Gitarre Hersteller_Cort
Test
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20.08.2020

Praxis

Nimmt man die Gitarre in die Hand, fällt sofort das höhere Gewicht auf. Auch zeigt sie sich am Gurt wie im Sitzen leicht kopflastig, was sich aber beim Spielen nicht weiter störend bemerkbar macht.

Der Hals fühlt sich natürlich und holzig an, aber mit seinem C-Profil recht massig und für mich erst einmal ungewohnt, denn bei einem solchen Instrument hätte ich eher etwas sportlichere Dimensionen erwartet. Obwohl der Sattel die standardisierten 43 mm besitzt, wirkt er doch ziemlich breit. Das gilt auch für den Rest des Halses. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, eine Siebensaiter in der Hand zu halten. Aber auch das ist natürlich eine Gewohnheitssache und muss nicht zum Nachteil sein.
Problematischer finde ich die quasi nicht vorhandene Stimmstabilität. Auch nachdem ich einen frischen Satz Saiten (natürlich die gleiche Stärke!) aufgezogen und das Instrument erst einmal habe ruhen lassen, blieb das Problem. Auch die Mechaniken konnten mich nicht so recht überzeugen, da sie beim Stimmvorgang nicht gleichmäßig liefen. Dazu kommt das Tremolo, das schon bei der leichtesten Berührung für ordentliche Verstimmungen (nicht nur bei der Gitarre) sorgt. Schade eigentlich, denn trocken angespielt resoniert die X700 mehr als ordentlich und kann mit einem lauten Ton gefallen.

Hat man sich einmal an die Dimensionen des Halses gewohnt, zeigt er sich erstaunlich gut bespielbar, wenn denn die Werkseinstellung etwas gewissenhafter ausgeführt worden wäre. Sobald nämlich der fünfte Bund überschritten wird, quittiert die Gitarre dies mit deutlichen Tuning-Problemen. Das alles sollte bei einer Gitarre in diesem Preissegment definitiv nicht auftreten.

Für die folgenden Beispiele verbinde ich die Gitarre mit meinem Marshall JVM 410 und führe das Boxensignal in eine Universal Audio OX Box, in der ich ein Cabinet mit Vintage 30 Speakern auswähle.
Alle Audiofiles habe ich nur in der Lautstärke angeglichen, ansonsten aber keinerlei Klangveränderungen vorgenommen.

Los geht es im cleanen Kanal des Amps, dabei schalte ich durch alle fünf Positionen des Wahlschalters und beginne am Hals.

Hals- und Steg-Humbucker liefern direkt angewählt den mir von den Pickups bekannten Sound, dabei werden die gespielten Töne prompt gewandelt und besitzen eine punchige Direktheit. Allerdings kann ich mir nicht erklären, warum die Stellungen 2 und 4 so quäkig und dünn ausfallen. Lautstärkemäßig fallen sie um ziemlich genau die Hälfte im Vergleich zu den Doppelspulern ab, was in den Beispielen nicht so krass zu hören ist, weil ich nach der Aufnahme die Pegel angeglichen habe. Auch die Mittelstellung sorgt leider nicht für Freude, denn auch die klingt erstaunlich dünn.

Ich bin gespannt, wie sich das am zerrenden Amp zeigt. Dazu schalte ich in den nächsthöheren Kanal und stelle einen Medium-Crunch ein.

Wie erwartet, überzeugen mich die direkt angewählten Humbucker, die Positionen 2, 3 und 4 klingen für meinen Geschmack bestenfalls interessant. Dabei muss ihnen aber zugute gehalten werden, dass sie eine Menge Draht mit ins Spiel bringen und damit gut durch das Klanggefüge schneiden können. Aufgrund der nicht optimalen Einstellung und dauernden Verstimmung ist es wirklich schwierig, am Stück in Tune zu spielen.

Ich schalte nun in den High-Gain-Kanal des Marshalls und spiele wieder alle fünf Positionen des Pickup-Wahlschalters an.

Durch den hohen Zerrgrad erhöht sich natürlich auch das Nebengeräuschaufkommen, was gerade in den Zwischenstellungen deutlich vernehmbar und auch störend ist. Und obwohl diese sich hier als ganz reizvoll darstellen, ist das Spielen eine Herausforderung, da die rechte Hand quasi dauerhaft auf dem Volume-Poti ruht, um in Spielpausen für Ruhe zu sorgen.

Hals- und Steg-Pickup liefern aber wie gewohnt zuverlässig und satt im Klang ab. Der Hals-Pickup zeigt sich gerade im Bassbereich angenehm zurückhaltend, dabei aber in den Höhen schön offen. Der Steg-Humbucker liefert den klassischen Rock/Metal mit wohldosierten Mitten.

Abschließend ein Beispiel im Lead-Kanal des Amps. Auch hier beginne ich mit dem Hals-Pickup und schalte mich durch bis zum Kollegen am Steg.

Wie bei den Beispielen zuvor gestaltet sich auch hier das Klangbild: Hals und Steg super, alles dazwischen eher interessant, aber bei weitem nicht so dramatisch wie im cleanen Kanal, da sie mit einer gehörigen Portion Draht im Klang für Aufmerksamkeit im Bandgefüge sorgen können.

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