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Turbosound Milan M15 Test

Praxis

Dicke Pluspunkte heimst die Turbosound Milan M15 für ihr Handling ein, besonders die Tilt-Option gefällt. Doch natürlich haben Turbosound beim Gehäuse das Rad nicht neu erfunden, sondern orientieren sich an den mittlerweile üblichen Konzepten. Zurecht, denn die flexible Aufstellbarkeit ist ungeschlagen, die Dimensionen sind so gewählt, dass Kabel im Wedge-Betrieb nicht geknickt werden.

Angenehm ist das flexible Handling der Aktivbox
Angenehm ist das flexible Handling der Aktivbox

Vorsicht sollte man walten lassen, wenn man einfach mal ein Mikrofon anschließt – die M15 sind wirklich laut. Dabei zeigt sich vor allem, dass auch bei hohen Pegeln die Höhen nicht kratzig und beißend werden, sondern immer gemütlich und unaufgeregt bleiben. Turbosound hat also offensichtlich seine edle “Britishness” in die neue Unternehmenssituation hinübergerettet. Selbst im “Speech”-Modus bleibt diese Tendenz bestehen. Vielleicht ist es von Vorteil, dass Briten wie Deutsche zu recht harten und scharfen S-Lauten neigen, denn diese werden sanfter dargestellt als von vielen Lautsprechern amerikanischer Hersteller, die im Vergleich kristalliner klingen. Tunlichst vermeiden sollte man aber den Einsatz des Limiters, denn dieser geht äußerst technisch zu Werke: Griff er im Test ein, war man eigentlich nie auf die optische Bestätigung angewiesen – er dürfte für meinen Geschmack gerne softer sein und dafür tiefer ansetzen. Bis zur Leistungsgrenze behält das Lautsprechersystem aber seine positiven Klangeigenschaften.

Im Mittenbereich gibt es keine negativen Auffälligkeiten, auch die Übergabefrequenz zwischen Tweeter und LF-Chassis lässt sich mit dem Gehör nicht ausmachen. Das System reagiert schnell und druckvoll. Dass Wohlklang vor analytischen Fähigkeiten zu kommen scheint, macht die Milans sicher auch für die Freunde der Konservenmusik sehr interessant – als Bestandteil einer kleinen PA vielleicht noch mehr als als Booth Foldback.
Sicher, für einen hochpegeligen Tiefbass kommt man nicht umhin, einen zusätzlichen Sub zu bemühen. Ich finde es aber angenehm, dass die M15 nicht auf Teufel-komm-raus versuchen, einen gegenteiligen Eindruck zu erwecken. Somit liefern die Turbosounds eben keinen schwammigen, unebenen “Waber”-Bass, sondern verhalten sich recht streng und konkret. So sollte es sein!
Ich konnte zwei Milan M15 in der Philharmonie Köln einsetzen, wo sie die Aufgabe hatten, im Orchesterkörper Samplerklänge wiederzugeben, die über ein sehr breites Spektrum verfügten. Eine M15 bewerkstelligte die Beschallung, die andere diente als Wedge. Die Leistung war absolut ausreichend, um im großen Raum mit dem kompletten Orchester mithalten zu können, ohne an die Leistungsgrenze zu kommen. Gut zu beobachten war das Abstrahlverhalten, dieses besticht durch gute Einschätzbarkeit und sanfte Verläufe.

Die beiden Treiber hinter dem Gitter leisten ordentliche Arbeit.
Die beiden Treiber hinter dem Gitter leisten ordentliche Arbeit.

Mit dem EQ kann man nicht viel reißen, das sollte aber klar sein. Er reicht minimal für rudimentärste Room Compensation oder leichte Klangfarbenangleichungen zweier Inputs, mehr aber nicht. Schön ist aber das Filter, denn durch den Wegfall der tiefsten Frequenzen wird der LF-Treiber noch einmal deutlich straffer.
Nach ein wenig Bühnenbetrieb haben die beiden Testlinge schon gezeigt, dass die Nutzung nicht spurlos an ihnen vorübergeht, schnell bekam das Gehäuse Streifen und kleinere Macken. Die Potis dürften meiner Meinung nach etwas fester sein und sollten eine nicht so unterschiedliche Gängigkeit aufweisen – aber das beides nur am Rande.
Ich möchte abschließend noch eine kleine Anekdote loswerden: In den Neunzigern war ich in Russland unterwegs, unsere Band hat nach dem Gig den FOH für seine wirklich hervorragende Arbeit gelobt. Er hat sich bedankt, aber auf seine (tatsächlich sehr) schlechte PA hingewiesen. Doch er erzählte uns in kurzen, schönen Worten von seinem geplanten Kauf: “Me, next year: Turbosound!”. “Me, next year: Turbosound!”, hat sich dann in der Folgezeit als hervorragend geeigneter Trinkspruch erwiesen. Würde ich mir für 1000 Euro ein Stereoset Fullrange-15er zulegen müssen, würde ich sehr wahrscheinlich “Me, now: Turbosound!” rufen.

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Profilbild von Enzensberger Werner

Enzensberger Werner sagt:

#1 - 19.07.2016 um 01:43 Uhr

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Endstufe Class-D 100W / 100W - 100 / 1000 oder ?

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