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26.08.2017

8 Tipps für Pitchbend und Modulation am Keyboard

Keyboard-Controller richtig einsetzen - diese 8 Übungen bringen dich auf ein neues Level

Kaum ein modernes Keyboard kommt heute ohne die wichtigen Controller zur Steuerung von Pitch (Tonhöhe) und Modulation (Vibrato, etc.) aus. Je nach Hersteller findet man entweder die klassische Variante, bestehend aus zwei Rädern, die getrennt voneinander bedient werden, oder auch den für Korg und Roland typischen Joystick, der beide Funktionen in einem Bedienelement kombiniert. Die Funktionsweise ist in beiden Fällen gleich: Mit dem Pitchbender steuert man die Tonhöhe in voreingestellten Intervallen, mit dem Modulations-Controller hingegen verschiedene, zuweisbare „Ziele“ wie z. B. den LFO für Vibrato, das Filter, Effekte und vieles mehr. Unser heutiges Thema lautet daher: Wie kann ich diese Controller effektiv einsetzen?

In diesem Workshop geht es speziell darum, beide Controller so zu verwenden, dass das eigene Spiel lebendiger und interessanter klingt. Mit ein paar Übungen und Soundbeispielen möchte ich u. a. zeigen, wie man ein echtes manuelles Vibrato erzeugt, typische Gitarren-Pitchendings mit einem Leadsound spielt  und diverse Effekte mit den Controllern steuert. Zusätzlich soll dieser Workshop zum Ausprobieren einladen, denn durch die Menüs oder auch Modulations-Matrizen in den meisten Synthesizern, sind den kreativen Möglichkeiten kaum Grenzen gesetzt.

1. Gitarren-Pitchbendings I

Im diesem Beispiel imitieren wir ein Gitarren-Bending. Dieses typische Lick werden Liebhaber der Funk- und Fusionmusik sicherlich kennen und für mich persönlich ist dieses Bending der Inbegriff für Jan Hammers großartiges Keyboardspiel. So funktioniert es: Eine Note wird mit dem Pitchbender um einen Ganzton nach oben „gezogen“. Anschließend - den Pitchbender lässt man jetzt wieder in der Ausgangsposition zurückfedern - wird die anvisierte Note zweimal ohne Pitchbend-Regler gespielt, und zwar auf der Tastatur dann entsprechend einen Ganzton höher. In unserem Beispiel handelt es sich um die Note "A", welche zunächst von einem „G“ zum "A" gepitcht wird und anschließend zweimal als „A“ auf der Tastatur ohne Pitchbender gespielt wird. Im Übrigen haben alle Noten die gleiche Länge und die daraus resultierende Dreier-Verschiebung macht das Lick zusätzlich interessant.

(Video: Christian Frentzen / Gitarren-Bendings I)

2. Gitarren Pitchbendings II

Zum Improvisieren mit einem Leadsound bietet sich die Moll-Pentatonik an, denn die meisten Soli basieren typischerweise auf dieser Skala. Mit nur fünf Tönen bietet die Pentatonik trotzdem genügend Tonmaterial, das man beispielsweise mit Ganztonschritten „benden“ kann. Besonders gut klingen Bendings von der Moll-Terz zur Quarte, von der Quarte zur Quinte sowie von der Septime zur Oktave. Im folgenden Ausschnitt habe ich ein wenig auf der C-Moll-Pentatik improvisiert. Auch ein langsames Bending, z.B. von der Quarte zur Quinte (und wieder zurück) klingt reizvoll. Ein Delay darf natürlich nicht fehlen und verstärkt den Effekt an dieser Stelle zusätzlich!

(Video: Christian Frentzen / Gitarren-Bendings II)

3. Extrem-Pitchbending: Techno-Fanfare 

Auch extreme Bendings sind keine Seltenheit in der Popmusik. Für einen Live-Gig mit einer Band habe ich vor einigen Jahren ein Preset gebastelt, welches erst durch ein starkes Pitch-Bending funktioniert. Für den Song „We Found Love“ von Rihanna habe ich einen verhallten Sägezahn-Sound mit dem Pitchbend-Regler um zwei Oktaven nach unten gezogen. In der Bridge des Songs steigt dieser dann ganz langsam nach oben und nähert sich dem Grundton an. Der Trick ist hierbei, dass ich kurz vor der Bridge den Pitchbender erst vollständig nach unten ziehen muss, damit der Sound danach langsam ansteigen kann. Durch den Hall und ein langsames Bending, welches man über acht Takte relativ langsam steigert, entsteht ein sehr spannender Sound. Wichtig ist hier, dass man den Regelweg des Modulationsrads oder des Joysticks gut kennt, damit man nicht zu früh schon „oben“ angekommen ist!

(Video: Christian Frentzen / Extrem Bending)

4. Vibrato selbst erzeugen

Schon als Jugendlicher habe ich manche Gitarristen um ihre Fertigkeiten bewundert - vor allem wegen ihres Vibratos, was bei jedem Spieler anders war und für einen absoluten Wiedererkennungswert sorgte. Schon damals hieß es: „Der Sound kommt aus den Fingern“. Die Unterstellung, dass unser Spiel als Keyboarder und Soundtüftler weniger lebendig ist, wollen wir heute nicht auf uns sitzen lassen: Mit dem Pitchbending haben auch wir die Möglichkeit, ein echtes „Hand-Vibrato“ erzeugen. Bei vielen Synthesizern sind schon über das Modulationsrad oder den Joystick ein LFO (Low Frequency Oscillator) zugewiesen, der mit einer geringen Frequenz die Tonhöhe moduliert. Für unseren Fall ist das aber zu bequem - wir wollen die Intensität und die Frequenz mit der Hand selber erzeugen. Dazu sollte das Bending so eingestellt sein, dass es nach unten sowie auch nach oben jeweils einen Ganzton moduliert. Jetzt kann man langsam versuchen, den Pitchbender mit einer geringen Frequenz auf und ab zu bewegen. Mit welcher Frequenz man hier genau arbeitet, ist völlig individuell und bei jedem Spieler anders. Die Frequenz liegt im Durchschnitt aber zwischen einem und zwei Hertz. Hinzukommt, dass jeder Pitchbend-Regler etwas anders anspricht und unterschiedlich schwer zu bewegen ist, auch daran muss man sich zunächst gewöhnen. Fangen wir als langsam an, den Pitchbender gleichmäßig zu bewegen. Hier gibt es übrigens verschiedene Geschmäcker: Während einige Keyboarder gerne heftig, ja fast etwas übertrieben modulieren, reicht mir auch ein abgeschwächtes Vibrato. Darüber hinaus - so habe ich es z. B. von der Bottleneck-Gitarre gelernt - empfiehlt es sich, den Ton stärker „nach unten“ zu modulieren als in der Tonhöhe nach oben. Durch ein zu starkes Bending nach oben klingt der Ton nämlich schneller schief und weniger angenehm.

Bei Keyboards, die über einen Ribbon Controller verfügen, lässt sich ein recht natürliches Vibrato erzeugen. Ist der Wirkungsgrad für die Tonhöhenmodulation auf dem Ribbon Controller auf einen Ganzton (rauf/runter) eingestellt, kann man durch Auflegen des Fingers auf das Ribbon Zentrum, und durch leichtes und periodisches links-rechts kippen ein recht natürliches Vibrato erzeugen, so wie es der Gitarrist mit dem Finger auf der Saite machen würde.

(Video Christian Frentzen / Vibrato selbst erzeugen)

5. Modulations-Controller mit Wah-Wah-Effekt

Jetzt kommen wir zur Modulation. Ich persönlich benutze sie z. B. gerne, um den Filter etwas zu öffnen. Damit es gleich ein wenig interessanter wird, habe ich einen leicht angezerrten Sound gewählt, der gut für einen Song aus dem Bereich HipHop oder Nu Soul stammen könnte. Durch die leichte Verzerrung und die erhöhte Filter-Resonanz entsteht ein leichter Wah-Wah Effekt, wenn man den Filter-Cutoff bewegt. Der Filter ist in der Ausgangsposition relativ weit „zu“ und wird mit dem Modulationsrad, bzw. dem Joystick nur leicht geöffnet. Hier reicht schon eine minimale Filterbewegung für den gewünschten Wah Effekt. Wer das schon beherrscht, der kann zum Üben ein langsames Pentatonik-Riff in C-moll spielen und bei jeder Note den schnell auf- und wieder zumachen. Durch das Öffnen des Filters mit dem Modulations-Controller klingt der Sound plötzlich nicht mehr statisch, sondern sehr lebhaft und „soulig“.

(Video: Christian Frentzen / Mod-Wheel mit Wha-Wha Effekt))

6. Joystick mit Pitchbend und Wah-Effekt

Wie bereits eingangs erwähnt, verfügen manche Keyboards auch über eine Kombination der beiden Regler in Form eines Joysticks. Damit lassen sich gleichzeitig Pitch- und z.B. Filter-Modulationen vornehmen. Ich persönlich mag den Joystick sehr, da er sich sehr intuitiv bedienen lässt und gut in der Hand liegt. Außerdem ist das gleichzeitige Arbeiten auf der X- sowie Y-Achse sehr komfortabel. Die meisten Joysticks sind außerdem viel leichter zu bewegen als so manche Modulationsräder. Im folgenden Beispiel zeige ich, wie man gleichzeitig Pitchbending und Wah-Wah Effekte steuern kann, indem man den Joystick gleichzeitig auf der X- und Y-Achse bewegt. Hier ist die Pitchbend-Einstellung übrigens wie folgt eingestellt: Up: +2 Halbtöne, Down: -24 Halbtöne. 

(Video: Christian Frentzen / Joystick mit Pitchbend und Wha-Wha Effekt))

7. Pitchbending und Vibrato mit Akkorden

Speziell in der Funkmusik leben manche Synth-Brass-Sounds von Pitchbendings und starken, fast übertriebenen Vibrato-Effekten. Im nächsten Beispiel benutze ich den Pitchbender wie folgt: nach oben hin erhöht er die Tonhöhe um einen Ganzton, nach unten hingegen „fallen“ die Töne um eine Oktave (Up: +2 Down: -12). Der Modulations-Controller hingegen steuert das Vibrato über einen LFO, der die Oszillator-Tonhöhe moduliert. Zusätzlich wird dieser Effekt durch Aftertouch erhöht (Aftertouch ist nicht bei allen Keyboards unterstützt). In Kombination der beiden Regler ergeben sich jetzt sehr interessante funky Brass-Sounds!

(Video: Christian Frentzen / Bending mit Vibrato und Akkorden)

8. Modulations-Controller mit mehrfachen Modulationszielen

Im letzten Beispiel ist Kontrastprogramm angesagt: im Gegensatz zu den bisherigen Beispielen, werden dem Modulations-Controller nun mehrere Effekte zugewiesen. Für dieses Beispiel nehmen wir einen Synthesizer Sound und beeinflussen hier Frequenzmodulation („FM-Amount“), das Öffnen des Filters und den Anteil des Delays, welches per Delay-Send hinzugefügt wird. Durch das langsame Bewegen des Modulations-Controllers gewinnt die gespielte Phrase unheimlich an Tiefe, perfekt um einen Sound im Verlauf einer Strophe bis hin zum Chorus sehr charakteristisch zu gestalten.

(Video: Christian Frentzen / Mod-Wheel mit mehrfachen Modulationszielen)

Viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren der verschiedenen Modulationstechniken!

 

 

 

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