Steuerung einer einzigen Software gewidmet und das ist die DAW der Herzen, nämlich „Propellerhead Reason“. Hier liefert „rsTouch Pro“ gewissermaßen eine Vollversorgung, denn nicht nur die serienmäßigen Reason-Devices werden unterstützt, sondern auch eine konstant gepflegte und aktualisierte Auswahl von Dritthersteller-Devices und Extensions. Dabei verwendet „rsTouch“ keine generische Bedienoberfläche, vielmehr erstellen die Entwickler für jedes Gerät ein neues Layout, das der Optik und den Elementen des zu steuernden Geräts angenähert ist. Und genau das sorgt für eine ganze Menge Orientierungssicherheit im Reason/iPad-Verbund mit „rsTouch Pro“.

Das trifft besonders auf die Transport- und Mixer-Sektion zu, die sich am iPad-Display mindestens so übersichtlich und Dank Touch-Bedienung noch ein bisschen eleganter bedienbar gibt, wie am stationären Rechner.

Und gerade beim Mixen ist das Prinzip der Touch-Bedienung bekanntermaßen ein echter Vorteil, denn bei der Bewegung im Raum lassen sich Klangeindrücke sammeln, die man am Mixplatz oft nicht hat: Wer glaubt, dass die Kickdrum noch nicht genug Bass hat, sollte nämlich einfach mal in die hintere Raumecke gehen. Kurz: Für Reason-User mit iPad ist „rsTouch Pro“ eine absolute Empfehlung – ja, sogar alternativlos, denn mit dieser Detailtiefe kann keine andere App aufwarten.

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