Test
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28.04.2021

Praxis

Allgemeines

Für den Hörtest baue ich die Avantone Pro CLA-10A in meiner Studio-Umgebung in der dafür vorgesehenen liegenden Ausrichtung auf. Den Volume- und den VTPC-Regler stelle ich auf 0 dB. Bei der Wahl, welche der beiden Boxen auf die linke und welche auf die rechte Seite gestellt werden soll, ist es meistens von Vorteil, sie so zu platzieren, dass sich die Hochtöner außen und oben befinden. Das Ein- und Ausschalten verursacht jeweils ein deutlich hörbares Geräusch. Das Grundrauschen der Box ist auch bei voll aufgedrehtem Volume-Regler sehr leise, und beim Abstand von zwei Metern nur noch mit goldenen Ohren zu hören.

NS-10 und deren Klone polarisieren wie keine anderen

Wer noch nie eine NS-10 oder deren Ableger gehört hat, und sie beim Händler im Boxenstudio mit unterschiedlichen Abhören vergleichen würde, wäre beim ersten Hören eventuell enttäuscht. An das Wegfallen des gewohnten Basses üblicher Fullrange-Boxen oder des Bass-Wunders moderner Abhöre mit Smiley-Frequenzgang muss man sich erst gewöhnen. Und wie ihre Vorbilder, so klingen auch die Avantone Pro CLA-10A ebenso Bassarm, mittenbetont und – in der Grundeinstellung – sehr höhenreich. Ist der erste Schock allerdings überwunden, so dürften NS-10-Laien bei längerem Hinhören den typisch offenen und präzise klingenden Mittenbereich lieben lernen. Für die Kenner und Liebhaber dieser Studiolegende ist in erster Linie der klare, offene und sehr präzise klingende Mittenbereich das Top-Feature. Und was bei den Yamaha-Originalen sehr geschätzt wurde, ist den Entwicklern von Avantone Pro in Zusammenarbeit mit Hilfe eines der erfolgreichsten Mixing-Engineers, Chris Lord Alge, bei der CLA-10A meiner Meinung nach zu hundert Prozent gelungen.

Eine Auswahl von Songs, die ich immer wieder auf verschiedenen Boxen gehört habe, kommt in ungewohnter Art und Weise aus diesen Lautsprechern. Adrenalin-Kicks von in den Magen drückenden Bässen? Fehlanzeige. Im Gegenteil, vom Tiefbassbereich, der ansonsten schon allein von den fühlbaren, physikalischen Effekten her Spaß macht, ist im Grunde nichts wahr zu nehmen. Was aber an Mitten aus den weißen Treibern erstrahlt, ist außergewöhnlich gut. Hier driftet man bei dem Versuch der Beschreibung unweigerlich ins esoterische ab. Klar, aufgeräumt, präzise, sauber, und wie „ohne Blatt vor dem Mund“, legen die Avantone Pro CLA-10A offen, was im Mix nicht stimmt. Zumindest was die traditionell wichtigen Elemente eines Mixes (über die sich natürlich streiten lässt) ausmacht, wie Gesang, Gitarren und Keys. Selbige drängen sich gerne im zu dichten Mittenbereich und können schnell zu undurchsichtigen Verhältnissen führen. Und wo die meisten anderen Boxensysteme gestapelte Mitten zu einem undifferenzierbaren Mittenbrei backen, klingen die CLA-10A bei Problemen in den beiden Oktaven um 800 Herz erbarmungslos und demonstrativ hässlich. Somit qualifiziert sich die Abhöre als sinnvolles, zusätzliches Spezial-Boxenpaar. Dies liegt nicht nur am verwendeten Woofer, sonder auch im hohen Maße an der Tatsache, dass keine Bassreflex-Öffnung vorhanden ist. Die Bässe sind vom Timing her sauberer, reichen aber nicht so tief wie mit einem Bassreflexsystem.

Im oberen Drittel des hörbaren Spektrums klingen die Klone zupackend und deutlich überbetont, noch mehr als beim Ursprungsmodell Yamaha NS10M. Wem das zu viel des Guten ist, kann entweder – wie manche dies der Legende nach gemacht haben – ein Stück Klopapier vor dem Hochtöner von der Rolle hängen lassen, oder den dafür vorhandenen VTPC-Regler verwenden. Mit dem variablen Papiertuch-Regler lässt sich der Hochtöner um bis zu 6 Dezibel lauter, und um bis zu 30 Dezibel leiser machen. Selbstverständlich ist es heutzutage auch überhaupt kein Problem, dies per Filter bereits innerhalb seiner DAW nach zu bilden. Möchte man zwischen verschiedenen Abhören hin und her schalten, so ist der VTPC-Regler ein wenig praktikabler.

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