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Spitfire Audio Hammers Test

Autor: Sebastian Oswald

Tel.: 0176/64000539

 

TEASER

Spitfire Audio veröffentlicht „Hammers“.

 

AUTOTEXT

Spitfire veröffentlicht in Zusammenarbeit mit Charlie Clouser das Percussion-VST „Hammers“.

 

Ü1  Kurztest

Ü2 Virtual Instrument

Ü3 

INTRO

Spitfire ist bekannt dafür, Kollaborationen mit Musikern einzugehen. In der Vergangenheit waren bereits Hans Zimmer, Olafur Arnalds oder Eric Whitacre mit an Bord. Für „Hammers“ hat sich die Sample-Manufaktur aus London nun Charlie Clouser ins Boot geholt, Filmmusikkomponist der Saw-Reihe und ehemaliger Keyboarder und Co-Produzent von Nine Inch Nails. „Hammers“ ist ein Instrument für Percussion im aktuellen Filmmusikgewand – also groß, krachend und eher hybrid als streng symphonisch. Um diesen Sound, mit harten Attacks und detailliertem Low-End, herzustellen, wurde in Charlies eigenem Studio, einem brutalistischen Aufnahmeraum, der sich durch knapp 10 Meter hohe Decken und Baumaterialien wie Beton, Stahl und Glas auszeichnet, aufgenommen. Was dabei herausgekommen ist und was sich mit dem Ergebnis anfangen lässt, stellen wir im Kurztest vor.

[Bild 1]

Spitfire + Charlie Clouser = „Hammers“

 

DETAILS

Download und Installation

Download und Installation laufen über die Spitfire App. Der Prozess – Produkt auswählen, auf installieren klicken, Dateipfad wählen, abwarten – ist zwar denkbar einfach, kann bei 100 GB aber einen Moment dauern. Registrieren muss man sich anschließend nicht, denn Hammers ist keine Kontakt-Library, sondern ein eigenständiges Instrument.

 

Das GUI und seine Fenster

Das GUI ist aus verschiedenen Gründen sympathisch: Es ist groß, enthält nicht zu viele Informationen auf einmal und ist klar gegliedert. Im Groben besteht es aus einer oberen und einer unteren Hälfte. Die obere Hälfte ist unveränderlich und enthält neben einem schmalen Menü mit Basiseinstellungen und -informationen (Memory, MIDI Channel, Tune, Pan etc.) zwei Fader für Expression und Dynamics sowie einen großen Knob, der sich mit bis zu fünf verschiedenen Effekten belegen lässt.

Die untere Bildschirmhälfte ist variabel. Es gibt drei Sektionen, zwischen denen sich wechseln lässt: Artikulationen, Mixer und FX.

 

Artikulationen

Die Artikulationen der einzelnen Drums wechseln von Fall zu Fall. Dabei gibt es sowohl unterschiedliche Sticks (Sticks, Roller, Brushes) als auch die Option, zwischen ein, zwei, oder vier Spielern zu wählen. Für alle Instrumente gibt es fünf Loopabteilungen in den Tempi 70, 90, 110, 130 und 150 Bpm und es gibt sie alle auch noch einmal in Warp-Form, durch verschiedene Effekte gejagt. Ebenfalls im Artikulationsfenster befinden sich die Einstellungsmöglichkeiten für RR-Verhalten, Trigger, Transposition etc.

[Bild 2]

Schön groß, schön übersichtlich, schön alles; das GUI von Hammers

 

Mixer

Der Mixer stellt bis zu elf verschiedene Signale zur Verfügung. Grundsätzlich gliedern sie sich in drei Mixe und drei Mikrofonsignale. Die restlichen Signale sind teils variabel und beinhalten spezielle Mikrofonierungen einzelner Instrumente (z. B. der resonierenden Rückwand der Bassdrum) sowie prozessierte FX-Mixe, bei denen ein oder mehr Mikrofonsignale mehr oder minder brachial bearbeitet wurden – z. B. der OV Pitch Mix, bei dem die Overheads heruntergepitcht wurden. Alle Signale lassen sich stufenlos mischen, sodass beim Sounddesign keine Wünsche offenbleiben sollten.

[Bild 3]

Das sollte erstmal reichen: Hammers Mixer mit bis zu elf Signalen

 

FX

FX stellt noch einmal die fünf zur Verfügung stehenden Effekte dar: 

Reverb, Low Pass Filter, Reverse, Compress und Normalise.

[Bild 4]

Nicht zwingend notwendig, aber bestimmt nett gemeint: die FX-Ansicht von Hammers

 

PRAXIS

Das Angebot und wie es klingt

Ich öffne Hammers und als Erstes fällt mir auf, dass das Angebot relativ übersichtlich ist. Acht Instrumente warten auf mich: Bass Drums, Surdos, Toms, Rototoms, Frame Drums, Snares, Darbukas, Scrap. Zu jedem Instrument gibt es drei Patches; die reinen Artikulationen, Loops und Warps. Klanglich beeindruckt „Hammers“ von Anfang an. Bei entsprechender Volume ist es problemlos möglich, mit einer maximal angeschlagenen Surdo den Wandschrank im Nebenzimmer ins Wanken zu kriegen. Es knallt wirklich gewaltig. Alle Percussions klingen wortwörtlich nach großem, krachendem Kino, nicht nach symphonischer Percussion.

 

Mapping und Mikros

Smart und praktisch ist auch das Mapping. Hits, Rolls, Rims etc. liegen immer auf denselben Tasten. Bedeutet für die Praxis: Ist die Performance einmal in Stein gehauen, kann man sie sich in allen verfügbaren Instrumenten anhören. Dasselbe gilt für die Loops. Diese sind sowohl vollständig als auch in jeweils zwei Takte geschnitten und immer auf dieselben Tasten gelegt. So lassen sich Ideen problemlos mit allen Instrumenten testen.

Außerdem herrlich: Mit Klick auf das Stiftsymbol rechts über den Artikulationen lassen sich alle Artikulationen, Loops und Warps eines Instruments frei in dasselbe Patch laden, was unter Umständen reichlich Instanzen spart.

Die Signale klingen wie gesagt fantastisch, und das gilt für alle neun bis elf Signale, je nach Instrument. Zum Zweck dieses Tests verschaffe ich mir lediglich einen kurzen Eindruck. Dieser reicht aber aus, um abzuschätzen zu können, dass der Großteil der Klanggestaltung in Produktionen mit den verschiedenen Signalen erledigt werden kann, bevor man überhaupt einen einzigen Effekt anwerfen muss.

 

Audio 1

Audio 2

Audio 3

Audio 4

 

Hammers: Percussion Solo

Hammers: Percussion à 4

Hammers: Toms – Rollers

Hammers: Frame Drums – Brushes

 

The Knob und FX

Der dicke Drehregler in der oberen Bildschirmhälfte ist äußerst praktisch und liegt zudem gut in der Hand. Per Klick in seine Mitte wird er aktiviert und schon tauchen auf der rechten Seite die zur Verfügung stehenden FX auf. Reverb, LFO, Kompressor – alles gleichermaßen praktisch. Am meisten interessiert mich allerdings Reverse, zum einen wegen der Loops, zum anderen möchte ich wissen, was passiert, wenn ich Reverse rein- und rausfahre, während ein Loop abgespielt wird. Ich scheitere allerdings erst einmal an der Aktivierung, denn was ich auch tue, Reverse bleibt grau schraffiert und lässt sich nicht anwählen. Schließlich wähle ich in der oberen schmalen Menüleiste die drei Punkte ganz rechts neben dem Zahnrad an, und siehe da: Ein Menü öffnet sich, dessen unterster Punkt „enable Reverse“ lautet. Diese Umständlichkeit ist bis jetzt die einzige Einbuße von „Hammers“. Wieso muss ich das gesondert aktivieren? Und wieso bei jedem geladenen Instrument aufs Neue? Und wieso sagt einem das vorher keiner? Nervig, aber sei’s drum.

Das klangliche Ergebnis ist jedenfalls spektakulär und entspricht voll meinen Erwartungen: Ich kann mit Reverse wild in einem Loop herumfahren, der sich, während er stoisch weiterläuft, den jeweils aktuellen Einstellungen anpasst. Damit lassen sich herrliche Sachen anstellen und allein dieses Feature lohnt schon das komplette Instrument.

 

Loops und Warp

Da Loops und Warp nach vier verschiedenen Bpm-Zahlen sortiert sind, hatte ich kurz Sorge, ob die Loops dann auch nur in diesen Tempi funktionieren, manchmal erlebt man da ja noch unangenehme Überraschungen. Aber nein, die Loops passen sich per Timestretching natürlich dem Host-Tempo an, und solange man sich nicht übermäßig weit vom Ausgangstempo entfernt, kann man das klangliche Ergebnis bedenkenlos durchwinken. Auch die Loops klingen super – groß, fett, satt. Und wem das alles noch zu normal ist, dürfte spätestens mit den Warps glücklich werden. Natürlich sind Loops ein endloses Thema; man wünscht sich immer noch mehr. Und wenn ich eine Sache bedaure, dann, dass alle Loops im Viervierteltakt stehen. Alles andere gibt es nicht und das ist wirklich schade. Aber andererseits entspricht Vierviertel natürlich dem, was am meisten gebraucht wird. Dafür noch ein Pro auf der anderen Seite: die Loops sind nicht programmiert, sondern live eingehämmert. Stichwort hämmern; obwohl das Instrument „Hammers“ heißt, konnte ich im Arsenal nicht einen einzigen Hammer ausmachen. Aber vielleicht hat Charlie ja die ein oder andere Trommel mit einem Hammer bearbeitet?

 

Audio 5

Audio 6

Audio 7

Audio 8

Audio 9

 

Hammers: Loops 150 bpm

Hammers: Loops 70 bpm

Hammers: Loops Warped 90 bpm

Hammers: Loops Warped 110 bpm

Hammers: Loops Warped Reverse 110 bpm 

 

FAZIT

Spitfire Audios „Hammers” ist eine mächtige Waffe, wenn man im Bereich der großen cineastischen Percussion unterwegs ist und es dort schnell gehen soll. Die Handhabung ist gleichermaßen einfach wie effektiv, das klangliche Ergebnis erstklassig und die Reverse-Funktion ein echtes Ass. Das Angebot der Instrumente ist zwar vergleichsweise limitiert, aber da alles so gut klingt, braucht man gar nicht viel. Wer also demnächst mal wieder eine Trailermusik anrührt oder ein Game zu vertonen hat, sollte Hammers definitiv auschecken – vor allem zu diesem Preis.

 

PRO

Sensationeller Klang

Bis zu elf mischbare Signale

Reverse-Funktion

Etliche hochqualitative Loops

Loops auch in editierter, gewarpter Form vorhanden

Produktionsfertige Sounds

Preiswert

 

CONTRA

Kein Contra

 

FEATURES

Elf Mikrofonsignale

Loops

Warped Loops

Fünf FX

1060 Sounds auf 100GB

Acht Instrumente (Instrumentengruppen)

Frei editierbare Patches innerhalb einer Instrumentengruppe

 

Systemanforderungen

Mac OSX 10.10 – Mac OS 11 

Minimum: 2.8 GHz i5 minimum (quad-core), 8 GB RAM. 

Empfohlen: 2.8 GHz I7 (six-core), 16 GB RAM. 

Intel und M1 Macs unterstützt

64-bit DAW benötigt (32-bit-DAWs werden nicht unterstützt) 

 

Windows 7, Windows 8, oder Windows 10 (latest Service Pack, 64-bit) 

Minimum: Intel 2.8 GHz i5 (quad-core) or AMD Ryzen 5. 

Empfohlen: Intel 2.8 GHz i7 (six-core) or AMD R7 2700. 

 

Internet während der Installation benötigt.

 

Preis: 299,- €

 

5/5

Unser Fazit:

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von Bonedo Archiv

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