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Fishman Loudbox Artist Test

Mit den Fishman Loudbox Akustikgitarren-Verstärkern setzt der amerikanische Hersteller mit insgesamt vier Varianten in unterschiedlichen Größen und Leistungen auf Vielseitigkeit. Die für ihre exzellenten Pickup-Systeme bekannte Marke betritt mit der Entwicklung der Loudbox-Serie allerdings kein Neuland, sondern möchte an die Erfolge der beliebten Referenzverstärker aus den 90er Jahren und die Loudbox 100 anknüpfen.
Neben Loudbox Mini und Loudbox Mini Charge stehen auch die neuen Loudbox Performer und Loudbox Artist Amps im Fokus. Letzterer hat sich zum aktuellen Test eingefunden, nachdem sich der Loudbox Mini Charge Combo

Fishman_Loudbox_Artist_with_Bluetooth_TEST

im bonedo-Test bereits wacker geschlagen hat. Unseren heutigen Kandidaten kann man vorab schon einmal mit vier Schlüsselattributen grob beschreiben: durchsetzungsfähig, kompakt, benutzerfreundlich und dekorativ. Ob er auch klingt, werden wir in diesem Test eruieren.

Details

Übersicht

Zunächst sollte man die solide Verarbeitung würdigen und auch das Design mit einer ansprechend warmen Farbkombination kann sich sehen lassen. Eine Querstrebe mit Tragegriff an der Oberseite teilt die Elektronik-Abteilung in das vordere Bedien- und das rückwärtige Anschlusspaneel. Mit einem Gewicht von 11,6 kg kann unser Kamerad auch im Alleingang transportiert werden, zumal auch die kompakten Abmessungen 394 (B) x 292 (T) x 343 (H) mm es seinem Träger leicht machen. In dieser Größenordnung kamen noch vor nicht allzu langer Zeit fast nur Übungsverstärker ins Haus. Aber die technischen Daten lassen ahnen, dass der kleine Artist viel mehr leisten kann. Dazu unten mehr.

Fotostrecke: 4 Bilder Der Fishman Loudbox Artist Akustikverstärker mit Bluetooth knüpft an die beliebten Referenzverstärker aus den 90er Jahren an.

Leider ist eine passende Verstärker-Abdeckung nicht im Lieferumfang enthalten, kann aber gegen einen Aufpreis von zurzeit knapp unter 50 Euro im Fachhandel erworben werden. Musiker “on the road” sollten sich überlegen, ob es sich nicht lohnt, die Gage in ein stabiles Case zu investieren. Jedenfalls wird das Gehäuse schon mal an den acht gefährdeten Ecken mit Kunststoffkappen geschützt. Auch die Lautsprecher dürften sich hinter der Kunststoffverkleidung sicher fühlen. Allerdings lässt diese sich nicht abnehmen, sodass Details wie z.B. die Position der Speaker nicht zu erkennen sind. Auch an der Rückseite bietet das vollkommen geschlossene Gehäuse keinen Einblick. Zugang erhält man, wenn man die Gehäuseseiten entfernt.
Der Combo steht auf dem Boden sicher und leicht nach hinten geneigt auf vier Gummifüßen und zwar so, dass der Sound auf die Ohren des Spielers gerichtet ist. Einen Flansch zur Anbringung eines Ständers hätte man dem Artisten aber ruhig spendieren können.

Die Bedienfläche hat unübersehbar den Raum an der Vorderseite eingenommen. Damit man den Überblick nicht verliert, hat Fishman das mit reichlich Reglern, Tastern und Eingängen versehene Paneel um ca. 45 Grad abgeschrägt. Der sich daraus ergebende Überstand an den beiden Chassis-Außenwänden schützt Speaker und Potis, wenn das Gerät z.B. gestapelt wird. An der Rückseite befinden sich weitere Eingänge und zwei Einschleifwege. Dazu unten mehr.
Um den 8″ Woofer und den 1″ Soft Dome Tweeter des Full-Range-Combos im Frequenzbereich zwischen 80 Hz und 20.000 Hz anzutreiben, arbeitet die Loudbox mit einer Bi-Transistor-Endstufe. Der Name “Loudbox” scheint auch Programm zu sein, denn mit einer Gesamtleistung von 120 Watt RMS dürfte der Combo auch ohne weitere Unterstützung mächtig Fahrt aufnehmen, wenn die Akustikgitarre nicht schon vorher lautstark mit Feedback protestiert.

Die Bedienelemente

Der Loudbox Artist Combo ist mit zwei Eingängen und zwei Kanalzügen gesegnet, sodass auch zwei Instrumente/Mikrofone gleichzeitig Verstärkung erhalten. Aus diesem Grund kann man die beiden Kanäle auch nicht umschalten, z.B. von clean auf crunch. Aber das ist auch nicht Sinn und Zweck des Verstärkers und die Loudbox wäre zudem auch nicht in der Lage, Zerrsounds zu generieren. Im Gegenteil: Sie liefert einen klaren Ton, der den Klang des Instrumentes/Tonabnehmers naturgetreu überträgt. Und deshalb hat unser Proband auch mehr Berührungspunkte mit einer Hi-Fi-Anlage als mit einem Röhrenverstärker, auch wenn er nicht stereo ausgelegt ist.

Sämtliche 18 Regler und neun Taster wurden zwar leserlich beschriftet, die kleinen Buchstaben dürften aber im Zwielicht der Scheinwerfer untergehen. Wir schauen uns einmal die beiden identisch ausgelegten Kanalzüge an, die übereinander angeordnet sind. Ganz links befindet sich der Kombi-Eingang für Klinken- und XLR-Stecker, wo Instrument oder Mikrofon eingesteckt werden. Auch Studiomikrofone können dort angeschlossen und mit Energie versorgt werden, wenn der entsprechende Taster Phantom 24V ganz rechts aktiviert wird. Die Lautstärke für das Instrument/Mikrofon wird mit Gain geregelt und mit Drücken des 10dB Pad-Tasters links daneben wird die Eingangsempfindlichkeit abgesenkt. Eine kleine Übersteuerungs-LED auf Letzterem gibt rotleuchtend eine Rückmeldung, wenn das Eingangssignal zu hoch ist. Die Feinabstimmung wird per Dreiband-EQ mit Low-, Mid- und High-Poti vorgenommen, wobei der Ton in der jeweiligen 12-Uhr-Position linear übertragen wird. Die drei Controller arbeiten zwar nicht parametrisch, was aber im Bühnenalltag vollkommen in Ordnung ist. Die Bässe werden bei 50 Hz um ± 12,5 dB, die Mitten bei 750 Hz um ± 10,5 dB und die Höhen mit “Kuhschwanzcharakteristik” bei 15 kHz um ± 12.5 dB angehoben bzw. abgesenkt.

Fotostrecke: 4 Bilder Das Bedienpaneel auf der Vorderseite ist abgeschrägt montiert und mit reichlich Reglern, Tastern und Eingängen ausgestattet.

Gegen Rückkopplungen bringt die Loudbox gleich zwei Wunderwaffen in Stellung: den Anti-Feedback-Regler und die Phase-Taster. Mit dem Anti-Feedback-Filter, einem Notch-Filter, kann man einen extrem dünnen Schnitt in den Frequenzverlauf einbauen, ohne das Klangspektrum allzu sehr zu beeinträchtigen. Der Filter überstreicht den Bereich zwischen 15 Hz und 330 Hz und eignet sich sehr gut, Rückkopplungen im typischen Bereich der Eigenresonanz von Akustikgitarren um 100 Hz zu eliminieren, was im Groben die Frequenzen der dicken E-Saite bei Standardstimmung um den vierten Bund betrifft (G#). Die Störfrequenz wird mit dem Drehknopf angesteuert. Für alle anderen Rückkopplungen über 100 Hz sowie störende Frequenzen oder Geräusche kann der Phasenumschalter ein probates Mittel sein. Schön, dass beide Kanäle unabhängig jeweils mit einem Anti-Feedback-Regler und einem Phase-Taster ausgerüstet wurden.

Außerdem lässt sich der Sound mit insgesamt acht Digitaleffekten veredeln. Der Loudbox Artist Combo unterscheidet zwei Effektgruppen. Zur ersten gehören mit Reverb I, Reverb II, Delay und Echo vier zeitbasierte Effekte, zur zweiten die drei Modulationseffekte Chorus I, Chorus II, Flanger und dazu ein Slap-Echo. Mit dem Regler Effect A kann man einen Effekt aus der ersten Gruppe auswählen und mit dem Regler Effect B einen aus der zweiten. Maximal kann der Sound also mit zwei Effekten verschönert werden. Damit wäre eine einsame Akustikgitarre in der Regel auch bestens versorgt. Allerdings ist das zweite Instrument/Mikrofon auch an die beiden ausgewählten Effekte gebunden.
Der Effektanteil für Effekte aus der Effektgruppe A wird mit dem Regler Effect A Level separat für jeden Kanal ein- oder ausgeblendet oder ganz aus dem Signalweg genommen. Der jeweilige Effekt aus der Gruppe B lässt sich nicht stufenlos regeln, sondern wird mit dem Taster Effect B separat für jeden Kanal an- oder abgeschaltet, sodass Stimme und Gitarre unabhängig sind. Aber da sind ja noch die beiden Einschleifwege (für externe Effektgeräte) an der Rückseite. Dazu später mehr.
Mit Aux Level kann man die Lautstärke eines externen Audiosignal regeln. Zwei entsprechende Eingänge für Standard- und Miniklinke befinden sich an der Rückseite. Der Kopfhörerausgang für große Stereo-Klinkenstecker macht eigentlich nur Sinn, wenn man (nachtaktiver) Besitzer einer Thinline-Akustikgitarre ist – dort liegt übrigens auch ein Stereosignal an. Ein Kopfhörer ist aber nicht im Lieferumfang enthalten. Mit dem kleinen Tweeter-Poti wird die Lautstärke des Hochtöners unabhängig vom Woofer gepegelt. Der Sound wird im Hochtonbereich allerdings nur subtil modifiziert und beim Hochfahren werden leider auch mehr Rauschanteile übertragen.
Mit einem Druck auf die Taste Channel Mute werden beide Kanäle und die XLR-Ausgangssignale stummgeschaltet. Dieses Tool macht sich nicht nur als Paniktaste bei plötzlich auftretendem Feedback nützlich, sondern kann auch Lautsprecher und Zuhörer schützen, wenn der Klinkenstecker ein- oder ausgestöpselt wird. Flexibler wären hier zwei Taster, mit denen die beiden Kanäle einzeln gemutet werden könnten. Jedenfalls meldet sich eine gelbe LED, wenn der Taster aktiviert wurde. Über die Bluetooth-Verbindung können externe Audioquellen über die Speaker geschickt werden, z.B. in der Pause des Konzertes. Die Verbindung wird über den kleinen schwarzen Pairing-Taster hergestellt und der Aufbau dann von einer permanent blau blinkenden LED links daneben bestätigt.
Das letzte Wort hat der Regler Master ganz rechts, der das Summensignal an die räumlichen Verhältnisse anpasst.

Rückseite

An der Rückseite befinden sich neben dem Anschluss für den Netzstecker, der im Lieferumfang enthalten ist, ein Eingang für den Fußschalter, zwei Aux-Eingänge, optional für kleine oder große Klinke, ein Mix DI-Ausgang für das Post-Signal und für jeden Kanal ein serieller Effektloop für externe Geräte und für jeden Kanal jeweils ein DI-Ausgang für das Pre-Signal.
(1) Die Funktionen Channel Mute und Effect B (on/off) können auch mit dem dualen Fußschalter aktiviert oder deaktiviert werden. Der Fußschalter befindet sich nicht im Lieferumfang.
(2) Über die Aux-Eingänge kann man eine externe Schallquelle (CD oder MP3 Player) einspeisen, wahlweise mit kleiner oder großer Stereoklinke. Das Eingangssignal kommt dann aber nur im Mono-Format über die Lautsprecher. Die Lautstärke wird an der Vorderseite mit Aux-Level gepegelt.
(3) Über den Mix DI-Ausgang kann das fertig gemischte Summensignal mit Effekten an einen Mixer oder ein Interface weitergeleitet werden.
(4) Bemerkenswert ist, dass die Loudbox Artist einen seriellen Effektweg mit Send und Return zum Anschluss externer Geräte separat für jeden Kanal bereitstellt. Damit erhält man die Gelegenheit, z.B. mit einem externen Effektprozessor, einer Stomp Box, einer Drum Machine usw. noch mehr Abwechslung in die Performance zu bringen, vor allem, wenn man solo unterwegs ist. Allerdings müssen Lautstärke, Intensität und Mischverhältnis direkt am externen Gerät angepasst werden, was grundsätzlich aber kein Hindernis sein sollte.
(5) Über die beiden Ausgänge DI-OUT können jeweils für Kanal 1 und/oder 2 lineare Signale, also ohne EQ, z.B. an einen Mixer oder an ein Interface weitergeleitet werden.

Fotostrecke: 5 Bilder Die Rückseite ist mit weiteren Zuspielwegen und Ausgängen bestückt.
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