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4 Fehler beim Schlagzeug spielen – und Tipps, wie du sie vermeiden kannst

Für die Bandkollegen hat der Schlagzeuger den Torwartjob der Mannschaft. Die lieben Mitmusiker wollen sich im gemeinsamen Zusammenspiel aufgehoben fühlen wie auf einem kuscheligen Daunenbett mit solider Unterkonstruktion, also komfortabel und gleichzeitig abgesichert. Vom Taktgeber hinter dem Drumset wird erwartet, dass er stets im richtigen Tempo und mit solidem Timing trommelt und dazu noch mit gut gestimmtem und möglichst passend klingendem Instrumentarium aufwartet. Das klingt gar nicht so einfach, und das ist es auch nicht, um ehrlich zu sein. 

Bild: © Fotolia, Syda Productions
Bild: © Fotolia, Syda Productions

Inhalte

  1. Den Song im falschen Tempo beginnen
  2. Die Form des Songs nicht richtig kennen
  3. Zu viel oder zu laut spielen
  4. Zu zaghaft und zu leise spielen


Erschwerend kommt hinzu, dass wir mit den vor uns versammelten, prägnant klingenden Instrumenten, wie Bassdrum, Snaredrum und den Becken, auch die Macht haben, die Band-Performance im Handumdrehen und für alle Ohren hörbar herunterzureißen. Das soll uns aber auf keinen Fall den Spielspaß verderben! Mit den folgenden vier Kniffen könnt ihr – im Rahmen eurer persönlichen Fähigkeiten – als zuverlässiger Groove-Lieferant wahrgenommen werden.

1. Den Song im falschen Tempo beginnen

Die Verantwortung dafür, dass der Song im passenden Tempo beginnt, liegt in den meisten Fällen bei euch als Drummer. Die Ausnahme ist, wenn ein anderer Musiker, beispielsweise der Pianist oder Gitarrist, allein beginnt und ihr zu einem späteren Zeitpunkt das jeweilige Tempo aufnehmt. Ansonsten wird von euch erwartet, klar und deutlich und im richtigen Tempo das Stück einzuzählen. Zählt ihr einen Song viel zu schnell oder auch etwas zu langsam ein, kann das anschließend hörbare Auswirkungen auf die Artikulation und Texteinteilung des Sängers haben. Im „falschen“ Tempo fühlen sich die Stücke anders an, was die Kollegen zu unwirschen Blicken in eure Richtung verleiten wird. Wenn ihr an diesem Punkt noch unsicher seid oder bei den regelmäßig stattfindenden Band-Diskussionen zu diesem leidigen Thema nicht ständig den schwarzen Peter zugeschoben bekommen wollt, gibt es eine einfache Lösung: Stimmt gemeinsam vor dem Auftritt die Geschwindigkeit des Stückes in der Probe ab. Mit der Tap-Funktion des Metronoms könnt ihr leicht herausfinden, wie viele bpm (Schläge pro Minute) der Song hat. Mit besser ausgestatteten Metronomen oder Metronom-Apps lassen sich auch Tempo-Playlisten erstellen, so dass ihr für alle zu spielenden Songs das jeweilige Tempo sofort parat habt. Auch wenn ihr das Metronom nicht den ganzen Song über mitlaufen lasst, also nach ein paar Takten ausschaltet, kann euch der elektronische Taktgeber gerade für den Beginn des Songs auf die richtige Fährte bringen.
Falls ihr kein Metronom auf der Bühne dabei habt, besteht eine weitere Eselsbrücke darin, eine prägnante Phrase des anstehenden Songs im Kopf zu singen und so das richtige Tempo zum Einzählen zu finden. Auch eine Notiz zum Song wie: „Tempo = Smoke on the Water“ kann hilfreich sein, um anhand eines bekannten, hundertmal gehörten Stückes in den richtigen Groove / das richtige Tempo zu finden.

Ein besser ausgestattes Metronom hat auch programmierbare Tempo-Playlisten für alle Songs an Board.
Ein besser ausgestattes Metronom hat auch programmierbare Tempo-Playlisten für alle Songs an Board.

2. Die Form des Songs nicht richtig kennen

„Kommt das Gitarrensolo nach dem zweiten oder dritten Refrain, und wie zum Geier gingen noch mal die Stops davor? Wann und wie ist der Song zu Ende?“ Mit solchen Fragen zum Ablauf des Songs im Kopf werdet ihr schwerlich eine überzeugende Performance abliefern können. Denn ihr wollt ja nicht nur den Groove trommeln, sondern möglichst den gesamten Song inklusive aller Übergänge rhythmisch und dynamisch mitgestalten – also nicht wie ein Duracell-Hase mit Augen-zu-und-durch-Attitüde einen monotonen Beat durchklopfen und hoffen, dass ihr mit den anderen am Ende zusammen fertig seid. Das funktioniert nur, wenn ihr den Song auch komplett in seinem Ablauf überblicken könnt, am besten durch ausgiebige Vorbereitung im stillen Kämmerlein. So mancher ausgeschlafene und routinierte Profi kann sich mit seinen Ohren und Augen, jahrelanger Erfahrung und ein paar wichtigen Notizen auf dem Zettel durch ein nahezu unbekanntes Stück hangeln. Gerade letzteres – die kleinen Notizen – sind unheimlich hilfreich, wenn ihr noch nicht alle Details im Kopf habt oder in kurzer Zeit so viele neue Stücke spielen müsst, dass ihr sie unmöglich alle auswendig lernen könnt. Wie das geht, lernt ihr in unserem Leadsheet-Workshop.

Mit einem Leadsheet könnt ihr euch die wichtigsten Notizen zum Ablauf machen.
Mit einem Leadsheet könnt ihr euch die wichtigsten Notizen zum Ablauf machen.

3. Zu viel oder zu laut spielen

Ihr sitzt auf der Bühne, das Lampenfieber hat sich etwas gelegt und alles fühlt sich gut an. Da könnte man doch mal das neue Paradiddle-Lick und den Double-Bassdrum Roll, den man so fleißig trainiert hat, auf die Ohren der Mitmusiker und des Publikums loslassen. Und vielleicht klingt der vermeintlich monotone Bumm-Tschak-Groove zur Stadionrock-Hymne ja viel besser, wenn man ihn spontan mit einer ordentlichen Portion Ghostnotes und vertrackten Hi-Hat-Figuren aufpeppt? Klingt nach einem guten Plan? Kann durchaus sein, meistens ist es aber keine allzu gute Idee, geprobte und abgesprochene Parts spontan umzuschmeißen. Das rhythmische und melodische Fundament eines Songs will für einen guten Groove sinnvoll unter allen Instrumenten aufgeteilt sein. Ob bei Geradeaus-Rock á la AC/DC oder in vertrackten 16tel Funk-Grooves, im Idealfall räumen sich alle Musiker nicht nur auf der Bühne, sondern auch mit den gespielten Notenwerten gegenseitig Platz ein. Einfach so alles zuzuballern, wie man es bei den Play-Alongs so mancher YouTube-Drummer hört, ist da meistens fehl am Platze. Ebenso wenig ratsam ist es, in einer kleinen Location das volle Brett an Lautstärke zu fahren, so dass der Gesang nicht zu verstehen ist, dafür eure Crash-Becken aber bis in die hinterste Ecke des Ladens scheppern. Von daher mein Tipp: Probiert eure kreativen Ideen im Proberaum aus und arbeitet nicht nur an Geschwindigkeit und vermeintlich beeindruckenden Licks. Dynamik und konstanter und guter Sound sind für das Zusammenspiel mit anderen Musikern wesentlich entscheidender.

4. Zu zaghaft und zu leise spielen

Auch dieser vierte Punkt betrifft die Dynamik. Ob aus Unsicherheit angesichts neuer Bandkollegen oder eines neuen Songs, dessen Groove, Tempo oder Feeling ihr noch nicht richtig verinnerlicht habt, ihr spielt erst einmal sehr zaghaft mit, damit ihr keine Fehler macht und um Himmels Willen nichts kaputt klopft – nur nicht unangenehm auffallen ist die Devise. Kontrollierte Dynamik ist lobenswert, allerdings brauchen die anderen Musiker – unabhängig von der Lautstärke – klare Signale und Eckpunkte vom Drummer, sonst kann der Groove nicht rollen, sondern beginnt zu schwimmen. Wenn es an der Spieltechnik hapert, lautet mein Tipp: Am besten erst einmal eine vereinfachte Version des Grooves anbieten, aber mit klarem Puls-Signal, um den Song trotzdem spielen zu können. 

Schlusswort

Das wichtigste ist und bleibt, dass ihr euren Spaß am Trommeln habt und auch behaltet. Nehmt die Herausforderung an, euch – in eurem selbst gesteckten Rahmen –  weiterzuentwickeln. Ich hoffe, diese Tipps konnten euch etwas inspirieren.
Viel Spaß weiterhin auf bonedo.de

Hat dir der Artikel gefallen? Dann findest du hier noch weitere interessante Inhalte: Workshop: Vom Cajon zum Schlagzeug Video-Workshop: Eine Bassdrum – 8 Sounds Shuffle Grooves auf dem Schlagzeug spielen lernen Die 10 besten Drum Hacks, die jeder Drummer kennen sollte Workshop: Richtig einzählen für Drummer und Bandleader

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08.01.2016
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von Christoph Behm

Kommentieren
Profilbild von Pedro Kraft

Pedro Kraft sagt:

#1 - 23.01.2019 um 19:19 Uhr

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Ich hatte jetzt so etwas erwartet wie:1. Kaffe trinken
2. Geschlechtsverkehr ausüben
3. Nase bohren
4. Handstand machen

Kommentare vorhanden
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