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Test
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29.10.2020

Bitwig Studio 3.3 Beta Test

DAW-Update

Polymer Modular Synth, Wavetable und Workflowverbesserungen

„Wired for Sounds“ („Für Sounds verkabelt“) ist das Motto des dritten Updates von Bitwig Studio 3. Ähnlich wie bei der Konkurrenz werden mit jedem neuen Update neben Verbesserungen und Bugfixes auch neue Instrumente und Sounds sowie Workflowveränderungen mitgeliefert. In Version 3.3 sind z. B. Polymer, ein Hybrid aus Modular- und Analogsynth sowie ein waschechtes Wavetablemodul dabei. Wie sich die Neuheiten im Praxisalltag machen, was trotzdem noch fehlt und was vielleicht sogar zu viel ist, lest ihr in unserem Update-Test. 

Wer einen Upgrade-Plan von Bitwig hat, durfte sich vor kurzem gleich zum zweiten Mal in diesem Jahr freuen. Die nächste Fuhre an Instrumenten, Features und Modulen wurde als Beta der Version 3.3 von Bitwig Studio 3.3 veröffentlicht. Im Vergleich zu großen Updates wie z. B. bei Logic Pro-X 10.5 macht Bitwig eher kleinere Schritte, was die Menge an Neuerungen pro Update betrifft. Dafür ist man hier aber auch erheblich schneller: 3.2 ist gerade einmal sechs Monate alt. Und so langsam scheint es, als seien sich die Berliner immer bewusster darüber, wer ihr Zielpublikum ist. Die Bitwig-Community ist irgendwo zwischen Sounddesignern. Modularsynthnerds, Knöpfefricklern und Technofeen beheimatet. Ihre Sounds MÜSSEN komplex und anders klingen, ihre Synthesizer auseinander gebaut und modifiziert und die Presetordner ignoriert werden. Dieser bunten Bastlermischung gerecht zu werden und dabei gleichzeitig potentielle Neukunden nicht mit einem zu komplizierten Einstieg zu verschrecken, das ist und bleibt dabei die Herausforderung von Bitwig. 

Details

Polymer – Hybrider Modularsynth

Kommen wir zum Star des Updates – Polymer. Der ist als Einstiegsdroge für diejenigen gedacht, die sich zwar für Modularsynthese und The Grid interessieren, denen das aber bisher zu kompliziert war. So eine Wand voller Kabel und blinkender Module kann anfangs ja schon etwas abschreckend wirken. Will man also über den Tellerrand eines „einfachen“ Synthesizers wie FM-4, Phase-4 oder Polysynth schauen, aber noch nicht gleich Kabel stecken, ist Polymer zur Stelle. Im Oszillatormodul kann die Syntheseart ausgetauscht, im Filter verschiedene Typen ausgewählt und die Hüllkurven an verschiedene Module geknüpft werden. Der grundsätzliche Signalfluss ist in Polymer jedoch festgelegt – wir sind schließlich immer noch im Land der semimodularen Synthesizer.

Vier Synthesearten in sieben Auswahlmöglichkeiten bringt Polymer mit: Vier Analogsynthesizer-Module (Pulse, Sawtooth, Sine, Triangle), ein Wavetablemodul, Phase-1 (der kleine Bruder vom FM-Synth Phase-4) und Swarm, ein Unison-Oszillator. Dazu gibt es ein Sub-Oszillator-Modul, mit dem sich ein nach unten oktaviertes Basssignal dazu drehen lässt und ein Noise-Modul, das allerdings – etwas überraschend – keine Auswahl über die Art des Rauschens anbietet, nur White Noise ist im Angebot. Danach wählt man im Filtermodul aus fünf Filtern aus (zwei Lowpass-Filter, zwei Multimode-Filter, ein Combfilter). Moduliert wird grundsätzlich von zwei Hüllkurven aus, einer für die Lautstärke, einer für das Filter. Praktischerweise lassen sich Noise- und Suboszillator in die Filterhüllkurve umrouten, was zu ungewöhnlichen Sounddesignmöglichkeiten führt. Presetsounds, anhand derer man die Möglichkeiten und den Sound des Instruments kennenlernen könnte, sind in der Betaversion noch fast keine dabei – das dürfte aber beim Erscheinen der finalen Version 3.3 anders sein.

Wie alle Instrumente und die meisten Effekte in Bitwig Studio bringt Polymer auch eine aufklappbare Großansicht an, die aber, anders als bei den anderen Synthesizern, keine Wellenformen in Großaufnahme zeigt, sondern The Grid. Das steckt nämlich unter der Haube von Polymer. Will man den Signalweg verändern, kommt schnell die Ernüchterung: Die Kabel sind in dieser Ansicht unverrückbar, lediglich die Parameter lassen sich verstellen. Aber keine Bange, ein Rechtsklick auf den Titel links am Polymer, anschließend „Convert to Poly Grid“ auswählen und schon sind wir auf dem bekannten Modularspielplatz. Auf diese Weise können wir beispielsweise das Routing von Noise- und Sub-Oszillator ändern. Die beiden Oszillatoren sind standardmäßig in Polymer immer so geroutet, dass man vom Hauptoszillator nichts mehr hört, wenn sie voll aufgedreht sind. Wir fügen dann ein Mixermodul hinzu und routen Oszillator, Suboszillator und Noisemodul in die Eingänge – damit haben wir mehr Kontrolle über die Signalanteile.

Was nicht geht: das einmal modifizierte Instrument wieder in ein Polymer zurück verwandeln. Hier scheint Bitwig eher einen vorsichtigen Weg zu gehen: die Tür in Richtung The Grid zwar aufzumachen, den Weg aus dem Baukasten heraus aber verschlossen lassen. Wahrscheinlich birgt das Umwandeln eines komplexen Poly-Grid-Instruments in ein einfach zu bedienendes Polymer-Instrument noch zu viele Fehlerquellen – noch. 

Wavetable – Synthese à la Serum

Die Wavetable-Synthese ist mittlerweile in quasi jeder DAW angekommen und so gibt es sie als Modul in Polymer und in The Grid im 3.3 Update von Bitwig Studio. Das Update bringt von Haus aus ca. 200 Wavetables in verschiedenen Kategorien und Klangfarben mit. Die Wavetables sind alle im WT-Format vorhanden, das man auch vom fantastischen Freeware-Synthesizer „Surge“ kennt. Auch Wavetables im normalen WAV-Format kann das Modul lesen. Per Drag-and-drop kann man diejenigen, die auch in Serum importierbar sind, in „Wavetable“ überführen. Graphisch erinnert das Instrument an die dreidimensionale Darstellung der Wavetables in Serum oder Ableton Lives Wavetable. Dazu gibt es etwas versteckt im Wavetable-Modul noch einen Unison-Bereich, der den Oszillator auf bis zu sechszehn Unison-Instanzen aufblasen kann. 

Neben den üblichen Reglern für die Breite und „Verstimmung“ der Unison-Kopien gibt es dazu noch die Möglichkeit, zwischen drei Unison-Arten auszuwählen: „Fat“, „Focused“ und „Complex“. Diese bestimmen, wie die Stimmen im Unison-Stack geschichtet werden. „Fat“ schichtet sie flach nebeneinander im Stereopanorama, „Focused“ setzt eine laute Hauptstimme in die Mitte und die anderen Oszillatorstimmen leise verstimmt an den Rand und bei „Complex“ werden die Unsion-Instanzen verwischt – laut Beschreibung entstehen hier wohl Polyrhythmen zwischen den Unison-Stimmen, das Retriggern bei neuen MIDI-Noten soll so besonders weich klingen. 

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