Hersteller_Behringer Eurorack-Systeme
Test
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01.09.2020

Praxis

Naturgemäß nimmt man die Arbeit mit einem Modularsystem auf, indem man seine Module ins Rack einschraubt. Wir gehen jetzt mal davon aus, dass hier auch ein Eurorack Go Case mit von der Partie ist. Natürlich kann man die Module auch in jedes andere Eurorack-Case einfügen. Schrauben wir unsere Module zuerst nebeneinander in die obere Rackhälfte und verbinden diese mit der Powerleiste über jeweils einen der 32 Steckplätze, dann stoßen wir auf ein Manko des Systems. Alle Anschlüsse befinden sich im oberen Teil des Cases.  

Hat man oben ein Modul verbaut, dann kann man ein weiteres im unteren Bereich nicht mehr verkabeln. Ergo muss man das obere wieder ausbauen und erst die untere Reihe bestücken. Das ist o.k., wenn man nicht zu der Spezies gehört, die die Module öfters tauscht. In dem Fall sollte man vielleicht die Flachbahnkabel für die untere Reihe schon einmal verkabeln und dann einfach runterhängen lassen. Praktisch ist anders.

Auch hadere ich ein wenig mit der Bezeichnung „Go“, die ja darauf hindeutet, dass das System gut transportabel sein sollte. Das sehe ich nicht so: Das Gehäuse besteht aus Kunststoff, und auch ein Deckel, der die empfindlichen Regler der Module schützt, ist nicht vorhanden (im Gegensatz zum Roland System 500). Im Studio oder zuhause ist das alles kein Problem, wer viel damit unterwegs sein will, der kommt nicht an einem Case für das Case vorbei. Dazu sagen muss man aber, dass Racks mit dem Volumen des Eurorack Go auch gerne mal das Doppelte oder mehr kosten können und diese dann auch eher für den stationären Betrieb gedacht sind.

Das Roland Case ist da von stabilerer Natur und kann auch mit einem Deckel transportfähig verschlossen werden. Nachteil bei beiden. Zusätzlich muss man noch ein externes Netzteil plus Patchkabel irgendwo anders unterbringen.  Dazu fasst das Roland-Case gerade mal fünf Module und ist damit über das Komplettsystem hinaus nicht besonders flexibel.

Audiobeispiele zu Behringer System 100

Zu den Audiobeispielen haben wir noch die verwendeten Patches fotografiert und die Fotos den jeweiligen Audiobeispielen zugeordnet.

Fotos der Patches 1 - 6

Audiobeispiele 1- 6

Behringer 100 - Roland System 100M - Roland System 500 Shoot-Out

Vorbemerkungen: Die Problematik eines Shoot-Outs mit alten analogen „Schätzen“:

Es ist in der Tat so, dass alte analoge Synthesizer über die Zeit ihren Klang verändern. Das liegt insbesondere an den verbauten Kondensatoren, deren Verhalten nach längerer Zeit nicht konstant bleibt. Dazu kommt noch die Nutzungungsdauer des Synthesizers in der Vergangenheit. Vergleiche Original/Clone sind daher mit Vorsicht zu genießen. Wir können nur sagen, dass der Roland 100M der uns zur Verfügung stand, so klingt. Der, der in China Pate gestanden hat, kann/könnte ein anderes Klangverhalten zeigen.

An dieser Stelle möchten wir unseren Dank an Steve Baltes aussprechen, der uns sein Roland System 100M für den Vergleich zur Vergleich stellte.

Alle drei Systeme wurden klanglich wie folgt getestet.

[Reihenfolge: Behringer System 100 → Roland System100M → Roland System 500]

TEST 1:

VCO 1 direkt in Mixer mit jeweils drei Schwingungsformen.

Bereits hier waren Unterschiede zu hören. Der Roland 100M klang bei Rechteck und Sägezahn etwas drahtiger als seine beiden Herausforderer, die dagegen im Bereich der unteren Mitten präsenter waren. Beim Dreieck ist das nicht so hörbar, was an der Obertonstruktur der Schwingung liegt. Fazit: Alle drei klingen schon an der Ausgangsbasis etwas unterschiedlich.

TEST 2:

VCO 1 in VCF und dann in Mixer. Als Mixer wurde für alle Systeme das Roland-Mixer-Modul 531 verwendet.

Die Reihenfolge: Behringer 100 → Roland System100M → Roland System 500. Zum Einsatz kam jeweils der Sägezahn. Die Ergebnisse sind recht ähnlich, ob die Abweichungen beim Roland 100M dem Alter geschuldet sind, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Hervorzuheben bleibt, dass gerade beim Filter Kondensatoren zum Einsatz kommen. Der Behringer und der Roland 500er klingen in meinen Ohren etwas „runder“, aber das mag ein anderes Ohr auch anders „hören“.

TEST 3: 

Ein Patch wurde im Behringer-System verkabelt und im System 500 sowie im alten Roland System 100M „nachgebaut“. Man glaubt es nicht, was das für eine Arbeit war. An die Reglerpositionen konnte man sich nicht wirklich halten. Das war dann viel zu ungenau. Aus diesem Grund haben wir ein einfaches Patch mit zwei Oszillatoren gewählt.

Das Behringer System 100 und das Roland System 500 sind sehr nahe beieinander. Beide kommen mit einem ziemlich prägnanten Bass, was man vielleicht über kleine Lautsprecher gar nicht wahrnehmen kann. Das alte Roland System 100M hatte im Bassbereich doch weniger zu bieten, was den drahtigen Eindruck wieder ein wenig unterstützt. Auch sind die Höhen nicht ganz so präsent. Da aber wieder der Hinweis auf das „Alter“.

Shoot-Out: Behringer System 100 vs. Roland System 100M vs. Roland System 500 Sound Demo (no talking)

Was weiter auffiel:

Beim Behringer Modul 112 fiel zuerst auf, dass die Rechteck- und die Sägezahnschwingung „nur“ unipolar ausgelegt sind (s. Abbildung). Gleiches zeigt das Oszilloskop beim System 100M, während beim Roland System 500 diese bi-polar laufen. 

Ich habe daraufhin den guten Uli mal angefunkt, der diese Frage an seinen Innovation Development Systems Leader John Price weitergab. Hier die Erklärung:

“The reason the 112 VCO uses uni-polar waveforms for the Sawtooth and pulse outputs is that this is how the original was designed. I expect the reason they did this is that a uni-polar waveform is better suited to modulating other modules as the typical 100 series CV range is 0V to +10V. They did however leave the triangular waveform output as bi-polar as we did. The 121 filter module is fully bi-polar and has more than enough headroom to pass the 10V p-p VCO signals with ease.”

Im A/B-Vergleich konnte man klangmäßig keinen Unterschied feststellen, obwohl der Behringer VCO ganz leicht aggressiver erschien, was aber nicht messbar war. Dies könnte am etwas kleineren Headroom einer uni-polaren Schwingung liegen. Aber da befinden wir uns schon in der Abteilung „Flöhe-Husten-hören.“ Trotzdem Respekt für Behringer, dass man im Nachbau wirklich kein Detail „unterschlagen“ wollte. Gleiches gilt übrigens für die LFOs beider Systeme. Und da macht es sich bei einer Modulation tatsächlich bemerkbar. Das Ergebnis beim Behringer ist smoother, da der Hub der Schwingung nicht so groß ist wie bei einer bi-polaren Schwingung. Was nun klanglich besser ist, mag ich gar nicht entscheiden. Fakt ist nur, dass das Behringer-System in dieser Hinsicht näher am Original ist. Und wollten wir da nicht klären?

Festzuhalten bleibt unter dem Strich, dass zwischen dem Behringer System 100 und dem Roland System 500 kaum bis keine Unterschiede zu hören waren. Allerdings zeigte das Behringer-System ein etwas höheres Output-Level.

Die Verarbeitung

Da hat das Roland System 500 etwas die Nase vorn. Die Frontplatten machen einen etwas solideren Eindruck. Auch die Poti-Achsen sind bei Roland aus Metall, während die Behringer-Pendants aus Kunststoff gefertigt werden. 

Behringer 100 – Die Benutzeroberfläche

Behringer wie Roland standen beim Nachbau vor dem gleichen Problem, die Bedienelemente im Eurorack auf deutlich geringerem Platz unterzubringen.  Aus meiner Sicht ist dies Behringer deutlich besser gelungen. Beim System 500 hat man schon manchmal Mühe, die Regler zu bedienen, besonders dann, wenn auch noch Kabel gesteckt sind. Dies geht beim Behringer 100 einfacher. Auch die Beschriftung, die bei Roland manchmal etwas missverständlich „verrutscht“ ist, ist beim Behringer besser zu erkennen. Bei beiden Systemen muss man allerdings auf die Schieberegler aufpassen, damit diese nicht abbrechen. Ein wenig labil sind sie schon. Aber das liegt leider auch ein wenig in der Natur dieser Bedienelemente. Die getesteten Module waren allesamt nicht weiter kompliziert, so dass auch der Einsteiger damit zügig zurechtkommen sollte.

Behringer 100 – Preis/Leistung

Hier gibt es einen klaren Testsieger. Die Behringer-Module würden gerade mal 800 Euro kosten, während man für ein Roland Komplettsystem über 1.800 Euro auf den Tisch legen muss. Der Preisunterschied findet sich im Klang als auch in den Möglichkeiten keinesfalls wieder, zumal die Behringer-Version „originaler“ ist als die Roland-Version - wenn man das so sagen darf. Da kann man leicht verschmerzen, dass man bei Behringer sich die Patchkabel noch separat zulegen muss (unbedingt dran denken, wenn man sich Module bestellt). Natürlich kann man sich direkt das Original aus den 1970ern zulegen. Wenn man dies überhaupt bekommt, dann muss man wohl mit mehr als 3.500 Euro (je nach Bestückung) rechnen (Quelle Ebay).

Behringer System 100 Sound Demo (no talking)

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