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10.03.2010

Details

Beim Virus TI handelt es sich um einen virtuell-analogen Synthesizer, der mit 61 oder 37 Tasten (TI Polar) sowie als Desktop-Version ohne Tasten erhältlich ist. Alle Modelle haben drei Stereoausgänge, Audioeingang, S/PDIF, MIDI Trio, USB, Eingang für Hold- und Controller-Pedal sowie Kopfhörerausgang.

Auf der Oberfläche befinden sich 32 Drehpotis, mit denen sich nahezu alle wichtigen Parameter sofort erreichen lassen. Durch Doppelbelegungen hat man mit Hilfe der Shift-Taste unmittelbaren Zugriff auf 47 Parameter.

Die Stimmenzahl des TI wird mit etwa 80 angegeben, wobei diese abhängig von der Komplexität der Sounds ist. Ein Live-Keyboarder wird jedoch selten an diese Grenze stoßen, anderenfalls gibt es mit dem Modell TI2 auch hierfür eine Lösung. In der TI2 Variante verfügt der Virus über einen leistungsstärkeren Prozessor, der zusätzliche Stimmen mobilisieren kann. Da sich beide Ausführungen ansonsten nur äußerlich voneinander unterscheiden, bezieht sich dieser Bericht im weiteren Verlauf auf beide Modelle.

Der Virus TI verfügt pro Stimme über vier Oszillatoren und einen Rauschgenerator, wobei einer der Oszillatoren ein sogenannter Suboszillator ist, der ausschließlich Dreieck und Rechteck produziert und immer exakt eine Oktave unter Oszillator 1 schwingt.

Die Oszillatoren 1 und 2 können in verschiedenen Modi arbeiten:

Classic:

Zwischen Sinus, Sägezahn und Rechteck kann überblendet werden. Weiterhin stehen Dreieck und 62 Spektralwellenformen zur Verfügung, die aus mehreren Sinusschwingungen mit unterschiedlichen Amplitudenverhältnissen bestehen und beispielsweise für Orgelsounds, Clavinet, Cembalo, Oboe o.ä. interessant sein können.

Im ersten Audiobeispiel eine Fahrt durch ein paar Waves, von Sinus über Sägezahn nach Rechteck, danach verschiedene Spektralwellen:

Die Oszillatoren können per Ringmodulation und FM miteinander verknüpft werden, außerdem gibt es Hard Sync und Pulsweitenmodulation.

 

Die Pulsweitenmodulation klingt ausgesprochen gut und ermöglicht schon mit nur einem Oszillator toll schwebende Flächen, die es locker mit einem Juno 60 aufnehmen können.

Hypersaw

Im Hypersaw-Modus kann ein Oszillator bis zu neun Sägezahnschwingungen erzeugen. Diese lassen sich gegeneinander verstimmen und darüber hinaus im Panorama verteilen. Auf diese Weise ist es möglich, typische Klänge aus dem Trance- und Techno-Genre herzustellen, ohne dabei Stimmen opfern zu müssen. Man kann sogar bei gehaltenem Akkord zwischen einem und neun Sägezähnen spielerisch hin- und herfahren – und das absolut sauber und knackfrei.

Wavetablesynthese 

Hier finden sich 100 Wavetables, deren Start- und Endpunkte in Echtzeit verschoben werden können (Wavetable-Sweep). So lassen sich komplexe Obertonverläufe realisieren, die mit den üblichen Oszillatoren plus Filtern in dieser Form nicht darstellbar wären. Die Wavetables sind fix und lassen sich daher nicht austauschen, wobei die Auswahl jedoch ausreichend vielfältig ist. Diese Wavetable-Synthese ermöglicht außer lebendigen Flächenklängen auch interessante Effektsounds.

Darüberhinaus gibt es noch ein paar exotische Möglichkeiten, mit den Wavetables umzugehen, die sich Wave PWM, grain simple, grain complex, formant simple und formant complex nennen. Klanglich unterscheiden sich diese Modi aber kaum von der Wavetablesynthese, und im Alltag des Popkeyboarders spielen diese Syntheseformen wohl keine Rolle.

Richtig interessant würde die Graintablesynthese eigentlich erst bei der Arbeit mit Samples  - diese kann der Virus jedoch nicht verarbeiten.

Oszillator 3 lässt sich ausschließlich im Classic Mode betreiben, bietet aber immerhin auch Sinus, Sägezahn, Rechteck/Puls, Dreieck und die 62 Spektralwellen.

Bei extremer Tonhöhe geben die Oszillatoren übrigens leichte Aliasing-Artefakte von sich. Analog-Puristen und Pedanten stören sich gerne an so etwas, aber denjenigen, die mit ihrem Synthesizer Musik machen möchten anstatt Hunde anzulocken oder Fledermäuse vom Kurs abzubringen, dürfte das Aliasing in diesen Tonhöhen ziemlich egal sein.

 

Filter

 

Der Virus verfügt pro Stimme über zwei Filter, die die bekannten Analogfilter-Typen nachbilden: Tiefpass, Hochpass, Bandpass und Bandsperre, außerdem vier unterschiedliche Tiefpass-Varianten mit 6, 12, 18 und 24dB/Okt. Flankensteilheit, die klanglich dem legendären Minimoog Filter nachempfunden sind.

Die Filter lassen sich seriell, parallel oder im Split-Mode anordnen, wobei dann Oszillator 1 mit Suboszillator dem Filter 1 zugeordnet sind, die anderen Oszillatoren und Rauschen dem Filter 2.


Modulation


Die Modulationsmöglichkeiten des Virus TI sind sehr umfassend und luxuriös:
In der Matrix kann jede Quelle (z.B. Modulationsrad, Aftertouch, alle MIDI-Controller, die drei LFOs etc.) mit jedem Ziel (wirklich jeder Parameter, sogar Noise Color, Ringmodulationsintensität etc.) verknüpft werden. Es gibt 6 Matrix Slots mit je einer Quelle und drei Zielen. Hier werden der Fantasie des Programmierers keinerlei Grenzen gesetzt. Und egal welches Ziel man auch moduliert, man hört niemals Knacken, Rasterungen oder Aliasing. Das kann kein anderer Hardware-Synthesizer, egal ob digital oder analog. Mit Firmware 4.0 lässt sich sogar der Arpeggiator als Modulationsquelle einsetzen.

Effekte

Der Effektbereich ist so umfangreich, dass die Möglichkeiten hier nur kurz angerissen werden können. Pro Stimme gibt es Delay und Reverb, jeweils in  unterschiedlichen Varianten wie Tape-Delay, Ping-Pong 4:3 , Ambient, Small Room, Hall etc.

Der Bereich Delay/Reverb/EQ verfügt über drei Drehpotis, die je nach angewähltem Effekt unterschiedlich belegt sind. Durch den direkten Zugriff lassen sich die Effekte sehr dynamisch und lebendig einsetzen.

Alle Effektparameter können auch Modulationsziele sein. Es stehen 19 verschiedene Distortion-Typen zur Auswahl, u.a. Rectifier, Rate Reducer, Bit Reducer, Soft, Hard und Waveshaper.

Die neue Software 4.0 beinhaltet zusätzlich noch 6 neue Emulationen von klassischen Stomp-Box-Verzerrern.

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