Eurorack-Module
Test
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29.11.2018

Praxis

Eingefrorene Potis

Jedes Poti, das abgespeichert und durch Modulationen beeinflusst werden kann, verfügt über eine kleine weiße LED, die den gerade eingestellten Wert bzw. die Modulation anhand ihrer Helligkeit anzeigt. Durch die verschiedenen Modi des Thyme und dessen Presets, zeigen die Potis nicht immer den gerade eingestellten Wert an. Ist das der Fall, so ist der Parameter sozusagen eingefroren und die entsprechende LED folgt nicht mehr dem Poti. BASTL beschreibt dieses Verhalten als ‚Knob Freezing‘.

Hier gibt es zwei Möglichkeiten das entsprechende Poti wieder zu aktivieren: Zu einem kann man den Wert abholen, indem das Poti an den gerade eingestellten Wert gedreht wird. Zum anderen kann man das entsprechende Poti kurz hin und her drehen. Auf diese Weise springt es dann an die Einstellung, die dann wieder direkt mit dem Poti übereinstimmt. Das ist eine interessante und intuitive Lösung, welche beide Arten vom üblichen Poti-Verhalten abdeckt.

Delay Modes

Es gibt drei verschiedene Delay-Modi, welche über drei dedizierte Taster verfügen um aktiviert zu werden. Zunächst gibt es den Sync-Modus. Ist dieser ausgeschaltet, so wird die Delay-Zeit frei durch die Position des Haupt-Lesekopfs definiert. Aktiviert man den Sync-Modus, so wird die Delay-Zeit zum internen Sequenzer quantisiert. Hierbei kann man die Clock multiplizieren oder teilen.

Weiterhin gibt es einen Delay-Link. Hierbei wird der ‚Write Head‘ mit dem ‚Read Head‘ verbunden, so dass die Delay-Zeit konstant bleibt, auch wenn man die Geschwindigkeit der virtuellen Bandmaschine ändert.

Der dritte Modus nennt sich ‚Freeze Mode‘, wobei das Thyme hierbei zu einem Looper wird. In diesem Fall wird ein Loop in Länge der eingestellten Delay-Zeit abgespeichert. Ist der Loop nun aktiv, so wird der Input abgeschaltet bis man diesen Modus wieder deaktiviert. Jetzt wird der Input der drei zusätzlichen Leseköpfe nicht mehr in den Feedbackweg addiert, sondern einfach dem Output zugemischt. Der Einfluss der drei zusätzlichen ‚Read Heads‘ wird mit dem Levels-Poti kontrolliert. So kann man den abgespielten Loop variieren, aber auch wieder ganz einfach zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren. Dreht man das Level-Poti über die Hälfte des Regelwegs, so wird Audio der zusätzlichen Leseköpfe auf den Loop mit aufgenommen. In diesem Modus verändert auch das Feedback-Poti seine Funktion. Ist es voll aufgedreht, so läuft der Loop ganz normal, unendlich weiter. Dreht man das Feedback runter, so wird der Loop langsam ausgeblendet.

Weiterhin hat es noch einige weitere interessante Parameter. So kann man z. B. zwischen einem Lo-Fi und einem Hi-Fi Tape-Modus wählen, wobei im Hi-Fi Modus das Signal durch einen Filter läuft, um die sonst von BASTL gewünschten Aliasing- Effekte zu umgehen. Ganz verschwinden diese aber auch im Hi-Fi Modus nicht, sodass das Thyme im Ganzen immer einen Lo-Fi Charakter beibehält.

Feedback kann in einen negativen Modus versetzt werden, sodass verschiedene harmonische Anteile zugefügt werden. Zuletzt kann noch gewählt werden, ob die drei zusätzlichen ‚Read Heads‘ auch im Sync laufen, oder nicht.

Robots

Wie schon erwähnt, haben alle Parameter, bis auf den Input-Gain, ihre eigene dedizierte Modulationsquelle, die als Robot bezeichnet wird. Alle Robots laufen unabhängig voneinander, es kann jedoch nur ein Robot gleichzeitig konfiguriert werden. Hier gibt es einen ‚Robot Select‘ Knopf, der über seine eigene LED verfügt. Hält man diesen Knopf gedrückt, und dreht an einem Parameter, so wird dieser dadurch für die Bearbeitung ausgewählt. Nun leuchtet die LED des ausgewählten Parameters in voller Stärke und zeigt nicht mehr den entsprechenden Wert an. Diesen kann man dann aber an der LED neben dem ‚Robot Select‘ Drucktaster ablesen.

Alle Robots werden per Mode, Rate, Shape und Amount konfiguriert, wobei Rate und Shape sich ein Poti teilen. Die acht verschiedenen Modi werden per acht dedizierten Knöpfen ausgewählt. Diese werden in zwei Kategorien unterteilt. Die erste Kategorie besteht aus LFO-Modulatoren und die zweite aus Envelope Follower und Steuerung per CV. Bei den LFO-Modulatoren kontrolliert Rate deren Geschwindigkeit und mit Shape kann deren Wellenform verändert werden. Mit Amount lässt sich dann einstellen, wie stark die Modulation den ausgewählten Parameter beeinflusst. Zu den LFO-Modulatoren gehören Triangle, Stepped Triangle, Flopping Triangle, Stepped Ramp, Stepped Random und eine Decay-Hüllkurve, welche von eingehenden Sounds aktiviert wird. Stepped Triangle und Stepped Ramp können mit dem Shape Parameter von gleichmäßigen Wellenformen, über Treppen bis zu Rechtecken verformt werden. Bei Random wirkt sich Shape so aus, dass es die Zufallswerte glättet.

Beim Envelope Follower erlaubt Rate die Auswahl, bei welchen Frequenzen dieser aktiv werden soll, wobei Shape hier die Länge der erzeugten Hüllkurven definiert. Bei Nutzung von externen Steuerspannungen als Robots, dient Shape als Slew Limiter und glättet die eingehenden CVs. Rate hat hierbei keine Funktion.

Wird ‚Tape Speed‘ oder ‚Delay Fine‘ per CV angesteuert, so ist dieses auf 1V/Okt. geeicht. Ein schöner Bonus bei einem Tape-Delay, was nicht nur bei Selbstoszillation Sinn macht.

Ähnlich wie beim Delay Sync Modus, können auch die Robots zum Sequenzer quantisiert werden. Hier hat man dieselben Multiplikationen und Teilungen wie beim Delay Sync zur Verfügung. Weiterhin können Robots in ihrer Polarität und Phase eingestellt sowie in einen Stereo-Modus versetzt werden. Im Stereo-Modus der Robots, wird der linke und rechte Output entgegengesetzt moduliert.

Das sind eine ganze Menge an Möglichkeiten, um die neun Paramater zu modulieren. Zu einem stellt das zwar ein mächtiges Werkzeug dar, zum anderen verliert man sich aber auch schnell in seinen eigenen Einstellungen. Da es keinen Screen gibt, weiß man bei der Fülle an Optionen und Modulatoren oft nicht mehr was man eingestellt hat und was jeder Parameter gerade tut. Hier hilft oft nur die Auswahl eines leeren Presets weiter, um von vorne zu beginnen. Alternativ kann man auch den Amount von jeder Modulation auf null drehen. Dieses Konzept neigt aber eher zu ‚happy accidents‘, als zu gezielter Automatisierung der verfügbaren Parameter.

Presets und Sequenzer

Geboten sind acht Presets in acht Bänken, wobei Bypass als neuntes Preset dient. Ist das aktiviert, so wird das eingehende Audiosignal unbearbeitet an den Ausgang weitergeleitet und alle Potis, bis auf Volume, werden deaktiviert. Ein integrierter Sequenzer lässt automatisch zwischen den acht Presets wechseln. Dieser Sequenzer kann in seiner Geschwindigkeit per Tap-Tempo eingestellt werden, hört aber genauso gut auf analoge sowie auf MIDI-Clock.

Die Patterns des Sequenzers können aus maximal 32 Schritten bestehen, wobei der Aufbau mit acht Steps und jeweils vier Sub-Steps verwirklicht wurde. Hier gibt es einen Live- sowie einen Write-Modus. Im Live-Modus kann man die Patterns quasi einspielen und der Write-Modus dient zur gezielten Programmierung, wobei der Sequenzer dabei angehalten werden muss. Ohne Screen und mit dem Konzept der Sub-Steps ist die Programmierung des Sequenzers relativ umständlich und erfordert viele Shift-Funktionen. Hier dauert es eine Weile bis man den Sequenzer flüssig bedienen kann, ohne ins Handbuch schauen zu müssen.

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