Test
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15.10.2014

Cyan Hellcaster Bariton Test

E-Bariton-Gitarre

HH-Handarbeit

Die Cyan Hellcaster Bariton im bonedo-Test - Die Cyan Hellcaster Bariton beweist einmal mehr, dass es auch in Deutschland innovative Gitarrenbauer gibt, die hervorragende Instrumente bauen, die jedem internationalen Vergleich standhalten. Einer von ihnen ist Tom Harm, seines Zeichens Chef von Cyan Guitars im schönen Hamburg mit seiner Werkstatt mitten im beliebten Schanzenviertel. Einen Namen machte er sich ursprünglich als Bassgitarrenhersteller, wechselte aber im Laufe der Zeit zur Gitarrenfertigung, in der er seine eigene Linie gefunden hat, fernab vom Mainstream. Neben vielen anderen ließ sich beispielsweise auch Ärzte-Gitarrist Farin Urlaub ein eigenes Modell auf den Leib schneidern.

Zum heutigen Test steht die Hellcaster Bariton an, eines von mehreren Modellen der 25-Anniversary-Serie, das mit einigen sehr interessanten Spezifikationen aufwarten kann. Ein Schnäppchen ist die Gitarre nicht, immerhin bewegt sich der Preis jenseits der 4000-Euro-Marke. Gerechtfertigt oder nicht? Wir werden es herausfinden.

Details

Die „Hellcaster" getaufte Korpusform spricht definitiv ihre eigene Formsprache, obwohl sie entfernt an klassische Bodys erinnert. Der Korpus besteht aus Sumpfesche, einem recht leichten und gern bei Gitarren verwendeten Tonholz, das beste Schwingungseigenschaften mitbringt. Der creme-weiße Lack wurde nachbearbeitet und auf “gebraucht“ getrimmt. Dabei handelt es sich um 2K Polyurethan Lack, der widerstandsfähiger als Nitrolack ist. Klarlack sucht man allerdings vergebens, was das eher rustikale Erscheinungsbild unterstreicht. Ein DP 240 in Stegposition und ein DP 152 am Hals, beide aus dem Hause DiMarzio, sorgen für die Elektrifizierung und werden von einem satt einrastenden Dreiwegschalter angewählt. Dieser sitzt bestens positioniert zwischen zwei Metallpotis, die mit Heaven (Hals) und Hell (Steg) beschriftet sind. Wie die Pickupkappe des Hals-PUs sind auch die Reglerknöpfe Handarbeit und keine Standardware! Die Potis sorgen übrigens nur für die Lautstärke, eine Klangregelung gibt es nicht. Ebenfalls in Handarbeit gefertigt ist die Brücke, die aus einem massiven Stück Aluminium besteht und sechs Einzelreiterchen aus dem Hause Graphtech beherbergt, die sich selbstverständlich auch in der Höhe einstellen lassen. Die verchromten Gurtpins mit entsprechendem Unterlegfilz befinden sich an gewohnter Stelle und sind auch optisch der restlichen Hardware angepasst. Ein Blick auf die Rückseite zeigt das Elektronikfach, das von einem Metalldeckel verschlossen ist, die sechs Saiten werden durch den Korpus gefädelt, was Letzteren zum verstärkten Schwingen anregen und ihm mehr Sustain entlocken soll.

Bleibt der Hals, den wir uns jetzt näher anschauen wollen und bei dem sich das gesamte Spektrum des handwerklichen Fertigungsniveaus von Tom Harm zeigt. Dieser besteht aus Ovangkol, einem Tonholz, das man eher bei Bässen und Akustikgitarren als bei E-Gitarren vermutet. Er setzt sich aus fünf Teilen zusammen, das Griffbrett ist aufgeleimt und mit perfekt eingelegten Bundmarkierungen aus Metallstreifen bestückt. Das ist insofern praktisch, weil damit die Punkte an der Halskante entfallen, die Streifen erfüllen quasi beide Aufgaben. Der Hals ragt weit in den Korpus hinein und ist mit ihm verleimt, ebenfalls eine Konstruktionsmerkmal, das für ein besseres Sustain sorgen soll. Die 24 perfekt eingesetzten und sauber bearbeiteten Bünde auf dem Bocote-Griffbrett unterstreichen das hohe Fertigungsniveau der Hellcaster. Moment mal, Bocote? Nie gehört? Dabei handelt es sich um ein mittelschweres, sehr dekoratives Hartholz, das zur Gattung Cordia gehört, in Südamerika beheimatet ist und eine gelungene Alternative zum sonst verwendeten Ahorn oder Palisander darstellt. 

Weiter geht es in Richtung Kopfplatte, und wir kommen zwangsläufig über den aus Knochen gefertigten Sattel. Die Kopfplatte selbst ist angewinkelt und erzeugt damit genügend Druck, sodass kaum Gefahr besteht, dass die Saiten auch bei härterer Bearbeitung aus den Sattelkerben springen. Sechs Locking-Mechaniken aus dem Hause Gotoh mit handgefertigten Ebenholzknöpfen verrichten ihr Werk tadellos und halten das Instrument souverän in Stimmung. Eine relativ große und mit drei Schräubchen fixierte Metallplatte verdeckt den Zugang zum Halsstab. Der Blick auf die Rückseite der Kopfplatte zeigt einen recht großen Knubbel, der laut Tom den Hals so gut wie sicher vor Brüchen schützt, ohne das Spiel in irgend einer Weise zu behindern. 

Dank einer großzügigen Ausfräsung des unteren Cutaways ist das Erreichen der obersten Bünde kein Problem, ich bezweifle jedoch, dass das nötig sein wird, denn wer sich ein solches Instrument umhängt, wird eher in den tieferen Registern zugange sein.

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