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Traynor TVM50A Test

Praxis

Es kann losgehen. Eine LED neben dem Power-Schalter leuchtet gelb, wenn man den Combo einschaltet.
Wir wollen erst einmal prüfen, wie sich der Traynor TVM50A im Stand-Alone-Betrieb schlägt. Der Amp soll mit mehreren Stahlsaitengitarren, einer Nylonsaitengitarre und einer Stimme gefüttert werden. Zunächst wird eine Steelstring (Taylor 615) mit einem Fishman ohne EQ mit Kanal 2 verbunden. Der Sound kann dort komfortabel mit der 3-Band-Klangreglung eingestellt werden. Deren Potis stehen zunächst in der 12 Uhr Position und der Ton der Akustikgitarre wird klar über das Lautsprechersystem transportiert. Allerdings kommt das lineare Signal ziemlich hart beim Hörer an. Fährt man die Mitten auf 10 Uhr zurück und hebt die Bässe auf 5 Uhr an, wird der Klang spürbar weicher.
Der Amp wird mit zwei Mikrofonen (TLM 103) abgenommen, da Line- oder DI-Ausgänge fehlen. Einziger zusätzlicher Effekt ist ein Digitalhall, der dem Ganzen etwas Raum verleihen soll – unser Kandidat hat nämlich selbst keine Effekte an Bord.

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Taylor

Das Experiment wird dann mit einer zweiten Steelstring (Larrivée) und einem Fishman Infinity (ohne EQ) fortgesetzt.

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Larrivée

Die Speaker bilden leider nie 100prozentig den Klang der jeweiligen Gitarre oder den des Piezos ab, sondern übermitteln grundsätzlich – unabhängig von der Stellung der Potis – einen latent harten Sound, der sich nicht der Akustikgitarre unterordnet, sondern sie bisweilen in gewissem Rahmen sogar dominiert. Außerdem sind nur begrenzt Reserven im Bass zum Beispiel für größere Räume verfügbar, da der Bassregler im Normalbetrieb schon auf der neunten von zehn möglichen Potistellungen steht und das Potential nahezu erschöpft ist. Darüber hinaus macht sich auch noch ein Grundrauschen breit, das aber auf der Bühne nicht so sehr ins Gewicht fällt.
Den besten Eindruck hinterlässt eine Nylonsaitengitarre.

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Godin

Große Sprünge kann der anspruchsvolle Solist mit dem harten Ton nicht machen, dem es hier und da auch etwas an Dynamik fehlt. Der TVM50A im Betrieb als Akustikamp unterstützt zwar Solospielstücke, die mehr Bauch benötigen, aber das gilt in erster Linie für kleine bzw. mittelgroße Räume. Ob in einem Saal die Bässe auch noch in der letzten Reihe ankommen, ist zumindest fraglich. Das heißt, dass der Amp in seiner alleinigen Funktion als Gitarrenverstärker nicht unbedingt erste Wahl für einen Akustikgitarristen sein wird, der sich mit Solospielstücken profilieren möchte.
Allerdings fühlt er sich im Zusammenspiel mit Akustikbass und anderen Instrumenten (unplugged) auch in einem größeren Raum hörbar wohler, denn die Akustikgitarre kommt dort in der Regel mit weniger “Bauch” aus und darf mehr im Obertonbereich (Strumming) glänzen. In diesem Frequenzbereich hat der TVM50A auf jeden Fall seine besten Momente. Dort steckt er auch Artefakte, die ein guter Piezo gerne übertragt, relativ gut weg. In einem größeren Raum könnte er in doppelter Ausführung als Mini PA zusammen mit einem kleiner Mixer (Mini PA) sein Potential noch erheblich besser ausspielen.
Maximal 90 – 93 dB Lautstärke messe ich in einem Meter Abstand, die man dem Amp zumuten kann, allerdings fängt er in dieser Region allmählich an zu verzerren. Das, obwohl der Volume-Regler noch nicht am Limit angekommen ist. Im Zusammenspiel mit Flöten, Stimmen, Kleinperkussion und Akustikbass sollte der Schalldruck dicke ausreichen. Der Kollege mit dem Schlagzeug ist aber vorsichtshalber gebeten, die Besen mit zur Probe bringen. Ein wenig E-Gitarre kann der TVM50A übrigens auch, Single-Coils werden im Prinzip sauber und knackig übertragen, jedoch fehlt dem Signal – wie man hören kann – die nötige Dynamik. Humbucker dagegen klingen ziemlich mittig und dünn.

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Single-Coil

Aber für die E-Gitarre ist der TVM50A auch nicht gedacht – es ist definitiv nicht seine Kernkompetenz.
Der Mikrofonkanal 1 ist eigentlich nicht für den Stand-Alone-Betrieb geeignet. Der Kanal ist für den Anschluss an einen Mixer konzipiert und aus diesem Grund auch ganz spartanisch mit nur einem einzigen Tonregler ausgestattet. Mit diesem “Tool” kann man ein Mikrofon (z.B. SM 58) aber nicht wirklich einstellen, denn wenn man die Höhen zurücknimmt, werden gleichzeitig die Bässe verstärkt, und umgekehrt. Sänger sollten sich lieber in den Instrumentenkanal mit dem 3-Band EQ einklinken.
Die Akustikgitarre wird im ersten Kanal dagegen noch akzeptabel übertragen. Die beiden unterschiedlichen Klangkörper Gitarre und Gesang (Kanal 2 und 1 gleichzeitig) erklingen bei moderater Lautstärke gut getrennt und sauber, mit Gain in Kanal 2 kann das dortige Eingangssignal angepasst werden. Leider fehlt ein Hall für Stimme oder Gitarre und Sänger oder Instrumentalisten, die mit dem trockenen Sound nicht arbeiten können oder wollen. Natürlich kann ein entsprechendes Effektgerät eingesetzt werden, das aber müsste dann vor dem Amp seinen Dienst verrichten, denn über einen Einschleifweg verfügt unser Proband nicht. Die elegantere Lösung wäre der schon erwähnte Einsatz von zwei Einheiten als Mini-PA. In diesem Fall könnte man sämtliche Klangregelungen und Effekte über ein angeschlossenes Mischpult bewerkstelligen und hätte als Ergebnis ein Stereosignal. Spinnt man diese Möglichkeit weiter, wäre allerdings auch ein Subwoofer kein Luxus, denn der eingebaute 10er Speaker ist naturgemäß kein Basswunder.
Im Bandumfeld konnte der TVM50A in der Rolle als Bühnenmonitor zwar nicht getestet werden, sollte dort aber einen vernünftigen Job abliefern. Zumal sich mit dem 3-Band EQ von Kanal 2 der Bühnenmix in gewissem Rahmen einstellen lässt. Steht man direkt vor dem Amp, könnten hier auch die 50 Watt Leistung ausreichen. Leider fehlen entsprechende Ausgänge, um das Signal an weitere Aktivboxen weiterleiten zu können.

Traynor_TVM50A_017FIN
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