Im Jahre 1990 veröffentlichte die US-amerikanische Band Faith No More mit “Epic“ die dritte Single zu ihrem Album “The Real Thing.“ Nach den eher hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Verkaufszahlen der ersten beiden Singles entwickelte sich “Epic“ zu einem Riesenerfolg und bescherte der Band den Durchbruch in den Mainstream.
Mike Bordins Schlagzeugspiel auf “Epic“ ist kräftig und songdienlich. Allerdings bringt er mit seinen abwechslungsreichen Fill-ins und Bassdrum-Platzierungen einen gewissen Jam-Charakter in die Schlagzeugparts. Viele Parts hier wirken wie improvisiert, was dem Song eine gewisse Spontanität und Leichtigkeit verleiht.

Der Drumsound auf Epic: Mächtige Snare und Bassdrum, weiche und warme Toms
Mike Bordin hat, passend zu seinem Spielstil, einen sehr mächtigen Schlagzeugsound. Was sofort auffällt, ist die kräftige Snaredrum, welche er mit Rimshots spielt. Die Snare ist nicht zuletzt auch wegen des zusätzlichen Reverbs (es klingt so, als wäre hier der für die 80er Jahre so typische Gated-Reverb zum Einsatz gekommen) so prominent im Mix vertreten. Die Bassdrum hat einen tiefen Ton mit einem ordentlichen Attack. Die Toms, welche Bordin hauptsächlich für die Grooves in den Verses benutzt, klingen dagegen im Vergleich eher weicher und wärmer.
Der Song startet mit einem kräftigen Groove. Dabei scheppert die halb offene Hi-Hat in Achtelnoten, während sich die Bassdrum genau auf den Bass draufsetzt. Bordin spielt die Bassdrum sehr dynamisch – bei drei schnellen Schlägen hintereinander betont er den ersten und den dritten Schlag. Bei zwei Schlägen betont er den jeweils zweiten Schlag. Dadurch klingen Bordins Grooves sehr musikalisch und weniger monoton.

Nach dem Intro geht es in die erste Strophe, welche Bordin mit einem simplen Tom-Groove begleitet. Er spielt hier im Grunde den Groove von Queens “We Will Rock You“ – allerdings setzt er deutlich mehr Bassdrum-Schläge, was den Verse etwas mehr nach vorne treibt.

Sehr songdienliche Fill-ins und Groove-Variationen
Im darauffolgenden Chorus spielt Bordin im Grunde den gleichen Groove wie schon im Intro des Songs. Allerdings variiert er einige Bassdrum-Schläge und spielt ein paar sehr spontan wirkende Fill-ins. Wie zum Beispiel im vierten Takt, wo er die Bassdrum und die halb offene Hi-Hat zusammen auf „2de“ und „3e“ spielt. Insgesamt spielt Bordin sehr singdienliche Fill-ins, welche den Groove nicht unterbrechen und auch eher als kleine Groove-Variationen durchgehen können.

Im zweiten Chorus geht die Band nach jeweils drei Takten in eine Art Break, wo die Gitarren ein Stakkato-artiges Riff spielen. Bordin betont hier die Akzente der Gitarren mit Toms und Bassdrum, während er die Hi-Hat mit dem Fuß dazwischen setzt. Die Hi-Hat hilft hier sehr gut dabei, den Groove am Laufen zu halten. Abschließend betont Bordin das Bläserthema mit Snaredrum und Becken.

Anschließend geht es in den C-Part des Songs. Bordin spielt das erste größere Fill des Songs, indem er nach einem Flam auf der Snare einen flotten Lauf aus 32tel-Noten über Snare und Toms spielt. Dann geht er wieder in den Groove über, wechselt aber von der Hi-Hat auf das Ridebecken. Die Bassdrum spielt Bordin jetzt noch dichter als bei den Grooves zuvor.
Am Ende des dritten Taktes läutet Bordin mit zwei schnellen Doppelschlägen in der Bassdrum ein eintaktiges Fill ein. Er spielt die Snare auf allen Vierteln, während er die Bassdrum auf den 16tel-Offbeats dazwischen setzt – wieder ein gutes Beispiel für ein Fill-in, welches sehr effektiv ist, aber den Groove kein einziges Mal unterbricht.

Das Ende des Songs wirkt sehr spontan und improvisiert
Auch in den folgenden Takten finden sich noch weitere Variationen und Fill-ins. Checkt zum Beispiel mal die folgende Notierung:

Auch hier spielt Bordin wieder schnelle Doppelschläge mit der Bassdrum, variiert die Snare-Position, oder spielt Snare-Flams, um kleine Akzente zu setzen. Der lange Part am Ende des Songs (welcher nach und nach ausfaded) wirkt wie ein langer Jam, bei dem Bordin weiterhin den Hauptgroove durchspielt und die kleinen Fills zwischendurch improvisiert.
Fazit
Kräftig, songdienlich und doch spontan mit viel Platz für improvisierte Fill-ins – das ist Bordins Drumming auf “Epic“. Mein Tipp: Versucht beim Nachspielen mal, Bordins Fill-ins als Inspiration zu nehmen um eure eigenen Fill-ins zu improvisieren. Dann kommt ihr dem Vibe des Originals noch näher als wenn ihr alles eins zu eins nachspielt.
Viel Spaß beim Trommeln und bis zum nächsten Mal!























