Test
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11.08.2021

Blue Microphones Yeticaster Test

USB-Mikrofonset mit Tischarm

Broadcast und Podcast können kommen!

Blue Microphones sind bekannt für Mikrofone mit Konzepten, die immer wieder mal „etwas anders“ sind. Das ein ums andere Mal sind das auch Schallwandler mit außergewöhnlicher Optik. Im Fall des Yeticaster trifft das Blue Yeti Blackout auf einen Broadcast-Stativarm, der auf den ersten Blick schick, aber gewöhnlich erscheint. Wir dürfen deshalb gespannt sein, was sich Blue Microphones haben einfallen lassen, um den Yeticaster zu einem typischen „etwas besonderen“ Blue-Produkt zu machen.

Details & Praxis

Understatement

Im unscheinbaren, aber großen Karton des Blue Yeticaster befindet sich neben dem Stativarm des Sets auch eine schwarze Version des bereits von uns getesteten Blue Yeti, die auf den Namen „Blackout“ hört. Außerdem ist eine imposante Mikrofonspinne dabei, eine Tischhalterung, eine Fixierschraube sowie ein USB-Kabel. Auch Dokumentationen zum Stativ und zum Mikrofon liegen bei. In aller Bescheidenheit geben Blue Microphones keinen markanten Hinweis darauf, dass sich das Mikrofon auch mit der App "Blue Sherpa" fernsteuern lässt, die kostenlos gedownloadet werden kann. Wer einen Überblick über den Signalpegel haben möchte, findet in der App beispielsweise auch ein Level Meter.

Das Mikrofon des Sets bringt mit seiner Größe und seinem Metallkorpus stolze 550 Gramm auf die Waage. Mute-Schalter und Poti zur Regelung des Kopfhörerausgangs befinden sich auf der Frontseite des Mikrofons. Gain-Regler und Drehwahlschalter für die Richtcharakteristik sind auf der Rückseite des Mikrofons untergebracht. An der Unterseite des Mikrofons finden sich Micro-USB-Anschluss, Kopfhörerausgang fürs Monitoring und das Gewinde für die mitgelieferte Fixierschraube. Der Monitoringausgang ist für Kopfhörer optimiert und hat eine Leistung von 130 mW und einen 100 dB großen Abstand zwischen Nutzsignal und Grundrauschen. Das kommt einem separaten Kopfhörerverstärker gleich und spricht für einen guten Dynamikumfang.

Um das Kondensatormikrofon Blue Yeti mit seinem integrierten USB-Interface an einem Rechner verwenden zu können, ist keine Treiberinstallation erforderlich. Allerdings müssen Windows 10 oder macOS 10.13 installiert sein, damit die Verbindung reibungslos klappt. Das Mikrofon erhält seine Betriebsspannung über das USB-Kabel von einem PC, Mac oder Laptop. Als Richtcharakteristiken sind Niere, Kugel, Stereo und Acht auswählbar. Mit diesen Charakteristiken greift das Yeti von 20 Hz bis 20 kHz Schall auf, dessen Schalldruck bis zu 120 dB SPL stark sein darf. Damit ist es auch für laute Momente geeignet und kann den gesamten typischen menschlichen Hörbereich abdecken. Das Audiosignal wird dann mit 48 kHZ und 16 Bit an die DAW im Rechner gesendet.

Kraftvoller Arm

Das Setup des Stativarms gelingt vollkommen problemlos. Als erstes wird die Tischhalterung befestigt. Sie benötigt weniger Platz als erwartet und wird wie eine Schraubzwinge angebracht. Auf ihr lässt sich dann der Arm des Stativs aufstecken. Auf den ersten Blick wirkt es so, als ob sich die Gelenke des Stativs nicht wirklich feststellen lassen. Denn zieht man die Schrauben an, geht der Stativarm dennoch in seine ursprüngliche, gerade Form zurück. Aber deshalb muss man nicht verzweifeln. Denn die Lösung dieses Problems liegt im Mikrofon und seiner Spinne. Sind sie miteinander verschraubt, sorgen sie mit ihrem gemeinsamen Eigengewicht dafür, dass sich das Stativ an seinen Gelenken justieren und fixieren lässt. Und nicht nur das: Der Mechanismus ist perfekt auf das Gewicht dieser Kombination ausgelegt, sodass das Mikrofon auch bei komplett geöffneter Flügelschraube des Stativarms nicht auf den Tisch knallt. Wem die Kraft des Stativarms nicht ausreicht oder wer sie für zu gering hält, kann mit Hilfe einer Schraube am unteren Ende des Arms die Intensität nachjustieren. Bei vielen anderen Stativen ist es so, das beim Lösen ihrer Gelenkjustierungen der Stativarm nach unten sackt.  Das ist hier nicht der Fall. Denn der Arm wird von der internen Feder aufgefangen. Das ist eine gelungene Lösung.

Das USB-Kabel, mit dem das Mikrofon am Rechner angeschlossen wird, lässt sich komfortabel im Kabelführungsschacht des Stativarms verstecken. Hierzu müssen lediglich einige kleine Klammern geöffnet werden, die nach dem Verschließen das Kabel sicher in der Vertiefung halten. Einzig an den Gelenken des Stativs muss ich den Nutzer etwas einfallen lassen, damit das Kabel weder auf Zug ist noch allzu weit vom Stativ absteht.

Klang für Moderationen und Interviews

Podcast-Produzenten finden in unserem Kaufberater Podcasting: Das beste Podcast-Equipment weitere Infos und Testberichte für passende Geräte. Hier hört ihr aber erstmal in den Audiobeispielen das Yeti-Mikrofon im Nierencharakteristik-Modus. Bei Nahaufnahme klingen mit ihm aufgezeichnete Sprechstimmen deutlich, weil die Frequenzanteile im Präsenzbereich der Mitten und in den Höhen im Vordergrund stehen. Insbesondere die Höhen bringen hier viele feine Details einer Stimme zur Geltung. Ohne dass die Bassanteile der Stimme allzu viel Platz einnehmen würden, ist der Nahbesprechungseffekt des Yeti deutlich wahrnehmbar. Stimmen klingen durch ihn deutlich voller, wirken aber aufgrund der kräftigen Höhen des Mikrofons keineswegs dumpf. Auch in mittlerer Distanz liefert das Yeti einen differenzierten Sound mit ansprechendem Frequenzbild. Wer mit dem Yeticaster Interviews aufzeichnet, bekommt in mittlerer Distanz mit der Nierencharakteristik einen natürlicher klingenden Sound als mit der Nahbesprechung. Auch dann wenn sich der Sprecher vor dem Mikrofon bewegt, bleibt der Klang des Yeti bei mittlerer Distanz zum Mund stabil. Bei noch größerer Entfernung ist der Klang sogar noch natürlicher, noch ausgewogener.

Der Stereomodus des Yeti ist für mich im Zusammenhang mit seinem Broadcast-Arm wenig hilfreich für Podcast-Aufnahmen. Anders sieht es da schon mit der Achtercharakteristik aus. Mithilfe des schwenkbaren Tischstativs kann sie gut eingesetzt werden, um als Moderator ein Interview mit einem Gesprächspartner aufzuzeichnen, der dem Moderator gegenüber sitzt – sei es auf der anderen Tischseite oder auch neben dem Moderator am Tisch. Sogar bei Interviewrunden mit drei oder mehr Teilnehmern ist das Mikrofon dank seiner Kugelcharakteristik noch geeignet. Hier kann das Mikrofon einfach per Yeticaster-Arm in die Tischmitte geschwenkt und die Vorverstärkung per Gain-Regler ein wenig angehoben werden. Schon lassen sich spannende Gespräche mitschneiden, ohne dass dafür mehrere Mikrofone, ein kleines Mischpult oder mehr erforderlich wäre. Dabei kommt Podcast-Produzenten auch zugute, dass die Empfindlichkeit des Mikrofons fantastisch ist. Deshalb kann ich mir nur wenige Situationen vorstellen, in denen die Mikrofonvorverstärkung des Yeti im großem Stil bemüht werden müsste.

Hinweis: Das das Blue Yeti mit dem Blue Yeti Blackout technisch identisch ist, haben wir die Soundbeispiele vom dortigen Test übernommen.

Fazit

Der Stativarm des Blue Yeticaster ist einfach zu installieren und in seiner Nutzung durchdacht. Dank seiner innenliegenden justierbaren Feder lässt er sich an verschiedene Situationen und Mikrofone punktgenau anpassen. Die größtenteils ebenfalls innenliegende Kabelführung ist ebenfalls gut gelöst. Auch das Setup des Mikrofons selbst ist kinderleicht und sein Klang noch dazu detailliert und höhenreich. In Sachen Dynamik ist es erstaunlich empfindlich und dabei doch rauscharm. Mit seinen Richtcharakteristiken eignet es sich sowohl für Moderationen mit leichten Broadcast-Effekt durch den Nahbesprechungseffelt als auch für die Aufzeichnung mit einem Interviewpartner und sogar für Gesprächsrunden. Und der regelbare Kopfhörerausgang des Mikrofons macht ein zusätzliches Audio-Interface überflüssig. Den einzigen Minuspunkt gibt es von mir beim Mute-Schalter. Er knackt deutlich und ist der Grund dafür, dass ich das Yeticaster-Set beim Podcasting eher für das Recording als für Live-Shows empfehlen kann. Zusammen mit dem guten Preis-Leistungsverhältnis des Blue Microphones Yeticaster kann ich unter dem Strich aber 4,5 von 5 möglichen bonedo-Sternchen vergeben.

  • PRO
  • einfaches Setup
  • einfache Bedienung
  • regelbarer Kopfhörerausgang
  • mit solidem Stativ
  • Preis-Leistungsverhältnis
  • CONTRA
  • Mute-Schalter knackst
  • Features & Spezifikationen
  • Membrandurchmesser: 14 mm
  • Wandlerprinzip: Back-Elektret-Kondensator
  • Richtcharakteristik: Niere
  • Frequenzgang: 30 Hz bis 18 kHz
  • Grenzschalldruck: 130 dB SPL @ 1% THD
  • Empfindlichkeit: -32 dB (0 dB = 1 V/Pa @ 1kHz)
  • Gewicht: 370 g
  • Preis: € 225,– (Straßenpreis am 11.8.2021)

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