Vier dicke Synth-Parts, ein ausgewachsener Mixer, dazu jede Menge Sample-Drums und ein fetter Sequenzer: Mayer EMIs MD850 Vibes ist mehr als Desktop-Synthesizer oder Groovebox; aber für wen eigentlich genau !?

- Breiter, warmer und organischer Grundsound mit viel Bewegung im Stereofeld
- Dickes Synth OS: Wavetable, VA und Resonator mit Dual-Filter
- 24 Stereo-Stimmen, vierfach multitimbral, viele Effekte
- umfangreicher Mixer mit zwei Bussen und External In
- Clip-Matrix: programmierbar über WLAN, Browser, Ipad
- 64 Step Arp mit drei CV-Lanes
- Preset/Performance-Organisation nicht musikalisch/intuitiv
MD850: Vierfach multitimbral, konsequent Stereo, 24 Stimmen
Der Mayer EMI MD850 Vibes ist ein vierfach multi-timbraler und digitaler Synthesizer mit bis zu 24 Stimmen; das sind acht mehr als beim eingestellten großen MD900. Der Signalweg bleibt von den Oszillatoren über die Filter bis zu den Effekten konsequent in Stereo. Die Wandlung erfolgt mit 24 Bit bei 48 kHz sowohl rein als auch raus, Latenz ist nicht spürbar.

Pro Part stehen zwei Haupt-Oszillatoren mit aktuell Wavetable-, virtuell-analoger und Resonator-Synthese bereit, ergänzt um einen weiteren Noise bzw. Multi-Sample Oszillator. Synthese/Sample-Hybrid ist er also auch, da schau her.
Summiert durchlaufen diese drei Stereo-Quellen pro Part nun zwei parallele Multimode-Filter; dazu gibts individuelle Hüllkurven, Amps sowie Waveshaper und jede Menge weitere Effekte für die Klangformung.
Modulations wie beim Modular?!
Drei LFOs und die umfangreiche Mod-Matrix hauchen jedem Part dabei Leben ein. Bei homogener Stimmverteilung bleiben so sechs Voices pro Part. Supersaw gibt es nicht, dafür reichlich variable Wellenformen, FM und AM Optionen sowie umfangreiche Instabilität für´s analoge Feel! Mit über 200% Prozent artete das bereits lässig in Chorus-artiges aus.

Bei Pads, mäandernden Flächen und knorrigen Texturen spielt das Zusammenspiel aus Kontrolle und gezielt provoziertem Chaos seine Stärken besonders aus. Auch die Auswahl an Filtern nach analogem Vorbild ist riesig: Zwischen Moog und Oberheim ist reichlich vertreten – für mich ohnehin die einzig relevanten Filtercharaktere. Alles andere ist vernachlässigbar. Noch geiler wären echte analoge Filter – selbst wenn dafür die Auswahl schrumpfen müsste. Aktuell schaut’s so aus:
- LP24: Stereo Butterworth Tiefpass Filter 24dB
- MG LD12: Moog-Style Transistor Ladder Tiefpass 12dB
- MG LD24: Moog-Style Transistor-Leiter-Tiefpass 24dB
- MG_VCF_LP: Moog-Style VCF Tiefpass 12dB
- MG_VCF_BP: Moog-Style VCF Bandpass 12dB
- MG_VCF_HP: Moog-Style VCF Hochpass 12dB
- SEM_LP12: Curtis-Style Tiefpass 12dB
- SEM_BP12: Curtis-Style Bandpass 12dB
- SEM_HP12: Curtis-Style Hochpass 12dB
- SEM_NS12: Curtis-Stil Notch 12dB
- KG35_LP: legendärer Korg 35 (MS20)-style Filter Tiefpass 12db
Parts A–D: Makros, Filter und viel Spielraum
Das Umschalten und Performen der Parts steht im Mittelpunkt der edlen Bedienoberfläche. Seitenteile aus Vollholz unterstreichen den hochwertigen Eindruck, die Tasten klicken angenehm, und das Gehäuse wirkt solide – ohne das hohle Klappern, das mir bei Elektron-Geräten öfter begegnet.

Der Touchscreen wirkt mit seinen technisch-nüchternen Visualisierungen etwas spröde – gefälliger dürfte das schon sein, aber das ist Geschmackssache. Immerhin lässt er sich auch mit dicken Fingern gut bedienen! Für Übersicht sorgen die farbcodierten LED-Kränze der hochwertigen Push-Encoder: Blau, Grün, Rot und Türkis kennzeichnen die Parts A bis D.
Die Parts sind über die Part-Auswahl direkt erreichbar. Drei Makros sowie Amount, Resonanz und Cutoff erlauben unmittelbare Eingriffe in den Sound; Type und Abfall erreicht ihr per Druck auf die jeweiligen Encoder. Ein Druck auf den Cutoff-Encoder wechselt zwischen den beiden Filtern. Auch die Hüllkurven lassen sich über das Display aufrufen und mit den Encodern darunter bearbeiten. Wert antippen, unten drehen, easy.
Jeder Part lässt sich so detailliert gestalten und einer eigenen musikalischen Rolle zuweisen, ohne dass CPU-Limits die Kreativität unnötig bremsen. Superkomplexe Hüllkurven à la Waldorf fehlen allerdings auch mit Update 5.0 noch. Und echte FM-Operatoren lassen ebenfalls weiter auf sich warten.

Die Makros werden übrigens über die Modulationsmatrix belegt, in der aktuell pro Part 26 Quellen auf 58 Ziele treffen. Die übergreifende One-Knob-Sektion steuert mehrere Parameter innerhalb definierter Regelbereiche gleichzeitig – auch über den aktiven Part hinaus! Split-Zonen, Layer und die Einbindung externer MIDI-Controller erweitern die Performance-Möglichkeiten zusätzlich.
Dank USB-Host lassen sich etwa ein Launchpad, Launch Control oder das Akai Fire direkt anschließen, um Clips und Mixer komfortabler zu steuern. Selbst Hubs werden unterstützt. Das Konzept reicht dabei erstaunlich weit: Theoretisch könnte eine ganze Band sich mit unterschiedlichen Controllern einstöpseln und je einen Part übernehmen, während der Mix-Engineer das Ganze per Browser mischt.
Diese Kombination aus dicken Synths, Performance-Zentrale und fernsteuerbarem Mixer samt Audio/MIDI-Hub ist schlicht einmalig. Die Erfahrung der Firmeninhaber in der Industrieautomatisierung scheint deutlich durch.
Solide Bedienung mit doppelter Shift-Logik
Touchscreen, Encoder und die zahlreich-mehrfach belegten Taster greifen gut ineinander. Nach kurzer Eingewöhnung kommt man schnell voran. Erklärungsbedürftig ist nur die “Doppel-Logik” der Menütaster unterhalb von Display und Encoder: Möchte man zu OSC 1 drückt man zweimal auf OSC, möchte man zu OSC 2 drückt man erst auf OSC, dann auf Filter bzw. die “2”. Ergibt aber Sinn.





ZHUeNT sagt:
#1 - 06.10.2026 um 16:06 Uhr
Wird das Ding von Clavia gebaut, oder hat der Typ nur ihr Teilelager geplündert?