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21.10.2020

Crashkurs: Grundlagen der Lichttechnik #2

Farbtheorie – Die Wirkung von Licht und Farbe

Willkommen zum zweiten Teil der Crashkurs-Serie Grundlagen der Lichttechnik. In mehreren praxisorientierten Episoden erfahren wir, wie Licht auf der Bühne eingesetzt und gesteuert werden kann und was es dabei zu beachten gibt. Diese Workshop-Reihe richtet sich an alle Leser, die sich für Licht und Lichttechnik interessieren und tiefer in die Theorie dahinter eintauchen möchten. 

Im vorherigen Teil ging es um das Thema, was und wie wir sehen und um das Spektrum des Lichts und der Farben. Heute behandeln wir das Thema Farbtheorie und die Wirkung von Licht und Farbe.

Die Natur

Seit Jahrtausenden prägt die natürliche Umwelt unsere Sehgewohnheiten. Daher sind visuelle Informationen in unserem Unterbewusstsein gespeichert. Der Farbverlauf von Sonnenaufgang und -untergang ist sehr charakteristisch. Tages- und sogar Jahreszeit differenzieren wir durch Sonnenstand und Lichtfarben.

So sind wir z. B. daran gewöhnt, Formen, Oberflächen, Körper oder Gesichter durch recht diffuses Ober- und Seitenlicht wahrzunehmen. Wenn wir dies unter den künstlichen Raumbedingungen einer Bühne gut imitieren, so kommt uns dies als natürliche Lichtsituation bekannt vor.

Farbwirkungen

Farben beeinflussen unsere Gedanken und Emotionen sowohl im Bewusstsein als auch im Unterbewusstsein. Sie rufen Erinnerungen wach, regen die Fantasie an und geben uns eindeutige Signale.

In der Natur könnte eine Signalfarbe wie Rot bedeuten: „Vorsicht! Iss mich nicht, ich bin giftig.“ Und auch in der von uns geschaffenen Umwelt erkennen wir Verbots-, Gebots- und Verkehrsschilder meist sofort im richtigen Kontext.

Rot: Die Farbe Rot übt den größten Reiz auf uns aus und man sagt dieser Farbe nach, sie ordne sich keiner anderen Farbe unter und werde optisch von unserem Auge als näher empfunden als die übrigen Farben.

Rot steht u. a. für Liebe, Hitze, Blut, Kraft, Aggression, Begierde, Schärfe.

Grün: Grün gilt als die ruhigste aller Farben, vermittelt körperlich volles Leben und Zufriedenheit. Man denke nur an die sattgrünen Blätter der Pflanzen, voller Chlorophyll.

Grün steht u. a. für Hoffnung, Lebensfreude, Umwelt, Sicherheit.

Blau ist nicht nur die Farbe des Himmels, der Ferne und der Unendlichkeit. Diese Farbe assoziieren wir auch mit Kälte und Nässe.

Blau steht u. a. für Ordnung, Vernunft, Harmonie, Sehnsucht, Treue.

Gelb regt unaufdringlich an und ist die hellste Farbe im Farbkreis. Neben Erleuchtung, Fruchtbarkeit und Trost verbinden wir mit Gelb auch Wahnsinn, Neid und Eifersucht.

Gelb steht u. a. für Sommer, Wonne, Freude, Ausgrenzung, Leichtsinn.

Magenta: Die Farbe des Übersinnlichen und Unnatürlichen. Sie tritt daher auch oft im Zusammenhang mit Spiritualität auf und weist auf das Besondere hin.

Magenta steht u. a. für Idealismus, Mitgefühl, Dankbarkeit, Transzendenz.

Schwarz wird in unserem Kulturkreis intuitiv mit Trauer verknüpft. Ebenso mit Furcht und Finsternis, da Schwarz mit der absoluten Dunkelheit gleichzusetzen ist.

Schwarz steht u. a. für Tod, Verschlossenheit, Negativität, Erhabenheit, Eleganz.

Weiß ist keine Farbe im eigentlichen Sinne eines Farbtons und kann eher als Helligkeitszustand definiert werden. Zudem bildet Weiß den stärksten Kontrast zu Schwarz.

Weiß steht u. a. für Reinheit, Sauberkeit, Unschuld, Geist, Grenzenlosigkeit.

Additive Farbmischung

Wir sprechen von einer additiven Farbmischung, wenn wir die spektralen Primärfarben Rot, Grün und Blau isoliert voneinander, von drei Lichtquellen ausgehend, miteinander mischen. Der dadurch entstehende Farbton verändert sich je nach Anteil der jeweiligen Primärfarbe. An den additiven Überschneidungsflächen ergeben sich neue Sekundärfarben, die zudem heller sind als die einzelnen Lichtfarben, da sich ihre Intensitäten addieren.

So ergeben Grün und Blau die Mischfarbe Cyan. Grün und Rot ergeben die Mischfarbe Gelb und interessanterweise entsteht durch die Mischung der Farben Rot und Blau die Farbe Magenta, die im physikalischen Spektrum gar nicht vorkommt und erst im Gehirn interpretiert wird. Magenta wurde 1859 von dem französischen Chemiker Francois-Emmanuel Verguin erstmals vorgestellt und auch patentiert.

Die Sekundärfarben der additiven Farbmischung sind somit CMY (= Cyan, Magenta, Yellow).

Schwarz kann durch keine additive Mischung der Lichtfarben erzeugt werden.

Wenn alle drei Primärfarben (RGB) zusammengeführt werden, entsteht Weiß und dies erscheint uns auch am hellsten. 

Subtraktive Farbmischung

Ein weiteres Farbmischsystem ist die subtraktive Farbmischung, bei der durch Herausfiltern von Lichtstrahlungsbereichen einer Lichtquelle eine Modulation der Grundfarben stattfindet. Die eingesetzten Farbfilter absorbieren dementsprechend bestimmte Lichtfrequenzen und lassen nicht mehr das komplette Weißlicht passieren.

Die Farbe, die den Filter passieren kann, stellt sich am besten direkt im Auge oder auf einem Körper dar, der alle Farbfrequenzen reflektieren kann. Dies kann ein weißes Blatt Papier oder eine weiße Wand sein.

Hat dieser Körper oder Oberfläche allerdings eine eigene Körperfarbe, dann absorbiert diese ebenfalls das auftreffende Licht und wir erkennen nur noch eine weitere Subtraktion des Lichtspektrums. Somit würde uns ein gelbes Objekt bei einem Magenta-Filter als rot erscheinen.

Die Farbe, die den Filter passieren kann, stellt sich am besten direkt im Auge oder auf einem Körper dar, der alle Farbfrequenzen reflektieren kann. Dies kann ein weißes Blatt Papier oder eine weiße Wand sein.

Hat dieser Körper oder Oberfläche allerdings eine eigene Körperfarbe, dann absorbiert diese ebenfalls das auftreffende Licht und wir erkennen nur noch eine weitere Subtraktion des Lichtspektrums. Somit würde uns ein gelbes Objekt bei einem Magenta-Filter als rot erscheinen.

Unsere Primärfarben in der subtraktiven Farbmischung (CMY) sind die Sekundärfarben der additiven Farbmischung. Da das Produkt zweier CMY-Grundfarben immer dunkler als dessen Komponenten ist, kann mit der subtraktiven Farbmischung kein Weiß erzielt werden.

Die Komplementärfarben

Im sogenannten Farbkreis liegen sich Komplementärfarben oder auch Ergänzungsfarben direkt gegenüber. Diese Farbpaare weisen die dramaturgisch günstigen Spannungen. Je ungetrübter diese Paare sind, desto besser kommt der Komplementärkontrast zur Geltung. Dieser beschreibt die Wirkung zweier Farben, welche die größte Verschiedenheit im Farbton haben. Direkt nebeneinander platziert, steigern sich diese Farbpaare zu höchster Leuchtkraft, Farb- und Lichtwirkung. Dadurch kommt jede Farbe voll zur Wirkung. Es entsteht der Eindruck von Vollständigkeit.

Im dritten Teil des Grundlagen-Workshops widmen wir uns der Technik. Wir schauen uns Scheinwerfertypen, Lampen, Linsen und Optiken genauer an.

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