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Test
3
07.12.2012

Praxis

Klang
Obwohl das PX-350 Privia ja mit einer breiten Palette von Sounds gesegnet ist, liegt das Hauptaugenmerk in dieser Geräteklasse natürlich auf den Klavierklängen. Auf dem Papier klingen die Fähigkeiten der neuen AiR-Klangerzeugung ja schon ganz gut. Fühlen wir dem Grand Piano also mal auf den Zahn:

Der Grundsound des Grand Piano Concert ist durchaus angenehm und ausgewogen. Probieren wir noch etwas weiter.

Das Piano lässt sich recht dynamisch und ausdrucksstark spielen. Es klingt etwas weniger realistisch als der derzeitige Stand der Technik in der Spitzenklasse der Digitalpianos, aber das PX-350 Privia kostet ja auch nur einen Bruchteil. Für den Preis kann man sich nicht beklagen, finde ich. Nicht so schön gefällt mir allerdings der Diskant, wo die Sampletransposition anhand der Nebengeräusche besonders deutlich hervortritt.

Für das PX-350 Privia wurde also nicht jede Taste eines Flügels gesampelt, sondern nur jede zweite bis dritte, wie auch das folgende Experiment mit konstanten Velocity-Werten zeigt. In dieser Preisklasse kann man aber auch nicht ernsthaft etwas anderes erwarten. In der Praxis fällt das nur im höchsten Register negativ auf.

Auch beim Ausklingverhalten kann das PX-350 Privia nicht ganz mit den Besten seiner Zunft mithalten. Recht bald nach dem Anschlag setzt ein Sample-Loop ein, der dann langsam ausgeblendet wird. 

Das alles fällt aber nur bei filigranen pianistischen Darbietungen negativ ins Gewicht. Wer nicht gerade Profi-Ansprüche an den Sound stellt, ist mit dem PX-350 Privia gut bedient, zuhause wie auf der Bühne.

Die übrigen Piano-Klänge erscheinen mir allesamt Abwandlungen des Grand Piano Concert zu sein. Hier gibt es das übliche Sortiment von gedeckteren, intimeren Varianten bis hin zum drahtigen Rock-Piano. Zum Teil sind die Sounds aber fast nicht voneinander zu unterscheiden. Hier hört ihr noch ein paar Beispiele aus dem Piano-Sortiment:

Neben den üblichen E-Pianos, Orgeln und Streichern hat das PX-350 Privia auch die komplette GM-Klangpalette an Bord, was vor allem für die Begleitrhythmen und für das MIDI-File-Playback wichtig ist. Alle diese Sounds wirken verglichen mit den AiR-Flügeln etwas farblos und wenig kraftvoll. Trotzdem ist es natürlich schön, so ein großes Klangangebot zur Verfügung zu haben und lädt vor allem in Verbindung mit der Mehrspur-Aufnahmefunktion zum Experimentieren ein.

Spielgefühl
Die Tastatur des PX-350 Privia bietet für ihr äußerst geringes Gewicht ein hervorragendes Spielgefühl. Sie ist etwas leichter gewichtet als so mancher Kollege im Kreise der Digitalpianos und besitzt keinen Druckpunkt, lässt sich in der Praxis aber sehr feinfühlig bedienen. Das Repetitionsverhalten ist ebenfalls in Ordnung und die neue Beschichtung fühlt sich angenehm an. Klar, mit einer schweren Hammermechanik aus Holz kann sie sich nicht messen, aber sie hat dafür andere Vorteile. Eben wegen dieses guten Spielgefühls bei sehr geringem Gewicht ist das PX-350 Privia nämlich durchaus eine interessante Alternative als Bühnen-Klavier. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Tastatur in einem ultrakompakten Gehäuse ohne Lautsprecher, gepaart mit dem AiR-Flügel und ein paar wirklich guten E-Pianos, das Zeug dazu hätte, den Markt für Stage-Pianos gehörig aufzumischen.

Begleitautomatik
Die 180 Rhythmen des PX-350 Privia sind zum großen Teil aus verschiedenen Casio-Keyboards bekannt und decken eine große Bandbreite ab. Neben zahlreichen Rhythmen aus Pop, Latin, Jazz und Country sind auch etliche “Piano Rhythms” dabei, die typische Klavier-Stilistiken wie Ragtime und Boogie Woogie bedienen. Die Styles verfügen über je zwei Variationen, zwei Fill-Ins, ein Intro und ein Ending. Außerdem gibt es zu jedem Style ein “One Touch Setting”, das ein passendes Tempo und eine stilechte Klangfarbe einstellt. Auch eine Auto-Harmonize-Funktion ist vorhanden, die aus der gespielten Melodie auf Wunsch einen mehrstimmigen Satz macht.

Die Rhythmen können den Charakter einer Begleitautomatik nicht abschütteln – es klingt schon immer etwas nach “Kollege Computer”. Von Highend-Arrangerkeyboards ist man mittlerweile Besseres gewohnt. Dennoch erhöhen sie den Spaßfaktor und laden zum Jammen und Improvisieren ein. Besonders bemerkenswert ist die “Rhythm Editor”-Funktion, mit der man zwar nicht die Patterns selbst umprogrammieren, aber doch Dinge wie die verwendeten Klangfarben, die Lautstärke der einzelnen Begleitspuren und die Effektanteile selbst einstellen kann. Wenn die Bläser-Licks eines Styles nicht zum Song passen, lassen sie sich hier abschalten. Das Ergebnis kann man als User-Rhythmus abspeichern.

Hier hört ihr ein paar Beispiele für Rhythmen des PX-350 Privia:

Bedienung
Dank der vielen Taster und des für ein Digitalpiano recht großen Displays geht die Bedienung des PX-350 Privia flott von der Hand. Klänge und Rhythmen werden ausgewählt, indem man zunächst einen der Kategorie-Taster drückt und dann mit den Plus/Minus-Buttons durch das Angebot steppt. Für Feineinstellungen, Aufnahmefunktionen und dergleichen gibt es ein paar Menüs, durch die man mit Cursortasten und Enter/Exit-Buttons navigiert. Das ist auf jeden Fall viel komfortabler als bei vergleichbaren Pianos ohne Display. Wo man schon so viele Knöpfe eingebaut hat, hätte man dem PX-350 Privia allerdings vielleicht auch eigene Navigationstaster spendieren können – dafür werden nämlich die Registrierungstaster zweckentfremdet. Und für spezielle Bedienschritte, wie das Speichern und Laden bestimmter Datentypen auf einem USB-Stick, kommt man anfangs nicht um einen Blick ins Handbuch herum. Insgesamt ist die Bedienung aber gelungen, wie ich finde – da habe ich bei anderen günstigen Digitalpianos schon sehr viel schlechtere Lösungen gesehen.

Stichwort Registrierungen: Sämtliche Einstellungen des PX-350 Privia, also Klangfarbe, Rhythmus, Tempo, Effekte und so weiter, lassen sich in Registrierungen speichern und auf Knopfdruck wieder aufrufen. Dafür stehen 24 Bänke mit je vier Speicherplätzen bereit. Der komplette Registrierungsspeicher kann auf einem USB-Stick archiviert werden, sodass bei Bedarf auch noch deutlich mehr Speicherplätze zur Verfügung stehen. 

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