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12.10.2017

Aux Send pre und post – wo ist der Unterschied?

Send-Abgriffe im Kanalzug: Wann nimmt man Pre, wann Post?

An analogen Hardware-Mischpulten kann man es manchmal mit einem kleinen Switch umschalten oder muss sich einen Abgriff mit der passenden Eigenschaft auswählen, in DAW-Mixern und digitalen Mischpulten ist man flexibler: Dort kann es im Kanalzug auswählen – ob ein Aux-Send-Abgriff „Pre“ oder „Post“ ist.

Pre, Post… Was ist das eigentlich?

„Pre“ bedeutet „vor“, „Post“ bedeutet „nach“. Bei Aux Sends ist hiermit folgender Umstand gemeint: Ein Send leitet einen mit einem Poti einstellbaren Signalanteil aus dem Kanalzug weg. Die Pre-/Post-Angabe bezieht sich dabei auf die Lage zum Fader, der den Pegel zum Main Routing (Stereosumme für Mix oder FOH oder zu den Subgruppen) regelt. „Pre“ bedeutet also, dass der Send vor dem Pegelsteller erfolgt. „Post“ ist hingegen hinter dem Fader (und dem Mute-Button). Das hat zur Folge, dass ein Pre Fader Aux Send immer den dort eingestellten Pegel ausgeben, unabhängig davon, wie der Fader steht. Ein Post Fader Aux Send gibt mehr Pegel aus, wenn der Fader in der Stellung erhöht wird und weniger, wenn man ihn herunterzieht. Dadurch bleibt aber das Verhältnis von dem Signal, das an den „Hauptausgang“ des Kanalzugs geht und dem Abgriff immer gleich. Selten lässt sich übrigens noch weiter unterscheiden, ob ein Abgriff vor oder hinter einem Mute-Button ist oder sich vor oder hinter einem Insert-Send-Return befindet.

Wann benutzt man einen Post-Send?

Abgriffe hinter dem Fader nutzt man, wenn es wichtig ist, dass Pegelverhältnisse gleich bleiben. Nutzt man beispielsweise ein Hallgerät, ist ein bestimmender Parameter das Verhältnis von Direkt- zu bearbeitetem Signal, also „Dry“ und „Wet“. Während einer Mischung ändert man Pegelverhältnisse oder automatisiert diese sogar. Der Eindruck, den das Reverb liefert, bleibt dank gleicher Pegelrelation dabei so gut wie identisch.  

Post-Sends nutzt man für alle Zumischeffekte, zu denen man neben dem künstlichen Nachhall vor allem Delay zählt. Allerdings ist es auch möglich, Parallel Compression oder seriell betriebene EQs auf diese Art zu verwenden. Dennoch werden diese dort wo es machbar ist, eher mit einem Dry-/Wet-Regler genutzt. Der Vorteil von Sends ist ja, dass mehrere Signale zu einem Ziel geleitet werden können.

Wann benutzt man einen Pre-Send?

Einen vom Fader unabhängigen Abgriff braucht man dort, wo eine unabhängige Mischung notwendig ist. Ganz typisch ist das eine Monitormischung für die Musiker. Ob im Studio beim Einspielen oder auf der Bühne für die In-Ears oder die Monitore: Hier ist es wichtig dass man den vollen Zugriff hat und nicht Änderungen im Main Mix Auswirkungen auf das Monitoring haben. Manchmal sind auch separate, alternative Mischungen für ein Broadcasting, eine Nebenraumbeschallung oder ein 2TK-Recording bei Konzerten nötig.  

Selbstverständlich kann man auch mal ganz anders vorgehen. So ist es manchmal durchaus spannend, einem Reverb das Direktsignal zu „klauen“, um beispielsweise in einem C-Part einen „Next Room“-Sound zu gestalten oder in einem Übergang für kurze Zeit nur das Gated Reverb der Snare in der Mischung zu halten.  

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