Hersteller_Behringer 2013_Jahresrueckblick
Test
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05.09.2012

Behringer X32 Test

Digitalmischpult

Jetzt wird´s ernst!

Das X32 ist zweifelsohne nicht einfach "noch ein Produkt" der deutschstämmigen Marke Behringer, das wurde im Vorfeld der Serienfertigung schon deutlich. Das Unternehmen präsentierte stolz die ersten Prototypen, lud zu Pressekonferenzen und Hands-On-Terminen und machte keinen Hehl daraus, auf das Digitalpult mächtig stolz zu sein. Nach den ersten Erkenntnissen gibt es da auch allen Grund zu, das können wir von bonedo.de unterschreiben: Ein frühes Vorseriengerät haben wir bereits in einem exklusiven Sneak-Preview beschnuppert, in der ehemaligen Firmenzentrale in Willich wurde eine der letzten Versionen vor der endgültigen Serienproduktion in der chinesischen Behringer-City beäugt und befingert.

Jetzt wird es aber ernst, denn eines der ersten Serienmodelle hat seinen Weg in einem Ungetüm von Karton zu mir gefunden - zunächst, um sich ablichten zu lassen, dann aber vor allem, um sich mit gewohnt bonedischer Akribie eines kompletten Check-Ups zu unterziehen. Kann das X32 den Features gerecht werden? Ist es leicht verständlich? Lässt es sich auch im Dauerbetrieb gut bedienen? Klingt es vernünftig?

Details

Sind diese Features zu dem Preis überhaupt machbar?

Klappern gehört zum Handwerk, und für dieses Handwerk hängt im Hause Behringer sicher der Meisterbrief an der Wand: Wie üblich ist auch beim X32 eigentlich alles "ultra", "high-end" und "professional". Doch Schlagwörter und Anpreisungsbegriffe hin oder her: Alleine die Daten, mit denen das X32 daherkommt, würden schon für sich sprechen, vor allem, wenn man den Preis des Gerätes hinzuzieht: Für unter € 3.000 ist die mit Features vollgepumpte Digitalschüssel in den Shops gelistet. Die Frage, ob sich für diesen Preis denn überhaupt ein derart ausgestattetes Pult herstellen lässt, kann pauschal mit "Ja, offensichtlich!" beantwortet werden. Die Frage ist also eher, ob es nicht irgendwelche Schwachstellen oder Mängel gibt, oder ob vielleicht manche Wünsche der ein oder anderen Kundengruppen dem Rotstift geopfert wurden.

Ganz schön viel los an Bord

Bei den Inputs und Outputs des X32 ist auf jeden Fall schon mal alles in bester Ordnung, denn die Interkonnektivität des Pultes ist nicht gerade spartanisch. Doch wie wär´s vielleicht erst einmal mit einem kleinen Überblick? Gerne? Ok, los geht´s: Das 20,6 kg schwere Schiff misst 90 cm in der Breite, ist ohne Stecker 52,8 cm tief und an der höchsten Stelle 20 cm hoch. Insgesamt 25 selbstentwickelte 100-Millimeter-Fader wohnen auf der Oberfläche und präsentieren sich in Blöcken: 16-8-1. Die 16 gehören im Normalbetrieb den Input-Channels, doch natürlich gibt es ein Layering, sodass man nicht auf 16 Eingangskanäle beschränkt ist. Mit seitlich neben dem Block angebrachten Tastern kann zwischen Inputs 1-16, 17-32 sowie "Line Input & USB" und Bus Master geschaltet werden.

Der weiter rechts liegende Achterblock wird – das ist keine Überraschung – vornehmlich für das Busrouting verwendet (DCA, Bus 1-8, Bus 9-16), der einzelne natürlich für den Master. Auch wenn es vielleicht danach aussehen mag: Die Faderkappen sind nicht aus Metall, sondern aus Plastik. Somit sind sie also nicht berührungsempfindlich, was die Verwendung mit Automationen etwas einschränkt. Motorisiert sind sie natürlich schon.

Die alternierende Helligkeit der Untergrundfarbe der Fader verringert die durch andere Maßnahmen sowieso schon geringe Gefahr, aus Versehen einen benachbarten Fader zu bewegen.

Die Mini-LCDs mit RGB-Beleuchtung sind der Kracher!

Oberhalb der Fadersektionen findet man häufig benutzte Bedienelemente und Rückmeldungsmöglichkeiten des X32. Ein großer Mute-Button darf natürlich genauso wenig fehlen wie Solo und Select. Select wird verwendet, um einen Kanal im Detail zu betrachten – wie das genau vonstatten gehen kann, erkläre ich gleich. Kleine LEDs können weiterhin die Aktivität von EQ und Dynamics zeigen, geben aber auch Info über vorherrschende Pegel. Der absolute Kracher – nicht nur der Sektion, sondern des gesamten Pultes – ist aber das mit unterschiedlichen Farben beleuchtbare LC-Display, welches neben der Kanalnummer auch einen aussagekräftigen Namen und ein Icon beinhalten kann. Das ist absolut spitze, denn nichts ist bei den meisten Pulten so nervig, wie immer Nummern mit Namen im zentralen Display vergleichen zu müssen oder trotz funkelnagelneuer Digitaltechnik ein anachronistisches Kreppband zu spannen und zu beschriften – um dann wegen Doppelbelegungen doch wieder den Überblick zu verlieren. "Bass D.I." und "Master Sidefill L" sind einfach aussagekräftig. Ich notiere also direkt einmal ein dickes Plus für die Displays (übrigens auch eine Eigenentwicklung!) auf meiner Testerkladde.

Der Channel-Strip hält die wichtigsten Parameter für alle Kanäle bereit

Drei Fünftel des Bereiches, der vom Tontechnikerbauch entfernter liegt als die Fader, sind durch verschiedene Drehgeber und Taster besiedelt. Wer findet, dass das unaufgeräumt und unsymmetrisch aussieht, sollte einen genaueren Blick darauf werfen: Es handelt sich um eine Art Channel-Strip, welcher die wichtigsten Parameter im Umgang mit Signalen im direkten Zugriff bietet. Dementsprechend findet man hier eine Preamp-Sektion mit Gain, Phantom-Power und dergleichen.

 

Das 7" TFT Farbdisplay offenbart auch "versteckte" Funktionen

Ebenfalls direkt zugänglich ist der EQ. Da es sich bei EQs digitaler Pulte schnell um eine wahre Parameterflut handelt, werden hier die einzelnen Bänder umgeschaltet, welche dann mit f, Q und Gain bedient werden – laut Behringer wurden hier ergonomische Konzepte miteinander verglichen und dieses für am besten und praktikabelsten befunden. Send-Abgriffe findet man ferner genauso wie Zugang zu den Dynamics. Dort ist allerdings der Direktzugriff mittels Hardware recht mau: Geregelt werden können ausschließlich die Thresholds von Gate und Kompressor, geschaltet die Bypass-Funktionen. Das alles ist aber kein Beinbruch. Ganz im Gegenteil ist das eher … öhm… der zugehörige Gipsverband! In jeder der genannten Sektionen (und an manch anderen Stellen auf der Oberfläche) warten unscheinbare "View"-Taster darauf,  bedient zu werden. Will man also den Attack-Parameter des Kompressors bearbeiten oder sich die Kurve der gesamten Frequenzgangverbiegung betrachten, drückt man einfach den "View"-Button und kann alles im 7"-TFT ansehen – und dort natürlich genauer bearbeiten: Unterhalb dieses Displays warten sechs Drehgeber auf tontechnische Eingriffe, navigiert werden kann mit den vier Tastern für Page und Layer. Manches muss an einem Digitalpult eben in einem Menü eingestellt werden, beispielsweise System-Settings oder globale Routings. Zu diesem Zweck wohnen rechts des Displays Taster, die den direkten Weg dorthin weisen.

Das X32 bringt Licht in die Sache

Rechts schmiegt sich die Talkback- und Monitoring-Sektion an das Display. Regler für Monitor- und Phones-Level finden sich dort, aber auch Mute, Mono und Dim. Dim ist übrigens im Level einstellbar - eine hervorragende Funktion, wie ich finde. Ein externes Talkbackmikrofon kann das kleine Mikro ersetzen, am XLR liegt permanent Phantomspannung an. Über einen vierpoligen XLR kann auch eine Lampe eingesteckt werden. Warum eigentlich? Aufgrund der hervorragenden, mehrfarbigen Beleuchtung der Schaltfunktionen, der schicken Displays sowie der (nicht sonderlich hoch auflösenden) LED-Kränze um die ebenfalls beleuchteten Drehgeber, lässt sich das Pult eigentlich im Dunkeln bedienen. Okay: Die Fader oder ihre Lauföffnungen im Gehäuse müssten noch eine Beleuchtung haben, dann wäre der "Nachtmodus" perfekt.

Kopfhörerbuchsen links und rechts an den Seiten

Wer in der besagten Sektion – die ja immerhin das Headphone-Level beinhaltet – auch die Kopfhörerbuchse vermutet, der kann dort lange suchen. Ein kleines Icon gibt den entscheidenden Hinweis: Die Klinkenbuchse kauert verschüchtert an der Rückwand des eingelassenen rechten Tragegriffs. Auf der linken Gehäuseflanke findet man eine weitere. Hier zeigt sich, dass an vielen Stellen ans Detail gedacht wurde: Eine Kopfhörerbuchse hat auf der Rückseite eines Pultes nichts verloren – gar nichts sogar. Auf der Oberfläche ist sie zwar schnell zu finden und irgendwie praktisch, das blöd herumliegende Kabel ist aber bestimmt nicht praktisch. Vorne herausragende Kopfhörerkabel werden zur Strafe für ihr Vorhandensein einfach mal mit dem Oberschenkel herausgehebelt. Insofern: Goldrichtig, Leute!

Effektivität und reproduzierbare Szenen

Im Südosten lassen sich Szenen speichern und schalten, vor allem aber interne Effekte wählen und steuern. Die Wunschparameter können ausgewählt werden, zur Bearbeitung gibt es acht Drucktaster und vier der zuvor bereits beschriebenen Drehgeber mit Innenbeleuchtung und LED-Kranz. Es erscheint äußerst sinnvoll, dass auch hier vier der kleinen Displays zum Einsatz kommen. Nichts besonderes, aber dennoch erwähnenswert ist die Tatsache, dass rhythmische Werte eingetappt werden können und der Taster, der diesen Parameter führt, brav in entsprechenden Abständen mitblinkt. Das ist sehr livetauglich, auch wenn ich ein großer Freund vom Auslagern dieser Funktionen auf einen Footswitch bin. Das geht beim X32 leider nicht, denn ein entsprechender Anschluss ist nicht vorhanden – somit auch nicht für weitere Steuerungen.

Bucht für Mobiltelefone: Die Smart Phone Bay

Ein weiteres Feld beinhaltet den Umgang mit Mute-Groups, ganz rechts unten findet sich die "Smart Phone Bay": Das ist schlicht und einfach eine Ablagefläche für das Telefon. Wenn ihr jetzt Witze machen wollt, dann fehle ja eigentlich nur noch der Kopfhörerständer, der bündig ins Gehäuse eingebaute Aschenbecher, die Schlüssel-, Taschenlampen-, Leatherman- und Bierglasablage und – nicht zu vergessen – der Gaffa-Tape-Abroller, dann bitteschön. Ich jedenfalls finde das praktisch, denn so manche App möchte man bei der Arbeit nutzen, beispielsweise einen Analyzer.

Auf der Rückseite ist mächtig was los!

Bis auf die USB-A-Buchse für zuspielende oder aufzeichnende Speichersticks, die sich mit ihrer Position auf der Arbeitsfläche genau dort befindet, wo sie hingehört (außer, man verwendet dazu das rechts unten liegende Smartphone) und die beiden Kopfhörerausgänge, liegen sämtliche Anschlüsse des Behringer X32 auf der Rückseite. Und das sind einige! Die 32 XLR-Inputs verbraten schon eine Menge des Platzes, doch glücklicherweise wurden der Menschheit hier Multipin-Stecker und Kabelpeitschen erspart. Nett ist, dass aktive Phantomspeisung direkt neben der zugehörigen Buchse mit einer roten LED signalisiert wird – so muss dat! Mit den 16 mit unterschiedlichen Signalen beschickbaren XLR-Ausgängen sollte das Digitalpult für eine Vielzahl von Aufgaben ausreichend ausgerüstet sein, etwa ein Monitoring mit vielen Wegen. Doch was ist, wenn man ein umfangreicheres Live-Recording machen möchte? Hier kommt die ursprünglich nur als Option geplante Erweiterungskarte ins Spiel, die über USB 2.0 oder FireWire 400 das 32(!)fach-Audiointerface für Macs und PCs mimt. Und auch sonst zeigt sich Uli Behringer spendabel: Neben, wie gewohnt mit XLR und Klinke ausgestatteten Control Room Outs, gibt es je sechs Aux-Outs und Ins als 6,3mm-TRS, deren jeweils letztes Pärchen zusätzlich als RCA ("Cinch") vorhanden ist. In puncto “typisches digitales I/O” gibt sich das X32 hingegen spartanischer. So sucht man Anschlüsse für ADAT und S/PDIF per Lightpipe oder Koaxialkabel vergebens. Lediglich eine XLR-Buchse versendet nach AES/EBU. Auch ein entsprechender Input ist nicht im Angebot, genau wie (daraus natürlich abgeleitet) die Möglichkeit, das Pult per Wordclock zu takten.

Bestens vernetzt

Der Tag, an dem das letzte Gerät mit MIDI auf den Markt kommt, liegt glücklicherweise in weiter Ferne, daher findet man auch am X32 einen In- und einen Output. Interessant wird es, wenn man die RJ45-Buchsen betrachtet. Da wäre einmal die "Ultranet"-Buchse, an der folgender Sachverhalt "ultra" ist: Über ihn kann das sechzehnkanalige Monitoring-System von Behringer angeschlossen werden, mit äußerst geringer Latenz und – wen wundert´s – mit recht preisgünstigen Endgeräten. Der "Personal Monitor" "Powerplay 16" kostet um die 200 Euro. Richtig brutal wird es aber mit den beiden AES50-Ports, über welche mit absolut aktueller Technik (Das auf Ethernet basierende "SuperMac" genannte System wurde von Klark Teknik übernommen.) mit 96 Kanälen pro Richtung umgegangen werden kann. Die S16 Digital Snake ist optional erhältlich und bietet 16 fernsteuerbare Mic Pres und acht Ausgänge über AES50 auf zwei HE. Ich möchte den etwas vergesslichen oder quer lesenden Leser an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, dass das X32-Pult nicht über € 10.000 kostet… Den Abschluss an rückwärtigen Buchsen bilden eine USB-B-Buchse und ein Netzwerkanschluss für Remote-Tätigkeiten über die spezielle, umfangreich ausgestattete iPad-App (etwa zum Einstellen der Monitorlevels auf der Bühne) und eine PC-Steuerungssoftware sowie der Energie-Input in Form eines Kaltgerätesteckers für das Autoswitch-Netzteil.

Midas und Klark Teknik Gene unter der Haube

So, das war im Wesentlichen der Blick auf die Außenhaut der neuen Behringer-Digitalschüssel. Was steckt unter der Haube? Der Zusatz "Powered by Midas" ließ schon manche Forenschreiber munkeln, Behringer habe einfach nur Midas-Technik umgelabelt. Doch weit gefehlt (hier klicken für das Interview mit dem Entwickler). Allerdings machen Mikrofonsignale recht schnell Bekanntschaft mit Midas-Technik, denn der Preamp stammt von den Engländern. Direkt danach werden die Signale in die A/D-Stage geschickt, um ihr Analogtum zu beenden. Der Chiphersteller Cirrus Logic liefert den Converter, der mit 24 Bit quantisiert und eine maximale Samplerate von 48 kHz bereitstellt. Das wird manchem ein Dorn im Auge sein, der plant, das Pult in einer Recording-Umgebung zu verwenden. 96 kHz klingen zwar schön in den Kundenohren, doch wäre dieser (oftmals recht kleine) Gewinn teuer erkauft: mit geringeren Channelcounts am Gerät und/oder einem höheren Preis für das X32. Also ich find´s in Ordnung.

Die anschließende Weiterverarbeitung erfolgt nicht mehr mit Fixkomma, sondern mit Floating Point in einer Wortbreite von 40 Bit. Auch die weitere Zahlenwelt macht auf dem Papier einen ordentlichen Eindruck. So liegt der Durchlauf-Frequenzgang von In zu Out bei 10 Hz - 22 kHz (+0/-1dB). Das ist genauso akzeptabel wie die harmonischen Verzerrungsprodukte und das Rauschen (THD+N), die hier – mit 20 dB Gain gemessen und mit 0dBu am Ausgang – 0,008% betragen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ein Signal, welches über das übliche Routing läuft, durch das ganze Pult weniger als eine Millisekunde (!) unterwegs ist. Das ist ungefähr der Zeitraum, den Schall von Nahfeldmonitoren zum Tontechnikerohr benötigt.

Hinter besagtem ADC befindet sich eine Einheit, die bei Behringer "I/O Patch" genannt wird – quasi eine kleine Kreuzschiene. Hier werden ankommende Digitalsignale und gewandelte Signale aus den Analog-Inputs geroutet. In diesem Verteilsystem landen also auch AES50-Signale, Aux-Ins und die Ausgänge der 32-kanaligen Interface-Karte. Einen Signalfluss-Schritt weiter findet sich "DSP Patch", welches auch interne Routings ermöglicht. Beispielsweise ist es hier möglich, den Aux Input 4 auf Channel 11 und 12 zu routen. Keine Angst: Per Default landet der rückwärtige Input XLR 1 auch auf Channel 1. Doch man kann im Menü fröhlich herumdoktern, wie es die Situation verlangt und der Überblick des Technikers zulässt. In den kleinen 128x64-Pixel-Displays über den Fadern wird jedoch Tacheles gesprochen und die Quelle des Channels immer mit Klarnamen angezeigt.

Auch das Bus-System ist umfangreich. Der Main-Bus ist dreikanalig, da er nicht als LR, sondern als LCR ausgelegt ist, also mit einem Center daherkommt. Einerseits ist das zwar gut, doch andererseit bedeutet das, dass die Architektur des Pultes keine allzu bequeme Surroundfähigkeit liefert – dafür muss man andere Schienen verwenden und auf spezielle Positionierungsvorrichtungen und Effekte verzichten. Allerdings sollte man bedenken, dass so ein Pult-OS dahingehend ja tendenziell auch erweiterbar ist.

Eine ganze Bus-Flotte für Audio-Passagiere

Das große Bus-System nennt sich "Mix Bus" und bietet 16 Schienen, die von verschiedensten Quellen aus beschickt werden können, darunter Talkback (welches übrigens mit einem eigenen Kompressor ausgestattet ist!) und andere Busse. In den Bussen selbst stehen neben den üblichen Funktionen auch EQs und Dynamics  zur Verfügung. Eine fast identische Ausstattung besitzen die zusätzlichen sechs Matrix-Busse. Man erkennt also schon hier, dass das Pult beim Routing durchaus auf komplexe Situationen reagieren kann. Selbst das Ansprechen von Delay-Lines oder ein "Broadcast-Mode" dürften kein Problem sein.

Eine zweikanalige Soloschiene kann Signale tragen, die sich an verschiedensten Stellen abgreifen lassen. In den Channels ist der Abgriffspunkt nicht nur stupide auf AFL/PFL festgelegt, sondern kann Pre/Post EQ, Pre Fader, Post Fader und Post Pan liegen, zudem wartet die Architektur mit verschiedenen Solo-Follow-Modi auf (darunter auch ein einfaches Channel Select Follows Solo).

Flexibles Channel-Routing

In den Channels findet man die Ausstattung und Flexibilität, die man im Live- und Studiobetrieb benötigt. So lässt sich die Position der Kompressor-/Gate-Sektion vor oder hinter den EQ swappen, Gate und Kompressor können per Key-Input mit externen Sidechain-Signalen beschickt werden. Im Detektorweg gibt es sogar einen weiteren EQ! Auch der Insert-Punkt kann vor oder hinter EQ und Kompressor geroutet werden. An dieser Stelle wünscht man sich jedoch unter Umständen einfacher erreichbare Hardware-ISR, um den teuren Röhrenkompressor oder sonstige Schätzchen beim Soundfeilen bequem integrieren zu können.

Effekte mit namhaften Hardware-Vorbildern

Dann wären da ja noch die internen Effekte. Je nach Bedarf im ISR von Channels oder Bussen oder als Zumischeffekte kann aus einer Vielzahl von Klangbearbeitern ausgewählt werden. Im Angebot sind natürlich nicht nur grafische Equalizer: So findet man verschiedene Delay-Typen und daraus abgeleitete Modulationseffekte. Die grafische Darstellung macht schnell klar, wenn man sich an ein Hardware-Vorbild erinnert fühlen soll. Mehr als bei Chorus und Flanger ist dies bei den Reverbs der Fall, deren Optik an Lexicons PCM-Serie und die das 480 oder 300 steuernde LARC erinnen. Aber auch die Designsprache des Quantec QRS findet man wieder. Dies alles lässt natürlich auch auf entsprechenden Sound hoffen. Gut finde ich, dass Behringer mit dieser Nähe offen umgeht und die "Inspirationsquelle" zu den jeweiligen Effekten in sein Manual schreibt. Desweiteren finden sich im Effekt-Pool Limiter, Rotary Speaker, Enveloper, Imager, Enhancer, Exciter, Amps und sogar ein Moog-Filter. Ich korrigiere: "Mood"-Filter. Kein Effekt, sondern ein hilfreiches Tool ist der eingebaute (oder besser natürlich: einprogrammierte) Oszillator, der wunschgemäß flexibel geroutet werden kann und Pink- und Whithe-Noise und natürlich einen Sinus (mit einstellbarer Frequenz) bietet.

So, das war ja mal eine etwas längere Beschreibung als bei einem Poppschutz oder einem Plektrum – dabei habe ich mich mit Ausführlichkeit noch zurückgehalten. Ich hoffe inständig, dass ihr nicht schon rotierende bunte Klötzchen vor den Augen habt und mit Drehschwindelanfällen kurz vor der Ohnmacht steht. Denn schön, dass das X32 so fein ausgestattet ist, doch jetzt geht´s um die Wurst. Vorhang auf für die Praxis: Gamechanger  oder Showstopper?

Praxis

Gamechanger: Das X32 baut man auf (zur Not auf einen ordentlichen Keyboardständer), kabelt es an und kann loslegen. Der Bootvorgang ist in etwa zehn Sekunden abgefrühstückt.

Dynamische Parameterzuweisung erleichtert die Übersichtlichkeit

Ohne viel auf das Main-Display blinzeln zu müssen, sind rasend schnell Phantoms aktiviert, Pegel gesetzt sowie „böse“ Frequenzbereiche in die Schranken gewiesen. Wenn man aber weitere Parameter als die im Channel Strip direkt verfügbaren bearbeiten will, kommt man um das große Display nicht herum. Die Verwendung der "View"-Buttons ist jedoch glücklicherweise ungemein hilfreich und schnell, außerdem erklärt sich deren Funktionsweise nun wirklich von selbst. Ich persönlich hätte mir dennoch vor allem weitere wesentliche Dynamik-Parameter im Direktzugriff gewünscht. Die Attack-Zeit eines Kompressors ist nun mal ein verdammt wichtiger Soundbuilder, den ich nur missmutig aus irgendwelchen Menüs herausfische. Ok, ok: Dank View ist er immer nur einen zusätzlichen Tastendruck entfernt. Und so ganz stimmt das mit dem Direktzugriff auch nicht, denn es gibt die (hervorragende!) Möglichkeit, Parameter aus der Dynamik-Sektion in den Assign-Bereich auf der rechten Seite zu legen. "Na toll, was habe ich davon, die Attack aus einem der Kanäle im Direktzugriff habe?" mögt ihr jetzt denken. Doch halt: Die Zuweisung erfolgt dynamisch, also wir beim Selektieren eines neuen Channels auch wirklich dessen Parameter angezeigt. So soll´s sein und nicht anders!

Das Pult ist nicht so riesig, dass man wie bei manchen Analogkonsolen, um von einem Ende zum anderen zu gelangen, fast schon ins Auto steigen möchte: Dass durch die Verteilung der Parameter auf Hardware und Screen der Blick hin- und herwandert, ist in der Praxis ziemlich egal. Das liegt auch am guten Wiedererkennungswert in der Anordnung von Screen-Elementen und Hardware, man muss einen eben benutzten Taster oder einen Drehregler nie "suchen", um ihn wiederzufinden. Es ist immer alles absolut übersichtlich. Meine Befürchtungen, mit der Mehrfachbelegung, vor allem des EQs, zu langsam zu sein oder das falsche Band zu bedienen, haben sich schnell in Luft aufgelöst.

Lob für die ergonomische Gestaltung des Pultes

Ich habe Geräte mit einfachen, großen Reglern und klarem Aufbau bei einem SAE-Seminar einmal "Lego-Duplo-Style" genannt und fühle mich gerade daran erinnert. Ein Pultec-EQ ist ja auch deswegen ein tolles Gerät, weil man einfach und grob zur Sache gehen kann, statt herumzufriemeln. Ein weiteres Lob möchte ich der gesamten Gestaltung des X32 aussprechen: Durch die Neigung des Pultes, die noch stärkere des Displays sowie die nicht zu große Tiefe ist es möglich, auch als nicht so groß gewachsener Mensch wie ich an allen Elementen lange zu arbeiten und immer alles gut ablesen zu können, ohne sich zu sehr vorbeugen zu müssen und langfristig Ärger mit der Wirbelsäule zu riskieren.

Für manche Bedienungen hätte ich mir einen schnelleren Zugriff gewünscht, aber das ist ja von Workflow zu Workflow verschieden. Die Eingabe von Namen mittels Drehrad verliert beim hektischen Line-Check den Kampf gegen die Uhr. Gewinner des Zeit-Wettstreits wäre zwar die alte Kombination Kreppband und Edding, jedoch könnte man dann natürlich nicht die unbestreitbaren Vorteile nutzen, die es hat, wenn die Namen im System sind: Diese kleinen LC-Displays sind nämlich wirklich Gold wert, vor allem, wenn man die Farben mitbenutzt und ihnen eine Kategorie zuordnet. Für das Routing wäre ich ein großer Freund von einer 16-Drucktaster-Fläche gewesen, die im Channel-Strip alle gesetzten Verbindungen anzeigt (umschaltbar für Matrix etc.), oder einer entsprechend großen, umfangreichen Visualisierung im TFT. Das Routing des X32 ist zwar nicht das komplizierteste der Welt, doch wird es für viele User das größte und komplexeste sein, mit dem sie bislang gearbeitet haben - vor allem, wenn sie zuvor mit kleineren Analogpulten gemischt haben. Um den Überblick zu behalten und Zusammenhänge zu verstehen, kann die grafische Darstellung von Routings sehr vorteilhaft sein.

Übersichtliches TFT-Display und praxisorientiertes Bedienkonzept

Der grafische Aufbau im 800x480-Pixel-TFT ist insgesamt gesehen jedoch wirklich gelungen: Informationen und Parameter sind dort, wo man sie erwarten würde, die Verbindung mit den unter dem Display liegendenen Drehgebern ist sofort ersichtlich. Mein "Fragezeichengesicht" musste ich nur selten zeigen. Wenn ich aber dennoch einmal nicht direkt den Parameter in der Hand hatte, den ich verändern wollte, mich verlaufen hatte oder mir ein Zusammenhang nicht ganz klar war, dauerte es maximal eine Sekunde und alles war wieder klar. Einarbeitungszeiten in Digitalpulte dauern im Schnitt länger, das ist also eine gute Nachricht. Ebenfall gut ist, dass die Grafik verdammt flott ist. Nichts ist schlimmer, als beim häufigen Hin- und Herschalten zwischen verschiedenen Orten immer auf den Aufbau des Displays warten zu müssen. Von der Viertelmillion im Display darstellbarer Farben werden offenbar nur einige wenige benutzt, das bedeutet kürzere Informationsblöcke und eine höhere Arbeitsgeschwindigkeit. Meine kleine Wunschliste (eigentlich nur ein winziger Notiz-Zettel) beinhaltet noch – um individuellen Wünschen unterschiedlicher Nutzer gerecht werden zu können – die stärkere Verteilung von Einstellmöglichkeiten und Informationen über verschiedene Orte sehr praktisch, vor allem bei Routingfragen. Das ist natürlich Geschmackssache, denn dadurch wirkt ein User-Interface auch schnell überladen.

Ich kann aber festhalten: Mit dem Bedienkonzept bin ich insgesamt sehr zufrieden! Dafür sorgen vor allem der Channel-Strip, die LC-Displays und die View-Funktionalität! Schnell gewöhnt man sich an die praktische Links-Rechts-Aufteilung der Fader, die Effektsteuerung und -auswahl, die einfachen Gruppierungen, die Szenenverwaltung, das Sends-To-Faders und die vielen Kleinigkeiten, die die Arbeit mit dem neuen Behringer-Gerät zur wahren Freude machen.

Konzeptionell eher für Live-Anwendungen geeignet, Recording aber möglich

Das Behringer X32 soll zwar ein Allround-Pult sein, doch fällt an manchen Details auf, dass es doch zunächst für Live-Anwendungen konzipiert zu sein scheint: Ein Recording-Pult hat beispielsweise Talkback-Funktionen eher an der Unterseite, damit man wichtige Kommentare in den Aufnahmeraum geben kann, während man sich im ledernen Produzentensessel fläzt. Auch eine umfangreichere, einfachere Quellenumschaltung stünden einem Recording-Pult gut zu Gesicht, ebenso viele konfigurierbare, gut erreichbare Buttons zur DAW-Steuerung und eine komfortable Möglichkeit, verschiedene Abhören zu benutzen. Und gerade in komplexeren Studioumgebungen, für die sich ein Pult vom Kaliber des X32 ja anbietet, würde man sich über ADAT, S/PDIF und dergleichen freuen. Immerhin ist das Mackie-HUI-Protokoll integriert, ausserdem noch die Option, über Remote MIDI-Control-Changes zu verschicken.

Pulte der Firma Behringer sind ursprünglich nicht nur bei mir semantisch anders besetzt als der sehr erwachsen und ausgereift wirkende Mixer, den ich hier gerade untersuche. Haptik, Optik, Verarbeitung – alles hinterlässt bei dieser Eigenentwicklung einen wirklich professionellen Eindruck. Bei so manchem Gerät, welches sich "professionell" oder "pro" in die Bezeichnung oder Beschreibung gezaubert hat, war genau dies nämlich fragwürdig: der dauerhafte "berufsmäßige" Einsatz. Das X32 macht diesbezüglich alles richtig. So zum Beispiel die Hauptarbeitswerkzeuge: Die Fader bewegen sich schnell und finden meist sicher ihre Positionen, wer hier weitaus mehr als 100 Millimeter Regelweg fordert, dem sei  zur Erdung nochmal das Preisschild des Pultes unter die Nase gehalten.

Midas-Preamps genießen einen guten Ruf, außerdem fällt Vorverstärkern ein nicht unerheblicher Teil an der Gesamtqualität des Klangs zu. Das Rauschen der Preamps ist äußerst verhalten, ein wenig merkwürdig war jedoch, dass sich das Rauschen von Pre zu Pre klanglich doch etwas unterscheidet. Bei exakt gleichen Settings war das Rauschen teilweise mal minimal "weißer", mal "brauner". Das Niveau war jedoch immer niedrig – ich musste schon den vollen Pegelhub auskosten, um dort "hineinzuhören".

Klingen tun die Vorverstärker absolut ordentlich, was sicherlich auch die Audio-Files beweisen. Sicher, den Direktvergleich mit Spitzenklasse-Studiopreamps können sie nicht gewinnen, aber gegen DPA HMA und Lavry Black verlieren sogar reine Preamps, die ein Viertel des ganzen X32 kosten. Man darf sich bei den Midas-Pres aber freuen, eine Verstärkung im Pult zu haben, die sich vor anderen Pulten nicht verstecken muss. Sie sind recht charakterlos, was ja durchaus vorteilhaft ist. Auffallende Frequenzbereiche gibt es nicht, das dynamische Verhalten und die Geschwindigkeit sind in keinem Falle zu beanstanden und das nachgeschaltete Hochpassfilter macht einen guten Job. Die Signale des X32 klingen übrigens auch dann noch gut, wenn sie eine ordentliche Routing-Odyssee hinter sich haben. Auch Fader (= Verlängerung des Datenwortes) mit anschließender Truncation und Dithering haben ja schließlich einen Einfluss auf den Klang.

Der EQ-Sektion gegenüber hatte ich bedienseitig ja schon meinen Respekt ausgedrückt, genauso kann ich das auch für den Sound machen. Erst bei äußerst schmalbandigen Eingriffen wird es phasig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die vielen Equalizer bestimmt nicht Ressourcen verbraten dürfen wie übergroße deutsche Limousinen und amerikanische SUVs, muss man festhalten, dass die Entzerrersektion hervorragend programmiert wurde. Bei Boosts im Bassbereich verwäscht nichts, selbst im Air-Band lassen sich ordentliche Anhebungen realisieren.

Auch bei den Dynamics kann man sich nicht nur auf halbwegs funktionierende, sondern absolut ordentlich und sauber arbeitende Einheiten freuen. Besonders der Kompressor macht Spaß, denn mit ihm ist es ein Leichtes, es neben technischer Dynamikeinengung auch ordentlich knallen zu lassen, etwa bei Schlagzeug-Einzelsignalen oder der Drum-Group. Natürlich fallen auch mir viele Beispiele ein, wie man die Kompressor-Sektion weiter aufbrezeln könnte, doch mal ehrlich: An einem Analogpult würde ich auch nicht Charakterumschaltungen von Opto auf VCA und ähnliche Scherze vermissen, oder? Natürlich würde ich die Optionen aber nutzen, wenn im Effekt-Menü oder bei der Dynamics-Auswahl eine Einheit mit dem Kürzel 1176, LA-2A, 160A oder gar 670 zur Auswahl wäre.

Außerhalb der Kaste der dynamikbearbeitenden Effekte kann man ebenfalls wirklich mehr als zufrieden sein. Besonders die Lexicon-Emulationen machen einen guten Job. Für den Live-Einsatz wird man in allen Situationen, in denen das Pult nicht zu klein ist, oder in denen noch das letzte, teure Quentchen Qualität gefragt ist, keine zusätzlichen Prozessoren vermissen. Kurze Räume, um Sparkle auf die scharfen Konsonanten einer Stimme und Farbe auf die Vokale zu zaubern, funktionieren genauso gut, wie lange, atmosphärische Tails, getappte Delays und sanfte Modulationseffekte. Auch kräftige Verfremdungen mit Zerrungen klingen ordentlich (tiefergehende Modulationen sogar spitze!) und lassen sich dank des einfachen Routings auch schnell integrieren und spontan deaktivieren. Nicht unwichtig für gut gelungene Effekte bei Gigs ist eine sinvolle Auswahl von Parametern und eine entsprechende Benennung. Hier gibt es die volle Punktzahl. Natürlich sollten die Gitarristen besser weiterhin ihre Gerätschaften mitbringen, denn Amps und Zerrer in Digitalpulten sind nicht zuletzt deswegen als Notlösung zu verstehen, weil es sich dabei schließlich um Bestandteil des Instruments und seines Klangs handelt – und das sollten die Musiker schon selbst besitzen, kennen und auch bedienen.

Ich fasse kurz zusammen: Das Behringer X32 ist ein konzeptionell sehr durchdachtes, ordentlich ausgestattetes und flexibles Mischpult, welches einfach erlernbar, gut bedienbar, schnell, gutklingend und betriebssicher ist. Noch dazu ist es sehr günstig. Für wen ist es also wie gut geeignet? Ideal ist es mit Sicherheit für Installationen in kleineren Clubs und Jugendzentren, bei denen auch mal größere Setups notwendig sind – mit vielen Monitorwegen, Mikrofon- und Line-Signalen und dergleichen. Prinzipiell kann das Pult nach kleiner Einweisung auch anderen als den festen Mischern anvertraut werden. Zwar gibt es keine Parameter- oder Settings-Lock-Funktion, doch muss sich ein Engineer schon eher dumm anstellen, um das Pult komplett zu verbauen. Und in der Library lassen sich ja Standard-Settings einrichten, die die Nummerierung und Benennung der Stagebox übernehmen. Standardkonfigurationen sind absolut easy, bei komplexeren Routings sieht es schon etwas anders aus, eine echte Kaskadierung, bei der zwei Pulte samt Bussystem und Soloschiene verknüpft werden, kann man in dieser Preisklasse nicht erwarten. Aber: Wenn die Band einen Rechner mitbringt, kann sie 32 Signale ihres Gigs direkt mitschneiden. Uncool ist anders.

Sogar Bands können sich die Anschaffung überlegen, schließlich kostet es nicht die Welt. Als reiner Mixer der Proberaumanlage ist es vielleicht überqualifiziert, doch wenn ein tontechnisch versierter Musiker unter den Kollegen ist (heute ja glücklicherweise nicht mehr sooo selten), kann das Pult kleine Gigs als FOH bestreiten, bei größeren als Monitoring-Mixer benutzt werden - im Proberaum kann bei Vorhandensein von ausreichend vielen vernünftigen Mikrofonen auch direkt mit dem Pult aufgenommen werden. Viele Platten werden mittlerweile zu großen Teilen oder ganz in Proberäumen aufgenommen. Ich habe natürlich auch direkt an den Ausbildungsbetrieb gedacht, als ich das Pult zum ersten Mal unter den Fingern hatte. Aber sogar für Verleiher kommt das Behringer X32 in Frage. Denn es hat wirklicht das Zeug, zum Standardgerät seiner Klasse zu werden.

Fazit

Ich kann ja meinen salzigen Finger in jede noch so kleine Wunde stecken, aber selbst wenn ich die mir aufgefallenen Kleinigkeiten dazu hätte nutzten wollen, das Behringer X32 insgesamt schlecht dastehen zu lassen: Es wäre mir nicht gelungen. Es stimmt einfach: Behringer hat mit dem X32 ein wirklich rundes Produkt abgeliefert. Ich gehe sogar soweit, zu behaupten, dass es Behringers bislang bestes Produkt ist (ohne die bisherigen Geräte in Misskredit bringen zu wollen). Es ist schön, dass das Mischpult sehr ausgereift ist, dadurch werden zukünftige Updates sicher nicht primär zur Beseitigung von Bugs, sondern zur Implementierung neuer Features genutzt werden. Es ist daher zu hoffen, dass Behringer sich auch weiterhin so kreativ, so umtriebig, kundenfreundlich und so engagiert zeigt wie bei der Entwicklung des X32. Ich bin selbst etwas erstaunt, derart wenige und vor allem keine substantiellen Kritikpunkte finden zu können: Ja, das neue Behringer-Pult ist ein wichtiges, neues Produkt auf dem Markt, welches alles Rüstzeug für einen "Siegeszug" hat und gleichzeitig das vielleicht wegweisende Produkt für Behringer (ab hier: "Behringer 2.0"). Und wer weiß, was dem X32 noch alles folgt?

Natürlich gibt es bei einem Gerät in einer Komplexität dieser Ordnung je nach User den ein- oder anderen Wunsch. Softwareseitig kann ja noch viel kommen, hardwareseitig sind es eher diejenigen, die es primär für Recordingzwecke nutzen wollen, die aufgrund einiger kleiner Einschränkungen das Wort "schade" in den Mund nehmen werden. Man bekommt für 3000 Euro natürlich nicht alles, aber wirklich eine verdammt große Menge. Die fünf Sterne meine ich also absolut ernst und seriös. 

  • Pro
  • Mini-LC-Displays
  • Channel-Strip-Bedienarchitektur
  • "View"-Buttons
  • Routing-Optionen (AES50, eingebautes 32-Kanal-Interface)
  • geringe Latenzen
  • geringer Preis
  • Contra
  • Ausstattung mit Standard-Digitalverbindungen und Sync mager
  • Technische Spezifikationen
  • Digitales Mischpult mit 16 Mix-Bussen, 6 Matrix-Bussen, LRC-Bus
  • AD/DA: max. 48 kHz, 24 Bit
  • internes Processing: 40 Bit Fließkomma
  • I/O-Latenz weniger als 1 ms
  • 32 XLR-Mic-/Line-Inputs (von Midas)
  • 16 XLR-Outputs
  • Monitoring-Outs XLR/TRS
  • 6 Aux-Inputs/Outputs (zwei parallel als Cinch)
  • AES/EBU-Out
  • AES50-Ports: 2 (Supermac)
  • P-16-Anschluss
  • Ethernet (Remote)
  • USB (Remote)
  • USB (Audiowiedergabe/-aufnahme, OS-Updates)
  • MIDI-I/O
  • 2 Phones-Out
  • ext. TB-In
  • Lampenanschluss
  • Frequenzgang: 10 Hz - 22 kHz (+0/-1dB)
  • THD+N: 0,008%
  • XUF-Audio-Interface:
  • 32 I/O
  • FW400 oder USB 2.0
  • Voraussetzungen PC: XP 32 Bit mit SP2, Win7; Core2Duo, 1 GB RAM
  • Voraussetzungen Mac: ab OS X 10.5; 1,5 GHz, 512 MB RAM
  • TFT: 800 x 480 Pixel, 7", 262000 Farben
  • Mini-LCDs: 128 x 64 Pixel, RGB-Beleuchtung
  • Drehgeber mit LED-Kranz
  • motorisierte 100mm-Fader
  • Power-Supply: auto-switch, 120 W
  • interne Send- und Insert-Effekte
  • 8 DCA-Gruppen, Mite-Gruppen, Library, HUI-Unterstützung
  • Remote-Control über Ethernet (iPad, PC-Editor)
  • Behringer-Ethernet-Monitoring- und Stagebox-System anschließbar
  • Maße: 900,23 x 527,05 x 221,33 (B x T x H in mm)
  • Gewicht: 20,6 kg
  • Preis: € 3.492,65 (UVP)

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