Eurorack-Module
Test
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01.05.2018

Alm Pamela's New Workout Test

Vielfältige und stabile Master-Clock fürs Eurorack

Eurorack Master-Clock mit LFOs, Hüllkurven und Random

ALM Busy Circuits ist ein Ein-Mann-Betrieb aus England, der sich auf Eurorack-Module spezialisiert. Das Sortiment besteht aus knapp 20 Modulen, welches u. a. verschiedene digitale Klangerzeuger und analoge Tools, VCAs sowie einen Filter offeriert. Alle ALM Module sind von hoher Qualität und dabei gut durchdacht.   

Das originale Pamela’s Workout war das erste Modul von ALM Busy Circuits. Ein Clock-Divider/ Multiplier mit acht Ausgängen, wobei jeder Ausgang eine individuelle Teilung bzw. Multiplizierung ausgibt. Bedingt durch die Größe des Moduls und die Anzahl an Ausgängen, hatte dieses Clock Modul viele Fans gefunden, obwohl es doch einige Probleme mit dem Timing der acht Ausgänge hatte. Jetzt gibt es eine verbesserte Version, welche verspricht mit allen Timing-Problemen aufgeräumt zu haben und eine Vielzahl an neuen Funktionen mitzubringen. Der Formfaktor und Preis hat sich dabei kaum verändert, denn es sind lediglich zwei Buchsen für eingehende Steuerspannungen hinzugekommen und das Vintage LED Display wurde gegen ein hochauflösendes LED Display ausgetauscht. Wir testen ob die Timing-Probleme wirklich aus der Welt geschafft wurden und ob die Bedienung, trotz der vielen neuen Funktionen, so intuitiv geblieben ist, wie wir es von der ersten Version gewohnt sind. 

Details

Das Pamela’s New Workout ist, genau wie das Original, nur acht TE Breit und bietet dabei gleich acht Ausgänge für Steuerspannungen, denn außer Gates und Trigger kann das neue Pamela’s Workout auch eine Anzahl an verschiedenen CVs ausgeben. Für eingehende Steuerspannungen hat es zwei CV-Eingänge mit Offset und Abschwächern spendiert bekommen, womit sich nahezu jeder Parameter fernsteuern lässt. Die komplette Bedienung wird einzeln mit einem Rotary Push-Encoder vollzogen und mit einem weiteren Drucktaster kann die Master-Clock gestartet und gestoppt werden. Läuft die Clock im Slave-Modus, so dient der Drucktaster als Reset-Button. Eine hochauflösende LED Anzeige hat die Vintage LED Anzeige der ersten Pamela Version ersetzt. Der Formfaktor und Preis ist zum größten Teil identisch mit der alten Version, was beeindruckend ist da die neue Version um so einiges mehr zu bieten hat.

Mehr als Trigger und Gates

Das Konzept der Bedienung ist gleichgeblieben. Mit dem Rotary Encoder wählt man zunächst aus, welchen Kanal man einstellen möchte. Durch Drücken des Encoders selektiert man den entsprechenden Kanal und kann dann die Teilung oder Multiplikation des gewählten Kanals einstellen. Außer den acht Kanälen gibt es hier noch einen weiteren Screen, der die BPM anzeigt. Hält man den Encoder einige Sekunden lang gedrückt, so kommt man in ein Untermenü, wo alle anderen Einstellungen vorgenommen werden können.

Als erstes sucht man sich hier die auszugebende Wellenform aus. Außer dem ursprünglichen Rechteck, was Trigger und Gates darstellt, kann man jetzt noch zwischen Dreieck, Sinus, Hüllkurve und Zufall wählen. Bei den nächsten beiden Optionen im Menü ist es möglich prozentual einen Offset einzustellen und die gewünschte Stärke der ausgehenden Steuerspannungen zu wählen. Wie auch bei allen anderen Optionen, wie z. B. der Wellenformen, kommt hier am Ende der Auswahl immer noch die Option, diese per CV-Eingang 1 oder CV-Eingang 2 zu kontrollieren. Zur Kontrolle per Steuerspannungen komme ich aber noch ein bisschen später ausführlicher zurück.

Als nächstes dient ein ‚Width‘ Parameter zur Bestimmung der Länge der Gates. Gibt der jeweilige Kanal Dreieck oder Sinus LFOs anstatt Gates aus, so ändert der Width Wert die Wellenform. Bei einem Wert von 50% erhält man ein Dreieck, bei 0% einen Sägezahn und bei 100% einen aufsteigenden Sägezahn. Beim Sinus ist es ähnlich, nur dass es hier eine Art abgerundeten Sägezahn ergibt. Hat man als Wellenform ‚Hüllkurve‘ ausgewählt, so ändert der Width Wert die Release-Zeit der Hüllkurve.

Bei ‚Phase‘ kann man die ausgehenden Steuerspannugen, sei es Trigger oder eine andere Wellenform, in der Phase verschieben. Auch diesen Wert stellt man in Prozent ein. Mit den nächsten beiden Menüpunkten ist ein Delay einzustellen, welches eine ähnliche Funktion darstellt wie ‚Phase‘, nur das man hier bestimmt, ob jedes ausgehende Signal in der Phase verschoben wird, oder nur jedes Zweite usw. Mit den Phase und Delay Funktionen lässt sich sehr gezielt ein Shuffle einstellen und auch hier ist es möglich, alle Parameter per Steuerspannungen zu manipulieren. ‚RSkip‘ steht für Random Skip und bei diesem Menüpunkt kann man in Prozent eingeben, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sein soll, den nächsten Trigger, LFO oder Hüllkurve auszulassen. 

Euklidische Beats

Die nächsten drei Menüpunkte sind für euklidische Rhythmen vorgesehen. Der euklidische Algorithmus war bei der ersten Version des Pamela’s Workout Moduls als alternative Firmware vorhanden. So konnte man bei der originalen Version wählen, ob entweder die Clock-Teiler/ Multiplikation Funktion oder der euklidische Algorithmus verwendet wird. Die neue Version bietet die Möglichkeit, auf diese sehr interessante und einfache Methode Rhythmen zu erstellen, während man gleichzeitig alle anderen Funktionen, wie z. B. Teilung und Multiplikation, weiterhin verwendet. Der euklidische Algorithmus besteht im Grunde darin, auszuwählen, wie viele Schläge es in einem Takt gibt und wie viele davon dann tatsächlich als Trigger ausgegeben werden. Der Algorithmus teilt hierbei die Anzahl der Trigger durch die Anzahl an möglichen Schlägen und verteilt diese ebenmäßig auf den Takt. Können die beiden Zahlen nicht genau geteilt werden, wie z. B. 16 durch 5, so verteilt der Algorithmus die Trigger so ebenmäßig wie möglich.

Dabei erhält man sehr interessante Rhythmusfiguren und kann somit mit nur drei Werten sehr einfach und schnell fast alle möglichen Rhythmen eingeben, wobei der dritte Parameter hier den Startpunkt verschiebt. Da auch hier alle Parameter per Steuerspannungen beeinflussbar sind, sind auf diese Weise sehr vielfältige und musikalische Ergebnisse erzielbar, ohne dabei viel programmieren zu müssen. Euklidische Rhythmen sind in der Eurorack-Welt sehr beliebt und es gibt zahlreiche Module, die sich genau auf diese Funktion konzentrieren. Beim Pamela’s New Workout lässt sich diese Methode aber auch auf LFOs und Hüllkurven anwenden, was dem Ganzen einen immensen musikalischen Mehrwert bietet.

Loop und Slop

Als nächstes im Menü erhält man die Möglichkeit, den jeweiligen Kanal zu loopen, wobei man wählen kann wie lang der Loop sein soll. Das ist auf verschiedene Weise sehr nützlich und clever. Zum einen friert der Loop den gerade gespielten Rhythmus ein und wiederholt diesen. Hat man z. B. Random als Wellenform gewählt, so kann man damit Loops aus den Zufallswerten erstellen. Das gleiche passiert bei Random Skip, wobei Pamela sich dann merkt, welche Trigger zum Zeitpunkt der Aktivierung der Loopfunktion ausgelassen wurden. Zum anderen resetet der Kanal sich selber, was bei Looplängen mit einer ungeraden Zahl interessante neue Rhythmen ergibt. Gerade bei der Eingabe beim euklidischen Rhythmus ist das sehr nützlich, denn jedes Mal, wenn man einen Wert verändert, sitzt der dadurch entstandene Rhythmus nicht mehr an derselben Stelle, wie zuvor in Relation zu den anderen Ausgängen.

Hier musste ich bei der alten Version oft einen Kanal opfern um Pamela mit sich selbst zu resetten. Mit der Loopfunktion ist das nicht nur gleich in den jeweiligen Kanal eingebettet, sondern jeder Kanal kann jetzt zu einem individuellen Zeitpunkt neu gestartet und synchronisiert werden. Bei ‚Slop‘ lässt sich in Prozent wählen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Fehler im Timing vorkommen. Diese Funktion bringt, laut ALM, Menschlichkeit und Gefühl in die gespielten Rhythmen. Bei kleineren Werten macht diese Funktion auch wirklich Sinn und klingt musikalisch. Bei größeren Werten ist man dann eher experimentell bei der Sache.      

Presets und Optionen

Die letzten vier Menüpunkte sind dafür vorgesehen um den jeweiligen Kanal stumm zu schalten, oder einen Preset für den jeweiligen Kanal zu speichern oder zu laden. Des Weiteren bieten sich hier Möglichkeiten, den Kanal auf die Standartwerte zurückzusetzten. Die Mute Funktion ist eine der sehr wenigen Parameter, welche man nicht per Steuerspannung beeinflussen kann. Dafür gibt es aber einen Shortcut, denn, hält man den Rotary Button gedrückt und betätigt dabei gleichzeitig den Start/ Stop Knopf, dann wird der gerade ausgewählte Kanal stumm geschaltet oder wieder zum Leben erweckt. Diese Funktion ist in erster Line dafür gedacht, einen Kanal einstellen zu können, ohne dass man diesen dabei hört. Ist man mit den Einstellungen fertig, so lässt sich der Kanal ganz einfach und schnell wieder aktivieren. 

Presets können pro Kanal oder für das gesamte Modul gespeichert und geladen werden. Befindet man sich auf dem BPM Screen anstatt auf einem der Kanäle, und hält den Rotary-Encoder gedrückt, so kommt man in ein Untermenü, welches von dem der Kanäle abweicht. Hier erhält man Zugang zu den Einstellungen für das Verhalten, wenn Pamela mit anderen Geräten im Sync läuft, kann Presets für alle Kanäle gleichzeitig laden und speichern und zusätzlich bestimmen, was passiert, wenn ein Trigger an der Reset-Buchse ankommt. Eine der Optionen hier ist, dass bei jedem eingehenden Trigger auf das nächste Preset umgeschaltet wird. Dieses ist insbesondere bei selbstlaufenden ‚Hands-Free‘ Patches recht sinnvoll. Eine andere Option rotiert die Ausgänge bei jedem eingehenden Trigger. Das bedeutet, dass die Buchse von Kanal 1 dann die Trigger von Kanal 2 ausgibt usw. Diese Funktion wurde zum ersten Mal mit dem Rotating Clock Divider‘ oder RCD von 4MS in die Eurorack-Welt eingeführt, und bietet einen großen Nutzen, wenn man experimentelle Patches erstellt oder nach neuen Rhythmen sucht.

CV-Kontrolle

Für Steuerspannungen sind zwei Buchsen vorgesehen, wobei eine mit Werten zwischen 0 - 5 Volt arbeitet und die Andere im Wertebereich zwischen -5 Volt und +5 Volt agiert. Wenn man bei Pamela’s New Workout einen Wert einstellt, so kommt am Ende auch fast immer die Option, den entsprechenden Wert per CV1 oder CV2 Eingang zu kontrollieren. Das funktioniert nicht nur bei Werten, die in Prozent eingegeben werden, sondern auch bei Optionen wie z. B. der Auswahl der ausgehenden Wellenform. Zwei CV-Eingänge klingen zunächst einmal nicht nach viel, aber da man diese für jeden Kanal einzeln anwenden kann, und die Möglichkeit hat, immer eine andere Abschwächung und Offset einzustellen, kommt man mit nur zwei CV-Eingängen schon sehr weit. So lässt sich eine eingehende Steuerspannung verwenden, um gleichzeitig mehrere Kanäle auf verschiedenste Weise zu beeinflussen. Das macht aus den CV-Eingängen sozusagen Makro-Regler. Da auch das Level per Steuerspannung kontrolliert werden kann, erhält man somit gleichzeitig eingebaute VCAs für die ausgehenden Gates, LFOs und Hüllkurven. Sehr praktisch. 

Hat man ausgesucht, dass ein Wert per CV1 oder CV2 gesteuert werden soll, so kann man bei Auswahl des CV-Kanals den Encoder gedrückt halten und kommt somit in ein weiteres Untermenü. Das ist auch die einzige Situation, in der man in ein weiteres Untermenü kommt. Ansonsten ist die Hierarchie sehr flach gehalten und es gibt im Grunde nur eine Untermenü-Stufe, was die Bedienung sehr einfach und intuitiv gestaltet. Das Untermenü für Steuerspannungen ist dabei sehr einfach gestaltet und verfügt lediglich über drei Optionen: Abschwächen, Offset und eine Anzeige, welche die gerade eingehende Steuerspannung darstellt. Somit lässt sich das neue Pamela’s auch wunderbar mit sich selber verpatchen und die Möglichkeiten sind hierbei immens, ohne dass dabei die Bedienung unnötig kompliziert wird.

Kalibrierung und Updates

Zu guter Letzt bietet das Pamela’s eine Micro-USB Buchse auf der Platine, womit es ein Kinderspiel ist, das Modul upzudaten. Ein weiteres kleines Feature, ist dass man die interne BPM kalibrieren kann. Das ist unglaublich hilfreich und ich habe das noch bei keinem anderen Modul oder Desktopgerät gesehen. BPM ist nämlich nicht gleich BPM, was mich am Anfang wirklich erstaunt hat, da ‚Minuten‘ ja eine feste Einheit darstellen. Eigentlich sollten alle Geräte gleich schnell laufen, wenn dieselbe BPM eingestellt wurde. So wie Uhren eben. Aber dem ist auf keinen Fall so, und die Unterschiede sind leider nicht zu vernachlässigen. Stellt man z. B. 120 BPM auf einem Gerät oder Modul ein und nimmt etwas auf, so deckt es sich nach dem Import in den Computer nicht mit der DAW, auch wenn da ebenso 120 BPM eingestellt wurden. Hält man beim Einschalten den Rotary Encoder gedrückt, so gibt es die Möglichkeit, die internen BPMs von Pamela’s New Workout prozentual zu erhöhen und entsprechend langsamer laufen zu lassen. Mit dieser Funktionsweise lässt sich Pamela‘s z. B. exakt auf die verwendete DAW kalibrieren und es ist nicht nötig, das Modularsystem zum Computer in Echtzeit zu syncen. 

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