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Tama Silverstar VD48-GXS Jazz Drumset Test

Praxis

Der Bassdrum-Riser gibt Rätsel auf

Bei der Montage der Iron Cobra Fußmaschine fällt mir auf, dass bei normaler Positionierung das Trittbrett beim Heruntertreten des Pedals den Spannreifen berührt. Das hat zur Folge, dass man den Riser verschieben, also den Abstand der Maschine zum Fell vergrößern muss, wodurch der Schlägel in einem schrägen Winkel auf das Fell trifft. Die Lösung dieses Problems wäre eine Aussparung im Spannreifen, wie sie von anderen Herstellern praktiziert wird. Oder der Spieler greift ein Pedal zurück, dessen Trittbrettwinkel variabel eingestellt werden kann. Die Bass Drum kann natürlich auch in altbewährter Manier, mit direkt am Spannreifen montiert Fußmaschine, gespielt werden. Kommen wir nun aber zum Wichtigstem, dem Sound.

Das Silverstar Jazz Set kann auch rockig klingen

Im Praxistest bringe ich die Felle zunächst in ein mittlere bis tiefe Stimmung, wobei das Bass Drum Resonanzfell mit einem etwa 6 Zoll großen, außerhalb der Mitte positionierten Loch versehen ist. Da an beiden Bass Drum Fellen von Haus aus ein Dämpfungsring installiert ist, verzichte ich auf Kissen, Decke oder ähnliche Maßnahmen. Von den restlichen drei Trommeln bekommt lediglich das Floortom ein kleines Stück Moongel verpasst. Beginnen wir mit der 14“x5“ Snare. Die Obertöne des Birkenholzkessels sind nicht übermäßig stark ausgeprägt und fügen dem verhältnismäßig weichen Sound der Trommel ein angenehmes, unaufdringliches „Singen“ hinzu. Es fehlt mir aber ein wenig der Biss, und auch die Teppichansprache könnte etwas artikulierter sein. Insgesamt ein Sound, der funktioniert, aber wenig Charakter besitzt und für keinen „Wow“-Effekt sorgt. Da spricht die Bass Drum eine ganz andere Sprache. Erstaunlich, was für ein Volumen diese kleine Wumme erzeugen kann. 18 Zoll große Bass Drums sind ja nun nicht gerade prädestiniert für rockige Klänge, aber mit dieser, an Remos Powerstroke 3 angelehnten, Fellbestückung und lockerer Fellspannung geht es schon ordentlich tief runter. Wem der Attack mit dem Filzschlägel – den ich im Soundfile benutzt habe – zu weich ist, der dreht den Klöppel einfach um, und schon gibt es ein wenig mehr „Klick“ beim Anschlag. In den folgenden Soundfiles ist die Snare einmal ungedämpft solo und mit leichter Dämpfung im Groove zu hören.

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Snare ungedämpft solo – Low-Mid Tuning Kick & Snare Groove – Low-Mid Tuning

Eine ähnlich satt-weiche Klangcharakteristik wie die Bass Drum zeichnet auch die Toms aus, die sich im tief-mittleren Tuning pudelwohl fühlen. Der Attack integriert sich durch die beschichteten Fellen eher in den Gesamtsound als dass er sich absetzt, was in einem leicht dunklen, „vintage“ Sound resultiert. Im Vergleich der beiden Toms produziert das 14er, obwohl es nicht frei schwingend befestigt ist, sogar etwas mehr Sustain als das Racktom und erreicht dabei fast schon die klanglichen Gefilde einer 16“x16“ Trommel. 

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Toms im Low-Mid Tuning Tom-Groove im Low-Mid Tuning

Hohes Tuning mit kleinen Schwächen

Nachdem die Silverstar Trommeln in der tiefen Stimmung fast durchweg überzeugen konnten, geht es nun in ein hohes Tuning – schließlich bezeichnet Tama diese Trommelkombination ja als Jazz Set. Die Snare entwickelt in dieser Stimmung ausgeprägtere Obertöne und reagiert etwas sensibler auf leichte Anschläge, lässt aber auch hier einen gewissen Druck vermissen und klingt zudem deutlich flacher als in der tieferen Stimmung. Mit den vorgedämpften Fellen auf der Bass Drum ist es schwer möglich, einen wirklich jazzigen Sound zu erreichen, aber auch mit der Werksbestückung kann man die Trommel zumindest in diese Richtung trimmen. Mit geschlossenem Frontfell bekommt der weiche Klang im hohen Tuning einen deutlich tonalen Charakter und verschmilzt schön mit den Klängen der Toms.

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Snare ungedämpft solo im High Tuning Bass-Snare Groove im High Tuning

Das Floortom büßt auch bei härterer Fellspannung nichts von seinem langen Sustain sowie seiner Klangfülle ein, so dass man dieser Trommel einen großen Stimmbereich bescheinigen kann. Im direkten Vergleich reicht das 12“x8“ Tom da nicht ganz heran und macht, bevor es in extreme, Bebop-artige Höhenregionen à la Elvin Jones geht, irgendwann dicht. Während des Tests fällt mir übrigens auf, dass die aufgezogenen Felle sich weicher spielen und nachgiebiger sind als vergleichbare Markenprodukte wie zum Beispiel Remo Ambassador. Trotzdem überstehen sie den Test beulenfrei, was auf eine zumindest ordentliche Qualität schließen lässt.

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Toms im High Tuning Tom-Groove im High Tuning Rimclick-Groove im High Tuning

Die Tama Hardware: immer noch ein Synonym für Qualität

An der Qualität des mitgelieferten Hardware-Paketes HB5W gibt es absolut nichts zu meckern. Alle Teile sind gut verchromt und bieten durch die doppelstrebige Konstruktion und dicke Gummifüße eine gute Standfestigkeit. Die Hi-Hat-Maschine läuft leichtgängig und bietet die Möglichkeit, die Federspannung mit einem Handgriff zu variieren. Auch die Fußmaschine mit Power Glide Kraftübertragung erledigt ihren Job geräuscharm und zuverlässig. Die stufenlose Einstellmöglichkeit der Winkel von Becken und Snaredrum sowie die Möglichkeit, den Snare-Korb separat zu drehen, erleichtern den Aufbau extrem, und durch die variablen Beckenständer kann man sich problemlos an unterschiedliche Platzverhältnisse auf der Bühne oder im Proberaum anpassen.

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Profilbild von Marc Steinfeld

Marc Steinfeld sagt:

#1 - 03.12.2022 um 11:16 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Hallo allerseits, habt ihr vielleicht ein Tipp wie man das 12er Tom im Tuning nach oben hin erweitern kann? Wären vielleicht andere Spannreifen, ’ne Option ? Oder gibt der Kessel das einfach nicht her, egal, was man versucht zu ändern. Ein Jazz Kit, das keine Jazzigen Töne hervorbringt, ist, ja schone ’ne Ironie? Was ist eure Meinung ? Liebe Grüsse, Marc Steinfeld

Profilbild von Marc

Marc sagt:

#2 - 08.12.2022 um 11:16 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Netter Kontakt. Schneller Versand, gerne wieder. Alles bestens. :) Liebe Grüße Marc

Kommentare vorhanden
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