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20.05.2021

Audiovergleich - Neural DSP Quad Cortex vs. Line6 HX Stomp vs. Kemper Profiler Stage vs. Fractal Audio Axe-Fx III

Die 4 besten Amp-Modeler/Profiler im direkten Vergleich

Unser heutiger Audiovergleich könnte auch gut und gerne unter dem Titel "Der Kampf der Giganten" durchgehen, denn diesmal lassen wir die Platzhirsche im Modeling- bzw. Profiling-Sektor gegeneinander antreten. Und deshalb steigen zu diesem Kräftemessen der Neural DSP Quad Cortex, der Line 6 HX Stomp, der Kemper Profiler Stage und das Fractal Audio Axe-Fx III in den Ring.
Natürlich sind Soundvergleiche dieser Art immer, wie man so schön sagt, mit einer Prise Salz zu genießen, nichtsdestotrotz haben wir uns bemüht, euch einen relativ realistischen Eindruck davon zu vermitteln, wie sich die verschiedenen Modeler beim Abbilden bestimmter Amptypen innerhalb eines musikalischen Kontextes schlagen. Daher würde ich sagen: Genug der Worte und Ring frei!

Versuchsaufbau:

Wie eingangs bereits erwähnt, kann bei einer Gegenüberstellung so unterschiedlicher Produkte am Ende nie ein wissenschaftlich 100% akkurates und eindeutiges Ergebnis stehen. Ziel war es daher eher, einen praxisnahen Vergleich aufzustellen, wie sich die vier Modeler/Profiler in ausgewählten Disziplinen in einem Mix schlagen.
Der Fokus liegt hier ausschließlich auf den Amptypen - weitere Faktoren wie Effekte, Konnektivität, Haptik, Bühnentauglichkeit, Ausstattung, Preis und sonstige Features wurden ganz bewusst außen vorgelassen. Das geschieht auch unter dem Gesichtspunkt, dass mit dem Axe-Fx III beispielsweise ein Bolide mit Vollausstattung antritt, der mit runden 2500 Euro eine eigene Preiskategorie belegt, während der Line 6 HX Stomp eine abgespeckte Version des Helix darstellt und nicht einmal ein Viertel dieses Preises kostet. Aber da es in unserem Audiovergleich allein darum geht, wie authentisch die vier Konkurrenten in der Lage sind, den Sound eines Amps auf digitalem Weg umzusetzen, zählt ausschließlich die Qualität der Amp-Modelle. Und die sind beim Line 6 HX Stomp mit denen des großen Helix identisch.
Auch wenn wir versucht haben, die Ampsounds und natürlich die ausgewählten Amp- Modelle relativ gut anzugleichen, muss erwähnt werden, dass schon rein konzeptionsbedingt kein vollkommen exaktes Matchen aller Sounds möglich war. Vielmehr geht es darum, den Klangcharakter, das Verhalten im Bandgefüge und die Reaktion auf diverse Spielweisen bzw. Instrumente einzufangen. Unterschiede wie das persönliche Spielgefühl, die sich in Audiofiles nicht reproduzieren lassen, werden Gegenstand des Fazits sein.

Für die Audiofiles werden die Modeler/Profiler direkt über den analogen Output mit einem Universal Audio Interface verbunden.
Die vier Testkandidaten wurden jeweils auf die aktuellste Firmware (Stand: Mai 2021) upgedatet, welche wären:

  • Neural DSP Quad Cortex OS: 1.0.1
  • Line6 HX Stomp: 3.11
  • Kemper Profiler Stage OS: 8.1.3
  • Fractal Axe-FX Cygnus 16.00

Soundbeispiele

Um eine große stilistische Bandbreite abzudecken, haben wir sechs Ampmodelle mit steigender Gainstruktur ausgewählt und die Playbacks im entsprechenden Genre erstellt:

1. Fender Deluxe Reverb

Fokus: Cleane Akkorde mit 16tel Rhythmik
Gitarre: Stratocaster (Neck PU)
Kemper Profil: MBritt 62 Deluxe

2. Vox AC30

Fokus: Mehrstimmige Akkorde und Solospiel
Gitarre: Telecaster (Bridge PU), Stratocaster (Bridge PU), Les Paul (Leadpart, Mittelstellung)
Kemper Profil: MBritt 65 Vox AC30

3. Marshall Plexi

Fokus: Anschlagsdynamik - leichter Anschlag am Anfang, dann hart im B-Teil
Gitarre links: Melody Maker (Bridge PU)
Gitarre rechts: SG (Bridge PU)
Kemper Profil: MBritt 69 Marshall 50

4. Marshall JCM800

Fokus: Powerchords, Reaktion auf Volume-Poti bei fast cleanem Picking
Gitarre Powerchords und Melodie: Les Paul (Bridge PU)
Gitarre Bridge: Les Paul (Bridge PU, Volumen auf 7)
Kemper Profil: MBritt Mars JCM800

5. Friedman BE-100

Fokus: Reaktion auf Gitarre Volume-Poti. Anfang Neck PU Volume 6 - dann Bridge PU Volume 10
Gitarre: Les Paul
Kemper Profil: BM Profiles Friedman BE-100

6. Peavey 5150

Fokus: Offene und gedämpfte Powerchords mit Drop-D Tuning
Gitarre: Les Paul (Bridge PU)
Kemper Profil: MBritt Peavey 5150

Fazit:

Keine Frage: Der gute Ruf der vier Testkandidaten ist absolut gerechtfertigt und jedes Produkt hat sich hier für den professionellen Einsatz mehr als nur qualifiziert, sei es im Recording- oder im Live-Kontext. Besonders überraschend war, wie unglaublich nahe die Grundsounds beieinander lagen und wie gut sich die einzelnen Amps ohne Zuhilfenahme von EQs oder das Eingreifen in tiefere Amp-Parameter untereinander angleichen ließen. Nichtsdestotrotz liegt der Teufel im Detail und bei mikroskopischer Betrachtung fallen dennoch gewisse Unterschiede auf.

So punktet das HX Stomp durch ein extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und bietet innerhalb der Produktfamilie noch weitere Versionen wie das PodGo, das Helix und das Helix LT, die mit den gleichen Sound-Algorithmen bestückt sind. Der Grundsound des Helix zeigt jedoch im Bassbereich einen minimal niedrigeren Druck und dafür eine stärkere Präsenz in den Hochmitten, was sich bei Break-Up-Sounds bisweilen in einem etwas aggressiveren Obertonverhalten äußert. Das Spielgefühl ist jedoch hervorragend und die Differenziertheit und Durchsetzungsfähigkeit im Mix sind absolut gegeben.
Ähnliches gilt auch für das Neural DSP Quad Cortex. Die Höhen sind mitunter etwas giftiger, setzen sich andererseits damit aber auch im Mix gut durch.
Kemper und Axe-Fx zeigen in unserem Vergleich das organischste Verhalten mit einer stärkeren Dynamik und einer sehr natürlichen Break-Up-Reaktion, wenn man Zerr- und Lautstärkenuancen über die Spielweise umsetzen will. Klanglich liegt der Kemper mit den ausgewählten Profilen eher auf der etwas wärmeren Seite, während sich das Axe-Fx grundsätzlich etwas höhenreicher präsentiert. Prinzipiell lassen sich jedoch mit beiden Modellen sowohl klanglich als auch qualitativ sehr ähnliche Ergebnisse erzielen.
Vergleicht man die Preise, so liegen der Kemper Profiler und der Neural Quad Cortex in einer ähnlichen Kategorie. Schaut man sich bei Line6 um, müsste man für einen fairen Vergleich des Produktformats das große Helix bemühen. Das geht minimal günstiger als die erstgenannten Modelle über die Ladentheke und besitzt ein Expressionpedal. Fractal Audio schickt als einzige Marke kein Floorboard ins Rennen, sondern mit dem AxeFx III ein deutlich teureres Rackmodell. Allerdings bietet die Serie mit dem FM3 auch eine kleinere Bodenversion, die preislich noch unter dem Helix liegt, aber auch nur drei Fußtaster mitbringt und durch eine zusätzliche Fußleiste erweitert werden kann.

Hier eine Übersicht der im Audiovergleich verwendeten Produkte (Preise Mai 2021):

Kemper Profiler Stage Neural DSP Quad Cortex Line6 HX Stomp Fractal Audio Axe Fx III
1.595,00 Euro 1.599,00 Euro 569,00 Euro 2.499,00 Euro

Möchte man jedoch einen annähernd realistischen und fairen Preisvergleich unter Berücksichtigung der Funktionalität und Features anstellen, müsste man andere Versionen in den jeweiligen Produktreihen berücksichtigen, die jedoch die gleichen Sound-Algorithmen bieten und daher klanglich identisch sind:

Kemper Profiler Stage Neural DSP Quad Cortex Line6 Helix Fractal Audio FM3 + FC-6
1.595,00 Euro 1.599,00 Euro 1.495,00 Euro 1.865,00 Euro

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