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13.01.2016

8 Goldene Regeln für den Umgang mit Vinyl-Schallplatten

Nützliche Tipps für die Plattensammlung

Vinyl ist im Moment wieder schwer angesagt und zugegebenermaßen sind die stundenlangen Aufenthalte in den Plattenläden immer ein Highlight des DJ-Alltags gewesen, vor allem, als es noch keine DVS-Systeme gab. Nachdem mein persönliches Vinylaufkommen bereits im Teenager-Alter, zu einer Zeit wo man mit einer tollen Plattensammlung noch richtig Eindruck schinden konnte, die Hundertermarke knackte, stellte sich irgendwann auch die Frage, wie die wertvollen Schätzchen die nächsten Jahre unbeschadet überstehen sollten. Okay, stehen nur 20 Stück im Phonowagen/-rack, ist die Lagerung sicher recht unproblematisch. Aber wenn über die Jahrzehnte eine drei, vier oder gar fünfstellige Anzahl an Scheiben zusammenkommt, sieht das schon ganz anders aus.

Regelwerk

Ja, so eine Schallplatte strahlt schon eine gewisse Magie aus: Analoge Wärme, melancholisches Knistern und Rauschen - stopp? Muss das wirklich sein? Nein, muss nicht. Und damit wären wir bereits mitten im Thema: 8 Goldene Regeln im Umgang mit Vinyl-Schallplatten.

1. Die Platten trocken und kühl lagern.

Große Hitze und direkte Sonneneinstrahlung - das gilt nicht nur für die Lagerung, sondern auch für sommerliche Outdoor-Locations - können zu Verformungen des Vinyls in Form von Wellen, Dellen oder Huckeln führen. Wer will das schon. Ein schattiges Plätzchen beugt hier vor.

Feuchtigkeit hingegen verursacht mitunter Schimmelbildung an den Plattencovern. Sollte ein Cover, beispielsweise aus einem Secondhand-Kauf, vom Schimmel befallen sein, am besten direkt gegen ein Blanko-Modell austauschen. Unbedruckte Pappcover kosten rund 50 Cent und die sind besser investiert, als wenn sich die Sporen dem Rest eurer Sammlung widmen.

2. Platten gehören in ein Inlay.

Am besten ist dieses gefüttert, weil die Innenbeschichtung weniger Verschleiß am Vinyl hervorruft, als manches kratzige Hardcover oder Papierhüllen. Wenn sich im Inneren des Inlays zu viel Staub befindet, macht es Sinn, es rechtzeitig zu ersetzen. Beim Zurückführen der Schallplatte vergewissern, dass die Öffnung des Inlays nach oben zeigt, dann kann die Scheibe nicht unbeabsichtigt herausfallen (unten, hinten, vorn), wenn ihr sie nächstes Mal hervorholt. Zugegebenermaßen wird dies auch schnell mal in der Hektik des Auflegens vergessen.

3. Schallplatten stehen!

Also möglichst senkrecht im Regal aufbewahren, da eine schräge Aufbewahrung auf Dauer dazu führen kann, dass sich die Platte verbiegt. Und dann? Mir hat es immer geholfen, die betroffene Scheibe zwischen zwei glatte Flächen zu legen und diese ausreichend zu beschweren. Mit Plattenkoffern zum Beispiel.

4. Mit Schutzhüllen für Cover eindecken.

Transparente Klarsichthüllen kosten im 100er-Pack knapp 10 Euro und schützen die Pappcover vor Zerstörungen. Sollten euch bei der visuellen Inspektion alte Aufkleber ein Dorn im Auge sein: sie loszuwerden ist ganz einfach! Am besten vorsichtig mit einem Fön (vorher die Platte rausnehmen) den Klebstoff aufweichen. Nach einiger Zeit könnt ihr dann das unerwünschte Objekt respektive den Störenfried abziehen. Dabei auf jeden Fall behutsam agieren, damit es keinen Riss im Cover gibt. Bei Preisschildern ist das noch recht locker zu bewerkstelligen.

Ich erinnere mich da jedoch an eine Clubmusic-Sammlung, die ich mal aus einem Disco-Bestand aufgekauft hatte. Da waren doch tatsächlich handgroße Aufkleber auf manchen Covern, beschriftet mit Genres, Anmerkungen und BPM, manchmal auch mehrere davon. Das war schon eine echte Plackerei, die alle loszuwerden. Es hat sich aber für manches Kleinod der Collection wahrlich gelohnt.

5. Anfassen, aber nicht anfassen.

Die Platte beim Herausnehmen immer auf dem Label und an der Seite anfassen, damit sie nicht mit Fettfingern  - auch wenn die Spurensicherung mitunter ihre wahre Freude daran haben könnte - übersät wird oder gar Fettablagerungen in die Rillen dringen. So kann man sich einige Reinigungsprozesse einsparen. Ausserdem sieht´s besser aus.

6. Platte vor dem Abspielen von Staub befreien.

Um Staub von der Platte zu entfernen, benutzt ein Baumwolltuch, das nicht zu fusseln neigt oder am besten eine Carbonfaserbürste, da diese gut in die Rillen eindringen kann, um die unerwünschten kleinen Körnchen aufzuspüren. Kostet kaum 10 Euro und sorgt dafür, dass die Nadel nicht über potenzielle Staubkörner springt oder zustaubt und in der Folge für Verzerrungen im Klang sorgt. Dazu die Platte einfach auf den Turntable legen, diesen einschalten und die Bürste leicht aufs Vinyl aufsetzen, sodass der Schmutz dran hängen bleibt.

Im Ernstfall hilft schließlich nur noch waschen. Dafür gibt es spezielle Plattenwaschmaschinen mit Unterbauwannen oder vollautomatische Systeme. Die Preise reichen von knapp 50 € bis hin zu vierstelligen Beträgen für die Vollautomaten. Die Waschmaschine im Bild unten ist keine adäquate Lösung.

Allerdings muss man nicht gleich so tief ins Portemonnaie greifen, sondern kann sich mit spezieller Reinigungsflüssigkeit und zur Feuchtigkeitsbeseitigung mit einem saugfähigen Lappen behelfen. Als Teenager habe ich nach so manchem Flohmarktbesuch auch lauwarme Spülmittellauge zum Reinigen der Schnäppchen zweckentfremdet und die Scheibe danach mit einem weichen Handtuch abgetrocknet.

7. Tonabnehmer reinigen.

Den meisten professionellen Tonabnehmersystemen (hier im Test) liegt eine spezielle Nadelbürste bei, aber wenn ihr zum Beispiel gerade den Dachbodenfund von eurem Opa ausprobieren wollt, könnt ihr dies auch mit einem Pinsel erledigen oder einfach mal kräftig gegen die Nadel pusten.

8. Zurück ins Cover.

Ist die Platte gelaufen, nehmt sie vom Plattenspieler und verstaut sie wieder adäquat im Regal. Bleibt sie auf dem Teller liegen, ist es wahrscheinlich, dass sie unnötig verstaubt. Auch wenn ihr einen Deckel habt, der ja oftmals am Turntable selbst angebracht ist: Im Cover sind die wertvollen Schätze besser aufgehoben.

Zum Abschluss noch ein Tipp: Wenn ihr ein paar besonders erlesene Exemplare oder Raritäten unter euren Scheiben habt, versucht mal, sie mit einem guten Tonabnehmersystem und einem Audiointerface in hoher Qualität zu digitalisieren, dann seit ihr auf der sicheren Seite, falls sie mal zerkratzen oder zerbrechen sollten.

Eure Meinung

Nun seid ihr an der Reihe. Fehlt noch was in der Liste? Dann teilt uns dies doch einfach über unsere Kommentarfunktion mit.

Euer Peter Westermeier

(Redaktion DJ und PA)

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