Software
Test
10
24.11.2019

Cableguys ShaperBox 2 Test

Multi-Effekt-Bundle

Das Leatherman-Tool unter den Shaper-Plugins

Effekt-Plugins zur Klangverschönerung gibt es viele, doch nur wenige Hersteller haben auch Shaping-Tools im Programm, mit denen sich Klangverläufe präzise zeichnen und formen lassen. Die Hamburger Plugin-Schmiede Cableguys konnte uns bereits in der Vergangenheit mit hervorragenden Spezialwerkzeugen wie dem SloMo-Effekt HalfTime oder dem kostenlosen Panning-Modulations-Tool Pancake überzeugen. Davon abgesehen hat der Hersteller noch weitere hochqualitative Modulationseffekte im Sortiment, die gebündelt in der sogenannten ShaperBox erhältlich sind.

ShaperBox 2 beinhaltet die Schlachtschiffe TimeShaper 2, VolumeShaper 6, FilterShaper Core 2, PanShaper 3 und WidthShaper 2. Das Update liefert viele neue Tweaking-Tools, wie präzisere Stifte, flexible Envelope Followers, Sidechain-Bearbeitung (external Keying) und mehr, mit denen ihr eure Sounds noch präziser formen könnt. Wir haben die ShaperBox 2 für euch auseinandergenommen, um zu checken, was sich damit anstellen lässt und für wen sich das Plugin lohnt. Eines kann ich gleich vorab verraten: Ganz egal, ob ihr Trap, Rock, Techno oder Pop produziert – diese Toolbox eignet sich für alle Musikgenres, in denen minutiöse Modulationsarbeiten gefragt sind.

Details

Was ist ShaperBox?

Die Cableguys haben fünf Modulationseffekte am Start, mit denen sich Klänge kreativ in puncto Lautstärke, Tonhöhe bzw. Zeitachse, Panorama, Stereobasis und Frequenz formen lassen. Die Effektmodule werden mittels LFOs (Low Frequency Oscillators) in Bewegung gesetzt. Diese können temposynchron zur DAW laufen oder bei Bedarf via MIDI getriggert werden.

Die Wellenformen der LFOs lassen sich in einem grafischen Interface selbst formen. Die Module sind aber auch mit über 1.000 Presets ausgestattet, die sich an die eigenen klanglichen Vorstellungen anpassen lassen. Neben üblichen Wellenformen, wie Sinus, Sägezahn, Rechteck und Co., besitzen die Effekte nämlich noch Stiftwerkzeuge, mit denen ihr den Verlauf der Wellen selbst zeichnen und verbiegen könnt. Bis zu neun unterschiedliche Settings lassen sich abspeichern, via MIDI Switches und on-the-fly aufrufen, um so abwechslungsreiche Klangvariationen zu erstellen.

Als wäre das noch nicht genug, besitzen die Effekte auch noch drei Bänder, mit denen ihr bestimmte Frequenzbereiche getrennt voneinander bearbeiten könnt. Alle diese Module sind zwar auch als einzelne Plugins erhältlich, werden aber in der ShaperBox als vergleichsweise kostengünstiges Bundle vereint. Schauen wir uns die fünf Effekte im Folgenden einmal genauer an.

VolumeShaper 6

Mit dem VolumeShaper lässt sich die Lautstärke eurer Tracks kreativ formen. Dadurch können im Handumdrehen Sidechain-ähnliche Ducking-Effekte oder rhythmische Gated-Sounds geschraubt werden. VolumeShaper eignet sich also bestens dazu, die Dynamik bzw. den Verlauf der Lautstärke einer Spur umfangreich zu modulieren.

In VolumeShaper 6 werkelt neben dem LFO fortan zusätzlich ein Kompressor, der sich an britischer Studiohardware orientiert. Dieser ermöglicht eine Attackphase von nur 0,01 ms und ist mit einer adaptiven Release ausgestattet, die unerwünschtes Pumpen vermindern soll.

Eine großzügig angeordnete Anzeige ermöglicht die Kontrolle der Komprimierung. Darüber hinaus besitzt der Lautstärkenformer neuerdings einen Gain Control, mit dem ihr die Transienten im Blick behalten könnt. Neu ist auch, dass der Kompressor bei Bedarf nur nach einem definierbaren Frequenzbereich reagiert und diesen ggf. ignoriert. Das ermöglicht wiederum De-Esser-Effekte, mit denen sich unerwünschte Frequenzbereiche einer Aufnahme dynamisch absenken lassen – beispielsweise S-Laute aus einer Gesangsaufnahme oder ein unerwünschtes Zischeln einer obertonreichen Synthi-Line.

TimeShaper 2

Wie der Name bereits verrät, ermöglicht es TimeShaper, die zeitlichen Parameter eurer Tracks zu formen. Drei Algorithmen hat das Tool an Bord, mit dem sich übrigens im Handumdrehen Stutter-, Scratch-, Tape-Stop-, Pitch- und Reverse-Effekte erzeugen lassen. So könnt ihr die Tonhöhe per Abspielgeschwindigkeit verändern, wie man es beispielsweise von Schallplatten kennt. Außerdem ist es auch möglich, Passagen mehrfach hintereinander zu triggern, wodurch Beat-repeat-mäßige Effekte entstehen. Mit dem Reverse-Algorithmus lassen sich Passagen rückwärts abspielen. 

Kombiniert man die Features des TimeShaper 2 in einer Performance, erhält man ausgefallene Beats, die an Aphex Twin Grooves erinnern. Dank des neuen Fine-Modus kann man fortan auch feine Tonhöhenschwankungen à la Wow- und Flutter-Effekte hinzufügen, wie man sie von alten Tapes oder Vinylschallplatten kennt, und somit das Signal mit einem gewissen Vintage-Charme anreichern. Bis auf den TimeShaper sind die Tools recht sparsam im Ressourcenverbrauch. Der TimeShaper-Algorithmus scheint recht aufwendig zu sein, was bei Reverse- und Pitch-Down-Effekten aber nicht unüblich ist. Sobald man diesen in eine Shaperbox-Instanz lädt, ist ein CPU-Ressourcenverbauch von etwa einem Viertel eines Prozessorkerns zu verzeichnen. Bei bedachtem Einsatz ist das aber vertretbar.

FilterShaper Core 2

FilterShaper verhält sich wie ein Cutoff/Resonanz-Filter auf Steroiden: Das Tool kommt mit satten 28 Filtertypen. Die üblichen Verdächtigen Lowpass, Highpass, Bandpass und Notch sind in den Kategorien Clean, Sallen-Key und fortan auch in Notch Phaser und Peak Phaser verfügbar. Alle Varianten sind in 6, 12 und 24 dB vorhanden, wodurch man sehr flexibel in der Wahl des passenden Filters ist. Mit FilterShaper könnt ihr Wobble-Sounds und Co. erzeugen, wie sie mit kaum ein anderer Filter ermöglicht. Unter den 54 Voreinstellungen befinden sich Basic-Wellenformen, aber auch rhythmische Filter-Settings, Sweeps und mehr.

Neu dabei sind die Envelope-Follower, mit denen das Filter dynamisch auf das anliegende Signal reagieren kann. Das bedeutet, dass das Filter je nach Dynamik des Signals mehr oder weniger hart zupackt. Das Resultat sind noch lebendigere, zum Signal passende Filterspielereien. Das Ganze lässt sich auch via External-Keying von anderen Spuren aus triggern. Letzteres ermöglicht es euch beispielsweise, ein Synthi-Pad immer dann filtern zu lassen, wenn die Bassline erklingt. Der Envelope-Follower kann wirklich sehr präzise mit Hüllkurvenparametern wie Threshold, Attack, Release und Co. justiert werden.

PanShaper 3

Mit PanShaper 3 lässt sich das Stereopanorama modulieren. Somit ist es möglich, starre Sounds kreativ zwischen linkem und rechtem Kanal wandern zu lassen, was nicht nur rhythmische Panoramaeffekte erlaubt. In Kombination mit LFO und den individuellen Wellenformen kann das zu Stereo-Rhythmus-Mustern ausarten – genial!

Besonders die Multibandbearbeitung macht aus dem PanShaper ein Tool, das im Mixdown eine große Hilfe sein kann. Denn es kann Signale breiter erscheinen lassen und dabei bestimmte Frequenzbereiche ausklammern, damit sie monokompatibel bleiben. So kann das Fundament einer Synthi-Bassline mono bleiben, während ihre Obertöne rhythmisch im Stereofeld grooven.

Neu dabei ist eine Sektion, dank der ihr psychoakustisch mittels Haas-Effekt in das Signal eingreifen könnt. Das Signal wird damit auf dem linken und rechten Kanal wenige Millisekunden (0,01 – 40 ms) verzögert wiedergegeben, wodurch der Eindruck einer breiteren Stereobasis entsteht. Übertreibt man es mit einem solchen Effekt, leidet natürlich die Monokompatibilität. Da der PanShaper wie seine Geschwister aber drei Frequenzbänder besitzt, in denen sich auch der Haas-Effekt unterschiedlich einstellen lässt, erreicht man trotzdem sehr gute Ergebnisse und breite Klänge, die förmlich aus den Boxen herauszukommen scheinen. Bestimmte Bereiche, zum Beispiel tiefe Frequenzen, bleiben bei Bedarf aber unberührt und bleiben somit monokompatibel. Schön ist auch, dass sich zwischen der Bearbeitung von Panorama und Haas-Effekt nahtlos überblenden lässt.

WidthShaper 2

Der Letzte Shaper im Bunde dient ebenfalls zur Stereobearbeitung. Genauer gesagt könnt ihr mit WidthShaper 2 die Stereobasis bearbeiten. Dazu lässt das Tool auch die getrennte Bearbeitung der Mitten- und Seitensignale zu (M/S). Auf diese Weise kann es nicht nur im Mixdown, sondern auch im Mastering eine Waffe sein, die die Tracks breiter klingen lässt, während der mittlere Kanal immer noch unberührt bleibt.

Anders als herkömmliche Plugins zur Stereobasisverbreiterung ist WidthShaper ebenfalls mit drei Bändern zur Multibandbearbeitung und einem LFO zur Modulation ausgestattet. Dadurch sind lassen sich lebendige Modulationen der Stereobasis erzeugen. Die Presets enthalten zum Beispiel voreingestellte Build-ups, bei denen die Stereobasis im Verlauf der Kurve immer breiter wird. Genauso enthalten sie aber auch Settings, bei denen tiefe Frequenzen mono geschaltet und hohe Frequenzen verbreitert werden können.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare