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Denon DN-S3700 Test

DETAILS

Konzept und Ersteindruck
Der Denon DN-S3700 ist ein Single-CD-Player im Tabletop-Format, der von einem echten 9-Zoll-Plattenteller mit Vinylauflage angetrieben wird. Er spielt Medien von CDs und USB-Datenträgern ab, kann mit einem integrierten USB-Audio-Interface aufwarten, besitzt eingebaute Effekte, Loops und Hotcues und ist optional als MIDI-Controller zu verwenden. Auf der Frankfurter Musikmesse wurde uns dazu unlängst der neue Hybrid-Modus präsentiert, der den Japaner bei Erhalt der MIDI-Controller-Funktionalität in die Lage versetzt, unterschiedlich aufgelöste Timecode-Tracks (für Traktor, Serato, Mixvibes, etc.) an ein Audio-Interface zu übermitteln.  
Der formschön abgerundete Testkandidat wiegt bei Maßen von 320 x 120 x 357 Millimetern stattliche 5,7 Kilo – nicht von schlechten Eltern. Und tatsächlich ist der schwarz-champagnerfarben gehaltene Denon, mal abgesehen von den etwas weicheren Seitenblenden, von sehr robuster Natur. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er selbst nach einigen Jahren Stage-, Club- und Road-Einsatz nicht schlappmachen wird. Aber dafür ist Denon-Gear ja hinlänglich bekannt. Ein Blick auf die Unterseite zeigt dickes Blechwerk und vier imposante Standfüße, die im Umfang manches Jogdial an einem MIDI-Controller oder CD-Doppeldecker übertreffen dürften. Sie sind zur Hälfte gummiert, was für einen sicheren Stand sorgt. Zudem drückt das hohe Gewicht natürlich ordentlich mit. Prima.

Auf der Oberfläche tummeln sich viele, jedoch nicht zu viele Komponenten – sie wurden übersichtlich arrangiert und wo es Sinn macht, beschriftet. Manche der halbtransparenten, milchigen Buttons sind im aktiven Zustand leider etwas schwach hinterleuchtet (Loop, Hotcues), andere zeigen eine deutlichere Betriebs-LED in der Mitte und manche illuminieren gar nicht. Die Druckpunkte sind zweckdienlich definiert. Sämtliche Bedienelemente profitieren vom großzügigen Raum zueinander, sodass eine Fehlbedienung im Eifer des Gefechts auf den ersten Blick eher unwahrscheinlich ist. Aber das wird der Praxistest zeigen. Besonders die vollflächig auslösenden und riesigen Cue/Play-Taster an prominenter Position stechen beim ersten Blick hervor. 
Zum Lieferumfang gehören eine Treiber-CD, je ein Strom- und Audiokabel sowie Handbücher. Der Plattenteller befindet sich in einer gesonderten Kartonage und ist vor der ersten Inbetriebnahme manuell aufzubauen. Zuerst wird der Aluteller aufgesetzt, dann die Slipmat und letztlich das Vinyl-Puck-Kombinat, welches mittels zweier Schrauben an dem Spindelblock befestigt wird. Die Montage dauert keine fünf Minuten und schon kann der Spaß beginnen.

Wie kommt der Ton aus der Kiste?
Zum einen ist da das CD-Laufwerk im Bauch des Boliden, welches von seinen technischen Daten her gängigen Industrie-Standards entspricht. Bedeutet für die Audiosektion zunächst einmal 16 Bit lineare Quantisierung bei 44,1 Kilohertz Samplingfrequenz. Der S3700 ist auch als Zweikanal USB-Interface (0-in/2-out) nutzbar, wobei die interne Signalverarbeitung bei 24 Bit liegt und die D/A-Konverter mit 16 Bit und 44,1 kHz wandeln. Dementsprechend präsentiert sich das Backpanel:  
Am hinteren Anschlussfeld finden sich von links nach rechts: ein großer Einschaltknopf, der von einem Sicherheitsrahmen gegen versehentliches Ausschalten geschützt wird, sowie das fest verbundene Netzkabel. Dann folgt der USB-Typ-A Schlitz, den ich ehrlich gesagt viel lieber oben auf dem Gerät gesehen hätte, damit ich nicht ständig hinter der Kiste fummeln muss und vielleicht sogar in der Hitze der Nacht versehentlich die benachbarten Kabel in Mitleidenschaft ziehe. Zum Beispiel die angrenzende USB-Typ-B Buchse, die für die Computerverbindung und MIDI-Übermittlung gedacht ist.
Etwas weiter rechts ist eine Netzwerkschnittstelle platziert, damit mehrere Einheiten im Verbund Speicherinhalte austauschen, Ping-Pong spielen oder über nur eine angeschlossene Tastatur bedient werden können. In diesem Zusammenhang sollte hier vielleicht Erwähnung finden, dass die PS2-Schnittstelle für das PC-Keyboard ein Format darstellt, welches technisch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist.   Die vier letzten Buchsen im Bunde sind eine 3,5-Millimeter-Faderstart-Vertreterin, ein digitaler S/PDIF-Out und das obligatorische Stereo-Cinch-Paar. An der Vorderseite findet sich lediglich der CD-Einschub – wie es sich gehört mit einer langen LED-Leiste, die als Einflugschneise für den Rohling selbst nach ein paar Bierchen kaum zu übersehen ist. Die CD-Aufnahme gibt sich sanft einziehend und leise. Selbst im viel zitierten Bedroom fällt der Denon daher nicht negativ auf. Da habe ich schon ganz andere, lautere Vertreter unter den Fittichen gehabt.

Display
Das große Display ist mit einem Winkel von etwa 20 Grad zum Anwender aufgebaut und ausgesprochen gut ablesbar – selbst aus spitzeren Blickrichtungen. Die Anzeige versorgt den DJ mit wichtigen Informationen zu Titeln, Laufzeiten und Geschwindigkeiten und stellt MP3-Tags, CD-Texte sowie Ordnerbezeichnungen auf einer Punktmatrix von drei Zeilen mit je 16 Zeichen dar. Auch Positionen von Hotcues und Loops werden auf der Fortschrittsanzeige abgebildet. Selbst eine Art Wellenform, die wegen der mageren Auflösung jedoch nur zum Erkennen von Cuepoints, Loops und Breaks ausreicht, kann der Bildschirm nach einer Analyse mittels beigefügter Denon-Software darstellen. Einzelne Peaks zu identifizieren ist auf einer 16-Digit-Dotmatrix allerdings kaum möglich. Bedauerlicherweise ist dieses Programm selbst nach mehr als zwei Jahren Marktpräsenz des 3700ers nur für Windows verfügbar, was ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen kann, da auch Mac-User sicherlich gern mit dem Berechnungs- und  Verwaltungs-Tool arbeiten würden. Zudem ist die Grafik nur bei USB- und Computer-Dateien darstellbar.  
Im MIDI- oder Hybrid-Betrieb ist der Denon in der Lage, Titelinformationen der Software via HID an den Bildschirm auszugeben. Auch die Songs aus der Library werden während der Navigation angezeigt. Allerdings ist noch nicht jeder Hersteller im Boot, was die native Einbindung des Media-Turntable angeht. Doch dazu später mehr. Neben dem Display haben zwei blaue Leuchtstreifen Platz gefunden, die ein optisches Feedback liefern, wenn ein Track von CD oder Stick geladen wird.

Plattenteller
Klar, der Eyecatcher schlechthin ist natürlich der Plattenteller mit seinen rund 23 Zentimetern im Durchmesser. Er ist aus solidem Aluminium gefertigt und macht mit seiner Technics MK2-Optik echt was her. Das sollte manches Scratcher-Herz auf Touren bringen. Besonders, wenn man den Teller mit den gängigen Plastikrädern der Konkurrenten vergleicht und bedenkt, dass im Inneren ein drehmomentstarker, dreifstufiger (Hi, Mid, Low) Motor mit Direktantrieb werkelt. Der äußere Tellerrand gibt sich ganz „analog“ gepunktet und rotlichtbestrahlt – mit dem unverzichtbaren Pitch-Null-Indikator für beide Drehzahlen (33 oder 45 rpm).

Der Plattenteller kennt die Betriebszustände „Classic“ und „Bend/Search“, wobei erstgenannter eher einem Turntable entspricht, also mit rotierendem Platter samt Scratch-Funktion. Der zweite Modus operiert bei ausgeschaltetem Antrieb und kommt somit mehr einem Jogwheel gleich. Bewegen der Schallplatte beschleunigt oder bremst den Song je nach gewählter Richtung, verändert aber nicht die Abspielrichtung. Im Pausenmodus ist zudem eine framebasierte Suche mit 1/75 Sekunde möglich und somit das akkurate Platzieren eines Loops, Hotcues oder Abwurfpunktes für die Kickdrum gewährleistet.

Plattermode_DN_S3700

Navigation
Die Navigation auf einer CD mittels dediziertem Drehregler gestaltet sich unkompliziert, wenngleich bei Mitbewerbern teilweise sowohl Track- als auch Folder-Encoder verbaut werden. Hier übernehmen der Endlosdrehregler „Parameters“ oder auf Wunsch zum Teil auch der Plattenteller diese Aufgabe und wandern durch Unterverzeichnisse, Ordnerinhalte und Listen. Bestätigung erfolgt durch Auslösen des integrierten Buttons. BACK springt eine Ebene zurück. Gibt sich die Songauswahl von CD in gewohnter Manier auf Anhieb schlüssig (Rootfolder, Unterverzeichnisse, Tracks), stellt der USB-Modus den unbedarften Anwender doch zunächst vor eine Vielzahl von Optionen, die es zu verstehen gilt (Artist, Title, Genre, Year, BPM, Filename sowie Folder (Root, Unterverzeichnisse) und Playlisten mit Favoriten, Top-40, Listenname, Kategorie und mehr). Aber keine Bange, das ist in kürzester Zeit adaptiert, nur beim Erstkontakt im Club bestimmt etwas verwirrend.  
Im Track selbst darf dann mit dem Plattenteller oder den Search-Buttons (anhaltend gedrückt) gespult werden. Dazu gesellt sich eine einstellbare Quick-Jump-Option (10-60 Sekunden), die durch kurzes Antippen der beiden Tasten ausgelöst wird.  
Positiv hervorzuheben ist in jedem Fall die Next-Track-Funktion. Sie ermöglicht die Vorauswahl eines Titels, ohne die Wiedergabe des aktuellen Stücks zu unterbrechen. Dabei ist es sogar möglich, einen Crossfade mit variabler Absenkung und Blendzeit zwischen den beteiligten Tracks zu erzeugen. Wäre hier noch eine Beatsync-Funktion an Bord, stünde ich auf und zückte den imaginären Hut.

Parameters_Denon_DN_S3700

Kreativabteilungen
Die Kreativabteilung ist für einen Desktop-Player der 1000-Euro-Klasse durchaus ansehnlich ausgestattet. Zwar schickt Denon sein Effektgeschwader nur mit drei Genrevertretern, die hinlänglich bekannt sein dürften ins Rennen, nämlich Echo/Loop, Flanger und Filter. Diese klingen aber durchweg gut. Beim Filter kann der User zwischen Hi-, Mid- und Low-Pass auswählen, wobei der linke Encoder die Cutoff-Frequenz dirigiert. Flanger und Echo arbeiten temposynchron und können im Timing verändert werden. Wer der Beatcounter-Analyse nicht traut, kann optional die Geschwindigkeit per Hand eintippen (auch für asynchrone Modulationen des aufgerufenen Effekt-Programmes zu missbrauchen). Der silbgrige Dry/Wet-Encoder ist griffig und mit 24 Schritten pro Umdrehung praxistauglich aufgelöst. Er ermöglicht Mischungsverhältnisse, ohne dass man sich den Wolf kurbeln muss – will sagen, eine komplette Umdrehung und der DJ ist auf 100-Prozent-Wet. Der schnieke konische Parameters-Encoder auf der gegenüberliegenden Seite macht ebenfalls 24 Schritte und ist in der Form etwas breiter und glatter geraten. Er dient als Allzweckwaffe im Kampf gegen tiefe Ordnerhierarchien und zeigt sich für das Effekt-Timing sowie  die Einstellungen aus dem Preferences-Menü verantwortlich.

Effects_Denon_DN_S3700

Ferner haben Denon noch drei Platter-FX integriert, und zwar Brake, Dump und Reverse. „Brake“ hat ein Abbremsen des Tellers (regelbar, maximal vier Sekunden) bis zum Stillstand zur Folge. Dabei muss er nicht zwangsläufig zur Ruhe kommen, bevor eine andere Funktion greift. Es ist also auch möglich, mitten im „Brake“ das „Reverse“ einzuschalten oder den Teller wieder einzustarten. Was jedoch nicht geht, ist das separate Regulieren der Start- und Stoppzeit, wie man es von manch anderen Kollegen her kennt. Der Reverse-Effekt ist sicherlich selbsterklärend, kommen wir also noch zum Dump, der einen Rückwärtslauf abspielt, wobei die Echtzeitposition im Hintergrund gespeichert wird. Der Titel setzt beim Ent-dumping unverzüglich dort wieder ein, wo er sich ohne Interaktion des Nutzers befunden hätte. So lassen sich „explicit-lyrics“ bei Bedarf überspringen.

PFX_Denon_DN_S3700

Die Hotcue-Sektion besteht aus drei großen Schaltflächen, die auf Tastendruck je eine Songposition (auch titelübergreifend) markieren und von dort einen Instant-Start ermöglichen oder Stutter-Effekt generieren. Alternativ nehmen die Pads auch Autoloops auf, die auf gleiche Art gesetzt werden, wobei zuvor die Autoloop-Funktion einzuschalten ist. Diese Schleifen haben einen Cutter in Form eines Endlosdrehreglers zur Seite gestellt bekommen, der die Standardlänge von vier Beats (kann im Menü geändert werden) bis auf ein Achtel halbiert oder bis maximal 64 verdoppelt. Über die Trim-Tasten lassen sich zudem die einzelnen Flanken verschieben. Automatische Wiederholzyklen werden auf Basis des ermittelten Tempos genau an der Auslöseposition und nicht am nächsten Peak gesetzt, wobei der Nulldurchgang akkurat getroffen wird. Drei separate CLR-Tasten löschen die zugeordneten Pad-Inhalte. Die Bedienung geht schnell in Fleisch und Blut über und macht eine Menge Spaß. Ich persönlich hätte die Hotcues im Hinblick auf Cuejuggling jedoch lieber in größerer Anzahl unter dem Teller gesehen, so wie beim Numark-V7, und stattdessen die Platter-FX oben positioniert. Auf der gegenüberliegenden Seite ist der manuelle Schleifenbaukasten beheimatet, wie gehabt mit A und B bezeichnet, wobei A auch als Hot-Stutter Verwendung finden kann. Die Flanken werden im Edit-Modus per Plattenteller angepasst. Toll.

Audio Samples
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Echo Flanger Low Mid Hipass Filter Dump Reverse Brake Autoloop 1 Autoloop 2

Denon Music Manager
Wir werfen einen kurzen Blick auf die mitgelieferte Verwaltungs- und Analysesoftware. Hier findet sich so ziemlich alles ein, was man zur Offline-Vorbereitung seiner Titel benötigen könnte. Das Tool analysiert Audiodateien auf dem Stick und versieht diese mit Tags, BPM und Wellenform-Informationen, die es dann in einem Datenbank-File speichert, welches wiederum vom Player eingelesen wird. Dieser kann so seine Tag-Infos und die Attribute zur grafischen Aufbereitung der Wave auf dem Display beziehen. Auch Playlisten vom Rechner lassen sich hier bequem importieren (xml, m3u), erstellen oder editieren und mit einem Rutsch auf den Datenträger verfrachten. Ein Softwaredeck mit Peak-Darstellung ist ebenfalls vorhanden. Hier ist mir die Skalierung nicht hoch genug, um adäquate Schleifen zu setzen. Etwas schade finde ich, dass der Player anhand der Peak-Daten kein Beatgrid anlegt, welches er dann für Loops oder Cues nutzen kann, indem sie optional bei der Live-Eingabe an der nächsten Note platziert werden.

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