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04.05.2021

Audient iD4 mkII Test

USB 3.0 Audiointerface

MKII-Version des populären Recording-Tools

Das kompakte Desktop-Audiointerface Audient iD4 MKII markiert den Einstieg in die iD-Serie des englischen Herstellers. Wie auch beim iD14 MKII, das wir bereits im Test hatten, handelt es sich um eine Überarbeitung des populären „MKI-Vorgängers“. Was gibt es über den Recording-Winzling zu berichten?

Details & Praxis

Merkmale und Ausstattung

Beim USB3.0-Audiointerface Audient iD4 MKII handelt es sich ein robust gebautes Desktop-Gerät mit USB-C-Buchse zur Verwendung an Mac, PC und iOS-Geräten. Das Interface verfügt über einen kombinierten XLR-TRS-Eingang mit zuschaltbarer Phantom Power zur Aufnahme von Mic- und Line-Signalen sowie einen so genannten JFET-Instrumenteneingang zur Aufnahme von E-Bass und E-Gitarre. Technisch und qualitativ entsprechen die analogen Inputs dem großen Bruder iD14, der lediglich quantitativ I/O-mäßig besser ausgestattet ist. Rückseitig befinden sich zwei TRS-Buchsen zum Anschließen des iD4 an Abhörmonitore bzw. einen Monitorcontroller, während die Vorderseite des vollkommen aus Metall gefertigten Geräts einen doppelten Kopfhöreranschluss besitzt. Beide Buchsen (3,5 mm und 6,3 mm) sind zwar nicht getrennt in der Lautstärke regelbar, dennoch handelt es sich um ein tolles Feature für ein Interface dieser Größe und Preisklasse!

Software

Zunächst einmal: An meinem Testrechner iMac Pro (3 GHz 10-Core Intel, 64 GB RAM, macOS Catalina 10.15.7) klappte der Betrieb mit dem iD4 reibungslos. Ein erstes Exemplar, das mir vor wenigen Wochen zum Test geschickt wurde, besaß eine ältere Firmware, die sich nicht updaten ließ, wodurch auch der Betrieb mit der iD-Software nicht möglich war – das ist nun Schnee von gestern! Entsprechend der puristischen I/O-Austattung sind auch die Features und Konfigurationsmöglichkeiten des Control Panels im Vergleich zum iD14 deutlich abgespeckt und beschränken sich im wesentlichen auf die Loopback-Funktion zum Streamen/Podcasten. Identisch ist allerdings das zum Lieferumfang gehörende ARC-Softwarepaket mit verschiedenen Programmen und Plug-ins von Herstellern wie Waldorf, Steinberg und G-Force.

What's new?

Neben einem (subjektiv) attraktiveren Design hat sich auch unter der Haube einiges getan. Bei den Unterschieden zur Vorgängerversion handelt es sich im wesentlichen um verbesserte Wandler mit höherer Dynamik und einem lineareren Frequenzgang sowie den Schritt von USB 2.0 auf 3.0 (mit USB-C-Buchse) inklusive der damit verbundenen Vorteile. Neben einer höheren Übertragungsgeschwindigkeit sorgt beispielsweise die stärkere Stromversorgung für einen souveräneren Pegel am Kopfhörerausgang des Bus-powered Interfaces.

Performance und Handling

Das iD4 MKII macht eine insgesamt gute Figur! Alle wesentlichen Funktionen lassen sich direkt am standfesten Gerät bedienen und auch die hell leuchtenden LEDs geben aus allen Blickwinkeln eine eindeutige Auskunft über den Pegel und Status verschiedener Funktionen, wie etwa das Stummschalten der Line Outs. Praktisch ist ebenfalls die Doppelfunktion des Push-Encoders („iD Control“), mit dem sich zusätzlich zu Lautstärkeregelung das Ausgangssignal dimmen und das DAW-Fenster scrollen lässt. Roundtrip-Latenzen von 9,3 und 12,2 bei Puffergrößen von 64 und 128 Samples ermöglichen ein praktikables Arbeiten mit dem iD4 MKII, das auch bei komplexen DAW-Projekten zuverlässig funktioniert.

Recording und Audioqualität

Mit jeweils einer Kombibuchse (Mic, Line) und einem Instrumenteneingang ist das iD4 nicht wirklich für Stereoaufnahmen konzipiert worden. Beide Inputs lassen sich aber gleichzeitig nutzen, wodurch MacGyver-artige Stereo-Recordings wie im letzten Audiobeispiel möglich sind. Da in Bezug auf die unterschiedlichen Analogeingänge herstellerseitig viel von Wärme und erwünschten Klangfärbungen des JFET-Instrumenteneingangs gesprochen wird, sollte man von einer Eignung für „saubere“ Stereoaufnahmen von Line-Quellen eher nicht ausgehen. Wie man den weiteren Audiobeispielen entnehmen kann, lässt sich die allgemeine Aufnahmequalität als sehr gut und durchaus studiotauglich beschreiben. Gleiches gilt für die hohe Wiedergabequalität über die Line-Ausgänge und den Kopfhörerausgang. Man hat absolut nicht das Gefühl, sich mit den Defiziten eines kleinen und kompakten Audiointerfaces arrangieren zu müssen: Das iD4 MKII klingt erwachsen!

Anmerkung: Die ersten drei Audiobeispiele wurden mit dem iD14 MKII aufgenommen, das allerdings über die identischen Analogeingänge und Wandler verfügt.

Fazit

Durch eine gelungene Preamp-Wandler-Kombination ermöglicht das Audient iD4 MKII hochwertige Mikrofon-, Line- und Instrumentenaufnahmen und eine durchaus profigerechte Abhörqualität zum kleinen Preis in einem äußerst kompakten Gehäuse. Wer allerdings auch Stereoquellen aufnehmen möchte, sollte zum etwa 100 Euro teureren iD14 oder einem Konkurrenzprodukt greifen.

  • Pro
  • gut klingende AD/DA-Wandler
  • profitauglicher Mikrofonvorverstärker (für wenig Geld)
  • zwei Kopfhöreranschlüsse (gemeinsame Regelung, aber immerhin)
  • robustes Gehäuse
  • optisch ansprechendes Design
  • simples Direct Monitoring
  • Softwarepaket im Lieferumfang
  • Contra
  • puristische Ausstattung
  • Features & Spezifikationen
  • USB 3.0 Audiointerface
  • Auflösung bis zu 24 Bit
  • maximale Abtastrate: 96kHz
  • Class Compliant / iOS-kompatibel
  • USB-C Anschluss + USB-C-Kabel (1m)
  • Dynamikumfang 121/126 dB (ADC/DAC)
  • ADC-Frequenzgang +-0,5dB bei 10 bis 40.000Hz
  • 1 Mikrofonvorverstärker (+58 dB, Class A)
  • Phantomspeisung 48V
  • JFET-Instrumenteneingang (diskret)
  • 2 Line Outs (6,3mm, TRS)
  • 2 Kopfhörerausgänge (6,3mm / 3,5mm, nicht getrennt regelbar)
  • iD Control
  • Software Mixer mit Loopback-Feature
  • Metallgehäuse
  • Maße: 133 x 120 x 40,7mm
  • Gewicht: 740g
  • inklusive ARC Download-Softwarepaket
  • Preis: € 139,– (Straßenpreis am 4.5.2021)

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