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Sonarworks Reference 3 Speaker + Headphone Calibration Bundle Test

Praxis

Durchführung der Kalibrierung

Die Vorgehensweise, um mit Sonarworks’ Reference 3 seine Abhöre zu optimieren, ist folgende: Von der Website wird das Softwarepaket geladen und per Challenge-Response freigeschaltet. Sehr gut: Das Messmikro selbst ist mit einem Code ausgestattet, mit dessen Hilfe man sich eine kleine Kalibrierungsdatei herunterladen kann. Dadurch werden etwaige Ungenauigkeiten des zugegebenermaßen nicht gerade edlen XREF 20 ausgeglichen. Das ist eine schlaue, einfache Lösung. Es folgt die Erkennung von linker und rechter Box sowie von Abständen der Boxen zueinander und der Lautsprecherbasis zum Hörort. Dies geschieht mit Impulsen in kurzer Abfolge, das System kann Positionen des Mikrofons ja anhand von Laufzeiten erkennen.

Das Mikrofon, das für die Korrektur verwendet wird, wird zuvor selbst noch korrigiert. Klingt umständlich, ist aber sinnvoll.
Das Mikrofon, das für die Korrektur verwendet wird, wird zuvor selbst noch korrigiert. Klingt umständlich, ist aber sinnvoll.

Der eigentliche Messvorgang erfolgt dadurch, dass die Sonarworks-Software Mikrofonpositionen vorgibt und nach deren Erreichen einen kurzen Sweep abspielt. Das dauert etwa 10 Minuten. Ist die Arbeit getan, kann man das entstandene File benennen und speichern. Ich habe teilweise Lautsprecher extra schön blöd aufgestellt und bei meinem Aktivsystem die im Class-D-Modul hinterlegten notwendigen Filter verändert und dergleichen – einfach um zu sehen, wie Sonarworks Reference 3 darauf reagiert.  

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Nutzung in der DAW

Das Einbinden in die DAW ist ein Kinderspiel, das Laden von Files auch. Der erste Eindruck nach der Aktivierung kann etwas enttäuschen, denn es ist durchaus möglich, dass das Plug-In den Pegel stark absenkt. Technisch ist das absolut sinnvoll und auch wirklich korrekt. Manche Plug-Ins schlagen ja schon beim Insertieren ein wenig Pegel auf, damit man sie „besser“ findet. Ein A/B-Vergleich wird dadurch etwas schwieriger, doch ein wenig kann man mit einem kleinen Schieberegler ausgleichen. Sehr sinnvoll sind die „Calibration Limit Controls“, mit denen der Einfluss auf die absoluten Höhen und den Bass eingeschränkt werden kann. Es tat meinen Abhören durchaus gut, die tiefsten Frequenzen unangetastet zu lassen.  

Fotostrecke: 4 Bilder Ist der Einmessvorgang durchgeführt, gibt es eine Meldung – und ein File, das man speichern sollte.
Fotostrecke

Bei meinen Abhören hatte ich immer das Gefühl, dass die Software es etwas zu gut meint. Das hat natürlich auch etwas mit Gewöhnung zu tun, doch die „verstellte“ Filterung an meinem Hypex-Endstufenmodul wurde einigermaßen treffend zurückgenommen. Es erscheint sinnvoll, die Phasenlage so gut wie möglich mit zu korrigieren, doch nicht nur für Recording-, sondern auch für viele Editingarbeiten ist die zusätzliche Latenz oftmals deutlich zu hoch für angenehmes Arbeiten. Bei 44,1 kHz wurden bei mir im „Linear“-Modus über 60 Millisekunden angezeigt. „Min“ waren zum Glück nur 1,13 ms, im gut austarierten „Mixed“-Modus aber immerhin schon gut 20 ms.
Interessant ist, dass sich die Wiedergabe an der Hörposition verbessert, aber auch genau daraufhin optimiert wurde. Ob nun mit Laufzeitausgleich für die beiden Lautsprecher oder nicht – andere Positionen leiden deutlich. Wenn also jemand gerne vom „Produzentensofa“ zwei Meter weiter hinten zuhört, wird es sehr wahrscheinlich sein, dass er ein schlechteres Klangerlebnis haben wird. Aber sind wir mal ehrlich: Hauptabnehmer werden typische Homerecording-Producer sein.

Gar nicht mal so schlecht: Simulierung

Nett ist die Möglichkeit der Simulation, beispielsweise von „Japanese white cone Studio monitors“, wie die Yamaha NS-10 aus Copyrightgründen etwas ungelenk genannt werden. Nun, es sind Simulationen, aber praktisch und lehrreich ist das allemal. Klar sollte aber sein: Aus einem preiswerten Nahfeldmonitor wird man keine große PMC-, Barefoot- oder B&W-Anlage zaubern können. Und ein wenig mager ist die Auswahl noch. Zumindest kleine Klassiker sollten weitere wählbar sein, wie ich finde.

Headphones

Kopfhörerklang lässt sich nicht mit akustischen Mitteln verändern, wie das bei Lautsprechern im Raum machbar ist. Nun ist die Veränderung des dem Hörer zugeleiteten Signals sicher nicht der Weisheit letzter Schluss (sonst hätten wir schon häufiger Headphones mit DSP-Systemen gesehen), doch manchen Hörern muss man durchaus attestieren, dass sie ein wenig ausgewogener klingen. Allerdings verlieren sie dadurch manchmal auch gewohnte Eigenschaften. Der Audio-Technica ATH-R70x beispielsweise verliert ein wenig von seiner Unaufgeregtheit, ein wenig leidet die Schnelligkeit und Detailschärfe. Im Bass wird er mir ein wenig zu voll und etwas schwammig. Glücklicherweise kann man mit Dry/Wet aber regeln, wie viel Änderung man möchte – beim R70x habe ich das Sonarworks-Plug aber wieder aus dem Bus entfernt. Der AKG 240 bekam einen komplett anderen Charakter – was ich aber gar nicht so schlimm fand, sondern durchaus besser damit arbeiten konnte. Viele meiner weiteren Kopfhörer gab es nicht unter den Standard-Files, darunter Beyerdynamic DT-150 und Beyerdynamic Custom One. Auch Hi-Fi-Kopfhörer wie den Koss Porta Pro, Soundmagic E50C und E80C, Apples Earbuds oder auch den Urbanears Plattan. Dass mein Stax 2170 nicht unter den Kandidaten war, verwunderte mich aber nicht. Was das System leider nicht berücksichtigen kann, ist die Wiedergabekette: An hochwertigen Kopfhörerausgängen wie dem des Merging Technologies HAPI oder des Lavry DA11 klingen alle Phones deutlich besser als beispielsweise an einem keinen USB-Audiointerface der Budgetklasse.  

Die Kopfhörerkorrektur erfolgt ohne Mikro und mit festen Korrekturdateien.
Die Kopfhörerkorrektur erfolgt ohne Mikro und mit festen Korrekturdateien.

Überraschungen beim Mixdown

Natürlich muss man darauf achten, die Veränderung der Abhörsituation nicht mitzurendern, wenn man einen Mixdown bounct. Wenn die DAW es zulässt, sollte man also das Plug-In nur in den Abhörbus setzen. Noch besser, wenn es die Möglichkeit gibt, HP- und Monitoring-Outputs mit getrennten Sonarworks-Plug-Ins zu betreiben. Und da sind noch weitere konzeptionelle Probleme: Wer häufig zwischen Main- und Alt-Monitoren umschaltet, oder sogar mit drei verschiedenen Monitortypen arbeitet, bekommt ein Ergonomieproblem. Mit dem Umschalten am Monitorcontroller oder Mischpult ist es nämlich nicht getan, weil die kleinen Auratones mit der Korrekturkurve von Adam P11 sicher nicht so toll klingen werden. Außerdem: Will man mal eben etwas über ein weiteres Programm abhören, etwa mit iTunes oder auch mit einem Hardware-Zuspieler oder einer direkt gestöpselten Workstation, dann geschieht das in jedem Fall unkorrigiert – da Reference 3 ausschließlich als Plug-In in den genannten Formaten funktioniert.

Lohnt sich die Investition in ein Einmessystem?

Es stellt sich natürlich die Frage, ob es sinnvoll ist, den Betrag für ein derartiges Bundle auf den Tisch zu legen. Vielleicht ist das Geld ja für qualitativ hochwertige Lautsprecher besser angelegt. Nun, für dreihundert Euro mehr bekommt man geringfügig bessere Studiomonitore, aber das wird kein Quantensprung sein. Raumakustik für diesen Preis kann einiges verbessern, aber auch nicht in besonders hoher Komplexität. Ich sehe Sonarworks’ Potential dort, wo eine bestehende Abhöre weiter optimiert werden soll, nachdem die bestmögliche Aufstellung, die Arbeit mit möglichen Filtereinstellungen der Monitore selbst sowie die einfach durchzuführenden Akustikmaßnahmen bereits durchgeführt wurden. An neue Lautsprecher muss man sich schließlich meist erst lange gewöhnen.  

Kommentieren
Profilbild von Rob

Rob sagt:

#1 - 24.06.2017 um 08:50 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Es ist mir unbegreiflich, dass eine Software die äußerst professionell sein will keine ASIO Schnittstelle unterstützt welches mit die wichtigste Schnittstelle im profesionellen Audiobereich ist. Noch mehr fehlt mir das Verständnis dafür, dass diese Tatsache im Testbericht keine Erwähnung findent.

    Profilbild von Nick (Redaktion Recording)

    Nick (Redaktion Recording) sagt:

    #1.1 - 26.06.2017 um 12:09 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hi Rob,ja, die Routine durchgeführt wurde tatsächlich nur mit Core. Wenn man sich die Diskussionen zum Thema ansieht, sind ja auch die Kundenkommunikation bzgl. ASIO und lange Vertröstung das Problem gewesen. Ob das Systemwide-Upgrade (https://www.bonedo.de/artik..., kostenpflichtig) alleine ausreicht, sei mal dahingestellt. Aber ich gebe Dir Recht, das hätte durchaus zur Sprache kommen sollen im Review. Wir beobachten das aber weiter, bei einer großen Änderung versuchen wir, das ganze plattformübergreifend zu betrachten. Eine Berücksichtigung von weiteren Systemen (Linux…), wie manchmal schon angefragt, wird aber auch dann eher nicht möglich sein.Beste Grüße,
    Nick

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