Test
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15.02.2018

Denon DJ VL12 Prime Test

DJ-Turntable

Neue Farbe im Vinyl-Spiel

Mit dem VL12 Prime möchte Denon DJ den direktangetriebenen DJ-Plattenspieler neu definieren. Denn im Gegensatz zu Pioneer DJ und Reloop zitiert er nicht das klassische Technics SL-1210 MK2-Design. Vielmehr geht er mit seinem stylischen Chassis den eigenen Weg, kommt zudem mit dem stärksten Drehmoment samt „True Quarz Lock“ und farblich illuminierten Plattenteller um die Ecke. Gründe genug, um zukünftig für den DJ-Ritt auf dieses Pferd zu satteln? 

Details

Mit 12,4 Kilogramm lässt sich der VL12 Prime als wahres Schwergewicht betiteln und kämpft in der gleichen Klasse wie ein Technics SL-1210 MK2. Lediglich Pioneer DJs PLX-1000 bringt noch etwas mehr auf die Waage. Seine Robustheit resultiert aus einem Chassis mit einer verschraubten, gebürsteten Metall-Deckplatte. Dagegen ist die konische und damit spacig wirkende Form der Unterseite aus gummiertem Kunststoff gefertigt. Das „Raumschiff“ landet auf vier schockabsorbierenden und massiven Füßen, die im hervorstechenden Silber einen sehr guten Kontrast zum ansonsten vornehmlich schwarzen Look bilden. In Abstimmung mit dem ebenfalls silbernen Denon DJ-Branding an allen Seiten präsentiert sich das Chassis als ein wahrer Eyecatcher, das seine wunderschöne Form nicht im Case verstecken sollte, aber auch nicht darf, sofern man häufiger die Drehmoment-Stärke, die Farbe der Plattentellerbeleuchtung und deren Helligkeit ändern möchte. Denn alle drei Regler verstecken sich versenkt an der schmaleren linken Außenseite. Auf die Möglichkeit zum Einstellen der Bremse verzichtet Denon DJ generell.

Da die nicht wenige Vinyl-DJs die sogenannte Battle- oder Hochkant-Position bevorzugen, kam Denon DJ auf die Idee, die Kabel des VL12 Prime nicht wie üblich an die Rückseite zu verbannen. Bei einer 90 Grad-Drehung des Plattenspielers wandert die rechte Außenseite, an der sich die vergoldeten Phono-Cinch-Ausgänge, die Erdungsschraube und der Netzanschluss für das Kaltgerätekabel befinden, nach hinten und wird damit zum Backpanel. Alle dazu erforderlichen Kabel legt Denon DJ mit bei. 

Von der Anordnung und den Bedienelementen her, bleibt man gängiger Ausstattung treu, angefangen beim Netzschalter mit weiß blitzender Stroboskop-Lampe. Hinsichtlich der Tasten für Start/Stopp und der Geschwindigkeit distanziert sich Denon DJ von den SL-1210 MK2-Nachbauten und signalisiert die Zugehörigkeit zur Prime-Familie. So wurde das Design an die Mediaplayer SC5000 Prime angelehnt. Sie reagieren bereits beim leichten Antippen und bestätigen ihren Status durch Aufleuchten. Einen zweiten Start/Stopp-Button wählte man zugunsten der Mulde für den beigelegten 7-Zoll-Adapter und optional für die Dicer von Novation ab.

Zwischen den Geschwindigkeitstasten und dem Fader befindet sich die Cinch-Buchse für die Plattenbeleuchtung, auf die das LED-Licht einfach aufgesteckt wird. Diese Lösung punktet gegenüber dem sonst üblichen verbauten Popup-Light in zweierlei Hinsicht: Im Verschleißfall kann die Leuchte ohne Probleme ausgetauscht werden und außerdem ist die Einstrahlrichtung auf das Vinyl beliebig einstellbar.     

Der sanft gleitende Pitch-Control ändert das Tempo um bis zu acht, sechzehn und fünfzig Prozent (Auswahl per Schalter). Vermutlich um Schleifspuren über dem Fader-Kanal zu vermeiden, hält die silberne Fader-Kappe einen großen Sicherheitsabstand ein. In meinen Augen schadet das leicht der ansonsten sehr stimmigen Ästhetik. Zum Nullen des Tempos auf Knopfdruck gibt es den Reset-Taster. Das erwähnte True Quarz Lock wirkt nicht nur beim Originaltempo, sondern unabhängig des eingestellten Pitchs. Dieses weitere exklusive Feature beschert laut Denon DJ einen ruhigeren Gleichlauf.

Die Tonarmaufhängung und deren Bedienelemente sind aus Metall gefertigt und versprechen nicht nur eine dem Preis angemessene Hochwertigkeit, sondern auch Robustheit. Gleiches gilt für den verchromten S-förmigen Tonarm samt SME-Bajonett-Verschluss, der nach Denon DJs Aussage für beste Klangqualität, akkurate Abtastung und höchste Spurtreue sorgt.

Die Tonarmbasis lässt sich in ihrer Höhe auf bis zu sechs Millimeter herausfahren. Der entsprechende Lock-Hebel arretiert nicht nur die Höheneinstellung, sondern generell die Tonarmeinrichtung. Auch das Skating, eine zur Plattenmitte hin gerichtete Kraft, die durch Reibung zwischen Schallplatte und Nadel entsteht, wird in bis zu sieben (!) am Rädchen einstellbaren Schritten kompensiert. Wer mag, der kann den Tonabnehmer per Tonarmhebel gedämpft auf das Vinyl absenken. Für einen besonderen WOW-Effekt sorgt noch die neu entwickelte „Lock or Rest“-Tonarmhalterung, die den Tonarm nicht mehr per Bügel, sondern einfach durch Einrasten fixiert.

Das Chassis und der Plattenteller des VL12 Prime werden aus Sicherheitsgründen separat im Karton transportiert. Damit offenbart sich bereits beim Auspacken der Antriebmechanismus. Selbst die abgesenkte Mulde für den Plattenteller kann sich sehen lassen. Eine zweiteilige, stylische Abdeckplatte maskiert die Innereien, deren Anblick maximal Technik-Nerds erfreuen würde. Zudem ist die Fassung für den Plattenteller leicht differenziert, denn um den Messingsockel der Spindel befindet sich ein drehbarer Ring mit zwei Vertiefungen, in die der Plattenteller mit seinen beiden Stiften passt. Dies sorgt für eine bessere Kraftübersetzung. Das bewährte Prinzip des 16-poligen, dreiphasigen Direktantriebs wurde wie bei allen anderen professionellen Vinylplayern vom Klassiker Technics übernommen. Dennoch zieht der VL12 mit seinen 5 Kilogramm/Zentimeter an allen anderen Mitbewerbern vorbei. Der silbern schimmernde Plattenteller wurde komplett neu entwickelt, angefangen von der abgerundeten Form. Satte 2,2 Kilogramm ist er schwer. Seinen verchromten Ring zieren vertikale Linien, die den Gleichlauf bei der Nulleinstellung des Pitch-Controls dokumentieren. Die sogenannte „Easy Grip/Brake“ Konstruktion besteht aus einem kompletten dicken Gummiüberzug an der Unterseite, ausgenommen vom Magnet-Ring für den Antrieb und von den beiden Aussparungen zum Einfädeln des Plattentellers. Daraus resultieren nicht nur seine sehr gute Griffigkeit, sondern eine erhöhte Dämpfung der Laufgeräusche und Laufruhe. Sein damit schwereres Gewicht erfordert allerdings auch gleichzeitig ein höheres Drehmoment, um den Plattenteller in Schwung zu bringen. 

Zum Lieferumfang des VL12 Prime gehören neben der Bedienungsanleitung, den erwähnten Kabeln, dem Single-Puck, zwei Nadelbeleuchtungen – in Chrom und Schwarz –, ein Auflageplus-Zusatzgewicht und auch ein Headshell. Einziger Wermutstropfen: In dieser Preisklasse würde man sich zudem noch eine Abdeckhaube wünschen, die momentan generell nicht angeboten wird. 

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