Sequential auf Sparkurs: Sequential Fourm soll quasi als Mini-Prophet eine neue Synthesizer-Klientel ansprechen und auch erfahrene Producer erreichen, die auf den Preis schauen und bei der Qualität nichts einbüßen wollen. Anders als Behringer imitiert sich der namhafte Hersteller aus Kalifornien selber und rundet die Synthesizer-Linie bewusst nach unten ab. Ähnliches kennen wir schon von zwei anderen renommierten US-Firmen: Moog Messenger und Oberheim TEO-5 sind aktuelle Beispiele.

- Mini-Keyboard mit Poly-AT
- Solider Prophet-Klang
- Sehr robuste Hardware
- Intuitive Bedienung
- Einfache Modulationsmatrix
- Step/Modulation-Seq
- Vier Stimmen
- Keine internen Effekte
- Keine Pad-Maschine

Den Namen „Fourm“ dürfte Sequential nicht einfach gewürfelt haben. Nach meiner Interpretation stecken zwei wichtige Elemente in dieser Bezeichnung: Vier Stimmen für die analoge Klangerzeugung sowie der besondere Form-Faktor – der Fourm ist ein ausgesprochen handliches PerFOURMance-Instrument, das ins Reisegepäck passt.
Sequential Fourm Test: Inhalt
- Prophet-5 minus 1 – oder welches Konzept verfolgt der Sequential Fourm?
- Wie ist die Klangerzeugung des Sequential Fourm aufgebaut?
- Praktischer Mehrwert durch Modulation?
- Arpeggiator und Step-Sequenzer im Fourm kombiniert – was können sie?
- Anschlüsse des Fourm – Alles vorhanden?
- Ist der Sequential Fourm einfach zu bedienen?
- Die Editor-Software von Soundtower ist nur optional erhältlich
- Mini-Tastatur mit Poly-AT: überraschend gut!
- Klingt der Sequential Fourm nach Prophet?
- Prophet-Duell unter 1.000 Euro: Sequential Fourm und Behringer Pro-800
- Das sind die Alternativen zum Sequential Fourm
- FAZIT
Auf das Testgerät hatte ich mich schon lange gefreut – mein erster Synthesizer war der Sequential Prophet-600 in den späten 80er Jahren und mit dem „Prophet-Sound“ verbindet mich bis heute einiges. Erste Überraschung: Noch nie hatte ich eine solch kleine Originalverpackung von Sequential in den Händen. Das Hardware-Design finde ich zwar nicht Sequential-typisch, aber durchaus ansprechend. Bei einer Breite von 56 Zentimetern findet der Kleine irgendwie immer noch Platz auf einem Producer Desktop oder Live-Setup. Mit nur knapp vier Kilogramm ist er auch überraschend leicht – dabei vermittelt sein Stahl-Gehäuse einen sehr robusten und auch dank Anti-Diebstahl-Slot road-tauglichen Eindruck.
Prophet-5 minus 1 – oder welches Konzept verfolgt der Sequential Fourm?
Natürlich soll der Sequential Fourm an den heute wieder erhältlichen Vintage-Synth Sequential Prophet-5 anknüpfen. Nun gut, er hat reichlich Prophet-DNA, klingt aber schon etwas anders als das 1978 erschienene Flaggschiff. Ihr betrachtet den Sequential Forum am besten wörtlich als 4-Voice-Analog-Synth mit polyfonem Aftertouch in Miniatur-Ausführung.
Das Konzept lautet schlicht und ergreifend „Performance-Synthesizer“. So bietet der Fourm ein Panel mit Zugriff auf die zentralen Klangparameter, ein kleines Display, zwei klassische Handräder und als erster Sequential-Synthesizer überhaupt ein Poly-Aftertouch-Keybed. MIDI-technisch ist er bestens in ein Live/Studio-Setup integrierbar.

Nicht alles ist an Board: Bei der Live-Performance werdet ihr die fehlende FX-Sektion vermissen. Der Sequential Fourm integriert nicht einmal Chorus oder Delay. Im Studio ist das aber kein Thema – ihr verwendet sowieso die Plugins eurer DAW.
Wie ist die Klangerzeugung des Sequential Fourm aufgebaut?
Der Sequential Fourm zeigt sich wie ein Prophet-5 mit zwei analogen Oszillatoren einschließlich PWM und Osc-Sync im Prophet-Style, einem resonanzfähigen 4-Pol-Tiefpassfilter mit Bass-Kompensation und Selbstoszillation, zwei analoge ADSR-Hüllkurven für VCA und Filter mit spürbarer Schnelligkeit für perkussive Klänge.
Der globalen LFO hat eine Range von 0.021 Hz bis 556Hz mit mehreren Wellenformen wie Triangle, Sawtooth, Reverse Sawtooth, Square oder Sample&Hold. Der zweite Oszillator kann auch als LFO modulieren – spektakuläre FM-Sounds aber besser nicht erwarten.
Auf einen Noise-Generator (White, Pink, Violet) müsst ihr ebenfalls nicht verzichten und findet das dreifarbige Rauschen auch beim LFO.

Beim Sequential Fourm sind ein Unisono mit bis zu vier Stimmen inklusive Detuning und Chord Memory möglich. Zudem bekommt ihr eine Glide-Funktion sowie einen internen Feedback-Schaltkreis für raue aggressive Klänge. Mit der Mixer-Sektion lassen sich beide Oszillatoren, Feedback und Noise separat regeln.
Praktischer Mehrwert durch Modulation?
Sequential hat sich am erfolgreichen monofonen Vintage-Synth Pro-One orientiert und verpasst dem Sequential Fourm eine ähnliche Modulationsmatrix für ein praktisches Hands-On. Im Klartext bedeutet das: Modulationen sind direkt auf dem Panel ohne lästiges Menü-Diving erstellbar – auch Modulationsrad und Aftertouch lassen sich Performance-orientiert einbinden.

Ihr bekommt zwei einzelne Modulationsbusse in zwei verschiedenen Farben, die sich auch kombinieren lassen. Als Modulationsquellen stehen Filter-Hüllkurve, Oszillator B, LFO und Mod Sequenz zur Auswahl. Die Tonhöhe und Pulsbreite beider Oszillatoren, Filter Cutoff, Amp, LFO- Frequenz und -Intensität sowie per Seq Modulation sind auch Feedback und Mod 1-3 modulierbar.
In der Summe mutiert der Sequential Fourm nicht zum großartigen Modulationskünstler, kann sich sich aber wesentlich mehr als ein Prophet-5 verbiegen und kommt dem Musiker sehr entgegen beim Modulieren.
Arpeggiator und Step-Sequenzer im Fourm kombiniert – was können sie?
Der Sequential Form inspiriert durch einen Apeggiator mit Step-Sequenzer-Modus. Im Grunde basiert er auf den typischen Abspielmodi wie Up, Down, Up+Down oder Random und zerlegt Akkorde über drei Oktaven. Der Arp-Relatch-Modus verhindert, dass der Arpeggiator versehentlich neue Noten hinzufügt.
Alternativ bietet der Arpeggiator des Sequential Fourm einen Mode, in dem er als polyfoner Step-Sequenzer mit bis zu 64 Schritten und Pausen fungiert. Für monofone Acid-Lines spendiert er noch einen Glide pro Step. Noch erfreulicher: Der Sequenzer steht auf Wunsch als Modulationsquelle bereit und ermöglicht interessante rhythmische Klangphrasen.

Anschlüsse des Fourm – Alles vorhanden?
Freilich hat der Sequential Fourm mehr Anschüsse als eine Buche für das externe 12-Volt-Netzteil. Auf der Rückseite finden sich ein Mono-Ausgang direkt neben der Kopfhörerbuchse – bitte die beiden Anschlüsse nicht voreilig mit einem Stereo-Out verwechseln. Hinzu kommen das klassische MIDI-Trio, ein USB-C-Port für MIDI-Kommunikation sowie ein Anschluss für Fußtaster/Schweller. Dieser Pedal-Eingang unterstützt auch Trigger- und Gate-Signale.


























