„Das AKG C12 wird für Frauenstimmen benutzt, das Neumann U47 ist für Männerstimmen das beste Mikrofon.“ Was ist dran an dieser Aussage? Ist das eine sinnvolle Faustregel oder kompletter Quatsch?

Wie eigentlich immer im Leben, kann auch dieser Punkt nicht so ganz einfach beantwortet werden. Schließlich ist auch die Tontechnik-Welt nicht schwarzweiß. Aber es ist hilfreich, sich die einzelnen Aspekte einmal anzusehen.
AKG C12 und Neumann U47 sind gesuchte Klassiker
Beide Mikrofone gehören zu den absoluten Klassikern der Tontechnik. Sie kommen beide in unserem Artikel Studiostandards: Vocal-Mikrofone vor. Sowohl das deutsche U47 als auch das österreichische C12 sind umschaltbare Röhrenmikrofone mit Großmembranund wurden in der Nachkriegszeit entwickelt.Du willst eines haben oder sogar beide? Dann viel Spaß bei der Suche – und leg’ dir schon mal mehrere zehntausend Euro auf die Seite. Ja, es gibt Studios, die beide Mikrofone vorhalten aber viele sind es nicht. Oft sind es Clones, Weiterentwicklungen oder von den Originalen „inspirierte“ Mikros, die einige wesentliche Bestandteile übernommen haben, so klingen (oder, im einfachsten Fall: einfach so ähnlich heißen oder aussehen…).
Typische Klangeigenschaften AKG C12
Das von der ursprünglich in Wien beheimateten AKG hergestellte C12 besitzt um eineHöhenanhebung über dem Schärfebereich. Ein Boost bei ungefähr 8-12 kHz, bevor der Frequenzgang Großmembraner-typisch wieder sinkt, lässt das Signal schön „atmen“. Das wird unterstützt durch die Anreicherung mit Harmonischen. Im Gegenzug erscheint der Stimmen-Grundtonbereich unter 500 Hz eher etwas dünner.
Klangprofil Neumann U47
Das Mikrofon mit der legendären M7-Kapsel und der Stahlröhre VF14 betint den Tiefmittenbereich, dafür ist der Höhen-Roll-Off etwas stärker. Im Vergleich wird das 47 etwas wärmer und voller, aber auch gedrungener und kompakterwahrgenommen.
Fakten vs. Mythos
Die Klangsignaturen der beiden Mikrofone und ihrer Nachahmer sind unterschiedlich. Die Tatsache, dass U47 den Grundtonbereichfestigt, wärmer und voller klingt, kann in vielen Mischungen Männerstimmen unterstützen, bei denen das gewünscht ist. Andererseitsgibt es viele Frauenstimmen, bei denen die Luftigkeit unterstützt werden soll.
Allerdings kannst du es dir denken: Es gibt Frauenstimmen, die tief und warm sind und bei denen diese Eigenschaften sogar noch unterstützt werden sollen. Und umgekehr Männerstimmen, denen ein Schuss Höhen sehr guttun. Und außerdem gibt es ja auch noch einen Equalizer!
Wusstest du, dass der EQ, wie wir ihn heute kennen, später entwickelt wurde als die beidem Mikros? Außerdem haben wir heute Allrounder-Mikrofone zur Verfügung, deren Klang sich durch ihre Einstellungen, Abstände, verschiedeneMikrofonvorverstärker und entsprechende Nachbearbeitung in sehr unterschiedliche Richtungen lenken lässt.

Was haben die vielen Funktionen eines Mikros zu bedeuten – und wie müssen sie eingestellt werden? Hier alle Infos.

Inputsektionen sind nicht so kompliziert. Aber kennt jeder "Polarity", "HPF" und auch "Tape" oder "Flip"?
Fazit
Die Aussage „U47 für Männer-, C12 für Frauenstimmen“ ist eine historisch gewachsene Daumenregel, aber nicht mehr als das. Wichtig ist, dass du dein Mikrofon und seine Eigenschaften kennenlernst, auf die Stimmen hörst, dir vorstellst, wie der Mix funktionieren soll und dich bei der Aufnahme in erster Linie auf die künstlerische Performance fokussierst.

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