Zultan Dune Cymbals Test

Praxis

Fauchig-dunkel, aber nicht zu trocken

Eine halbe Stunde brauche ich, um alle Modelle erst einmal zu sortieren. Der gesamte Studioboden erinnert jetzt tatsächlich an eine Dünenlandschaft, mit den Fußspitzen balanciere ich zwischen den Bronzebergen hindurch. Zum Glück hat sich der Aufwand gelohnt, denn das Design und die sorgfältige Abstimmung sorgen in der Praxis für durchweg gute bis sehr gute Klänge. Allerdings muss man die Grundcharakteristik der Dune-Becken mögen, denn hier geht es definitiv zur Sache, was den „Trash“ im Sound angeht. Wer auf klare, saubere Modulation oder gar glockige Klänge steht, dürfte enttäuscht werden. Stattdessen bieten die Testexemplare eine sehr schnelle Ansprache, ein weiches, angenehmes Spielgefühl und einen fauchigen, rauschenden Gesamtsound. Meine Befürchtung, dass die neuen Zultans zu trashig oder sogar dumpf klingen, bewahrheitet sich nicht, im Gegenteil. Gerade bei den wichtigen Hi-Hats und Rides bleibt ein guter Schuss Präsenz und Brillanz im Anschlag erhalten, um sie sehr lebendig klingen zu lassen. 

 Trashig, aber nicht dumpf klingen die Crashes

Zunächst hänge ich die fünf Crashes nebeneinander, wobei ich mich hier zunächst der einzeln vorliegenden Modelle bediene. Wie die Gewichtung und die Bearbeitung schon vermuten ließen, geht es hier beim Anschlag sehr zügig zur Sache. Nur wenig Schlagenergie ist vonnöten, um die Dunes voll aufgehen zu lassen. Alle Crashes verfügen über deutlich reduzierte tonale, metallische Anteile, es dominiert ein volles, aber tonloses Fauchen. Sowohl die polierten Kuppen als auch die abgedrehten Unterseiten sorgen allerdings dafür, dass sie nicht zu dumpf klingen und „absaufen“, stattdessen verbindet sich ihr Sound sehr musikalisch mit gleichzeitig gespielten Bassdrums oder Snares. Das große 20er verfügt zusätzlich über rudimentäre Ride-und Kuppenqualitäten, bei den kleineren Typen wird es dafür allerdings zu undefiniert. In puncto Abstimmung gefällt mir nicht nur der Fünfersatz sehr gut, auch die drei 16er und die beiden 18er untereinander liegen klanglich in absolut vertretbaren Toleranzen, besonders, wenn man bedenkt, dass es sich um handgemachte Becken der preislichen Mittelklasse handelt. Hier könnt ihr alle Crashes einzeln und im Set hören, auch die jeweils gleichen Modelle findet ihr im Soundfile-Vergleich.  

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16″ Crash, solo und im Set 17″ Crash, solo und im Set 18″ Crash, solo und im Set 19″ Crash, solo und im Set 20″ Crash, solo und im Set Drei 16″ Crashes im Vergleich Zwei 18″ Crashes im Vergleich
Monatsfeier_WS_BC_12_2018
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Ausgewogen und musikalisch geht es bei den Rides zu

Der positive Eindruck der Crashes setzt sich bei den Rides fort. Hier zeigen sich die Vorteile der verschiedenen Bearbeitungsmethoden sehr deutlich, denn viele stark gehämmerte und roh belassene Ride-Becken leiden unter einer undefinierten Kuppe und einer eher schlappen Präsenz der Stockaufschläge. Die Dunes scheinen hier tatsächlich das Beste zweier Welten zu verbinden, denn sie bieten einerseits einen klaren, aber eben nicht glockigen Attack beim Spiel mit der Stickspitze auf dem Profil. Auf der anderen Seite erzeugen die Kuppen ausreichend Brillanz, um eindeutig als solche erkennbar zu sein. Den allgemeinen Klangcharakter der Rides würde ich trotzdem als rauchig-dunkel mit eher kurzem Sustain bezeichnen. Alle drei Größen lassen sich zudem sehr gut crashen und fügen sich mit dieser Eigenschaft auch in die Crash-Reihe gut ein. Klanglich erstaunlich nah beieinander liegen auch die jeweils doppelt vorhandenen 20er und 22er Exemplare. Mein persönlicher Favorit ist das 22er, welches sich mühelos mit deutlich teureren Edel-Rides messen kann. Im Video könnt ihr die Modelle jeweils auch zusammen gespielt hören, hier kommen die Einzel-Soundfiles.

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20″ Ride – solo und im Set 21″ Ride – solo und im Set 22″ Ride – solo und im Set

Die Hi-Hats besitzen eine gute Definition

Nahtlos fügen sich die drei Dune Hi-Hats in die Gruppe der Crashes und Rides ein. Auch sie klingen tendenziell dunkel und rauchig, bieten aber auch bei geschlossener Spielweise eine tolle, knusprige Definition, die mich an jene der Zildjian K Custom Special Dry Hi-Hats erinnert. Tonal liegen die 14er naturgemäß am höchsten, während die großen 16er für alle Drummer geeignet sind, die den „sloshigen“, tief schlürfenden Retro-Ton suchen. Erfreulicherweise bieten besonders die 14er und 15er Modelle einen durchaus durchsetzungsstarken Chicksound beim Treten, was ich so nicht unbedingt erwartet hätte. Insgesamt gefallen mir die Hi-Hats sehr gut, auch die Modellstreuung zwischen den jeweils doppelt vorliegenden 14 und 15 Zoll Typen ist sehr gering.   

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14″ HiHat – solo 14″ HiHat – im Set 15″ HiHat – solo 15″ HiHat – im Set 16″ HiHat – solo 16″ HiHat – im Set

Luftige Splashes, trashige Chinas

Mit ihrer dünnen Materialstärke und der daraus resultierenden raschen Ansprache passen auch die fünf Effekte gut in die Dunes-Familie hinein. Sehr komplex, luftig und wenig metallisch kommen die beiden Splashes rüber, besonders das 12er Testexemplar gefällt mir sehr gut. Dieses Becken könnte ich mir auch gut als Add-on in einem Hand-Percussion Set vorstellen. Die Chinas klingen tendenziell tief und lösen ausreichend fein auf. Die Abstimmung der drei Testexemplare fällt jedoch etwas merkwürdig aus, denn das 17er klingt dunkler als das 18er. Ein Beinbruch ist das aber sicherlich nicht, nur wer ein Set mit mehreren Chinas zusammenstellen möchte, sollte da ein Auge drauf werfen. 

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10″ Splash 12″ Splash 10″ & 12″ Splashes 16″ China 17″ China 18″ China Alle drei Chinas
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