Jimmy Page, legendärer Gitarrist von Led Zeppelin, gilt als einer der einflussreichsten Riffschmiede und einer der prägendsten Pioniere des Heavy-Metal. Ebenso vielseitig wie seine musikalische Laufbahn – von den frühen Jahren als Studiogitarrist über seine Zeit bei den Yardbirds bis hin zur Gründung von Led Zeppelin – ist auch sein Equipment. Page war stets für seinen Experimentierdrang bekannt und verstand es, mit den begrenzten technischen Möglichkeiten der 60er- und 70er-Jahre Musik- und Soundgeschichte zu schreiben. Zeit also, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen!

Jimmy Pages Gitarren – die Waffen eines Riffmagiers
Page setzte im Laufe seiner Karriere die unterschiedlichsten Gitarren ein und war immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Sounds. Seine erste E-Gitarre war eine Futurama/Grazioso, ein günstiges, in der damaligen Tschechoslowakei gefertigtes Instrument. Zudem spielte er in den frühen 60ern eine Gretsch Chet Atkins 6122 Country Gentleman, die er als Teenager erwarb, später aber nicht mehr verwendete. Anfang bis Mitte der 60er-Jahre zählte Page neben Big Jim Sullivan zu den gefragtesten Sessiongitarristen der Londoner Szene und benötigte ein flexibles Instrumenten-Repertoire.
Ab ca. 1963 war sein Hauptinstrument eine schwarze 1960er Gibson Les Paul Custom, genannt „Black Beauty“, mit drei PAF-Humbuckern und Bigsby-Tremolo. Diese Gitarre wurde im April 1970 während einer Tour gestohlen, fand jedoch in den 2000ern über Umwege zu Page zurück. Ein weiteres bekanntes Modell aus seiner Studiozeit ist die 1958er Danelectro 3021 (Shorthorn). Er erwarb sie Mitte der 1960er Jahre und nutzte sie auch zur Led-Zeppelin-Zeit regelmäßig, insbesondere für das DADGAD-Tuning. Als Page 1966 zu den Yardbirds stieß, vermachte ihm Jeff Beck eine 59er Fender Telecaster, die wegen ihres späteren Drachenmotivs als „Dragon Tele“ bekannt wurde. Page spielte sie während seiner Yardbirds-Phase und der frühen Led-Zeppelin-Jahre.
Jimmy Page und die Gibson Les Paul „Number One”
Seine mittlerweile ikonische Gibson Les Paul Standard „Number One“ erstand Page 1969 von Joe Walsh. Sie ersetzte die Telecaster und begleitete ihn ab Led Zeppelin II sowohl im Studio als auch live. Das Halsprofil wurde von einem Vorbesitzer abgeschliffen, was Page sehr zusagte, allerdings ist die Seriennummer dadurch nicht mehr lesbar. Es wird jedoch stark vermutet, dass es sich um ein 1959er-Modell handelt. Der originale PAF-Tonabnehmer an der Brücke wich einem von Seymour Duncan gewickelten Humbucker mit höherem Output. Später brachte er Push/Pull-Potis an, um Out-of-Phase-Sounds zu ermöglichen. Daneben gab es die Les Paul „Number Two“ (ebenfalls ein 59er-Modell) und eine weitere 69er-Paula, die oft als „Number Three“ bezeichnet wird.
Auch 12-saitige Gitarren hatten es Jimmy angetan, wie der Song „Stairway to Heaven“ beweist. Im Studio verwendete Jimmy eine 65er Fender Electric XII sowie eine 1967 Vox Phantom XII. Da er bei Konzerten den Wechsel zwischen 6- und 12-saitiger Gitarre vermeiden wollte, ließ er Anfang der 1970er Jahre eine Gibson EDS-1275 Double-Neck anfertigen. Live kam das Instrument unter anderem bei „Stairway to Heaven“, „The Rain Song“, „Celebration Day“ und „The Song Remains the Same“ zum Einsatz. Auch in späteren Jahren blieb Page offen für Neues: Er nutzte weiterhin diverse Fender-Telecaster, eine Stratocaster, weitere Les Pauls sowie akustische Gitarren von Martin, Gibson und Sovereign.
Experimentierfreudig war Jimmy Page auch bei der Wahl seiner Verstärker
Jimmys erste Verstärker stammten von Selmer und Supro. Besonders eng mit seinem Namen verbunden ist der Supro Coronado 1690T, den er sowohl auf dem ersten Led-Zeppelin-Album als auch für den unverwechselbaren Sound des „Stairway to Heaven“-Solos einsetzte. Es ist allerdings davon auszugehen, dass Page auch mit anderen Supro Modellen experimentierte. In den 2010er-Jahren kooperierte Page mit Sundragon Amps, um mit dem „Super Dragon“ eine detailgetreue Replik seines legendären Supro-Modells zu entwickeln. Während seiner Zeit bei den Yardbirds und in den frühen Led-Zeppelin-Jahren nutzte er zudem einen 1968er Fender Super Reverb.
Parallel kamen auch bei beiden Bands Vox AC30 und UL4120 zum Einsatz. Für die erste US-Tour Ende der 1960er griff Page auf den Rickenbacker Transonic zurück, den er jedoch wenig schätzte und nach der Tour in den USA zurückließ. Ab 1969 setzten sich als Hauptverstärker der modifizierte Marshall Super Bass mit beeindruckenden 200 Watt sowie der Marshall 1959 Super Lead durch, beide im Studio wie auch auf der Bühne. Zwischendurch experimentierte Page zusätzlich mit dem Hiwatt DR103 und einem Arbiter Power 100. Der von Dave Reeves – dem späteren Gründer von Hiwatt – entwickelte Verstärker enthält mehrere Designelemente, die auch in frühen Modellen von Sound City und Hiwatt zu finden sind.
Jimmy Pages Effekte – die Werkzeuge eines Klanggestalters
Page nutzte Effektpedale nicht im Übermaß, sondern setzte sie gezielt ein, um markante Klangfarben zu erzeugen. Da der Markt für Gitarreneffekte Mitte der 1960er-Jahre noch sehr überschaubar war, griff er – wie viele seiner Zeitgenossen – zu einigen wenigen, aber wirkungsvollen Klassikern. In seinen frühen Session-Jahren kam ein von Roger Mayer designtes Fuzz-Pedal zum Einsatz, das lose auf dem Maestro Fuzz-Tone basierte. Später griff Page häufig auf den Sola Sound Tone Bender Mk II zurück, den er bereits auf dem Debütalbum von Led Zeppelin verwendete, um sustainreiche Leads zu gestalten. Zu seinen Wah-Pedalen zählten unter anderem ein Vox-Wah, das in Songs wie „Dazed and Confused“ oder „Whole Lotta Love“ zu hören ist, sowie Varianten wie das Vox Cry Baby und ein Jen Cry-Baby.
Für Echo- und Delaysounds war es lange Zeit das Maestro Echoplex, insbesondere das EP-3, das er live oft für ausgedehnte Improvisationspassagen einsetzte. Ab den 1970er-Jahren erweiterte er sein Setup mit modernen Effekten. Der MXR Phase 90 lieferte ihm subtile Modulationen, etwa bei „Ten Years Gone“ oder live beim „Immigrant Song“. Gelegentlich verwendete er auch den MXR Blue Box, ein ungewöhnliches Oktav-Fuzz-Pedal, das beispielsweise im Solo von „Fool in the Rain“ zu hören ist. Ab den 1990er-Jahren erweiterte sich Pages Auswahl an Effekten, und Pete Cornish entwarf für ihn ein umfangreiches Pedalboard. Darauf befinden sich neben den bereits erwähnten MXR-Pedalen auch zwei DigiTech Whammy-Pedale sowie Chorus-Effekte von Yamaha und Boss.
Ungewöhnliche Tools und Spieltechniken
Jimmy Page setzte auch gerne extravagante Techniken ein, um neuartige Gitarrenklänge zu erhalten. Bekannt ist etwa sein Umgang mit dem Violinbogen: Auf Songs wie „Dazed and Confused“ ließ er den Bogen über die Saiten kreisen – eine Idee, die ihm ein Session-Kollege, Violinist David McCallum Sr., nahegelegt hatte. Weitere Instrumente, die Page gerne spielte, waren das Theremin, die Drehleier, die Mandoline, das Banjo oder die Pedal-Steel-Gitarre. Was Jimmys Picks und Saiten anbelangt, ist wenig bekannt. In einem Interview äußert er jedoch, dass er Ernie-Ball-Sätze von 009 – 042 sowie Herco Flex 75 Heavy Picks verwendete.
Fazit
Wie einige seiner Zeitgenossen ist auch Jimmy Page ein Paradebeispiel dafür, dass man mit nichts weiter als einer Gitarre, einem Verstärker und einer Handvoll Effekte revolutionäre Klänge erschaffen kann. Er demonstriert eindrucksvoll, wie technische und musikalische Innovationen Hand in Hand gehen und sich gegenseitig inspirieren, wenn man offen für Neues bleibt. An ein festes Setup band er sich nie; vielmehr bewahrte er sich stets seine Neugier und suchte beharrlich nach Wegen, bislang ungehörte Klangwelten zu entdecken. Neben seinem unerschöpflichen musikalischen Ideenreichtum macht ihn das zu einem der bedeutendsten Architekten des Rocksounds.