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Wie stark beeinflusst die Gitarrenform den Sound?

Seit der Entstehung der E-Gitarre haben sich verschiedene Korpusformen auf dem Markt etabliert, die sich häufig an den historischen Vorbildern wie z.B. der Fender Telecaster, der Fender Stratocaster oder der Gibson Les Paul orientieren. Auch der Hard & Heavy-Sektor hat den Spielern über die Jahrzehnte einige spezielle Kreationen beschert und viele Gitarrenbauer experimentieren immer wieder mit neuen Designs.

(Bild: © shutterstock / 576741019 / Urheber: Anita Poli)
(Bild: © shutterstock / 576741019 / Urheber: Anita Poli)


Im heutigen Workshop wollen wir der Frage nachgehen, inwieweit die Korpusform Einfluss auf den Sound nimmt und welche Komponenten außerdem am Ende entscheidend für den Klang sind.

Ein historischer Blick auf unterschiedliche Konstruktionen und Formen

Die erste E-Gitarre in Solidbody-Bauweise kam im Jahre 1950 auf den Markt, wurde von Fender präsentiert und hörte nach einer anfänglichen Namensänderung fortan auf den Namen Telecaster. Wenig später folgte die Stratocaster und auch Gibson, der andere große Name im amerikanischen Gitarrenbusiness, blieb nicht lange untätig und legte mit der Les Paul nach. Alle drei Modelle waren, wie anfangs schon erwähnt, von da an maßgebliche Einflussgeber für die weitere Entwicklung auf dem Feld der E-Gitarre. Die ersten Gehversuche allerdings machten akustische Gitarren mit gewölbter Decke (Archtops), die mit einem oder mehreren Tonabnehmern bestückt waren und heute gemeinhin als Hollowbody Jazzgitarren bezeichnet werden.

Die Telecaster wird seit 1950 von Fender hergestellt und gilt als erste in Massenfertigung produzierte Solidbody-E-Gitarre.
Die Telecaster wird seit 1950 von Fender hergestellt und gilt als erste in Massenfertigung produzierte Solidbody-E-Gitarre.

Wenn wir an dieser Stelle der Entwicklung mit unserer Fragestellung ansetzen, lässt sich konstatieren, dass die verschiedenen Korpusformen der Instrumente aus dieser Zeit eindeutig Einfluss auf den Gesamtsound hatten, besonders, wenn man die akustische Komponente dieser Modelle mit in Betracht zieht. So gab es damals auch schon Gitarren, die sowohl mit als auch ohne Cutaway gebaut wurden. Das Cutaway am Korpus sorgte dabei für eine leichtere Bespielbarkeit in den hohen Lagen, nahm dem Body aber gleichzeitig auch ein Stück seiner Masse und begrenzte damit unter Umständen auch seine akustischen Schwingungseigenschaften. Weiterhin waren die Bodys unterschiedlich tief. So kamen einige Modelle eher schlanker und andere sehr ausladend daher, was sich natürlich ebenfalls – wie auch bei Flattop-Akustikgitarren – auf das akustische Klangverhalten auswirkte.
Durch den hohlen Korpus waren diese Gitarren jedoch recht anfällig für Rückkopplungen und mit dem Aufkommen des Rock’n’Roll war die deutlich geringere Feedback-Anfälligkeit der Solidbody-Gitarren auch einer der Gründe für ihren Siegeszug.
Außerdem etablierten sich sogenannte Halbresonanz-Gitarren, von denen die Gibson ES 335 wohl das bekannteste Modell sein dürfte. Durch einen Sustainblock im Inneren des Korpus waren diese Modelle in akustischer Hinsicht, ähnlich wie Solidbody-Modelle, sehr eingeschränkt und damit ebenfalls deutlich weniger anfällig für Rückkopplungen.
Wirft man nun einen genaueren Blick auf das Korpusdesign von E-Gitarren, lässt sich feststellen, dass sich unterschiedliche Formen des Bodys in ihrem Einfluss auf den Sound eher hinten anstellen müssen. Deutlich entscheidender ist hier die Wahl der Pickups, der Hölzer sowie weiterer Komponenten, die wir uns nun genauer anschauen wollen.

Ein besonderes Charakteristikum der ES-335 Modelle ist ihr halbhohler Korpus (Semi-hollow).
Ein besonderes Charakteristikum der ES-335 Modelle ist ihr halbhohler Korpus (Semi-hollow).

Typische Holzarten beim E-Gitarrenbau

Auch bei der Wahl der Hölzer waren die schon erwähnten ersten Modelle von Fender und Gibson für den E-Gitarrenbau sehr prägend und sind es bis heute. So bringt man den Korpus einer Telecaster oder einer Strat häufig mit Esche oder Erle in Verbindung, die Les Paul wiederum mit Mahagoni. Die SG, ebenfalls aus dem Hause Gibson, wird traditionell aus Mahagoni gefertigt, besitzt aber einen schlankeren Korpus und es fehlt die für die Les Paul typische Ahorndecke, was sich sowohl im Gewicht als auch im Sound bemerkbar macht.
Der Korpus einer Halbresonanz-E-Gitarre wie der ES 335 wird zudem aus laminierten Hölzern gefertigt und hat durch seine Bauweise einen Klangcharakter, der von vielen Spielern gern stilübergreifend genutzt wird. So ist dieses Modell sowohl bei Rockgitarristen als auch im Blues und Jazzkontext gern gesehen.
Ansonsten wird die Les Paul mit ihrer Holzwahl gemeinhin mit einem warmen und dunkleren Ton mit viel Sustain beschrieben, der sehr gut mit verzerrten Sounds harmoniert. Die Strat oder Tele hingegen stehen für den typischen “Twang” und einen spritzigen Sound. Dafür ist übrigens auch die Halsverbindung mitverantwortlich, denn der eingeleimte Hals der Les Paul steht für mehr Sustain, während Strat und Tele mit einem geschraubten Hals gefertigt werden. Aber auch die Wahl und Masse des Holzes bezogen auf den Hals ist nicht zu unterschätzen. Ob man hier zudem beispielsweise ein Palisandergriffbrett verwendet oder nicht, schlägt sich ebenfalls im Gesamtsound nieder.
Die Materialwahl ist also im Fall der E-Gitarre deutlich entscheidender als die Form. Da der E-Gitarrenbau aber nach wie vor sehr konservativ orientiert ist, steht ein bestimmtes Korpusdesign häufig für typische Klangideale und damit meist auch für die entsprechenden Hölzer.

Details of wooden boards

Einfluss von Pickups und Hardware

Sehr wichtig für den Sound einer E-Gitarre sind ohne Frage die Pickups, die übrigens ebenfalls in der historischen Entwicklung von Solidbody E-Gitarren jeweils mit einem der beiden großen Player im amerikanischen Gitarrengeschäft in Verbindung gebracht werden können. Singlecoils mit ihrem crispen und drahtigen Sound standen dabei für Tele und Strat, Humbucker mit ihrem warmen und weicheren Ton für die Les Paul.
Mittlerweile sind hier die Grenzen fließend. Viele Hersteller bieten gern eine Mischung aus beiden Konzepten an und auch eine Strat oder Tele wird heute bei Bedarf teilweise oder vollständig mit Humbuckern bestückt. Gibsons Les Paul und andere Humbucker-Gitarren sind inzwischen häufig mit der sogenannten Split-Coil-Funktion ausgestattet, mit der sich nur eine der beiden Tonabnehmerspulen aktivieren lässt und der jeweilige Humbucker so als Singlecoil arbeitet. Aber auch die Hardware, also Steg und Sattel, sind in ihrem klanglichen Einfluss nicht zu unterschätzen. Hier lohnt es sich also zu experimentieren.
Unser Autor Robby Mildenberger hat übrigens dazu vor einiger Zeit zwei sehr aufschlussreiche Tests über den Einfluss von unterschiedlichen Brücken bei der E-Gitarre gemacht.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Korpusdesign bzw. die Form der E-Gitarre zwar zweifellos Einfluss auf die Ergonomie und Bespielbarkeit hat, sich aber im Klang längst nicht so stark auswirkt wie bei einer Akustik- oder Jazzgitarre. Deutlich entscheidender für das Schwingungsverhalten sind hier die verwendeten Pickups, die Wahl der Hölzer, die Halskonstruktion und die Hardware. Trotzdem lässt sich beim Gros der E-Gitarren, sofern sie sich an traditionellen Maßstäben orientieren, häufig schon an der Form das Klangideal ablesen, das sie vertreten.

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(Bild: © shutterstock / 576741019 / Urheber: Anita Poli)

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von Michael Behm

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Profilbild von Rudi Kipp

Rudi Kipp sagt:

#1 - 08.08.2022 um 01:11 Uhr

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Sorry, aber die o.g. Behauptungen gehören wohl eher in die Schublade "esoterischer Quark" bzw. "ein Musiker hört das Gras wachsen". Mal ernsthaft: Wie soll denn bitte die Korpusform(!) den Klang beeinflussen - oder auch ein Palisandergriffbrett (im Vergleich zu einem aus Ahorn oder Ebenholz) klanglich anders sein?! Wer derlei ernsthaft zu hören vermag, sollte sich schleunigst für den Physik-Nobelpreis vorschlagen lassen...

Kommentare vorhanden
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