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Test
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02.11.2015

AKG C314 Test

Umschaltbares Großmembran-Kondensatormikrofon

Auf halbem Weg zwischen C214 und C414

Das AKG C314 hat nicht nur mit dem C414 einen gewichtigen Urahnen: Wenn der Hersteller von Kopfhörern und Mikrofonen ein Produkt nennen müsste, dass dem Namen AKG in Studios weltweit zu Bekanntheit verholfen hat, dann würde dies zweifelsohne das C12 sein. "C12" sagt man nicht einfach so daher, sondern spricht es bitte schön mit gebührender Ehrfurcht in der Stimme aus. Das C314 ist zwar ebenfalls ein Großmembran-Kondensatormikrofon mit umschaltbarer Richtcharakteristik, jedoch ohne Röhre, aus aktueller Fertigung und um Größenordnungen preiswerter.

Mikrofone aus AKGs niedrigerem Preissegment erfreuen sich höchster Beliebtheit, wie vergangene Tests gezeigt haben, tun sie dies auch durchaus zurecht. Das nicht umschaltbare C214, welches nicht nur bezüglich der Produktbezeichnung, sondern vor allem baulich eine enorme Nähe zum Objekt in diesem Test hat, macht beispielsweise eine gute Figur. Und da trifft es sich natürlich sehr gut, dass der Sänger, der die meisten Files, die ihr in meinen Testberichten hören könnt, ein 214 besitzt.

Details

Braunmühl-Weber

Hinter diesen beiden Nachnamen versteckt sich eine Konstruktion, in welcher zwei Mikrofonkapseln Rücken an Rücken verbaut werden, die gemeinsam je nach Verschaltung verschiedene Richtcharakteristiken ergeben. Zu diesem Zweck besitzen beide Nierencharakteristik - die bei diesem Polar-Pattern notwendige Umleitung des Schalls, der für die Membranrückseite gedacht ist, bewerkstelligt jeweils die Membran der anderen Kapselseite. Das AKG C314, ausgestattet mit einer nicht mittenkontaktierten Doppelkapsel, ermöglicht die Verschaltung zu Niere, Kugel und Acht. Auch eine Zwischenstufe zwischen Niere und Acht ist auswählbar, eine Superniere. Die selten eingesetzte Breite Niere, also eine Kombination von Niere und Kugel, ist hingegen nicht wählbar. 

Pad mit LED

Der Schalter zur Bestimmung des Polar-Patterns befindet sich auf der Rückseite des C314, wohingegen auf der Vorderseite nur das AKG-Logo mit den drei um 120° versetzten Nieren zu finden ist. Es gibt noch zwei weitere Schaltmöglichkeiten, die an einem Mikrofon beide keine Seltenheit darstellen. Auf gegenüberliegenden Seiten warten Pad und Hochpassfilterung auf ihren Einsatz. Das Pad dämpft um kräftige 20 Dezibel, kommt aber in Kombination mit einer kleinen einfachen Hilfe: Per Clip-LED wird der Einsatz des Pads empfohlen. Werden 133 dB(SPL), also zwei Dezibel unterhalb des definierten 0,5%THD-Grenzschalldruckpegels, erreicht, leuchtet sie rot auf. Eine einfache, aber praktische Einrichtung. Darin, Mikrofone mit diversem Leuchtwerk auszustatten, ist man bei AKG schnell bei der Sache, wie etwa die aktuellen C414 zeigen. Ich finde es aber beim C314 so sinnvoll wie bei sonst keinem Mikrofon, wenn ich etwa an das eher sinnbefreite Geleuchte bei Horch denke. Das Trittschallfilter kommt aus nachvollziehbaren Gründen nicht in den Genuss einer zusätzlichen Beleuchtung. Schaltet man das HPF, werden die Tiefen unterhalb des -3dB-Punkts von 100 Hz mit einer Flankensteilheit von 12 dB/oct abgeschnitten.

Explosionszeichnung

Die gesamte Elektronik ist im Metallgehäuse untergebracht, das vor mechanischen und elektromagnetischen Einwirkungen schützt. Der Kapselträger hinter dem groben Außengrill und der feineren Gaze ist frei schwingend aufgehängt, was den Einsatz einer Spinne durchaus unnötig machen kann. Dennoch befindet sich ein solches Stück im Lieferumfang. AKG ist für Qualitätsware bekannt, aber dennoch weder vor Fehlern, Alterungsprozessen und besonders „Fehlbedienungen“ wie Fallenlassen gefeit. Umso erfreulicher ist es, dass jedes einzelne Teil anhand einer Explosionszeichnung identifiziert und nachbestellt werden kann. Für diese Form der Investitionssicherheit gibt es von mir ganz klar das Däumchen nach oben. 

Hohe Dynamik

Über die obere Dynamikgrenze von 155 dB(SPL) (mit Pad) hatte ich mich schon positiv geäußert, doch auch ganz unten ist eine der wichtigsten Angaben ein Grund zur hellen Freude: Mit 8 dB(A) liegt das Eigenrauschen nahe am möglichen Minimum und zeigt einmal mehr die technische Expertise der Österreicher. Die Frequenzgänge sind für die verschiedenen Polar-Patterns leicht unterschiedlich, die Konstanz der frequenzabhängigen Empfindlichkeit, also dem Pegel je nach Einfallsrichtung des Schalls, ist absolut typisch und weist keine Besonderheiten auf. Deutlich ist hingegen, dass das AKG C314 durch eine um die 10 kHz liegende Pegelanhebung charakterisiert ist, die je nach Richtcharakteristik mehr oder weniger breit ist. Bei der Kugel ist dieser Peak schmalbandiger als bei den anderen, dafür ist auch der bewusste Einbruch um die 2 kHz dort am kleinsten. Die Außenbänder sind weitgehend identisch: In den Höhen folgt auf den Peak der bei Großmembranern konstruktionsbedingte Abfall der Übertragungskurve, die Tiefen sind bis hinunter in den Infraschallbereich quasi ohne nennenswerte Absenkungen. 

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