Squarp Instruments Hermod Test

Praxis

Erste Schritte

Der Hermod macht es einem nicht leicht, Freundschaft mit ihm zu schließen. Das liegt im Positiven an der immensen Funktionsdichte und Tiefe, im Negativen an dem – in Anbetracht der Möglichkeiten – sehr rudimentären Interface, bestehend aus dem Push-Rotary-Encoder, den sechzehn Tastern und dem sehr kleinen Display. Man fühlt sich hier nicht selten, wie beim Programmieren eines digitalen Reiseweckers. Das weiß man offenkundig auch bei Squarp Instruments und hat dem Hermod ein wirklich gutes Manual spendiert, das auf der Hompage des Herstellers sowohl als PDF, wie auch als Online-Dokument zur Verfügung steht.
Es empfiehlt sich dringend, das Quickstart-Manual genau durchzuarbeiten, denn sonst bekommt man beim Hermod keinen Fuß auf den Boden – respektive keine Sequenzen ans Laufen. Dass dem so ist, liegt vornehmlich daran, dass sich viele Bedienschritte aufgrund der wenigen Tasten, nur über Kombinationen aufrufen lassen: Um beispielsweise die Modulationsmatrix der CV-Eingänge zu erreichen gilt es, drei Tasten gleichzeitig zu drücken: „Effect“ plus „Y“ plus die Zahl des entsprechenden Eingangs.
Ruft man eine Unterfunktion der vier Basis-Kategorien „Step, Effects, Track und Sequence“ auf, gilt es zudem, die Kategorie-Taste gedrückt zu halten während man mit dem Encoder und den anderen Tasten rumfuhrwerkt. Das ist – vergleicht man es mit dem Komfort moderner Audio-Apps – irgendwie so gar nicht 2018. Auf der anderen Seite befördert es den Benutzer unweigerlich in eine sehr Hardware-nahe, abstrakte Arbeitsweise, die einen zu Ergebnissen bringt, die man auf regulärem Weg vielleicht nicht erreichen würde.

Organisation

Das strukturierende Ordnungsprinzip im Hermod ist die Spur. Acht Spuren sind möglich. Wichtig dabei: Jede Spur ist flexibel initialisierbar – ein oder mehrstimmig, mit oder ohne Anschlagsdynamik, oder auch als Modulationsspur. Der Hermod assistiert hierbei, indem er die CV/Gate-Ausgänge automatisch sinnvoll belegt. Hier liegt die intellektuell vielleicht größte Hürde, die man bei der Bedienung des Hermod zu nehmen hat – nämlich das gedankliche (und praktische) Splitten von CV/Gate-Informationen auf die acht verschiedenen Ports. Ein kleines bisschen Unterstützung erhält man durch das Display, welches automatisch Spuren-Parameter und zugewiesene Ports anzeigt.

Fotostrecke: 2 Bilder Wenn man es zu deuten weiß, kann man am Display ablesen, wie die Spuren belegt sind. (Foto: Numinos)
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Jede dieser Spuren kann dann mit maximal acht kaskadierenden Effekten belegt werden. Jede Spur kann ein Pattern (Noten/Modulation) enthalten, das sich wahlweise im Step- oder Realtime-Modus programmieren lässt. Die Anzahl der Steps ist dabei frei zwischen 1 und 64 (entspricht 8 Bars) wählbar. Eine solche Zusammenstellung aus Spuren, Effekten und Pattern bildet eine Sequenz. Acht Sequenzen ergeben ein Projekt, von dem sich beliebig viele auf der SD-Karte speichern lassen. 

Programmierung

Grundsätzlich bietet der Hermod drei Wege, Noten und Modulationen zu programmieren: Entweder der Step-Modus, eine Kombination aus Step-Modus und Controller/Keyboard-Eingabe und die Echtzeit-Aufnahme. Für die beiden letztgenannten Optionen braucht es natürlich einen MIDI- oder USB-MIDI-Controller, der wahlweise am DIN- oder USB-Port angeschlossen ist. Der Hermod unterstützt zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine Vielzahl von Controller-Keyboards (u. a. von Arturia, Korg, MIDItech, Novation und Roland), die direkt an den USB-Port angeschlossen werden können.
Sämtliche Eingaben (Noten/Modulationen/Gate) werden im Display durch eine geradezu als niedlich zu bezeichnende Pianoroll- respektive Wellenformdarstellung visualisiert. Trotzdem wollte mir während des gesamten Tests das Wechselspiel aus Encoder, Step- und Funktions-Tastern nicht wirklich in Fleisch und Blut übergehen – es fühlt sich einfach „fummelig“ an. Wesentlich wohler fühlte ich mich mit dem Hybrid-Modus: Hier selektiert man den gewünschten Step am Nummernfeld und spielt gleichzeitig die Note über das angeschlossene Keyboard. Gleiches gilt übrigens auch für das Aufzeichnen von Modulationsdaten.
Taucht man in das Menü des Step-Modus ab, findet sich dort, neben Kopier- und Einfügeoptionen, auch ein Zufallsgenerator, der sowohl auf Noten, Länge, Anschlagsstärke, wie auch auf Modulationsdaten wirken kann. Das alles wird flankiert von einem mächtigen „Randomizer“, der auf so ziemlich jeden Parameter wirken kann: Tonhöhe, Dauer, Modulationen – ja ganze Pattern kann man vom Zufall generieren lassen.

Fotostrecke: 2 Bilder Fast schon niedlich: Die Pianoroll-Darstellung im Display. (Foto: Numinos)
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Effekte

Ein zentrales Feature des Hermod ist die Echtzeit-Effektsektion mit acht frei belegbaren Slots pro Track. Alle acht Slots können dabei gleichzeitig aktiviert sein, wobei sich die Effekte in ihrer Reihenfolge kaskadieren: Liegt beispielsweise der Harmonizer vor dem Zufallsgenerator, entstehen andere Figuren als umgekehrt. Jeder Slot kann über die Nummerntasten im laufenden Betrieb abgefeuert werden. Hören wir mal in ein paar Effekt-Kombinationen rein.

Audiobeispiele

Audio Samples
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Arpeggiator und Glide Arpeggiator und Swing Delay und Random

Der erste Slot ist fest für das MIDI-Modul reserviert. Es dient unter anderem der metrischen Quantisierung und Filterung von Noten und Modulationsdaten.

  • MIDI
  • Arpeggiator – komplexer Arpeggiator mit verschiedenen Laufrichtungen, Metrum und Oktavabstand.
  • Chance – Zufallsgenerator, der parametrisch auf die Wahrscheinlichkeit von gespielten Noten wirkt.
  • Delay – simuliert einen Delay-Effekt durch das metrische Wiederholen von Noten.
  • Euclid – Algorithmus, der rhythmische Figur-Variationen erzeugt.
  • LFO – Mächtiger, Wavetable-basierter LFO mit u.a. wählbarer Wellenform, Schwingungsrate, Synchronisation und Ziel.
  • Glide/smooth – Erzeugt einen Glide-Effekt zwischen den Noten.
  • Harmonizer – addiert bis zu vier Stimmen in wählbarem Intervallabstand.
  • Output – Gibt Noten und Controller-Daten auf einem wählbaren Ausgang aus. (Womit sich die Effekte auch extern nutzen lassen).
  • Random – Zufallsgenerator, der auf Tonhöhe, Anschlagsstärke und Oktavlage wirken kann.
  • Ratchet – Ein „Gater“-Effekt mit wählbarem Metrum und Gate-Länge.
  • Scale – Tonhöhenkorrektur mit verschiedenen Skalen und Grundtönen.
  • Swing – „verschleppt“ Noten mit wählbarer Stärke und Metrum.

Allein die Effektsektion ist ein solches Multifunktionswerkzeug, dass sie für sich genommen bereits den Kauf des Hermod rechtfertigen kann. Auch deshalb, weil die Effekte dank des MIDI-Out (MIDI/USB) auch jenseits der modularen Welt zum Einsatz gebracht werden können. Besonders hier wird es dann auch interessant, dass alle Klangverbieger auch polyphon betrieben werden können. Spätestens wenn man in einer Performance die Effekte zielgerichtet und schnell abfeuern möchte, merkt man, dass man den Hermod möglichst in eine Ecke des Racks packen sollte, wo wenig Patch-Kabel über ihn hinwegbaumeln – also bevorzugt die linke obere Ecke.

Fotostrecke: 2 Bilder Ableton Live erkennt das MIDI-Interface des Hermod ohne Probleme. (Foto: Numinos)
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Drum und Dran

Wechselt man mit der entsprechenden Taste in den Sequenzer-Modus, hat man zunächst einmal die Wahl, ob neue Sequenzen nach deren Ende, sofort (unter Beibehaltung des Metrums), oder durch einen Sprung an den Anfang gewechselt werden sollen. Das Display informiert in diesem Modus, in Form fortschreitender Balken, über die Loop-Länge der Sequenzen innerhalb der acht Tracks. Zudem lassen sich maximal acht Sequenzen in eine feste Abfolge bringen und bilden damit einen „Song“.
Ist man mit seinem „Werk“, respektive dem Szenario, das man erstellt hat, zufrieden, kann es im Projekt-Manager-Menü mit einem Namen versehen, und auf SD-Karte gespeichert werden. Auf der einen Seite praktisch: Die Autoload-Funktion, die automatisch das letzte gespeicherte Projekt lädt. Auf der anderen Seite unpraktisch, dass sich kein bestimmtes Projekt als Autoload definieren lässt. Denn das böte die Möglichkeit, sich ein Standard-Setup zurecht zu basteln, das bei jedem Neustart automatisch im Speicher landet.
Keine Wünsche offen bleiben dagegen im Bereich der Synchronisation, denn der Hermod kann auf alle erdenklichen Wegen (USB, MIDI, CV), wahlweise als Master oder Slave agieren. Gerade für die analoge Synchronisation hilfreich: Sämtliche CV-Eingänge (A-D) können als Clock-Quelle definiert werden. Agiert der Hermod als Master, kann das Clock-Signal auf jede der acht Gate-Buchsen adressiert werden. Das Signal selber kann sowohl im Sende- wie auch Empfangsbetrieb metrisch geteilt werden.

Video: Squarp Instruments Hermod Sound Demo (no talking)

Themenschritte innerhalb des Videos:

  • 00:00 – Realtime-Recording
  • 00:10 – Step-Recording
  • 00:33 – Modulation-Recording
  • 01:07 – Effects
  • 02:17 – Randomizer
  • 02:53 – USB Midi to CV/Gate Note- and Modulation-Control
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