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07.08.2020

6 Schlagzeug-Beckensätze für Einsteiger im Vergleich – Worauf ist beim Kauf zu achten?

Kaufberater Cymbal-Sets

Guter Beckensound vom ersten Tag an

Wenn es eine Frage gibt, die mir bezüglich des Kaufs von Schlagzeug-Equipment am häufigsten gestellt wird, dann ist es ohne Zweifel jene nach den passenden Becken oder dem geeigneten Beckensatz. Besonders Einsteiger oder Drummer, die sich nicht so intensiv mit dem Instrumentarium befassen, fühlen sich ziemlich überfordert, denn die Auswahl ist groß. Das größte Thema ist jedoch der Preis der klingenden Bleche, denn wer die Euros für einen schönen Trommelsatz zusammengekratzt hat, stellt danach oft fest, dass für die Becken nochmal dieselbe Menge Taler fällig wird.

Sollte man also einzelne Profibecken nach und nach kaufen? Neu oder gebraucht? Oder doch lieber die vorkonfigurierten Cymbal Sets, die fast alle Hersteller mittlerweile anbieten? Um genau diese Cymbal Sets geht es in diesem Ratgeber. Auf den folgenden Zeilen möchte ich euch nicht nur ein paar empfehlenswerte Konfigurationen vorstellen, sondern auch einige grundlegende Infos liefern, die euch bei der Auswahl helfen werden. Los geht’s!

Millenium B20 Cymbal Set

1. Millenium B20 Cymbal Set

Dass es auch für kleines Geld schon Becken aus echter B20-Bronze gibt, zeigt das Musikhaus Thomann mit seinem Millenium B20 Cymbal Set. Bestückt mit den Standardmodellen 14er Hi-Hat, 16er Crash und 20er Ridebecken, stellt dieser Satz auch Ohren zufrieden, die beim sehr geringen Kaufpreis zunächst skeptisch sind. Die in China größtenteils maschinell gefertigten Instrumente klingen klar und sauber, statt glockig-blechigem Charakter gibt es hier eine gute Auflösung und eine schnelle Ansprache. Auch die Abstimmung kann sich hören lassen. Dass eine Tasche dabei ist, erspart zum Start eine zusätzliche Investition. Zudem ist das Set um viele weitere Einzelmodelle erweiterbar.

Millenium B20 Becken

2. Paiste 201 Bronze Cymbal Set

Mit dem großen Herstellernamen Paiste und einer B8-Legierung als Materialgrundlage haben sich die 201 Bronze Cymbals in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Sätze für Einsteiger entwickelt. Die maschinell in Deutschland produzierten Becken sind makellos gefertigt und klanglich gut aufeinander abgestimmt, insbesondere das 16“ Crash und das 20“ Ride erklingen nicht so obertonreich wie beispielsweise die Millenium B20-Modelle, was unerfahrenen Spielern zu Anfang oftmals mehr zusagt. Mit der 14“ Hi-Hat geht es etwas heller und schärfer zur Sache. Im Gegensatz zu den anderen hier vorgestellten Sätzen sind die 201 Becken aktuell nicht mit weiteren Modellen aus der Serie erweiterbar. 

3. Meinl HCS Bronze Complete Cymbal Set

Ein weiteres empfehlenswertes Beckenset und eine starke Konkurrenz zu den weiter unten vorgestellten Zildjian i Family Modellen stellen die Meinl HCS Bronze Becken dar. Diese in Deutschland hergestellten Instrumente liefern ebenfalls eine gute Portion Durchsetzungskraft und Brillanz. Auch beim Thema Erweiterbarkeit sammelt die Reihe Pluspunkte, denn die Modellvielfalt erreicht mit Chinas, gelochten Chinas, gelochten Crashes und sogar Bells uneingeschänkt professionelles Niveau. Im Video haben wir alle Modelle miteinander verglichen, hier hat uns auch die Abstimmung speziell der Crashes überzeugt. 

4. Zildjian Planet Z Standard Cymbal Set

Wer zum Preis des Millenium B20 Sets lieber Becken einer Traditionsmarke kaufen möchte, könnte sich das Zildjian Planet Z Standard Cymbal Set mal genauer ansehen. Zildjian verwendet hier als Material das in der Beckenherstellung eher selten verwendete Neusilber, die Bearbeitung erfolgt komplett maschinell. Die Becken sind gut aufeinander abgestimmt und klingen recht ausgewogen, den klanglichen Tiefgang und die Transparenz der höherwertigen Zildjian-Angebote gibt es hier aber noch nicht. Auch Fans ultimativer Power und Lautstärke sollten sich woanders umsehen. Statt einer Tasche liefert der Hersteller ein Paar professionelle Zildjian Sticks der Standardstärke 5A mit. Ein Vorteil der Serie ist die Erweiterbarkeit um Chinas und Splashes, die ihr – zusammen mit den anderen Becken – im Video hören und sehen könnt.  

5. Zildjian i Family Standard Set

Während der Zildjian Planet Z Beckensatz klar auf den Einsteiger abzielt, geht es mit den Instrumenten der Zildjian i Family schon in eine deutlich professionellere Richtung. Hier haben wir es mit Becken aus B8-Bronze zu tun (Erklärung dazu unten), deren Klang mehr Volumen und Durchsetzungskraft bietet. Ein Vorteil der Serie ist ihre große Auswahl an weiteren Modellen, darunter auch ausgefallenere Typen wie die Mastersound Hi-Hats mit gewelltem Bottom-Becken oder gelochte Trash Crashes. 

6. Sabian B8X Performance Set

Auch der kanadische Hersteller Sabian hat im Bereich der Einsteiger-Beckensets ein paar heiße Eisen im Feuer, eines davon ist das B8X Performance Set. Die B8-Reihe gibt es mittlerweile schon seit gut 35 Jahren, sie wurde mit der Zeit immer wieder aktualisiert und um neue Modelle erweitert. Aus welchem Material die Becken sind, ist selbsterklärend, klanglich geht es auch hier in die klare, präsente Richtung. Auch Sabian bietet eine Vielzahl von Erweiterungen an, beispielsweise das einzigartige Ballistic Crash. 

Häufige Fragen zu Beckensätzen

Was ist eigentlich in so einem Beckensatz enthalten?

Unter der Bezeichnung Beckensatz (oft auch Cymbal Set oder Cymbal Pack genannt) verkaufen Musikläden fertig zusammengestellte Beckenkombinationen. Im Einsteigerbereich sind standardmäßig drei Modelle der gängigen Größen enthalten, darunter eine 14er Hi-Hat, ein Crash in 16 Zoll sowie ein Ride in 20 Zoll. Solche Konfigurationen gibt es üblicherweise ab Werk von den bekannten Beckenherstellern, jedoch stellen manche Händler auch eigene Sets zusammen, oft auch aus Instrumenten der Eigenmarken. Von der Standardzusammenstellung gibt es jedoch auch Abweichungen, beispielsweise ein weiteres Crashbecken oder auch Effektbecken wie Chinas, Splashes oder gelochte Modelle

Wo liegen die Vorteile gegenüber einzeln gekauften Becken?

Ein ganz klarer Vorteil ist der Preis, denn der liegt meistens deutlich unter jenem von separat erworbenen Instrumenten. Je nach Hersteller wird bei Cymbal Sets im Werk zudem eine Vorauswahl vorgenommen, welche sicherstellen soll, dass die enthaltenen Becken sowohl einzeln gut klingen als auch miteinander harmonieren. Zu guter Letzt stellt der Kauf eines Sets aber auch eine deutliche Zeitersparnis dar, weil nicht jedes Becken einzeln ausgewählt, möglicherweise separat bezahlt und geliefert werden muss. 

„Beckensets sind nur für Einsteiger, Profis kaufen einzeln“ Stimmt das?

Nicht unbedingt. Natürlich wird sich ein Drummer, der jahrelange Spiel- und Hörerfahrung hat, nicht unbedingt das günstigste Beckenset zulegen. Allerdings stellt das klangliche Niveau der Mittelklasse oft auch erfahrene Spieler zufrieden und selbst wenn in einem Satz ein einzelnes Becken nicht genau den persönlichen Geschmack trifft, kann sich die Anschaffung aufgrund des reduzierten Gesamtpreises trotzdem lohnen. Dies gilt auch und gerade auch für Cymbal Sets der Oberklasse

Wieviel Geld sollte ich ausgeben?

Wenn ihr plant, mit dem Trommeln anzufangen oder erst seit ein paar Wochen spielt, spricht nichts gegen einen sehr günstigen Einsteigersatz zwischen 100 und 200 Euro. Euch fehlt vermutlich die Erfahrung und damit die Vergleichbarkeit und ihr wollt einfach (zuhause) spielen. Vielleicht wisst ihr auch noch nicht, ob das Schlagzeugspielen überhaupt dauerhaft etwas für euch ist. Falls ihr nach einiger Zeit merkt, dass ihr viel spielt, eine Band habt und klare Vorstellungen vom Klang eurer Becken entwickelt, könnt ihr auch einzelne Instrumente nach und nach austauschen. 

Etwas anders liegt die Sache, wenn ihr schon eine Weile begeistert bei der Sache seid, vielleicht eine Band und Drummer-Idole (mit super klingenden Becken) habt und jetzt den nächsten Schritt gehen möchtet. In einem solchen Fall lohnt sich die Investition in höherwertige Instrumente in jedem Fall, denn alles andere kann zum Motivationskiller werden. Je nach Budget empfiehlt sich hier die Preislage ab 250 Euro für ein Set mit Hi-Hat, Crash und Ride, im Bereich ab 350 Euro bekommt ihr schon handgemachte Sets aus B20-Bronze. Soll es ein entsprechendes Set von einem der großen Hersteller sein, seid ihr ab gut 600 Euro dabei. Solche Sets haben dann das Potenzial, euch lange Jahre zu begleiten. 

Messing, B8 oder B20 – Was bewirkt die Legierung?

Nicht alle Becken sind aus demselben Material gefertigt, beim Durchstöbern der Modelle werdet ihr stattdessen auf unterschiedliche Legierungsbezeichnungen stoßen. Messing, B8-Bronze und B20-Bronze sind die gängigsten, der Großteil der Becken wird aus diesen Materialien gefertigt. Messing gilt dabei als typische Einsteigerlegierung, entsprechende Sätze oder Einzelbecken rangieren daher meist auf der untersten Preisebene. Das Material ist relativ weich und leicht zu “drücken” (mehr dazu im Kapitel "Maschinelle Fertigung vs. Handhämmerung"), klanglich bieten daraus hergestellte Becken allgemein etwas weniger Volumen und klangliche Tiefe, sehr günstige Modelle sind zudem anfällig für Verformungen durch harte Spielweise. Im Gegensatz dazu gilt B8-Bronze als professionelle Legierung, aus der auch so legendäre Becken wie die Paiste 2002 Serie hergestellt werden. 8 Prozent Zinn – daher die Bezeichnung – werden hier 92 Prozent Kupfer beigemischt. Ihr könnt das Material an der leicht rötlichen Färbung erkennen, welche bei der anderen wichtigen Legierung eher ins Goldene tendiert. B20 heißt sie, hier ist der Kupferanteil zugunsten von 20 Prozent Zinn deutlich reduziert, das Material gilt als traditioneller Rohstoff für die Fertigung professioneller Becken. Fast alle Topserien der Hersteller basieren auf dieser Legierung, sie ist aber mittlerweile auch in günstigen Preisregionen zu finden. Wenn ihr tiefer in die Materie der Herstellung und Legierungen von Becken einsteigen möchtet, lege ich euch unseren kleinen Beckenguide ans Herz. 

Maschinelle Fertigung vs. Handhämmerung

Neben der Frage, aus welchem Material Becken gefertigt werden, beschäftigen Drummer natürlich auch die Herstellungsmethoden. Die Hämmerung per Hand gilt als Königsdisziplin, entsprechend verarbeitete Instrumente werdet ihr daher selten im untersten Preissegment finden. Stattdessen werden günstigere Becken meistens “gedrückt”, was bedeutet, dass eine computergesteuerte Presse die ausgeschnittenen Bleche in Form bringt. Hier ist jedoch auch zu beachten, wo die Becken hergestellt wurden. So werdet ihr feststellen, dass die Einsteiger-Beckensätze der amerikanischen und europäischen Hersteller ausschließlich maschinell hergestellt werden, während türkische Instrumente auch im mittleren Preisbereich durchaus schon mal handgehämmert sind. Das liegt einfach daran, dass die automatisierte Produktion in westlichen Industrieländern billiger ist, in der Türkei hat die Fertigung per Hand zudem eine lange Tradition. Was besser klingt, darf als Geschmacksache bezeichnet werden, objektiv sorgt die maschinelle Herstellung allerdings für eine höhere Konsistenz. Ihr solltet dieser Frage jedoch nicht allzu viel Bedeutung beimessen, am Ende kommt es einfach darauf an, welcher Satz euch klanglich am meisten zusagt. 

Richtige Montage und Anschlag – Wie kann man die Haltbarkeit seiner Becken verlängern?

Die meisten Drummer kennen das: Das Becken fühlt sich beim Anschlag seltsam spannungsfrei an und/oder erzeugt ein knisterndes Geräusch beim Ausklang. Der Grund dafür ist in den meisten Fällen ein Riss, welcher leider auch den wirtschaftlichen Totalschaden des Instrumentes besiegelt. Unsere geliebten Crash-, Ride- und Hi-Hat-Sounds sind nämlich nur das Spiel mit der Eigenspannung des Materials. Dieses versucht, die durch den Schlag erzeugte Energie in Bewegung (und Wärme) umzuwandeln, das “Abfallprodukt” sind Luftschwingungen, die an unser Ohr gelangen. Manche Becken halten ein Leben lang, andere wiederum sterben einen frühen Tod. Die Gründe dafür sind vielfältig, allerdings können wir etwas dafür tun, dass uns unsere Schätze möglichst lange erhalten bleiben. Dazu gehört zunächst die korrekte Montage. 

  • Besonders Becken, die ihr seitlich ancrasht, solltet ihr nicht zu fest montieren, denn dann können sie eurem Schlag nicht ausweichen und werden irgendwann kaputt gehen. 
  • Beachtet den Anschlagswinkel: Ein 90-Grad-Winkel bewirkt, dass sich alle Wucht auf einen kleinen Punkt an der Beckenkante konzentriert, gleichzeitig wird das Material komprimiert. Besser ist eine schräge Wischbewegung, die nicht nur das Becken, sondern auch eure Sticks schont. 
  • Verwendet zum Transport eine Beckentasche. Sie schützt die Kanten und erleichtert den Transport. 
  • Stellt Becken nicht mit den Rändern auf harte Böden. Dann können sogenannte “Fleabites” (Flohbisse) entstehen, die sich zu Rissen ausweiten können. Übrigens sind bei manchen Beckensets Taschen mit dabei. 
  • Falls es mit einem eurer Becken trotzdem frühzeitig zuende geht, müsst ihr es übrigens nicht sofort wegwerfen oder an die Proberaumwand nageln. Es eignet sich möglicherweise noch gut für klangliche Experimente. So könnt ihr es auf andere Trommeln oder Becken legen oder ihr modifiziert es klanglich, so wie in diesem Workshop gezeigt. 

TIPP: In unserem Schlagzeugaufbau-Videoworkshop zeigen wir die richtige Montage und Anschlagtechnik der Becken:

Fazit

Zum Spielen auf einem akustischen Drumset braucht es Becken. Während sich die Auswahl der Trommeln und Hardware meistens nach Größen und optischen Aspekten richtet, kann es bei den Becken schwieriger werden. Im Gegensatz zu früher, als Einsteigerbecken klanglich meistens sofort als solche zu erkennen waren, gibt es heute schon ab etwa 180 Euro brauchbare Sets, bestehend aus Hi-Hats, Crash und Ridebecken, auf welchen sich vernünftig spielen lässt. Muss es nicht zwangsläufig eine Konfiguration der großen Marken sein, bieten gerade die Eigenmarken einiger Musikhäuser schon erstaunlich viel Sound für die sauer ersparten Taler. Aber auch die etablierten Firmen setzen euch nicht dem Spott eurer Kollegen aus, dafür sorgen saubere Klänge, gute Abstimmungen und makellose Verarbeitungen. 

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