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iOptigan Test

iOS-Music-Apps sind oftmals progressiv, was man beispielsweise an wegweisenden Touchscreen-Bedienkonzepten von Klangerzeugern und DAWs oder etwa an exotischen Synthesearten, die man sowohl im Studio als auch am Strand und selbst auf dem Klo verwenden kann, sehr gut sehen kann. iOptigan hingegen ist zu 100 Prozent retro – eine charmante Mischung aus Heimorgel und Mellotron, die man überall benutzen kann, wo man gerade möchte.

iOptigan_B01_Test


Tatsächlich handelt es sich bei der App um die Emulation eines real existierenden Instruments der 70er-Jahre, dem Optigan. Dieses skurrile und nach meiner Einschätzung nicht sehr bekannte einmanualige Instrument besitzt eine Begleitautomatik, deren Content von einer schallplattenähnlichen „Optigan Disc“ ausgelesen wird – insgesamt existieren beim Original 40 Discs verschiedener Stilistiken. Diese Backingtracks, die durchaus an Mellotron-Aufnahmen erinnern, bilden die Basis zum Melodiespiel mit dem Orgelmanual. All das bietet nun auch die iOptigan-App. Wie hat sie sich im Test gemacht?

Details & Praxis

Klangerzeugung / Content

Die Klangerzeugung basiert auf den Samples der originalen Discs, die allesamt in der App verfügbar sind. 15 Discs gehören zum Lieferumfang beim Erwerb der App, die 25 übrigen Styles können als sogenanntes „Complete Pak“ für ca. sieben Euro als In-App-Kauf hinzugefügt werden. Angaben zur Auflösung des Audioformats sucht man vergeblich, außerdem gibt es keine Infos zur Generierung der Orgelklänge – offensichtlich handelt es sich um geloopte Samples. Im Übrigen variiert der Orgelklang je nach geladener Disc, leider ist kein separater Zugriff möglich, das heißt,  dass sich z. B. Disc „Latin Fever“ nicht mit dem Orgelsound von Disc „Polynesian Village“ spielen lässt – sehr schade. Das folgende Audiobeispiel, bestehend aus einem Zusammenschnitt diverser Disc-Demos, bietet einen ersten Eindruck über die spezielle Ästhetik der iOptigan.

Im Fenster, in dem die Discs geladen werden, gibt es die Möglichkeit zum Kauf weiterer Styles oder des gesamten „Complete Pak“. Der mittig platzierte Switch am oberen Bildschirmrand ermöglicht es, die Disc für Reverse-Effekte falsch herum „einzulegen“.
Im Fenster, in dem die Discs geladen werden, gibt es die Möglichkeit zum Kauf weiterer Styles oder des gesamten „Complete Pak“. Der mittig platzierte Switch am oberen Bildschirmrand ermöglicht es, die Disc für Reverse-Effekte falsch herum „einzulegen“.
Audio Samples
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01 – Disc Demos

Wesentliche Features

Der musikalische Zugriff am Touchscreen erfolgt über drei Zonen: das virtuelle Keyboard für die Orgelklänge, Chord Buttons (dur, moll vermindert) für die Begleitung sowie fünf weitere sogenannte „Special Effect Switches“. Diese triggern in vielen Fällen Drum- und Percussion-Loops oder ergänzende instrumentale Breaks/Licks, wodurch sich in der Summe tatsächlich nette kleine Instrumental-Playbacks erstellen lassen. Weiterhin ist die App mit verschiedenen MIDI-Features ausgestattet, was die musikalische Performance ziemlich erleichtert. Sämtliche Chords, Loops und der Orgelsound sind über ein externes Keyboard definitiv besser spielbar als über mein 9,7-Zoll-iPad. Sehr sinnvoll sind hierbei die Modi zum Spielen der Akkorde. Greift man beispielsweise einen C-Dur Akkord, wird auch der korrekte Chord Button getriggert. Leider erwies sich die MIDI-Funktionalität in meiner Testsituation, in der ich mein iPad über USB im Audio-MIDI-Setup mit meinem MacBook Pro (v10.14.6) gekoppelt habe, als etwas unzuverlässig. Das äußerste sich darin, dass aufgenommene MIDI-Daten nicht immer korrekt wiedergegeben wurden – einen Grund konnte ich dafür aber nicht finden. Eine rudimentäre Aufnahmefunktion gibt es auch innerhalb der App, allerdings ohne wirkliche Nachbearbeitungsmöglichkeiten. Weitere Features von iOptigan seht ihr in den folgenden, selbsterklärenden Abbildungen.

Fotostrecke: 3 Bilder Die Help-Ansicht der App – hier bleiben keine Fragen offen…
Fotostrecke

Sound

Die folgenden Audiobeispiele sind ausschließlich mit iOptigan und der teilweise verwendeten internen Federhall-Emulation auf der Orgel entstanden.

Audio Samples
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02 – Backing „Romantic Strings“ 03 – Jam „Singing Rhythm“ 04 – Disc reverse / Disc regular 05 – Orgelsounds

Fazit

Trotz der genannten Kritikpunkte ist iOptigan eine empfehlenswerte App, die jeden Cent wert ist, sofern man Verwendung bzw. ein Faible für derartige Vintage-Sounds hat! Die Einsatzmöglichkeiten sind tatsächlich vielfältig und reichen vom Kompositionsprozess, für den die Akkordbegleitung auch Discs à la „Singer-Songwriter“ bereithält, bis hin zur legitimen Verwendung der stilbildenden Sounds und Loops in professionellen Musikproduktionen (keine Sampling Libraries). iOptigan ist eine inspirierende und charmante Ergänzung oder auch eine Alternative zum deutlich bekannteren Mellotron. Gleichzeitig ist die App eine Bereicherung für meine iOS-Music-App-Sammlung – vielleicht funkt es ja auch bei euch!
Hier geht es in den App-Store

PRO
  • authentischer Vintage-Sound
  • inspirierende Soundinhalte
  • hoher Spaßfaktor
  • Kompositionshilfe
CONTRA
  • MIDI-Funktionalität im Test etwas unzuverlässig
  • Orgelsounds fest an geladenen Disc gekoppelt
  • „mäßige Produktpflege“ (V1.0 seit mindestens 2 Jahren)
FEATURES
  • iOS-Music-App für iPad und iPhone
  • „multitimbrales“ Prinzip (Backing-Loop-Layers + Orgel)
  • Chord Buttons (dur, moll, vermindert)
  • Spring Reverb Emulation
  • Record und Playback („Sequenzer“)
  • Speed Control
  • optisches Metronom
  • diverse Styles/Sound Packs (25 in der App, 15 über In-App-Käufe)
  • Konnektivität: Stand-alone, Inter-App-Audio
  • MIDI In/Out
Preis:
  • 6,99 EUR
  • optional erhätlich: „Complete Pak“ (In-App-Käufe) 6,99 EUR

Unser Fazit:

Sternbewertung 3.5 / 5

Pro

  • authentischer Vintage-Sound
  • inspirierende Soundinhalte
  • hoher Spaßfaktor
  • Kompositionshilfe

Contra

  • MIDI-Funktionalität im Test etwas unzuverlässig
  • Orgelsounds fest an geladenen Disc gekoppelt
  • „mäßige Produktpflege“ (V1.0 seit mindestens 2 Jahren)
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von Peter Könemann

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