Test
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29.06.2020

Praxis

Kann der Mikrofonvorverstärker sein vollmundiges Versprechen wohl einlösen?

Ich bin aufgrund der Beschreibung auf der Black Lion Audio Website recht gespannt, ob sich der BLA Eighteen wenigstens ein bisschen so anhört wie seine klassischen Vorbilder. Bevor ich auf die Details zu sprechen komme, für die ungeduldigen Leser hier schon mal der Spoiler: Nein. Aber fangen wir der ruhig vorn an, schließlich hat der Black Lion Audio Eighteen zwei recht verschiedene Paten.

Die Klangeigenschaften des enthaltenen Vorverstärkers mit einem originalen Vintage-API Preamp zu vergleichen, ist natürlich unfair. Andererseits könnte man meinen, dass ein Hersteller, der so offensiv mit dem Vergleich hausieren geht, es nicht anders gewollt hat. Wie dem auch sei, ich will natürlich wissen, was es mit der behaupteten Ähnlichkeit auf sich hat. Die Qualität einer Vorverstärkung lässt sich in der Regel sehr gut anhand von Gesangsaufnahmen beurteilen. Gesagt, getan.

Wer sich übrigens wundert: Das Stück entstammt der Feder eines gewissen Wolfgang Amadeus Mozart.

Meine Testaufnahmen zeigen, dass der Black Lion im Vergleich zu einem API 212-Preamp recht modern und ein bisschen flach klingt. Ein bisschen fühlt es sich an wie der Vergleich von Holzboden mit Laminat. Der Eighteen wirkt in diesem ungleichen Duell eher matt, die Höhen sind fein gezeichnet, aber glanzlos. Im tonalen Kern wirkt die Stimme etwas verengt, was leicht asthmatisch anmutet und dazu führt, dass Vokale mancherorts leicht verfälscht wiedergegeben werden.

Auch bei der Aufnahme einer Akustik-Gitarre erreicht der Black Lion die fraglose Selbstverständlichkeit, die ein API 212 vermittelt, nicht. Grundton und Obertöne fallen ein bisschen auseinander, so dass sich nicht der gewünschte plastische Eindruck vermittelt. Bei Übersteuerungen reagiert die Schaltung übrigens ziemlich schlagartig mit einer eher spröden Verzerrung, die weich klingt, aber nicht dazu geeignet ist, Größe zu vermitteln. Wie gesagt ist der Vergleich mit einem Vintage-API sehr unfair, wenn man den Preisunterschied nicht wenigstens mitdenkt. Also vergleiche ich die klanglichen Eigenschaften natürlich auch mit einer Vielzahl anderer Preamps, die ich zur Verfügung habe. Dabei komme ich zu dem Schluss, dass sich der Black Lion Audio Eighteen meiner Ansicht nach eher in der Klasse „brauchbares Equipment für Einsteiger“ mit spürbar preiswerteren Geräten tummelt. Obschon er also nicht gerade objektiv mangelhaft klingt: Ein edles Schätzchen ist er nicht.

Der eingebaute Pultec-Style-Equalizer ist ein durchaus brauchbares Tool für bestimmte Situationen

Auch hier fleht uns Black Lion Audio auf seiner Website förmlich an, den EQ ernsthaft mit Vintage-Modellen zu vergleichen, die ein Vielfaches kosten. Das kann ich tun und das Ergebnis ist ein bisschen vorauszusehen. Ein echter Pultec klingt allein schon wegen der Röhrentechnik und der betagten Übertrager viel, viel weicher und plastischer. Dagegen wirkt der EQ, der im Eighteen enthalten ist, eher spröde.

Ich möchte den EQ trotzdem anderen Bewertungskriterien unterwerfen als den Preamp, aus dem schlichten Grund, dass ich von einem EQ ruhigen Gewissens verschmerzen kann, wenn er ungefragt seinen ganz besonderen Charakter aufprägt, der ja auch dann nützlich sein kann, wenn er etwas speziell ist. So ist es nach meinem Empfinden beim EQ, mit dem ich es hier zu tun habe.

Zunächst also zu den klassischen Einsatzzwecken – eine der zentralen Besonderheiten eines „Pultec-Style“-EQ ist die Möglichkeit, Frequenzen gleichzeitig anzuheben und abzusenken, was wegen der auftretenden Phasenverschiebung Auswirkungen auf ganz andere Frequenzbereiche als die bearbeiteten hat und häufig sinnvoll genutzt werden kann. Ich drehe testweise Präsenz bei 8 kHz rein, während ich etwa in gleichem Maße darüber liegende Höhen absenke.

Das bringt ein Plus an emotionaler Nähe und Sprachverständlichkeit und funktioniert mit dem BLA Eighteen sehr gut. Die Dynamik schwindet im angehobenen Band spürbar, das verleiht der Stimme eine etwas künstliche Rauheit. Im Vergleich mit einem Röhrenpultec wirkt das Ergebnis zwar klar und transparent, aber leider auch etwas eng und ein wenig dosig. Vintage-Wärme geht anders. Sogar im Vergleich mit einem Plug-in (Waves Puigtec) wirkt der BLA eine Spur härter und weniger „analog“. Trotzdem finde ich das Ergebnis ansprechend und brauchbar.

Nebenbei fällt mir ein kleines Knacken im Audiosignal beim Drehen der Potis auf, das verpasst dem eigentlich guten Eindruck, den ich von der Bauteilqualität habe, einen kleinen Dämpfer. Recht deutlich hört man übrigens, dass die Glockenkurve flacher ist als beim EQP1-A, die Messung bestätigt das.

Im Bassbereich zeigt der Eighteen unerwartet drastische Artefakte, so verschwindet ein guter Teil der Mitten abrupt, schon wenn man zum Beispiel eine einfache Anhebung bei 100 Hz vornimmt. Dann wird aus einem eigentlich in der Nähe des Stegs gespielten Bass ein scheinbar sanft am Hals gestreicheltes Instrument. Ein solches Verhalten ist extrem, aber durchaus angenehm und für ein Pultec-Derivat nicht unbedingt unüblich.

Der „Pultec-Trick“, also das gleichzeitige Anheben und Absenken im Bassbereich, ist wesentlich folgenschwerer. Ich persönlich würde ihn nur aus dem Hut ziehen, wenn mir am eigentlichen Charakter des Materials, das ich da unter den Fingern habe, nicht viel gelegen ist.

Insgesamt kann ich sagen, dass die Öffnung in den Raum hinein, die eine mit einem guten Pultec erzeugte Fettheit eigentlich haben sollte, nicht eintritt. Der Charakter des EQs neigt eher zu einer gewissen Blechernheit und drängelt sich dort ein bisschen vor, wo sich der Klassiker vornehm zurücklehnt.

Auch eine Höhenanhebung bei einer Akustikgitarre zeigt das: Sie bekommt einen wesentlich härteren Anschlag und vermittelt unmittelbar den Eindruck, jemand habe sein Instrument recht aggressiv beackert. Das kann in bestimmten Situationen nützlich sein.

Neben den Kuhschwanz-Filtern des eigentlichen EQs stehen High Cut und Low Cut zur Verfügung. Die beiden sind zwar mit „HPF 80Hz“ und „LPF 10kHz“ beschriftet, setzen tatsächlich allerdings bedauerlicherweise ganz woanders an. Der Low Cut rasiert ab 600 Hz abwärts sukzessive Vieles weg, was man sicher noch gerne erhalten hätte, der High Cut vollbringt schon ab etwa 3,5 kHz aufwärts sein Werk. Das ist natürlich totaler Unsinn, wenn man nicht gerade den Sound analoger Telefone nachahmen will.

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