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13.11.2019

5 Entspannungstipps für Veranstaltungstechniker

Wie man im Rampenlicht die Ruhe bewahrt

Als Veranstaltungstechniker hast du einen stressigen Job: Auf wechselnden Bühnen mit unterschiedlichen Bands bist du eine gefragte Schnittstelle zwischen Technik und Künstlern. Die Band erwartet von dir ruhiges Auftreten, auch wenn die Soundcheck-Zeit mal wieder knapp ist. Nebenbei hofft mancher Musiker mit all seinen Sorgen kurz vor dem Auftritt auf dein offenes Ohr. Umso wichtiger ist es, dass du eine solide Souveränität bewahrst, um in langen Konzertnächten nicht zu einem ausgemergelten Zombie zu mutieren.

1. Beim Soundcheck nur eine Sache zur Zeit erledigen

Welcher Licht- und Tonmensch kennt das nicht: Der Aufbau im Club hat angenehm ruhig begonnen. Der Empfang war freundlich, der Haustechniker kompetent. Doch je näher der Soundcheck rückt, desto mehr Leute möchten gleichzeitig bei dir ihre Anliegen platzieren. Nur mal kurz, versteht sich.

Der Bassist fragt nach einem Multi-Tool. Der Clubbetreiber möchte mit dir den Zeitplan abgleichen. Der Keyboarder fragt, ob du seine Klinkenkabel gelötet hast. Wann war noch mal Check-In im Hotel?

Wer viele Dinge gleichzeitig im Kopf hat, verteilt zwangsläufig seine Aufmerksamkeit. Um jedoch im Soundcheck mit voller Konzentration bei der Sache zu sein, muss man seine Aufgabe so organisieren, dass die momentane Tätigkeit die wichtigste ist, ohne den Blick für das große Ganze zu verlieren. Können Anliegen delegiert werden, solltest du dies jetzt tun. Treten Fragen auf, die nicht zum Soundcheck gehören, hilft die Bitte, diese später zu klären. In allen anderen Angelegenheiten hat es sich bewährt, mit den Musikern eine Arbeitsreihenfolge festzulegen. Dann weiß jeder, wann er mit seinen Themen dran ist, und du kannst ein Feld nach dem anderen sorgfältig beackern. 

2. In Pausen Gegensätze schaffen

Die Pausenzeit vergeht oft wie im Flug. Daran bist du nicht ganz unbeteiligt. Denn solange du noch am Pult stehst, sieht dir niemand an, dass bei dir eigentlich eine kurze Auszeit ansteht. Stattdessen kümmerst du dich, beantwortest Fragen, löst technische Probleme, rotierst weiter. So kannst du nicht abschalten.

Schon aus diesem Grund empfiehlt sich in Pausen ein Ortswechsel nach draußen. Überdies erleben Augen und Ohren beim Gang ans Tageslicht eine willkommene Abwechslung zur Kunstwelt auf der Bühne. Wer sich beim Blick ins Grüne, auf den Horizont oder einfach nur auf die gegenüberliegende Hauswand gezielt fragt, was ihm am momentanen Ausblick gut gefällt, will bewusst genießen. So beschäftigst du dich automatisch mit anderen Dingen als mit Arbeit. Schließlich hast du gerade einen äußerst wichtigen Termin: eine Verabredung mit dir selbst. 

3. Beim Essen keine 19 Zoll-Gespräche

Ist der Soundcheck geschafft, lockt das Catering. Hier erholt sich am besten, wer eine angenehme Essensatmosphäre kreiert. Je nach Typ und Tagesverfassung kann das eine Unterhaltung mit dem Barkeeper, ein Essen mit der gesamten Band oder das Gespräch mit einem vertrauten Kollegen am kleinen Zweiertisch sein. Nicht zuletzt sind nun Sinneseindrücke an der Reihe, die im technischen Leben meist eine untergeordnete Rolle spielen. Jetzt geht es um Verkosten und Probieren oder einfach gesagt ums Genießen. Also: Beim Essen keine 19 Zoll-Gespräche.

4. Während des Konzerts auf die eigene Körperhaltung achten

Wenn die Show beginnt, ist dein „place to be“ selbstverständlich hinterm Pult. Die Fläche dort ist eng. Das Publikum registriert jede deiner Bewegungen. Also kauerst du auf deinem Barhocker. Nach einiger Zeit verkrampft der Rücken. Dagegen hilft, die Körperhaltung von der Mitte aus Stück für Stück nach oben und unten zu überprüfen.

Schon bei kleinen Gewichtsverlagerungen spürst du deine Beine wieder. Mit einer aufgerichteten Wirbelsäule atmest du freier. Den angespannt vorgestreckten Kopf setzt du wieder auf Normalposition zurück. Um besonders lange Konzertabende zu überdauern, braucht es manchmal Dehnübungen in Slow-Motion. 

5. Abschalten nach dem Gig?

Nach dem Konzert baut die Band oft backstage noch einige Zeit ihr Auftrittsadrenalin ab. Im Anschluss ist eine gute Gelegenheit für dich, verpasste Einsätze, ausgefallene Micros oder fehlende Licht-Cues zu besprechen. Alles, was du jetzt abschließend klärst, wird dich später nicht mehr beschäftigen.

Wer dennoch dazu neigt, den Job in Gedanken mit nach Hause zu nehmen, kann eine kurze Visualisierung durchspielen. Das Schlussbild ist dabei immer das gleiche: Die Bühne ist weggeschmolzen wie ein Eisberg im warmen Wasser. Als erstes stellst du dir das Bühnenbild des heutigen Abends vor. Die Backline ist aufgebaut, das Band-Banner aufgehängt, die Scheinwerfer positioniert. Vor deinem geistigen Auge lässt du nun alles Stück für Stück abschmelzen. Zum Schluss bleibt nur noch Wasser übrig. Dein Job ist getan - du kannst beruhigt nach Hause gehen.

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