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Test
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15.12.2016

Audio-Technica AT4060a Test

Großmembran-Röhrenmikrofon

Super und bleifrei!

Aus Japan kommen nicht nur Origami, Sushi und Godzilla, sondern auch die Mikrofone von Audio-Technica, die für ein gutes bis sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis bekannt sind. Das ursprüngliche AT4060 erblickte bereits 1999 das Licht der Welt und erarbeitete sich in kurzer Zeit einen guten Ruf als günstiges High-End-Röhrenmikrofon, das Vergleiche mit den ganz großen Namen der Branche nicht scheuen muss. Mittlerweile hat es eindeutig die Bezeichnung „moderner Klassiker“ verdient.

Im Jahr 2007 sorgte die RoHS-Richtlinie der EU allerdings dafür, dass das Mikrofon wegen bleihaltiger Komponenten in Europa nicht mehr vertrieben werden durfte – und es ist beinahe verwunderlich, dass es weitere acht Jahre dauerte, bis der Hersteller mit dem hier getesteten AT4060a eine neue „bleifreie“ Variante vorstellte, um den europäischen Markt zurückzuerobern. Ganz nebenbei wurden dem Schallwandler ein verbessertes Speiseteil und eine neue Membran spendiert – und auch darüber hinaus gab es einige kleine Veränderungen unter der Haube, die aber hauptsächlich der Verfügbarkeit von Komponenten geschuldet waren.

Details

Spinne, Etui und Speiseteil enthalten

Wie man das von Audio-Technicas 40er-Serie her kennt, wirkt das mitgelieferte Zubehör des AT4060a zwar nicht besonders luxuriös, ist dafür aber zweckdienlich und sauber verarbeitet. Die enthaltene Spinne ist aus Kunststoff und verwendet am unteren Rand ein elastisches Gummiband, in welches das Mikrofon eingeklemmt wird, zusätzlich sitzen am oberen Rand zwei kleine Schrauben, die sich mit den Fingern festziehen lassen und das AT4060a bombenfest an seinem Platz halten. Auch in Kopfüber-Stellung muss man die Schwerkraft also nicht fürchten. Zur Aufbewahrung gibt es ein gepolstertes Etui. Was ich allerdings vermisse, ist der Staubschutz, der beim ursprünglichen AT4060 noch enthalten war. Nun gut.

Wie die meisten seiner mit Röhren bestückten Artgenossen verlässt sich das AT4060a in Sachen Stromversorgung auf ein eigenes Speiseteil. Dieses wurde mit der Neuauflage des Mikrofons in der Leistung verbessert und fällt kompakter aus als zuvor. Ein zehn Meter langes Kabel mit den zur Verbindung von Speiseteil und Mikro passenden 6-Pin-Steckern ist natürlich ebenfalls enthalten.

Doppelmembran, aber feste Nierencharakteristik

In der Kapsel des AT4060a tut eine goldbedampfte Doppelmembran aus Mylar ihren Dienst, die zwei Mikrometer dünn ist und bei der Herstellung einem künstlichen Alterungsprozess unterzogen wird. Im Vergleich zur Membran des Vorgängers verfügt diese über eine Prägung, was für eine größere Oberfläche und erhöhte Stabilität sorgt. Da es sich dabei um eine Doppelmembran handelt, wäre es aus technischer Sicht sicherlich möglich gewesen, eine Möglichkeit zum Umschalten der Richtcharakteristik einzubinden. Darauf, dem Speiseteil einen entsprechenden Schalter zu verpassen, hat Audio-Technica aber verzichtet, und so ist das Mikrofon auf Nierencharakteristik festgelegt. Meiner Meinung nach ist das kein Anlass zur Kritik, solche Entscheidungen von Seiten des Herstellers haben außerdem meist ihre guten Gründe.

Hohe Schalldruckverträglichkeit und gemäßigtes Eigenrauschen

Auch am Body selbst finden sich keine weiteren Bedienelemente, wie sie etwa für ein Trittschallfilter oder eine Vordämpfung vorhanden sein könnten. Diese Aufgaben überlässt das Mikrofon also dem Preamp, wobei der maximale Eingangspegel von 149 dB SPL bei 0,5% THD eine Vordämpfung als weitgehend überflüssig erscheinen lässt. Mit einer so hohen Schalldruckverträglichkeit ließe sich vermutlich auch Godzillas Brüllen in Nahbesprechung verzerrungsfrei aufzeichnen. Als Röhre kommt eine russische Sovtek 6922 Doppeltriode (auf europäisch: eine E88CC) zum Einsatz, die vor dem Einbau von Audio-Technica geprüft wird.

Der Noise-Floor liegt bei Röhrenmikrofonen tendenziell höher als bei ihren transistorbasierten Pendants. Mit einem Eigenrauschen von 19 dB(A) ist das AT4060a zwar kein Ultra-Low-Noise-Künstler aus der Röhren-Riege, es verhält sich aber sehr ordentlich und sorgt zusätzlich mit einem Feldübertragungsfaktor von 19,9 mV/Pa dafür, dass ein Preamp entspannt mit dem Signal umgehen kann. Die Impedanz liegt bei 200 Ohm.

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