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Warwick LWA500-Stack Test

Praxis

Mittlerweile wundert man sich ja schon lange nicht mehr, wenn man ein 500 Watt starkes Aggregat mit einer Hand locker aus dem Karton heben kann. Man fragt sich bestenfalls, ob der Amp eventuell mit Heliumgas angetrieben wird – doch dann müsste er ja beginnen zu fliegen! Weit entfernt ist das Warwick LWA500-Topteil jedoch nicht von diesem Zustand. Die Boxen sind überaus kompakt und auch durchaus alleine bequem zu tragen – wenn sie auch nicht unbedingt zur Fliegengewichtklasse gehören.
Die Verarbeitung beider Cabinets wirkt sehr gut; vor allem das Frontgitter macht einen geradezu unzerstörbaren Eindruck. Die kleinen Dimensionen der Boxen versetzen mich in die Erwartungshaltung, dass mich auch ein kompakter Sound erwarten könnte – und ich fühle mich nach den ersten Tönen bereits bestätigt!
Zuerst widme ich mich jedoch dem Signal der Vorstufe des LWA500 anhand des integrierten symmetrischen DI-Ausgangs. Direkt verglichen mit dem trockenen Basssignal direkt über das DAW-Interface wirkt das Signal aus dem LWA500 DI Out vor der Klangregelung bereits etwas “aufgefrischt”. Auch bei linear eingestellter Klangregelung im “post”-Betrieb (also dem DI-Signal hinter der Klangregelung abgenommen) hört man einen deutlichen Unterschied zum Originalsignal. Die Vorstufe färbt also bereits im Neutralzustand hörbar ein, was aber in diesem Fall absolut positiv zu verstehen ist!

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Bass direkt in DAW Bass via LWA500 DI-Ausgang (pre, vor Klangregelung) Bass via LWA500 DI-Ausgang (post, hinter Klangregelung)

Nun im Vergleich hierzu der Sound aus den Boxen, jeweils abgenommen am Speaker Kalotten/Membran-Übergang und separat mikrofoniertem Hochtöner. Die Warwick WCA115 LW wirkt ein wenig luftiger als die WCA408 LW, die ihrerseits die Mitten etwas straffer wiedergibt. Beide Boxen klingen auf Anhieb ohne Eingriff in die Klangregelung des LWA 500 sehr ausgeglichen und lassen es an nichts mangeln. Man hört einen kräftigen und definierten Ton ohne bassiges Wummern oder allzu harsche Höhen.

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LWA500 mit WCA115 LW solo LWA500 mit WCA408 LW solo
Imposanter Blickwinkel, oder?
Imposanter Blickwinkel, oder?

Hier nun der Klang in Verbindung mit einem Playback und länger ausgeführtem Audiobeispiel. Geschmacklich favorisiere ich mit minimalem Vorsprung die WCA115 LW, im Verbund im Raum klingend muss ich allerdings sagen, dass sich beide Boxen durchaus hervorragend ergänzen.

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LWA500 mit WCA115 LW mit Playback LWA500 mit WCA408 LW mit Playback

Gehen wir jetzt zum Sound des kompletten Stacks über, also beide Boxen im Zusammenspiel. In dem folgenden Latino-Soundbeispiel habe ich die Bässe und Mitten leicht angehoben, die Höhen abgesenkt. Dabei hören wir das Signal einmal ohne und dann mit Kompressor. Der Kompressor arbeitet ganz passabel; ich stelle jedoch fest, dass der automatische Make-Up-Gain den Pegel insgesamt deutlich anhebt, auch wenn der Kompressor niedrig eingestellt ist. Dieser Effekt wirkt wie ein kleiner Booster verbunden mit der unvermeidlichen Zunahme von Rauschen. Im Verbindung mit einem Playback nimmt man das zwar nicht mehr wahr, in leisen Passagen und mit angeschalteten Hochtönern allerdings schon. Der Kompressor neigt zudem ein wenig zum Pumpen, wenn er hart angesteuert wird. Wie meistens bei Onboard-Kompressoren muss man hier mit einem kleinen Kompromiss leben, wenn nur ein Regler zur Verfügung steht, der – so wie hier – Threshold und Make-Up-Gain bei fest eingestellter Ratio und Attackzeit justiert. Immerhin verfügt der LWA500-Kompressor wenigstens überhaupt über ein Make-Up-Gain. Die meisten in Bassvorstufen integrierten Kompressoren machen das Signal ja eher leiser und häufig auch flacher und druckloser. Und dies kann man dem LWA500 nicht vorwerfen! Am folgenden Beispiel hört man, wie der Kompressor die Basslinie angenehm verdichtet und auch etwas deutlicher im Playback platziert. Insgesamt attestiere ich dem Kompressor innerhalb eines Bandgefüges eine gute Funktionalität, lediglich solo angewendet hört man auch kleinere Schwachstellen.

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LWA500, DI-Out, pre LWA500 mit beiden Boxen, EQ: Bässe und Mitten angehoben, Höhen abgesenkt LWA500 mit beiden Boxen, EQ: Bässe und Mitten angehoben, Höhen abgesenkt plus Kompressor

Hier ein Beispiel mit abgesenkten Mitten bei 800Hz und allen anderen Frequenzen leicht angehoben.

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LWA500, DI-Out, pre LWA500 mit beiden Boxen, EQ: Low Mid abgesenkt; Bass, High Mid und Treble angehoben
Hier erkennt man noch einmal deutlich die leicht unterschiedlichen Gehäuseausmaße der beiden Boxen.
Hier erkennt man noch einmal deutlich die leicht unterschiedlichen Gehäuseausmaße der beiden Boxen.

Beim letzten Beispiel mit einem Slapbass kann man wiederum die Arbeit des Kompressors mit dem unkomprimierten Signal vergleichen. Das Signal gewinnt merklich an Durchsetzungskraft, ist jedoch auch ohne Kompressor bereits sehr dynamisch und ausgeglichen.

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Slap: LWA500, DI-Out, pre Slap: LWA500 mit beiden Boxen, EQ: Low Mid stark abgesenkt; Bass, High Mid und Treble angehoben Slap: LWA500 mit beiden Boxen, EQ: Low Mid stark abgesenkt; Bass, High Mid und Treble angehoben plus Kompressor

Die Anlage gibt die impulsstarken Signale auch bei hoher Lautstärke klar und unverzerrt wieder. Angesichts der Lautstärke, die ich dem Turm abverlange, komme ich zum Schluss, dass man mit nur einer Box an 8 Ohm definitiv etwas wenig Leistung erhält, die wahrscheinlich in vielen Bühnen- oder Proberaumsituationen schnell an die Grenzen stößt. So wie hier mit zwei Boxen an 4 Ohm getestet ergibt das Stack jedoch ein absolut leistungsstarkes Paket. Vor allem der sehr präzise Grundsound, der für mich dennoch nicht steril klingt, sondern einen deutlichen Eigencharakter trägt, gefällt mir außerordentlich gut!

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