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Yamaha DTX760K E-Drum Set Test

Praxis

Rack und Pads können überzeugen, aber die Kabel nerven…

Das DTX760K wird in vier Kartons geliefert, die insgesamt knapp 70 Kilogramm auf die Waage bringen. Das ist eine Menge und liegt zum großen Teil an den schwergewichtigen Drum Pads, die aber dank der überaus robusten Halterungen sicher am stabilen Rack fixiert sind. Die Aufbauanleitung ist leicht verständlich und dürfte auch Schlagzeuger ohne E-Drum Vorkenntnisse vor keine größeren Probleme stellen. Allerdings sind die Kabel für die Pads, die mangels Kabelbaum oder Multi-Pad-Anschluss jeweils einzeln verlegt werden müssen, teilweise viel zu lang, so dass sich das saubere Verlegen entlang des Rack-Gestänges trotz ausreichend vorhandener Klettbänder als zeitraubende Angelegenheit herausstellt. Und selbst nach meinen ausgiebigen Bemühungen sieht das Ergebnis noch relativ wüst aus…

Gepflegter Kabelsalat.
Gepflegter Kabelsalat.

Nachdem ich meine Fußmaschine am Set installiert habe, steige ich in den Praxistest ein. Einen ersten Klangeindruck könnt ihr euch anhand des folgenden Videos verschaffen:

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Die Pads spielen sich angenehm und sind relativ leise.

Schon beim ersten Anspielen stelle ich erfreut fest, wie außergewöhnlich leise die Anschlaggeräusche auf den Trommel-Pads sind. Der Unterschied zu gewöhnlichen Hartgummi-Pads ist deutlich zu spüren, wodurch sich das Kit sogar weitgehend für das Spiel in den eigenen vier Wänden eignet. Allerdings lässt sich konstruktionsbedingt ein gewisser Trittschallfaktor trotz der weichen Spielfläche des Bassdrum Pads nicht vermeiden. Das Spielgefühl auf den relativ weichen Tom Pads sowie auf dem etwas festeren Snare Pad ist extrem komfortabel und fühlt sich an, als seien auch nach längeren Sessions keine Probleme in den Handgelenken oder Unterarmen zu erwarten. Die Ansprache ist in der Werkseinstellung sehr sensibel und bedarf keiner Nachjustierung. Die ist allerdings beim Hi-Hat Pad erforderlich, welches den Closed Sound erst nach unnatürlich starkem Druck auf das Pedal preisgibt. In den Pad-Einstellungen kann das Problem aber leicht behoben werden. Allerdings will es mir, egal welche Einstellung ich wähle, kaum gelingen, einen realistischen Foot Splash Sound zu erzielen. Dies ist nur möglich bei einem SEHR leichten Antippen des Pedals, und selbst dann ist der Sound eindeutig zu leise. Das können sogar wesentlich preisgünstigere Module besser.

Einfache Bedienung und gute Qualität bei Sounds und Songs

Trotz der immensen Funktionsvielfalt, gerade was die Klangbearbeitungsmöglichkeiten und die extrem umfangreiche Multieffekt-Abteilung betrifft, sind die grundlegenden Bedienschritte schnell erfasst. Die wichtigsten Parameter zur Sound-Bearbeitung erreicht man unmittelbar über die „Inst“-Taste. Je nach Instrumentengattung können hier mit Hilfe der Funktionstasten F1 bis F3 beispielsweise Tuning, Muffling, Decay und Cymbal Size eingestellt werden. Für die meisten Anwendungen dürfte das genügen, und da diese Einstellungen auf der Kit-Ebene passieren, werden die Voices in ihrer Grundform nicht verändert, sondern nur für das jeweilige Kit. Ebenso einfach gestaltet sich die Speicherung der Kits sowie das Aufzeichnen des eigenen Spiels per Aufnahmetaste. 
Die Akustik-Sounds des DTX700 Moduls, das entscheidende Qualitätskriterium für ein E-Drum Set der gehobenen Preisklasse, klingen insgesamt gut und weitgehend authentisch. Hier hört ihr eine Auswahl an Kits, quer durch alle Genres:

Audio Samples
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Kit 01 DTX700 Kit 02 BirchCstmAbs Kit 05 Funk Kit Kit 07 HipHop Kit 09 Percs Master Kit 11 MapleCstmAbs Kit 29 BeatBox 8 Kit 37 Zone Kit 46 Arabic Kit 47 Indian Pop

Die Qualität der internen Songs ist nicht auf dem neuesten Stand, aber insgesamt in Ordnung. Im Folgenden könnt ihr einen kurzen Zusammenschnitt einiger Preset Songs des DTX700 hören. Die Drum-Spuren können zu Übungszwecken selbstverständlich abgeschaltet werden.

Audio Samples
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DTX700 Song Snippets

Für ein wirklich ausdrucksstarkes Spiel reichen die klanglichen Facetten nicht aus

Der Dynamikverlauf beim Anschlagen der Pads, in der folgenden Grafik exemplarisch für das Snare Pad dargestellt, ist zwar von einer akustischen Trommel weit entfernt, sieht in der grafischen Darstellung aber mit seiner recht feinen Abstufung dennoch vergleichsweise gut aus. Die obere Kurve zeigt den Lautstärkeverlauf der realen Pad-Anschläge, aufgezeichnet mit einem Mikrofon, die untere Kurve stellt den dynamischen Verlauf des Sounds, abgenommen am Modulausgang, dar.

Hier sieht man die Dynamik des Snare Pads (unten) im Vergleich zum Mikrofonsignal.
Hier sieht man die Dynamik des Snare Pads (unten) im Vergleich zum Mikrofonsignal.

Leider kann das DTX700 Modul aber das Potential nicht vollständig nutzen, denn trotz der guten Dynamikabstufung wirken Etüden auf der Snare aufgrund der geringen Anzahl an verwendeten Samples gleichförmig, nachzuhören im folgenden Soundfile:

Audio Samples
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DTX700 Snare Performance

Auch die Hi-Hat, die beim E-Drum Set am schwierigsten nachzubildende Komponente des Akustik-Drumsets, kann in puncto Authentizität nicht überzeugen. Sie weist einen etwas groben Dynamikverlauf auf, der sich in teilweise abrupten Übergängen äußert, wie im folgenden Klangbeispiel zu hören:

Audio Samples
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DTX700 Hi-Hat Performance

Ein weiterer wichtiger Faktor für ein realistisches Spielgefühl ist die Latenz zwischen dem Schlag auf das Pad und dem ausgelösten Sound. Mit acht Millisekunden liegt diese Zeitspanne beim DTX700 bestenfalls im Mittelfeld und unterhalb der kritischen Grenze. Bei Werten ab etwa zehn Millisekunden stellt sich im Allgemeinen ein „träges“ Spielgefühl ein. Die folgende Grafik veranschaulicht die Verzögerung:

Die Latenzmessung ergibt 8 Millisekunden.
Die Latenzmessung ergibt 8 Millisekunden.

Das DTX760K Kit eignet sich auch als Eingabe-Interface im Verbund mit einem Rechner

Natürlich ist es auch möglich, auf die interne Klangerzeugung des DTX700 Moduls zu verzichten und die beiliegende Cubase AI Software auf dem Rechner zu installieren. Auf diesem Weg können VST-Programme mit qualitativ hochwertigen Sound-Banken angesteuert werden, die dann dynamisch auch wesentlich feiner aufgelöst sind als die internen Sounds. Systembedingt muss man allerdings in dieser Konstellation mit einer erhöhten und spürbaren Latenz leben. Als Beispiel habe ich euch hier ein paar Takte eines Garage Band Kits eingespielt.

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Garage Band Motown Revisited Kit
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