Am 22. Januar 2026 verlor Francis Buchholz im Alter von 71 Jahren den langjährigen Kampf gegen Krebs. Die bekannteste musikalische Station des 1954 geborenen Hannoveraners war fraglos die Scorpions, mit denen er weltweit riesige Erfolge feierte und zu einem der erfolgreichsten deutschen Musiker überhaupt wurde. Mitte der 80er-Jahre waren die Scorpions auf dem Zenit ihres Erfolges und hatten enormen Einfluss auf nachfolgende Generationen an Musikern. So auch auf mich – das Livealbum „World Wide Live“ war eine meiner ersten Schallplatten und die Basslines von Francis Buchholz waren die ersten, die ich versucht habe, nachzuspielen. Zudem war Francis nicht nur für mich mit seinen wehenden blonden Haaren, dem aufgeknöpften Oberhemd und seinem tief hängenden Bass der Inbegriff eines Rockstars der damaligen Zeit.

Francis Buchholz: Die Anfänge
Francis Buchholz wurde am 19. Februar 1954 in Hannover geboren. Schnell wurde die Musik ein wichtiger Bestandteil seines Lebens und der E-Bass seine große Leidenschaft. Bereits mit 15 Jahren absolvierte er seinen ersten Auftritt mit der Schülerband Blue Carps. Es folgten diverse Blues-, Rock- und Jazz-Bands. Francis war an vielem interessiert und wollte sich musikalisch möglichst breit weiterbilden. Nach dem Abitur studierte er zunächst Maschinenbau an der Universität in Hannover, besuchte aber gleichzeitig Jazzkurse an der Musikhochschule.
Seine aktuelle Band zu dieser Zeit nannte sich Dawn Road – an der Gitarre war ein junger aufstrebender Saitenvirtuose namens Uli Jon Roth zu hören. Leider fehlte der Formation noch ein Sänger und Rhythmus-Gitarrist. So kam es 1973 zur Verschmelzung mit einer anderen Band namens Scorpions, die damals gerade nur noch aus Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolf Schenker bestand.
1974 erschien in dieser Besetzung das erste Album mit dem Titel „Fly To The Rainbow“. Es folgten bis 1980 „In Trance“, „Virgin Killer“, „Taken By Force“, „Lovedrive“ und „Animal Magnetism“. Mit ihren Songs erspielten sich die Scorpions in Deutschland, Teilen Europas und Asiens eine treue Feingemeinde und erarbeiteten sich den Ruf als hervorragende Liveband. „Lovedrive“ wurde sogar mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet.
Auch in den USA erarbeitete man sich viele Fans – „Lovedrive“ stieg bis auf Platz 55 der Albumcharts. Tourneen als Vorband von Ted Nugent oder AC/DC waren der verdiente Lohn, ebenso ein Auftritt beim „Monsters Of Rock“-Festival in Donington.
Was waren die größten Erfolge von Francis Buchholz?
Vor den Aufnahmen zu „Lovedrive“ gab es einen entscheidenden Besetzungswechsel bei den Scorpions. Leadgitarrist Uli Jon Roth verließ die Band; sein Nachfolger wurde Matthias Jabs, der ironischerweise früher Nachhilfeunterricht in Mathematik (!) bei Francis Buchholz bekommen hatte.
Das nächste Album „Blackout“ veränderte dann noch einmal alles: Mit der Single „No One Like You“ katapultierten sich die Scorpions an die Spitze der Charts und das Album wurde in den USA mit Platin ausgezeichnet. Es folgte eine ausgiebige Welttournee, auf der die Band ihren exzellenten Ruf als Liveband weiter ausbauen konnte.
Mit dem Nachfolger „Love At First Sting“ ging es abermals weiter bergauf. Die Singles „Rock You Like A Hurricane“ und „Still Loving You“ wurden weltweite Hits. Das Album wurde in den USA mittlerweile mit dreimal Platin ausgezeichnet und gehört mit über 10 Millionen verkauften Einheiten bis heute zu den erfolgreichsten Rockalben aller Zeiten.
Auf der anschließenden Welttournee füllten die Scorpions bereits Stadien – so auch den berühmten „Madison Square Garden“ in New York mit sage und schreibe 60.000 Fans. Zudem entstand das bereits angesprochene grandiose Livealbum „World Wide Live“, das im Jahr 1985 erschien.
Die Tour zum nächsten Album „Savage Amusement“ begann die Scorpions als zweite Band überhaupt in der Sowjetunion. Das Erlebnis sollte sie nachhaltig prägen, und 1989 kehrten sie zum „Moscow Music Peace”-Festival zurück, wo sie vor 260.000 Fans auftraten. Durch dieses Event mit seiner ganz speziellen Stimmung inspiriert, entstand der Song „Wind Of Change“, welcher 1990 auf dem Album „Crazy World“ erschienen und den Scorpions einen weltweiten Megahit einbrachte.
Francis Buchholz: Trennung und Zeit nach Scorpions
1992 trennten sich die Scorpions dann von Bassist Francis Buchholz. Dieser war bis dahin nicht nur Bassist, sondern auch Geschäftsführer des Scorpions Musikproduktion GmbH. Die juristische Auseinandersetzung um die Entlassung von Buchholz ging über mehrere Instanzen sogar bis zum Bundesgerichtshof, der entschied, dass der Vorgang rechtmäßig war. Grundlage der Auseinandersetzung waren Ungereimtheiten über 9 Millionen Euro aus den Einnahmen des Scorpions. Im Nachgang wurde in den Medien viel „schmutzige Wäsche“ gewaschen – was teilweise sogar bis heute andauert.
Bereits 1978 hatte Francis die Company Rocksound gegründet, welche eigentlich als Backliner-Firma für die Scorpions selbst gedacht war. Doch in den 80er- und 90er-Jahren stattete Rocksound binnen kurzer Zeit auch Tourneen und Festivals anderer namhafter Bands und Artists in Deutschland aus. Sein Talent für das Business pflegte Francis auch nach den Scorpions: In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren war er als Künstlerberater, Artist Manager, Produzent und Musikverleger tätig. Zudem veröffentlichte er im Jahr 1995 das Lehrbuch „Bass Magic“.
Nach einer gewissen Auszeit war Francis auch wieder rege musikalisch aktiv. 2005 kehrte er auf die Bühne zurück und begleitete Gitarrist Uli Jon Roth auf Tournee durch Europa und die USA. Als Bassist und Produzent trat Francis 2008 auf dem Album „Dream And Deliver“ der Band Dreamtide in Erscheinung.
Mit den beiden Weggefährten aus vergangenen Scorpions-Tagen Michael Schenker Herman Rarebell, dem ehemaligen Rainbow-Sänger Doogie White und dem Keyboarder Wayne Findley ging Francis 2012 auf Europa-Tournee. 2013 ging es in derselben Besetzung nach Südamerika, und im gleichen Jahr folgte das Album „Bridge The Gap“. Die Besetzung nannte sich nun „Michael Schenker’s Temple of Rock”.
2015 folgte das zweite Album „Spirit On A Mission“ mit anschließender Tournee durch die USA, Kanada, Japan und Europa. Ein weiteres musikalisches Projekt von Francis war 2015 die All-Star-Band Phantom 5 inklusive der Veröffentlichung eines Albums mit demselben Namen.
Der Hannoveraner Francis Buchholz war verheiratet und Vater von Zwillingen. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Bassisten (wahrscheinlich sogar der erfolgreichste) beziehungsweise Musiker überhaupt. 30 Millionen verkaufte Tonträger und weltweit über 50 Gold- bzw. Platin-Auszeichnungen sowie unzählige Awards sind nur die Eckdaten für eine schier unglaubliche internationale Karriere!
Ruhe in Frieden und danke für deine lebenslange Hingabe an die Rockmusik, lieber Francis!



