Test
8
25.10.2021

ANT BBA-240 Test

5-Kanal 4-Zonen Mischverstärker mit Bluetooth

Wer mehrere Räume mit unterschiedlichen Signalen versorgen muss, der benötigt einen Zonenmischer und für jeden Raum einen separaten Verstärker. Das kann schnell ins Geld gehen. Daher bietet der italienische Hersteller ANT mit dem BBA-240 eine budgetorientierte Lösung an. Der BBA-240 ist ein Kombigerät, das einen fünfkanaligen Zonenmischer mit einem vierkanaligen Audioverstärker in einem 19-Zoll-Gehäuse kombiniert. Das Gerät liegt unter der 500-Euro-Schallmauer und könnte sich als idealer „all in one“ Problemlöser für Kneipen, Gast- und Begegnungsstätten entpuppen.  

Trotz seines günstigen Preises bringt der Allrounder erstaunlich Ausstattung mit zum Job. Der Kandidat verfügt über vier Mic/Line-Eingänge und einen zusätzlichen Bluetooth-Eingang für unkompliziertes Streamen von Musik. In dem 19-Zoll-Gehäuse werkeln gleich vier separate Endstufenkanäle mit einer Leistung von je 120 Watt RMS an 4 Ohm. Neben niederohmigen Lautsprechern (4 und 8 Ohm) kann der BBA-240 auch in einer klassischen ELA-Installation (25/70/100 Volt) arbeiten. Ein No-Brainer?

Details

Als ich den Karton im Empfang nehme, erledige ich gleichzeitig mein tägliches Workout: Satte 22 kg bringt der ANT BBA-240 auf die Waage. Das hohe Gewicht ist der Kombination aus fettem Ringkerntrafo und massivem 19-Zoll-Metallgehäuse geschuldet. Das generelle Handling ist dank der massiven Griffe auf der Frontseite zumindest akzeptabel. Da solche Zonenmischverstärker fast ausnahmslos in Festinstallationen zum Einsatz kommen, ist das Gewicht im Grunde auch kein Problem. Selbst die vermeintlich alte Netzteiltechnik (Ringkern statt Schaltnetzteil) ist in diesem Punkt eher ein Vorteil, gelten Ringkerntrafos doch als eine robuste und bewährte Technik. Im Idealfall schraubt man so ein Gerät in einen Schrank und hat viele Jahre Ruhe.

Der Lieferumfang ist übersichtlich: Gerät, Kaltgerätekabel und eine gedruckte Bedienungsableitung. Mehr braucht man im Grunde auch nicht. Abgesehen von der integrierten Bluetooth-Schnittstelle ist das Gerät hundertprozentig analog aufgebaut. Jedes Feature, jede Funktion verfügt über einen entsprechen Schalter, Taster oder Poti. Daher ist die Bedienung auch für weniger erfahrene Anwender in wenigen Minuten zu überblicken. Dabei verfügt der Testkandidat über eine überraschend großzügige Ausstattung, die wir uns als nächstes genauer ansehen.

Rückseite

Auf den ersten Blick ist hier mehr los als in einem schwedischen Möbelkaufhaus an einem Samstagvormittag. Aber der Reihe nach. Die Netzversorgung wird über eine Kaltgerätebuchse samt Umschaltung (110 Volt auf 240 Volt) sichergestellt. Rechts daneben befinden sich die Eingangsarmaturen für die Kanäle 1-4. Zum Einsatz kommen Combo-Buchsen, die mit sowohl mit Klinken- als auch XLR-Steckern harmonieren. Etwas unglücklich ist die Tatsache, dass sich die Mic/Line/+48 Volt Schalter ebenfalls auf der Rückseite befinden. Ist der BBA-240 erst einmal in einem Rack verstaut, kommt man nur noch sehr umständlich an diese Schalter heran. Daher ist man nicht wirklich sehr flexibel bei der Wahl der Eingangssignale, wenn man das Gerät erst einmal verbaut hat. Das Gleiche gilt für den Kanal 5. Dieser gibt, je nach Stellung des Wahlschalters, das Signal der Bluetooth-Schnittstelle oder das eines Zuspielers (CD-Player o .ä.) via Cinch-Buchsen wieder. Auch hier befindet sich die Umschaltung auf der Rückseite, was nicht sehr praxisfreundlich ist.

Zu begrüßen ist die Tatsache, dass alle Ausgänge in Form von Phönix-Klemmen ausgeführt sind. Bei einer Installation nimmt man die Verdrahtung der Ausgänge in der Regel nur einmal vor und belässt diese dann für lange Zeit. Phönix-Klemmen sind platzsparend, was dem BBA-240 einige interessante Optionen beschert.

Eine Option ist der integrierte Telefon-Paging-Anschluss. Was das ist? Ihr kennt doch bestimmt die Mitarbeiterdurchsagen im Kaufhaus, bei der im Grunde die gleiche Technik genutzt wird. Über den Aux-Ausgang eines Telefons lässt sich das Telefonsignal abgreifen und in den Verstärker leiten. Dieses Telefonsignal verfügt über eine „eingebaute Vorfahrt“. Das heißt, spricht man in das angeschlossene Telefon, wird dieses Signal verstärkt und andere anliegende Signale wie Musik automatisch stummgeschaltet.

Über ein kleines „Mäuseklavier“ kann der Anwender bestimmen, in welcher der vier Zonen das Telefonsignal zu hören sein soll. Zudem verfügt die Funktion über eine Lautstärkeregelung. Auch was die Lautsprecherausgänge der vier Endstufenkanäle betrifft, zeigt sich der ANT-Bolide erstaunlich flexibel. Zum einen lässt sich jedes Eingangssignal als Line-Out zusätzlich abgreifen und weiterleiten. Darüber hinaus bietet der BBA-240 die Möglichkeit, niederohmige Lautsprecher (4 oder 8 Ohm) anzutreiben oder eine ELA-Verkabelung vorzunehmen. ELA … noch nie gehört? Erklärung folgt!

ELA

ELA ist die Abkürzung für „Elektroakustische Anlage“. Gerne wird auch der Begriff „100-Volt-Technik“ dafür verwendet. Die Idee dahinter ist es, eine Tonübertragung mit möglichst geringen Leistungsverlusten über weite Strecken zu ermöglichen. Deshalb wird diese Technik gerne in Festinstallation in größeren Gebäuden verwendet oder Open Air bei Weihnachtsmärkten, Messen oder Ausstellungen. Dabei ist dieses Verfahren erstaunlich wirtschaftlich, da es auch bei langen Lautsprecherkabeln nur kleine Kabelquerschnitte benötigt. Zudem ist die Verkabelung dank Parallelschaltung denkbar einfach und ermöglicht längere Lautsprecherleitungen (dank niedrigerer Spannungsverluste) als bei niederohmigen Lautsprechern.

Ein 100-Volt-Ausgang, wie sie der ANT BBA-240 in jedem Endstufenkanal verfügt, ist mit einem Übertrager ausgestattet, der die Ausgangsspannung auf eben 100 Volt anhebt. In einem 100-Volt-Lautsprecher ist ebenfalls ein Transformator eingebaut, der die Spannung auf ein passendes Niveau für den jeweiligen Lautsprecher absenkt. Durch die hohe Spannung lassen sich Audiosignale über dünne Kabel und über Hunderte Meter ohne große Verluste übertragen. Sollen nachträglich zusätzliche Lautsprecher angeschlossen werden, dann ist das völlig unproblematisch, da man sie einfach parallel zu dem bereits verlegten Kabel anklemmt. Bei dieser Art Parallelschaltung muss man im Grunde nur die Gesamtleistung des ELA-Verstärkers im Auge behalten.

Vorderseite

Klar strukturiert gibt sich die Vorderseite: Links finden wir die fünf Eingangskanäle samt Bedienelemente vor. Da der BBA-240 über vier Verstärkerkanäle (also vier Zonen) verfügt, notiere ich als erstes die Zonen-Anwahl oberhalb der Kanäle. Jedes Eingangssignal lässt sich frei in eine oder mehrere der vier Zonen routen. Das freie Routing steht für jeden der insgesamt fünf Eingangskanäle zur Verfügung, die jeweils mit Gain-Poti und 2-Band-EQ ausgestattet sind. Schade, dass man keine Aussteuerungsanzeigen in den Kanälen findet. Somit muss man sich hier auf sein Gehör verlassen. Statt auf Fader zu setzen, sind die fünf Eingangskanäle mit großen Volume-Potis nebst dedizierten Mute-Tastern ausgestattet.

Die rechte Außenflanke gehört den Ausgängen. Jede der vier Zonen ist mit einem großen Volume-Poti und einer sechsstelligen Meteranzeige ausgestattet. Dazu lässt sich der Mix jeder Zone über Monitor/Phones-Taster zur Kontrolle abrufen. Drückt man einen dieser Taster, dann wird das Signal sowohl an den Monitorausgang auf der Rückseite als auch an den Kopfhörerausgang auf der Vorderseite geleitet. Beide Abhörmöglichkeiten sind mit separaten Lautstärkereglern ausgestattet und bieten daher eine unabhängige Kontrolle des Zonenmixes. Sehr gut!

Ein Netzschalter samt großer Status-LED vervollständigt die Ausstattung. Moment, fast hätte ich die eingebaute Bluetooth-Schnittstelle vergessen! Hier findet sich eine Pair-Taste nebst blauer Status-LED. Ich schlage vor, wir starten den Praxistest mit der Bluetooth-Anbindung.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare