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Test
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06.11.2013

Praxis

Zum Test liegt mir zwar die DVD-Version vor, doch aufgrund einer schnellen Internetleitung und meines derzeit launischen DVD-Laufwerks habe ich nach getätigter Produktregistrierung bei Best Service gleich die Library samt Player per alternativem Downloadlink heruntergeladen. Die Installation und anschließende Aktivierung der Library per Seriennummer im Kontakt 5 Player verlief problemlos. 

Meiner Testversion lag im Gegensatz zur „richtigen Kaufversion“ von Shevannai NOCH keine Bedienungsanleitung bei. Auf der Best Service Homepage lässt sich allerdings hier eine gut dokumentierte und vor allem auch auf  deutsch geschriebene Bedienungsanleitung finden, an der es bis auf die bereits erwähnten, aber äußerst kleinen Fehler (Staccato Key-Switches) absolut nichts zu bemängeln gibt. Was gibt es klanglich und musikalisch zu vermelden? Hören wir doch am besten mal rein. In den folgenden Audiobeispielen hören wir die Patches von Shevannai ohne die Verwendung weiterer Plug-Ins, lediglich der zur Library gehörende Hall ist meistens gleich mit von der Partie.

The Voice

Ich denke, dass die folgenden beiden Audiobeispiele eine hervorragende Spielbarkeit und Authentizität des Legato-Patches belegen. Die Übergänge klingen überwiegend natürlich, und auch das Timing ist im Gegensatz zu Vocal-Samples anderer Libraries oder eigener Kreationen bereits schön „tight“. Bemerkenswert finde ich außerdem das recht artefaktlose Überblenden von Vokalen - zu hören am Ende von dem ersten Audiobeispiel . Die aufgrund der Tonhöhe teilweise auftretenden Unverständlichkeiten oder „Verfärbungen“ einzelner Vokale sind naturbedingt und demnach kein Kritikpunkt meinerseits.

Das zweite Audiobeispiel ist quasi eine Antwort auf die Frage, wer eine solche Library benötigt. Im weiten Feld der Popmusik gibt es vielerlei Spielarten, wo derartige Stimmen Verwendung finden. Wenn man bedenkt, dass die Legato-Stimme hier einfach nur lässig „draufgespielt“ wurde, ohne weitere produktionsübliche Edits, Verfeinerungen oder Mix-Maßnahmen, gefällt mir das spontane Ergebnis doch schon sehr gut. Welche konkreten weiteren Anpassungsmöglichkeiten uns das Legato-Patch bietet, sehen wir in der folgenden Abbildung.

Die fantasievoll gestaltete Benutzeroberfläche präsentiert folgende Parameter und Informationen: In der Mitte befindet sich der ... mmh, ich nenne ihn mal „Teller der Erkenntnis“. Dieser offenbart, welches „Word“ (grüne Keys) oder welche Silbe (rote Keys) aktuell per Key-Switch angewählt ist. Die Drehregler links und rechts sind zuständig für Vibrato, ENV sowie die Lautstärke des ggf. unten angewählten Release-Samples SH, SS, SSS, Q, N (REL VOL) bzw. die Lautstärke der  Atmung (INHALE). Die Regler lassen sich bei Bedarf bequem per rechter Maustaste einem MIDI CC# zuweisen. Schlachtentscheidend ist allerdings die Anwahl des Solo-Modes, welcher die Legato-Spielweise erst ermöglicht. In Audiobeispiel 04 hören wir den Einsatz eines Konsonanten als Release-Sample. Hier wurde ein Wort gebildet, das in einigen „Elbe“-Dialekten soviel wie „Gestalt im Frühnebel“ bedeutet.

Positiv anzumerken ist weiterhin, wie flexibel man eine „Gesangsperformance“ mit dem Legato-Patch gestalten kann. Alle Töne sind ausreichend lang ausgesungen, offensichtlich ohne Loop und dementsprechend authentisch und musikalisch gut einsetzbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Gesangssamples hat man per Modulationsrad (CC#01)  bzw. Regler „VIB VOL“ volle Kontrolle über das Vibrato der Stimme - Top!

Die Patches „Staccato“ und „Inhales & Release“ wirken hingegen etwas unspektakulär und dienen eher dem Feinschliff der Gesangsperformance und dem Kreieren eigener Wortschöpfungen. In Audiobeispiel 05 hören wir einige Atmer und Konsonanten, die nicht nur als Release-Sample, sondern auch als Anklang zu verwenden sind.

Phrases

Wie der Name dieser Instrumentenkategorie verrät, enthalten die Patches vorgefertigte Phrasen mit geringen musikalischen Steuerungsmöglichkeiten. In folgender Abbildung sehen wir die Parameter „Tempo“ und „Offset“ des Melodic Phrases Patch. Diese ermöglichen Timestretching und einen Offset des Sample-Startpunktes, um beispielsweise das unerwünschte erste Wort einer Phrase zu überspringen.

An dieser Stelle muss ich nun etwas Kritik üben, denn in den geflüsterten Worten des Audiobeispiels 07 sind einige störende Schmatz-Geräusche zu hören, welche besonders in Verbindung mit dem PlugIn-internen Hall etwas deplatziert wirken. Hier empfiehlt es sich, derartige Samples ohne Hallanteil zu bouncen, danach durch Editierung zu „entschmatzen“, um dann erst ggf. einen Hall hinzuzufügen. Ansonsten sind die übrigen Samples der Library von absolut überzeugender Qualität. Ich denke, die beiden „Flüster-Patches“ sind überwiegend dem Einsatzgebiet der subtilen Vertonung und des Sounddesigns zuzuordnen, wobei eine atmosphärisch-ästhetische Unterstützung von Musikproduktionen, die nichts „elbisches“ oder elfenhaftes an sich haben, ebenfalls vorstellbar ist. Zur Verwendung des Patches „Spoken Phrases“ fallen mir eher „Ferris macht blau“-mäßige  Telefonstreiche ein. Hierzu bietet Audiobeispiel 10 (unter Verwendung von Fremd-Plug-Ins) einen dramaturgisch nicht ganz ausgearbeiteten Inspirations-Impuls...

Soundscapes

Keine Eduardo Tarilonte Library ohne Soundscapes. Laut Marketing eignen sich diese zum Sounddesign und zur Vertonung von Filmen und Computerspielen. Ich kann mir die Verwendung einiger Patches auch sehr gut bei Musikproduktionen vielfältiger Genres vorstellen, was die Zielgruppe deutlich erweitert. In den folgenden Audiobeispielen hören wir eine kleine Auswahl der atmosphärischen und der Pad-artigen, musikalisch spielbaren Patches. In Audiobeispiel 13 wurden drei Soundscape-Patches mit dem Patch „Whispered Phrases“ gelayert.

Die Produktionsqualität der Soundscapes ist definitiv „ready to go“, sprich klanglich und ästhetisch auf hohem Niveau und somit ohne größeren Aufwand und Nachbearbeitung in jegliche Produktionsformen einzubinden. 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Arbeiten mit Shevannai/Kontakt Player 5 auf meinem MacBook Pro (2.66GHz Intel Core i7, OS X 10.8.5, 4GB RAM) unter Logic Pro X absolut problemlos läuft. Die Ladezeiten sind subjektiv kurz, es treten im Gegensatz zu Engine 2, wo teilweise ein Finetuning bezüglich der Speicher-bezogenen Voreinstellungen erforderlich ist, keine Knackser auf. Der, sich klangästhetisch gut einfügende, Hall ist zwar etwas ressourcenhungrig, ließe sich aber in „Notsituationen“ durchaus deaktivieren, falls dies denn erforderlich sein sollte. Dank rudimentärer, aber vollkommen ausreichender Eingriffsmöglichkeiten auf die Klangparameter, ist die Bedienung äußerst simpel, demgegenüber stehen viele Echtzeit-Steuerungsmöglichkeiten der Gesangsperformance per Key-Switch und CC#s. Prädikat: Voll praxistauglich!

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